Direkt zum Hauptbereich

Nur nicht aufgeben! (Karsamstag)



Ihr führt mein Volk in die Irre, wenn ihr ruft: "Wir werden glücklich und in Frieden leben!" Doch es gibt keinen Frieden! Mein Volk hat eine dünne Schutzwand aus losen Steinen aufgeschichtet, und ihr habt sie mit weißer Farbe übertüncht, als sei sie eine feste Mauer. Ihr Schönfärber!
(Hes 13,10-11)

Spöttisch werden sie Euch fragen: "Wo ist denn nun euer Christus? Hat er nicht versprochen, dass er wiederkommt? Schon unsere Väter haben vergeblich gewartet. Sie sind längst gestorben, und alles ist so geblieben, wie es von Anfang an war!"

(2Petr 3,4)




Lies die Texte mehrere Male und bitte den Heiligen Geist, Dich zu leiten.




Herr, nun bist Du fort. Die Jünger, die Dir damals gefolgt sind, haben Dich gestern sterben sehen. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein. Alle Hoffnung war dahin. Die Wunder, das Übernatürliche, die weisen Worte - weg. Alles aus. Der Tod, das Leid, das Militär, die verlogenen Führer, das korrupte System schien voll und ganz gesiegt zu haben. Die aufgekeimte Hoffnung ist erloschen. Du warst weg. Man hätte zu Deinem Grab gehen können, und wäre Soldaten begegnet, die mit höhnisch-amüsiertem Grinsen das Entlaufen eines Toten verhindern wollen. Und die seelengemarterten Jünger und Jüngerinnen? Sie versuchten, mit der Ungewissheit fertigzuwerden, neue Orientierung zu finden, sich mit Deinem Tod zu arrangieren, und rührten luxuriöse Salben an, um zumindest das Gefühl zu haben, etwas sinnvolles zu tun.


Für uns heute scheinst Du ebenfalls weit weg zu sein. Wir leben in diesem kuriosen Zwischenstadium. "Na? Wo isser denn jetzt, Euer Jesus?!" Keiner glaubt so wirklich, dass Du nochmal auftauchen könntest. Oft genug begegnen auch wir diesem höhnisch-amüsierten Grinsen, wenn Aufgeklärte mitbekommen, dass wir an einen vermeintlich Toten glauben. Man weist uns auf die Kirchenmacht in den Geschichtsbüchern, die blutigen Auseinandersetzungen hin. Der 30-jährige Krieg, der zur antireligiösen Aufklärung führte. Die Welt glaubt, den ersehnten Frieden schon selbst irgendwie hinbiegen zu können. Politik und Diplomatie ist stärker als Glaube an einen Gekreuzigten, predigt man uns zwischen den Zeilen. Sie will uns glauben machen, dass wir doch auch so glücklich und in Frieden leben! Die Welt will uns auch glauben machen, dass unser Wert nur von den korrekten Emblemen auf unseren Autos, Handys oder unserer Kleidung abhängt. Sie will uns glauben machen, dass uns die Lektüre des neuesten Media-Markt Blättchens glücklicher macht als die der Bergpredigt. Und das ist ja längst nicht alles. Dann sind da Naturkatastrophen, Völkermorde, Radioaktivität. Tausende, zehntausende, Hunderttausende von Toten. Addiert man die Opfer aller Kriege dazu, zu wird die Summe allen ausradierten Lebens untragbar schwer. Jesus, der Heiland der Welt?! Von wegen Heil. Ein schwerer Stein scheint vor die Gräber der Toten gerollt worden zu sein, der von unüberwindbar starken Mächten bewacht wird, damit ja keiner auf die Idee kommen könnte, irgendwelche religiösen Geschichten zu erfinden. Und wie arrangieren wir Christen uns mit Deiner physischen Nichtpräsenz? So langsam aber sicher beginnen wir, der Welt zu glauben. Grad wie die Jünger damals. Du warst tot; nun bist Du weg. Wir wollen es zwar nicht wahrhaben, aber irgendwie tun wir es doch. Oft geben wir uns selbst nur den Anschein, etwas sinnvolles zu tun. Wir rühren ebenso im Luxus herum wie die Welt. Wir geben uns selbst das Gefühl, damit schließlich auch etwas sinnvolles zu tun. Und morgen, Herr, ja, morgen, morgen wollen wir losziehen und Dich mit unserem Luxus salben um Dich etwas glänzender daliegen zu lassen.


Oh Herr, vergib, dass wir so lau sind wie Laodizea, die letzte der sieben Gemeinden in der Offenbarung. Wir wollen doch Deine Stimme hören! Wir wollen Dich hereinlassen! Wir wollen, wie erst vorgestern noch, das Abendmahl mit Dir feiern, wieder und wieder. Wir wollen den Karsamstag überwinden mit den Worten: "Ich bin voll dabei, Herr. Hier ist mein kompletter Einsatz. Nimm ihn! I'm all in!"

weiter zu Ostersonntag

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

10 Dinge, die's vor 10 Jahren noch nicht gab (und warum das so wichtig für Gemeinden ist)

Herzlich willkommen im Jahre 2017!  Ich hoffe, Ihr seid gesund herübergekommen und habt allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen. Als wir vor 10 Jahren das erste Mal Silvester in Schweden feierten, hatten wir gerade erst damit angefangen, Ansätze und Ideen für die Gemeinde der Zukunft zu entwickeln. Aus einem kleinen, bayerischen Dorf kommend kam es uns damals grad so vor, als seien wir selber direkt in die Zukunft gezogen. Doch heute möchte ich Euch 10 Dinge vorstellen, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab - bzw. von denen zu Silvester 2006 noch keine Rede war. Wenn Ihr die Liste seht, werdet Ihr manchmal denken: ”Echt jetzt?! Das gab’s da noch nicht?!” In der Tat, es ist schwer zu glauben. So sehr haben wir uns heute an so manches gewöhnt. Legen wir los: Nummer 1: YouTube Streng genommen wurde YouTube schon 2005 gegründet, aber vor 2007 hat’s in unserem Teil der Welt kaum jemand beachtet. Heute ist eine Welt ohne das Videoportal undenkbar: Rezepte, T...

Fromme Schöpferkraft

Selig sind die Füße! Solange sie nicht abbrechen vom Freudenboten. Jahrhundertelang waren Christen in Sachen Kunst und Einfallsreichtum ihrer Zeit meilenweit voraus. Denken wir nur mal an die bildende Kunst. Denken wir überhaupt mal an das ganze akademische Bildungssystem. Denken wir an die unterschiedlichen Alphabete. An das musikalische Notensystem, an die Sozial- und Gesundheitssysteme westlicher Gesellschaften. Alles von Christen erfunden, alles aus biblischen Werten erwachsen. Da müssen überheblich säkulare Besserwisser mal ganz kleinlaut ihre große Klappe halten. Aber dann. Dann müssen entweder Gott oder uns die Ideen ausgegangen sein. Wir haben mit unserem Schöpfergeist das Beste der Staaten Europas gesucht, doch seit der Aufklärung ist uns wohl immer mehr die Phantasie eingetrocknet. Wo sind sie bloß, all die wegweisenden Erfindungen der Christen der vergangenen 150 Jahre? Es ist die Welt und nicht die Gemeinde, welche heute für ihre Originalität und Phantasie bekannt is...

Hochsommer

Wir wissen gar nicht, wie uns geschieht. Seit Wochen genieβen wir hochsommerliche Verhältnisse. Am 01. Mai hat es zum letzten Mal geregnet. Die Wiesen vertrocknen. Man könnte fast täglich baden gehen. Alles hat natürlich auch seine Kehrseiten: Es gibt schon einige Waldbrände, auch ganz in unserer Nähe. Vor ein paar Tagen zog so dichter Rauch durch unsere Siedlung, dass die Augen tränten. Aber man hat es in den Griff gekriegt. * * * We really don’t know what is going on in “cold Sweden”, for weeks we have it very summery. Our last rain we had the first of May. Lawn is getting brown. You could go swimming every day. On the other side of the coin there are forest fires. Some have been fairly close to us. A few days ago we had smoke in our neighborhood as thick as it made your eyes watering. But the fire brigade got it soon under control.