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Es werden Posts vom März, 2014 angezeigt.

Gemeindegründung 2020

Diese Zeilen schreibe ich aus einem dahinbrausenden Zug - auf dem Weg nach Örebro. Diese Woche sind "Örebrotage"; zweimal jährlich kommen sämtliche Studenten und Lehrer der Akademie für Leiterschaft und Theologie aus allen Himmelsrichtungen Schwedens zusammen. Dieses Mal ist auch wieder Auftakt zum Kurs Gemeindegründung, den ich unterrichte.

Für 2014 habe ich den kompletten Inhalt über den Haufen geworfen und neu zusammengestellt. In den wenigen Jahren, die wir in Schweden sind, hat sich schon wieder so viel verändert. Die Menschen denken anders, empfinden anders. Gemeindegründer sind Kulturarchitekten die Neues in das Bestehende einbauen. Sie sind kreative Lichtkünstler, welche die alten Naturen im Licht der Gnade neu in Szene setzen. Die alte Schule der Gemeindegründung ist viel zu statisch, erinnert mich nicht selten an Firmen- oder Vereinsgründung, und so funktioniert es nur noch für einen kleinen Teil der Bevölkerung. Gemeindegründung darf nicht nur die Einpflanzung ei…

"Ich aber sage Euch..."

Nein, ich bin kein Freund der Fastenzeit, wie wir sie kennen. Noch nie gewesen, ich geb's ehrlich zu. Papst Gregor der Große mag sich im 6. Jahrhundert ja wirklich was dabei gedacht haben, als er diese 40-tägige Fastenperiode einführte und ich will's nicht schlechtreden, doch für mich ist noch nie was Nützliches dabei rumgekommen. Meistens fühlte es sich kirchenkünstlich aufgesetzt an.

Auf der anderen Seite bin ich überzeugter Verfechter geistlicher Übungen (und fasten ist nichts anderes als eine geistliche Übung). Geistliche Übungen sind ein Fitnesstudio für die Seele: Man trainiert und schwitzt, um stärker und schöner zu werden. Wenn die Seele auf Kraft und Schönheit trainiert wird, wird man automatisch wieder ein bisschen mehr wie Gottes Spiegelbild, denn Gott ist der stärkste und schönste von allem. Und in jedem Studio gibt es Geräte und Übungen, die einem mehr liegen als andere.

Meine geistliche Trainingmaschine, die ich gerade wieder aufsuche, ist das Auswendiglernen. …

H2O-Wert Nr. 5: Spaß

Absolut richtig, das Wort "Spaß" kommt in der Bibel nicht vor - abgesehen von Richter 16, 25 (aber solche Späße meinen wir eigentlich auch nicht). Trotzdem - H2O war von Anfang an spaßig. "Vollgas für Jesus und gleichzeitig das Leben genießen" - so hat uns mal jemand beschrieben, ich glaub', es trifft den Kern ganz gut. Sind wir Christen schließlich nicht schon bekannt genug dafür, dass wir gegen alles sind, was Spaß macht?! Kennt man uns nicht sowieso schon als ernste, tiefsinnige Philosophen, stets bemüht, das Böse zu überwinden? Hat man nicht schon oft von Sündenkatalogen mit Listen verbotener Dinge gehört? Handelte nicht auch "Der Name der Rose" von der Angst der Christen vor dem Verlust des nötigen Ernstes?

Nun, griesgrämige Muffel, zu denen ich mich auch selbst leider nur allzuoft auch zählen musste, ködern keine postmodernen Heiden mehr, so gehaltvoll man auch sein mag. "Bessere Lieder müssten sie mir singen, daß ich an ihren Erlöser glau…

H2O-Wert Nr. 4: Kreativität

Also, wenn man wirklich was mit Fug und Recht über H2O behaupten kann, dann dass wir kreativ sind. Über all die Jahre versuchten wir unermüdlich, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen, Altes anders zu machen, Unbekanntes zu probieren. Dabei sollte man nicht unbedingt Angst vor Fehlern haben, denn bei "Versuch und Irrtum" gehört der Irrtum zum Konzept. Das experimentelle Arbeiten kann schon mal in die Hose gehen - doch grad' dabei können die tollsten Sachen herauskommen. Zum Beispiel der Kleber an den Post-It-Zettelchen, der eigentlich ein Superkleber werden sollte. Als solcher hat er hoffnungslos versagt - und doch die ganze Welt erobert.

Die Welt hat H2O wir noch nicht erobert, aber wir sind glücklich über die kreativen Freiheiten, die bei uns herrschen. Deshalb waren sich alle einig: H2O war schon immer kreativ soll's auch immer bleiben. Wir möchten nicht doch irgendwann in starren Mustern hängen, die Fantasie vertrocknen lassen und heilige Kühe mästen. Wer bei …

H2O-Wert Nr.3: Erneuerung

Wenn man fünf Grundwerte hat, dann liegt Wert Nummer drei genau in der Mitte. Der dritte unserer Grundwerte ist eigenlich das Zentrum, das worum sich alles dreht; der Grund, warum wir den ganzen Aufwand überhaupt betreiben. "Erneuerung" kling jetzt nicht gerade vom Hocker hauend, doch was wir mit Erneuerung meinen ist Auferstehung. Die Auferstehung macht Jesus zu etwas einzigartigem, was niemand sonst bieten kann. Wegen seiner Auferstehung ist er es wert, gehört und nachgefolgt zu werden. Die Auferstehung ist der Beginn der neuen Schöpfung, die eines Tages das ganze Universum verändern und vom Fluch des Sündesfalls befreien wird. Und nicht zuletzt macht die Auferstehung es erst möglich, dass wir innerlich schon hier und jetzt Erneuerung und heilende Veränderung erfahren dürfen: Vergebung und Gnade, Neuanfang und Wiedergeburt, Leben in der Kraft des Trösters, welcher erst nach der Himmelfahrt kommen konnte. Hoffnung, Licht, neues Leben plus all die schon genannten Begriffe, …

H2O-Wert Nr. 2: Spiritualität

Der Mensch ist ein geistliches Wesen. Es gibt keinen Menschen ohne Glauben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass jeder Mensch gleich viel glaubt. Die großen Unterschiede liegen im Inhalt, in der Qualität des Glaubens, nicht der Quaintität. Der Glaube eines charismatischen Pfingstlers, eines sunnitischen Imams, eines esoterischen Heilers und eines epikuräischen Atheisten ist wahrscheinlich für alle ungefähr gleich groß. Und für alle hat er gleichgroße wenn auch sehr unterschiedliche Auswirkungen auf den Alltag. Wir leben immer, was wir glauben.

Zwei Problemchen stellen sich uns heutzutage in den Weg. Erstens, viele wissen gar nicht, was sie eigentlich glauben. Die allermeisten sind verloren im Sinne von verirrt. Wer sagt, er glaube an nichts, hat eigentlich nur noch nicht herausgefunden, auf welcher Glaubensgrundlage sein oder ihr Leben in Wahrheit funktioniert. Vieles im Leben wäre aber leichter zu nehmen, wenn wir uns selbst besser verstünden. Zweitens, nicht wenige be…

H2O-Wert Nr. 1: Beziehungen

"Never sacrifice relationship for a task" - opfer nie eine Beziehung für eine Aufgabe, dieses Mantra habe ich 2005 während unseres Praktikums in Glasgow gelernt. Für einen (a) aufgabenorientierten, (b) eher introvertierten, (c) deutschen (d) Mann wurde das für mich sofort ein Spannungsfeld zwischen zwei Extremen, aber es hat sich immer richtig angefühlt und ich wollte mich herausfordern lassen. Ich hatte sofort eingesehen, dass gerade wir Christen in Sachen Beziehung doch wohl vorbildlich sein müssten. Aber wir sind es nicht. Gerade Menschen aus den Kategorien (a) bis (d) verstecken sich gerne hinter ihren Aufgaben, wenn Beziehungsarbeit eigentlich wichtiger wäre.

CA ist ein äußerst beziehungsorientiertes Grüppchen. Hat mich als (a)bis(d)'ler oft gestresst. Echt jetzt. Doch in kleinen Schritten lernte ich, manche Aufgabe unterbrechen oder sogar ganz liegenlassen zu können, um die gewonnene Zeit einem Menschen zu widmen. Das müssen nicht immer gleich Problem- oder Seelso…

H2Os Grundwerte: Keine wässrige Sache

In einem längeren Prozess haben wir H2Os Grundwerte festgestellt und formuliert. Jawohl, festgestellt, nicht aufgestellt. Wir hielten es nämlich für sinnlos, irgendwelche tollen Punkte zu beschreiben, die alle super, biblisch und richtig klingen und wir uns alle so sehr wünschen würden. Derartige Grundwerte haben die Tendenz, in dunklen Schubladen zu verschwinden, um dort als wohlgemeinte Theorie vergessen zu werden.

Um H2Os Grundwerte zu formulieren, haben uns zwei Leitsätze geführt. Erstens: Wenn wir auf unsere H2O-Zeit seit 2006 zurückblicken, was war durchgehend immer wichtig und hatte in allen Phasen stets hohe Priorität bei unseren Entscheidungen? Zweitens: Man darf niemals mehr Grundwerte haben als Finger an einer Hand. Nur dann kann jeder normalsterbliche H2Oler sie sich dauerthaft verinnerlichen; nur so bleiben es echte Werte. Was waren also die maximal fünf allerwichtigsten Werte für uns?

Wir wünschen uns drei Dinge von unseren Grundwerten. Erstens, wie schon erwähnt, dass …

Langsam sind wir da, wo wir immer hinwollten

Im letzten Post zitierte ich etwas aus H2Os Absichtserklärung (oder wie übersetzt man "mission statement" gescheit ins Deutsche???). Darin ist auch zu finden, dass wir eine Reihe unterschiedlicher Räume schaffen wollen, wo Menschen ihren Glauben neu entdecken und sich Jesus nähern können.

Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass das sofort, oder sagen wir "so bald wie möglich" geschieht. Spätestens als wir uns auf die zweijährige Phase "versammeln" (MAP) konzentriert haben. Nun, im hohen Norden wachsen Bäume nicht so schnell. Und manches andere auch nicht. Wir waren gezwungen, Geduld zu lernen. Doch nun, nach fast acht Jahren pausenlosem Einsatz, wird H2O ein genau solcher Raum. Menschen wagen sich her, um den Glauben zu entdecken. "Ich bin noch nicht so weit" oder "Ich glaube, ich habe meine Religion wiederentdeckt" sind Aussagen, die wir hören. Von unregelmäßigen bis mittelmäßig-regelmäßigen H2O Besuchern kommt so was. Und das wunde…

Türchen tun sich auf

Nein, es ist alles andere als Advent, und doch fühlt es sich nach Erwartung und geöffneten Türchen an (keine Türen und erst recht keine Tore). Letzte Woche hatte ich eine Einladung in die Mediengruppe der hiesigen Oberstufe erhalten, um dort das Filmprojekt vorzustellen. Die Hoffnung darauf hatte ich schon aufgegeben, und dann tat sich dieses Türchen ganz von selbst auf. Gestern hatten wir außerdem einen neuen, jungen Besucher bei H2O, der die hiesige Scene mehr oder weniger auswendig kennt und ebenfalls helfen möchte, zu rekrutieren. Ein weiteres, unerwartetes Türchen. Wie hatten wir nicht vor Jahren in unserer Selbstbeschreibung formuliert:

Warum sind wir hier? Weil wir Gottes Leitung folgen. (siehe vollständigen Text in der Spalte rechts)

Er leitet, Er setzt den Ton, das Tempo, die Richtung. Und wir folgen und sehen, was Er daraus macht. Vielleicht ist all das ja nur eine riesige Geduldsprobe...