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Es werden Posts vom Mai, 2017 angezeigt.

Gebetskrücken

Wenn's dick kommt, leidet das Gebet. Soviel ist sicher. Es erfordert Disziplin, aus überquellenden Terminkalendern regelmäßige Gebete auszugraben, die mehr sind als nur Stoßgebete. Und wenn man mal kurz Zeit hätte, zum Beispiel im Bus oder Wartesaal, fehlen die betenden Worte. Man ist müde und das Hirn zu blank zum Beten.

In den letzten Jahren habe ich versucht, Wege zu finden, mein Gebet trotz langer, voller Tage zu fördern. Denn ein lebendiger Kontakt zu Gott ist (über-) lebenswichtig für mich. Lobpreismusik hilft mir nicht, meist weil mir die ewig sonnigen Texte zu flach und zu ich-mir-mein-mich-bezogen sind. Sie spiegeln kaum mein Seelenleben wider.

Vor Jahren entdeckte ich eine unerwartete Ressource: Das Stundengebet. Erst war ich etwas empört, dass so viele schwedische Freikirchler so bereitwillig eine "katholische" Tradition in ihr Gebetsleben einbauten. Außerdem reagiere ich seit dem Konfirmandenunterricht in der evangelischen Landeskirche immer noch allergisch …

Wenn der Tod kommt

Jeder wünscht sich eine heile Welt. Der sprichwörtliche "Himmel auf Erden" wurde so oft besungen und rezitiert, dass er wie ein Kaugummi schmecken muss, das von einer ganzen Schule seriell durchgespeichelt und ausgelutscht wurde. Und dennoch nimmt man es gerne noch einmal selbst in den Mund. Unsere Himmelssehnsucht ist ein merkwürdiges Geheimnis.

Ganz besonders wünschen sich Eltern eine heile Welt für ihre Kinder und erlauben ihnen deswegen kleine Freuden und Freiheiten - so schrieb die Süddeutsche gestern nach dem Attentat in Manchester. Doch wenn gerade bei diesen Freuden unsere heile Welt zerfetzt wird, kommt die Erschütterung und damit die Fragen. Fragen, auf die es keine einfache Antworten gibt.

Die ohnehin nicht leichten Antworten fallen umso schwerer, wenn man sie nach der Explosion, nach dem Unfall, nach dem plötzlichen Tod finden will. Irgendetwas in uns hatte es nicht zugelassen, solche Fragen zu stellen, als noch die Sonne schien. Irgendwie waren wir nicht in der…

Wenn die Bomben näher fliegen

Gestern Abend ging wieder eine Bombe hoch. Dieses Mal traf es Manchester in England. Wahrscheinlich war es eine Nagelbombe, die 22 Menschen in den Tod riss und über 60 verletzte. Diese Bombennachricht fühlt sich anders an als andere zuvor: Unser Sohn lebt in Manchester.

Er war nicht auf dem Konzert. Ariana Grande ist weder sein Musikstil, noch hatte er am Abend vor wichtigen Examen die Zeit dazu. Doch wir sehen die Einschläge näher kommen: Das erste Attentat in einer Stadt, in der Familie ersten Grades lebt. Wir sehen ein: Theoretisch kann es jeden von uns treffen.

Ich persönlich empfinde deswegen nicht mehr Angst oder Unruhe. Denn ich weiß spätestens, seit ich in einer Unfallklinik gearbeitet habe, dass man von Bullen aufgespießt, Müllwagen zequetscht oder von Feuerwehrleuten mit der Schippe umgehauen werden kann. Es kann jedenjederzeit treffen. Und so wie es wahrscheinlicher ist, vom Blitz getroffen zu werden als mit dem Flugzeug abzustürzen, so wird man eher von einer Kuh totgetra…

Fertig.

Wenn über Wochen nichts oder nur wenig auf meinem Blog zu lesen ist, dann ist das kein gutes Zeichen. Denn Blogartikel schreibe ich in erster Linie für mich selbst, weniger für die Öffentlichkeit. Ich schreibe als Übung zum Ordnen meiner unfertigen Gedanken. Der Blog ist mein Canvas. Wenn hier also nicht gekleckst wird, dann gab's auch keine unfertigen Gedanken. So einfach ist das. Dann gab es nur fertige Gedanken. Das ist schlecht. Denn fertige Gedanken sind nicht nur schon da und geboren, sie sind schon lange da. Alt sind sie. Alte Bekannte.

Fertige Gedanken sind längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Sie sind erwachsen, kennen den Ernst des Lebens. Haben Erfahrung und Falten, aber nichts Spielerisches mehr. Fertige Gedanken erwartet man von einer Kanzel. Von einem fertigen Prediger.

Unfertige Gedanken sind hingegen wie Kinder. Sie sind laut und springen herum. Sie haben Zeit, viel Zeit. Und sie brauchen Zeit. Zeit zum Spielen. Zum Ausprobieren. Zeit zum Entdecken. Und z…

Gemeinde und "Flüchtlingskrise"

Gebetsclip April