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Let's Dance!

Oder: Auch Alte können Tango tanzen 

"Du bist aber nicht gerade der typische Veganer!" sagte die attraktive 22-jährige völlig verwundert zu mir, nachdem sie erst die Cashew-Gryta auf meinem Teller sah und daraufhin ein anderer Herr am Tische sie väterlich aufklärte: "Marcus ist ein..., ein Veganer." Der herzerwärmende Charakter dieser kurzen Unterhaltung musste mir ins Gesicht geschrieben stehen, denn mein erfreutes "Ach nein? Warum nicht?" beantwortete sie mit entwaffnend großer Offenheit: "Naja, erstens bist du ein Mann. Zweitens ein Christ. Und drittens alt."

Bingo.

Ich bedankte mich dreimal. Schießlich hatte sie meine Männlichkeit, meinen Glauben und mein Alter vor allen Anwesenden respektiert. Das sind Momente, die vergisst man nicht. Und sollte sie danach noch auf die Idee kommen und fragen, warum ich denn vegan sei, dann wäre das gerade so, als böte mir jemand einen schottischen Single-Malt und einen guten Zigarillo auf der Sommerveranda …
Letzte Posts

Aprilclip

Zeit zum Aufhören

Interessant, dass im Deutschen das Wort aufhören mit hören zusammenhängt. Das muss man einem Ausländer, der sich ohnehin völlig verzweifelt durch die deutsche Sprache samt Grammatik gräbt, auch erstmal erklären! Warum sind aufhören und aufhorchen zwei völlig verschiedene Begriffe?!

Andererseits war ich versucht, hier ein Foto unserer Jagdhündin zu posten. Ich hab's aber nicht gemacht, weil ihre wunderschöne Nase ja erst im Januar zu sehen war. (Nicht, dass sie auf ihre alten Tage noch eingebildet wird.) Denn wenn Zera, so heißt sie, etwas wittert, vernimmt oder eben hört, dann hört sie buchstäblich auf, stellt die Ohren spitz, den neigt Körper in erwartungsvoller Spannung leicht vor, bereit, jederzeit loszusprinten; doch bevor es soweit ist, muss sie sich erst Orientierung verschaffen, muss genau wissen, in welche Richtung es gehen wird, und das Aufhorchen zwingt zum Aufhören mit allem, was sie gerade eben so beschäftigt haben mag. Ach, was hat mich diese Hündin nicht alles geleh…

Märzclip

HUCH!

Da hatte ich beim Februarclip ja gar nicht auf veröffentlichen geklickt...

Der Preis des Optimismus

Hast du dich schon mal gefragt, warum es zu wenig Bekehrungen gibt, um die Gemeinde im Westen wieder wachsen zu lassen? Neue Erkenntnisse geben eine plausible Erklärung.


Kontext ist King

Bevor hier bald ein Post über den "Preis des Optimismus" erscheint, halte ich es für angebracht, einige Bemerkungen zum vergangenen Gebetsclip zu machen. Es gibt nämlich eine gewisse Unkenntnis darüber, was (Winter-) Depression ist bzw. nicht ist und ich möchte gern vermeiden, dass der kommende Beitrag unter falschen Annahmen gedeutet wird. Depression ist in Schweden besonders im Winter weit verbreitet, deshalb mach ich's kurz und beschränke mich nur auf das, was mich betrifft.

Zunächst: Es handelt sich in meinem Fall um zeitlich begrenzte Episoden einer Gemütskrankheit (affektive Störung) mit leichtem bis mittelschwerem Grad. Obwohl es physiologische Gründe hat, d.h. Störungen im Hormonhaushalt aufgrund der hiesigen Lichtverhältnisse, spielen seelische und geistliche Einflüsse auch eine Rolle. Der unbalancierte Hormonhaushalt kann in meinem Fall nicht einfach ausgeglichen werden (z.B. das fehlende Hormon durch Pillen ersetzen), hingegen wäre es leicht, sich Psychopharm…

Der Elite ausgeliefert?

(mit wichtiger Fußnote...!)

Neulich hatte ich ein längeres Treffen mit einem Trump-gut-Finder, Brexit-Befürworter und Sehr-überzeugter-Fleisch-Verzehrer. Es ist eine liebenswürdige, weitgereiste, nicht unerfahrene Person, mit der ich schon seit Jahren in Kontakt bin. Mir war bekannt, dass dieser Mensch vegetarisch für Blödsinn und vegan für hirnverbrannt hält, darüber hatten wir schon letztes Jahr gesprochen. Doch der Rest war mir neu. Schwedische Trump- und Brexitanhänger sind hier nämlich Raritäten - erst recht solche, die offen dazu stehen und es im Gespräch mit "Andersgläubigen" ungeniert zuzugeben wagen. Doch vermutlich fühlte sich mein Freund in meiner Gegenwart sicher genug, mal wieder über alles offen reden zu können.* (Ganz nebenbei: Achtung, hier war die wichtige Fußnote!) Ich witterte eine einzigartige Chance zum Lernen und Verstehen. So begann ich, nachzufragen.

Ich erfuhr, dass die Eliten der Welt für das ganze Chaos auf dem Globus verantwortlich sind. Das hatt…

Fisch im Toten Meer!

Stockholm, Freitag, 21:00 Uhr. Tagesabschluss und Abendandacht. Die Teilnehmer des aktuellen Forgekurses*, die sich ein ganzes Wochenende dem Thema "Evangelisation" widmen, blicken erwartungsvoll auf mich. Was ist heute überhaupt Evangelium? Wie kann ich diese zukünftigen, motivierten Gemeindegünder vor mir animieren, wirklich Gute Nachricht zu sein? Gute Nachricht zu leben? Und zwar in einer Zeit, wo Menschen von globalen Ängsten getrieben werden und "Jesus starb für deine Sünden!" eher wie ein altes Kaugummi auf der Straße und weniger als wohltuende Nachricht wirkt? Solche Kaugummis will sich gewiss keiner mehr in den Mund stecken.

Zunächst erkläre ich, warum ich letztes Mal nicht dabei sein konnte. Während des letzten Stockholmer Kurswochenendes im November war ich nämlich gerade am Toten Meer. Genau gesagt, bei einer Oase namens En Gedi. Dort habe ich gelernt, dass das ohnehin schon Tote Meer gerade nochmal stirbt. Wenn nämlich nichts passiert, ist in 50 Jahr…

Erster Gebetsclip 2019

Der Teufel im Detail

Vorgestern legte ich mein Abendbrot auf genau die Zeit, um die Brexit-Abstimmung des britischen Unterhauses per Livestream mitverfolgen zu können. Ach, welch unterhaltsames, fast schon amüsantes Schauspiel sind die streitenden Abgeordneten an der Themse doch immer! Man könnte laut loslachen - wüsste man nicht, dass das Schicksal eines ganzen Landes von diesem Theater abhängt.

66 Millionen Briten plus ungezählte weitere Betroffene - EU-Bürger in GB, Briten in der EU, Handelsbeziehungen und was nicht alles. Dagegen steht Trumps Shutdown, der ja nur wenigen Millionen Kopfschmerzen macht, fast schon richtig bescheiden da. Doch das Prinzip ist dasselbe. Erst neulich analysierte die New York Times, dass die USA und Großbritannien noch nie so synchron in ihren Problemen waren wie jetzt. Und wenn die NYT die Berichte ihrer schwedischen Kollegen lesen, werden sie dort auch nichts Gutes entdecken. Der Versuch einer Regierungsbildung seit der letzten Reichstagswahl anno dazumal ist ein einziges…

SAD Brexit

Sad bedeutet traurig, SAD steht aber auch für Seasonal Affected Disease, jahreszeitlich bedingte Krankheit. Für mich eine Art Berufsverletzung, denn ich zähle erst zu den SAD-Betroffenen, seit wir nach Schweden gezogen sind. Diesen Winter traf mich die Depression unerwartet früh und hart. Dafür sind einerseits die üblichen Licht- und Hormonprozesse verantwortlich, wie ich sie vor zwei Jahren schon kurz beschrieben hatte. Doch heuer gab's noch ein paar erschwerende Faktoren als kostenlose Zugabe.

Wie zum Beispiel die Brexitabstimmung des britischen Parlaments, die wie ein Damoklesschwert über uns schwebt und heute Abend wohl stattfinden wird. Brexit ist ein Synonym für Torheit und Absurdität, da ein paar Blender und Scharlatane mit Lügen und Unwahrheiten ein ganzes Land, eine kräftige und stolze Gesellschaft, in existenzbedrohende Krisen stürzen könnten. Der britische Historiker Anthony Glees vergleicht die Lage in einem heute veröffentlichten Interview mit den Bolschewiken bei der…

Warum gute Vorsätze (k)ein Blödsinn sind

Weniger essen, mehr Sport. Weniger Stress, mehr Ruhe. Mehr beten, weniger sorgen. Die Lister aller 2017 geborenen Vorsätze scheint unendlich zu sein. Die Liste der Todesopfer? Nur unwesentlich kürzer. Wenn's hoch kommt, überlebt nur ein 1% den Frühling.

Gute Vorsätze enthüllen zweierlei. Erstens, unsere tiefe Sehnsucht nach Veränderung. Im tiefsten Herzen werden sie gezeugt und zu Silvester geboren. Wer nämlich gar nichts Verbesserungswürdiges an seinem Leben findet, macht auch keine Vorsätze. Zweitens, unsere gefühlte Machtlosigkeit, die ersehnte Veränderung auch wahr werden zu lassen. Gute Vorsätze sind Leckerlis für Schweinehund, den inneren. Manche nehmen's mit Humor. Andere geben auf und halten gute Vorsätze fortan für völligen Blödsinn.

Ich gehör wohl zur zweiten Kategorie. Habe schon vor vielen, vielen Silvestern aufgehört, gute Vorsätze zu fassen. Oder sollte ich besser sagen: aufgegeben?  Es schwingt schon eine Portion Resignation mit, wenn man überzeugt ist, dass e…

Selig sind die Friedensjäger

Seit Israel bin ich entschlossen, ein wenig Hebräisch zu lernen. Deshalb nutze ich grad jede Gelegenheit, alttestamentliche Worte im Original zu studieren.  Zum Beispiel Psalm 34,15. Da steht tatsächlich "nachjagen", wenn es um "Shalom" geht. Ich finde es schon irgendwie lustig, dass ausgerechnet der Friede "gejagt" werden soll. Es klingt fast so, als solle er erlegt und als Trophäe tot an die Wand gehängt werden, der Arme. Doch wir müssen uns wohl in Erinnerung rufen, dass die Jagd nicht immer ein Privileg der Reichen war. Bevor der Westen den Fließbandmord im Schlachthaus oder den Überfluss im Supermarkt erfand, war Jagd manchmal noch überlebenswichtig. Und weil kein Tier freiwillig in den Tod geht, hat der Mensch gelernt, lieber keine Fleischfresser zu fressen, denn die könnten den Spieß umdrehen und uns selbst zum Gejagten machen. Damit der Schuss also nicht nach hinten losgeht, bevorzugten wir die Jagd auf Fluchttiere.

Der Friede scheint auch der Ga…

Samstag, 22.12. Noch fünf Wochen bis Weihnachten.

Es ist Samstag, der 22. Dezember 2018. Noch über fünf Wochen bis Weihnachten. Gefühlt. Denn ich habe noch kein einziges Geschenk besorgt, kein Weihnachtsfoto gemacht, keinen Weihnachtsbrief geschrieben. Null Weihnachten in mir. Das Holz für ein kleines Renovierungprojekt im Haus liegt seit über einem Monat im Flur und im Weg herum. Aber der ganze Advent liegt ja noch vor mir, um wenigstens noch ein bisschen erledigen zu können und etwas Weihnachtsstimmung aufzunehmen. Und so sehe ich heute auf meine To-do-Liste, die bis zum 22. reicht. Bis auf zwei Punkte sind zumindest alle dienstlichen Kästchen abgehakt. "Gebetsclip" und "Mindestens ein Blogpost im Dezember", die Burschen fehlen aber noch. Nr. 1 wird kurzerhand ersatzlos gestrichen. Schade eigentlich, aber die Stunden zur Herstellung eines Clips habe ich nicht mehr.

So gut, inspirierend, wiederholenswert und lehrreich die Israelreise auch war, für meinen Arbeitsrhythmus war sie eigentlich eine Katastrophe. Wenn a…

Tagebuch einer Israelreise

Alle zwei Jahre bietet ALT Studenten im 6.-8. Semester eine freiwillige Israelstudienreise an. Man möchte außerdem, dass jeder Mitarbeiter mindestens einmal im Laufe der Karriere mitreist. 2018 bin ich dran. Zehn Tage werde ich mit einem Bus Studenten, Frau, zwei Kollegen und vollem Programm das Heilige Land bereisen. Ich war nie in Israel. Und sehe der Reise mit gemischten Gefühlen entgegen. Deshalb habe ich zweierlei beschlossen. Erstens, ein Tagebuch zu führen, um meine Eindrücke, Gedanken und Gefühle frisch festzuhalten. Zweitens, es ohne Rücksicht auf Verluste hier zu veröffentlichen. Wer mag, darf mitreisen und so Einblick in meine Seele bekommen.

Übermorgen geht's los. Doch wie ihr sehen werdet, reisen wir über Umwege zum Ziel.

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Die Gabe der Veränderung

Wir hatten es knapp geschafft. Hechelnd, aber glücklich warteten wir in der Schlange zur Eingangstür des Flughafenbusses, der uns eine gute Stunde lang zum Ziel unserer 14-stündigen Reise fahren sollte. Das Gepäck war verladen, und wir freuten uns, bald anzukommen. Doch diesem Wunsch kamen wir nur sehr nahe. Der Bruchteil eines Millimeters trennte uns von seiner Erfüllung. Genau gesagt, die Dicke eines 50-Euro-Scheins. Wer kein Bargeld hat, darf nicht mit. Bitte aussteigen.


Natürlich war es nervig, noch eine weitere Stunde an einem Flughafen herumzuhängen, nachdem man erst neun Stunden auf einem anderen herumgehangen hatte, weil wir uns die preisexorbitanten Tickets eines Direktflugs verweigert hatten. Natürlich fragte ich mich, warum ich eigentlich nie Bargeld in der Tasche habe, und warum das von allen Airports der Welt, die ich so sehe, nur in der Hauptstadt Bayerns zum Problem wird. Natürlich fragte ich mich auch, ob es an meinem Ziel Ingolstadt denn wirklich gar keine internation…

Novemberclip

Wer will noch 'ne Reformation?

Es ist wieder soweit. Heute wird sie schon 501 Jahre alt, die Reformation. DIE Reformation. Vielleicht sollte ich heute, an diesem geschichtsträchtigen Tag, auf diesem geschichtsträchtigen Blog, der sich schließlich neue Reformation nennt, zu deutsch new reformation, ein paar neue Gedanken dazu niederschreiben?! Nicht die alten Kamellen, wie toll Luther war, wie mutig, wie wichtig. Das haben wir oft genug gehört. Was neues eben.

Doch der einzig neue Gedanke, der mir heute zum Thema Reformation kommt, also Re-Formation, ist auch nicht new. Es ist derselbe, wie vor einem Jahr:

Wer die Reformation heute am Lautesten feiert, wäre vor 500 Jahren ihr erbitterter Gegner gewesen. 
Yo. Reformation ist nämlich kein Zuckerschlecken. Reformation stellt in Frage, und zwar uns, kratzt am Ego, spiegelt uns die Blässe wider, die Speckringe, verunsichert. Sagt: "Hier sollte mal was re-formiert werden!" Reformation sägt an selbstgezimmerten Thronen, bringt unsere Sicherheit so schön ins Schau…

Können wir es schaffen...?!

"Wer bin ich, dass ich das machen sollte?"Mose (2Mose 3,11)

"Wie sollte ich das schaffen? Ich bin der schwächste von allen!" Gideon (Richter 6,15)


"Ich könnte sterben!"Der Faule (Sprüche 22,13)


"Ich tauge nicht. Ich bin zu ..."Jeremia (Jeremia 1,6)
"Hör auf mit dem Gejammer und tu, was dir gesagt wird." Gott (Jeremia 1,7)



"Marcus, es ist nicht immer so einfach, wie du dir das vorstellst." Bekomme ich manchmal zu hören.

Nun, ich habe nie gesagt, dass es so einfach ist, geschweige denn, dass es immer so einfach ist. Im Gegenteil. Ich betone eher, wie schwierig es ist. Am Schwersten von allem ist die Selbstüberwindung, der innere Schweinehund, der Wille zur Veränderung. Alles andere als einfach ist das.

Neulich sagte mir jemand, weißt du, Marcus, unsere Organisation ist durch so viele Veränderungen gegangen, man müsse sich jetzt erstmal erholen,bis auf weiteres wolle man sich nicht weiter verändern. Es war eine Organisation, d…

Die Zukunft verpasst?

Die jetzige Diesel- oder Emissionsdebatte erinnert an die Kirche. Oder umgekehrt. Kirche und Verbrennungsmotor. Begriffe, die vielleicht mehr gemeinsam haben, als man sieht. Stärke. Dominanz. Beide haben viele Menschen bewegt. Und beide teilen eine gemeinsame Zukunft - nämlich eine recht düstere. Warum?

Kirche leitet sich von kyriakon ab, das heißt "dem Herrn gehörend". Es kommt von den alten heidnischen Tempeln, die im Zuge der politischen Christianisierung fortan "zum Herrn gehörten" und damit kyriakon, eine Kirche wurden. Künftig verrichteten nämlich keine heidnischen, sondern christliche Priester die Zeremonien innerhalb der Tempelmauern. Kirche wurde damit der Begriff, der das europäische Christentum in vielen Sprachen auf den Punkt bringen sollte. Noch heute denken Europäer bei Kirche vor allem an Gebäude, in denen heilige ProfissonntagsRituale vollziehen. Selbst Freikirchen richten sich nach diesem Modell: Gebäude, Profi, Sonntag, Ritus; auch wenn man holzi…

Die Entscheidung liegt bei dir...

Heute vor einer Woche wurde der neue Weltklimabericht veröffentlicht. Ein grellender Alarm, der uns aus jedem Schlummer reißen muss. Trotz düsterer Prognosen betonen die Klimatologen, dass eine Rettung noch zu schaffen sei, aber nur mit aller Kraft. "Wir unterschätzen die Macht des Individuums" meint Ole, Vertreter der nächsten Generation, in diesem Gastbeitrag. 

Von Ole Fritsch 

Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Doch beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.  - Albert Einstein

Als ich letzte Woche den links verlinkten Artikel des BBC las, wurde mir ziemlich übel. Wie kann es nur sein, dass wir uns ohne jedes Nachdenken blindlings in den Abgrund stürzen, doch nicht nur das, wir reißen auch noch alle unsere Nächsten mit?! Wann wurde mein Kindheitstraum, einmal selbst Kinder großzuziehen zu einem Alptraum voller Furcht, meine Kinder auf einen Todesstern zu setzen?

Ist es Dummheit? Ist es Egoismus? Ich frage mich, was uns hierher geführt h…

Clip Oktober 2018

30.000 Fuß

Viel hat sich getan seit dem Start. Der Steigflug bestand aus wöchentlichen Skypetreffen, oft kleine Gottesdienste, wo wir unser Leben ehrlich miteinander und vor Gott teilten und uns besser kennenlernten. Wir leben weit von einander entfernt, Stockholm, Småland, Göteborg, solche Onlinetreffen waren daher richtungweisend.

Während des Steigflugs wurde die erste Kurve gedreht, um auf Kurs zu kommen. Am Entscheidendsten war  der geforderte Umzug meiner ehemaligen Studentin samt Familie nach Falkenberg, eine Stunde südlich von Göteborg. Ein drastischer, doch gesegneter Einschnitt ins Familenleben. Falkenberg ist ein heimliches Kulturzentrum Schwedens. Hier befindet sich eine gewisse Szene, Kulturbühnen, Schwedens einziges Restaurant mit Michellinstern und angeblich eine von Europas besten Pizzerias. Und seit neuestem eben auch die Zentrale von Tro & Tvivel.

Der Reiseflughöhe näherten wir uns durch eine Art Kleingruppe mit Berufskünstlern in Stockholm, die erstaunlich gut läuft - auch …

Starterlaubnis

Im Januar kam die "Quittung" meines Einsatzes. Ein Anruf von Maria, meiner ehemaligen Studentin.

Es sei nicht leicht, Menschen für diese Art der Arbeit zu finden. Menschen, die einerseits sehr christuszentriert sind, andererseits sehr offen für Neues, seien Mangelware. Ein Team aus drei Personen habe sie nun zusammen, doch für das M4-Training brauche es mindestens vier. Ob ich mir daher vorstellen könne, ganz offiziell ins Team einzusteigen.

Es war einer von diesen Momenten, wo in kurzer Zeit eine Entscheidung getroffen werden muss, deren Weite man nur ahnt, aber gar nicht im Geringsten überblicken kann.

Worauf sollte meine Entscheidung fußen? Zum Rekapitulieren und Analysieren hatte ich keine Zeit. Bauchgefühl?! Das war spontan eher so: Seit fast vier Jahren versuche ich bei Communitas, mehr kreative Mitarbeiter und Projekte zu kriegen, mehr Musik, mehr künstlerische Aktivität, mehr und bessere theologische Reflektion zu treiben, doch statt eines einheitlichen Kurses Richt…

Trommelwirbel - Paukenschlag

Jahrelang hatte ich mich in der Rolle gefunden, ein Team zu leiten, das mit, für und durch H2O neue, ungewöhnliche oder kreative Ideen für morgige Gemeinden entwickelt und ausprobiert. Das machte mich zum Outsider, der anders ist, fremdartig denkt, herausfordert, abseits ausgetretener Pfade wandert. Ich hatte mich daran gewöhnt. Wenn ich eigentlich auch keine Schubladen mag, mit diesem Etikett kann ich sehr gut leben - auch wenn es manchmal etwas einsam macht.

Nun hatte ich aber Menschen getroffen, die offenbar ganz ähnlich ticken. Ich war völlig begeistert. Von ihrer Passion für den Himmel. Von ihren Ideen.

Doch eine Sache verblüffte mich sehr: Während ich mit meinen Ideen um H2O immer schwedischen Beifall und Anerkennung erntete, schien es anders auszusehen, wenn Schweden selbst neue Ideen, und ich meine wirklich neue Ideen für Gemeinde haben. Mir war schon vor Jahren aufgefallen, dass die schwedischen "Pioniere" (so nennen sich Gemeindegründer hier oft) gerne in Kirche…

Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Langsam, ganz langsam entwickelte sich die Geschichte, die hier begann. Der Gedanke, Gemeinde für ihre Kollegen zu entwickeln, ließ sie nicht mehr los. Wir trafen uns unregelmäßig über ALT, wo in meinem Kurs alles begonnen hatte. Schnell wurde ihr allerdings klar, dass ALT gewöhnliche Pastoren für gewöhnliche Gemeinden ausbildet, sie aber einen ungewöhnlichen Neustart für ungewöhnliche Menschen anstrebt. Sie fühlte sich wenig vorbereitet und eher eingeengt. Deshalb drückte sie auf Pause legte die Ausbildung bis auf weiteres auf Eis.

Obwohl wir uns nicht mehr über ALT sahen, verloren wir nicht den Kontakt. In unregelmäßigen Abständen telefonierten wir, besprachen Ideen. Ich traf einen Teil ihrer Freunde und Kollegen auf einem Philosophieabend in Stockholm. Und während ich mit diversesten Herausforderungen bei Communitas zu kämpfen hatte, wurde für sie immer klarer: Wir müssen eine ganze neue Arbeit starten, die exakt auf das Leben von Künstlern und Musikern abgestimmt ist. Sollte das …