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Späte Bargedanken

Nein, ich hatte "Chips" gemeint, nicht "Fritten". Was soll ich aber erwarten, wenn die Bedienung im Hotel nur ihre Muttersprache beherrscht. Da ich Hunger habe und hundemüde, nein, ausgelaugt bin, mache ich halt keinen Auftsand und mampfe meine mayolosen Fritten mit den Fingern, denn eine Gabel gehört ebensowenig zum Lieferumfang wie Ketchup. Das hat man halt davon, wenn man aus Budgetgründen keine Fünf-Sterne-Hotels bucht, andererseits aber einen Rückzugsort braucht, an dem Herz und Hirn Erholung finden. Nach all den endlosen, anstrengenden Gesprächen und Verhandlungen. So ist das eben bei Introvertierten. Meine Arbeit, die manchmal extrem extrovertiert ist, hat mich, glaub ich, in den letzten Jahren noch viel introvertierter gemacht. In vielen Lebenslagen kommen Introvertierte billiger weg als Extrovertierte. Erholung zum Beispiel. Eine kleine, menschenleere und stromlose Insel reicht uns völlig aus. Teurer sind hingegen Tage mit Friedensverhandlungen. Da kann i…
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Forge Film

Unter die Rubrik "Sachen, die wir so machen" fallen mal sehr schöne, mal sehr unschöne Aufgaben. Zu den besonders schönen gehört es, wenn ich einen Filmauftrag bekomme. In meinem Fall sind die Aufraggeber meistens christlich und deren Budgets ebenso, dass heißt, ich muss alles alleine in sehr begrenzter Zeit hinkriegen. Doch selbst, wenn das Resultat aufgrund solcher Begrenzungen nicht immer so perfekt ist, wie Profis sich das vorstellen, so ist die Arbeit an sich schon Belohnung.

Ein Film, den ich diese Woche geliefert habe.


Übersetzung, gefällig?!

Forge ist eine Ausbildung für Pioniere, die dich aufmuntern und ausrüsten will, Jesus in deinem Umfeld zu folgen. Risiken eingehen, neues Territorium zu erschließen, Jünger machen, die neue Jünger machen. 

Forge ist eine Gedankenschmiede, wo wir versuchen und darüber nachdenken, das Evangelium auf relevante Weise im heutigen Schweden zu formulieren. Es gab eine Zeit, wo in Schweden die Kirche mitten im Dorf stand. Es war eine chr…

Schätze und Wagen

Ihr Land ist voll Silber und Gold, und ihrer Schätze ist kein Ende; ihr Land ist voll Rosse, und ihrer Wagen ist kein Ende. Auch ist ihr Land voll Götzen; sie beten an ihrer Hände Werk, das ihre Finger gemacht haben. Aber gebeugt wird der Mensch, gedemütigt der Mann, und du wirst ihnen nicht vergeben. 
Jesaja 2,7-9
Dieser Vers begegnete mir während meiner heutigen Studienzeit, und ich kann nicht anders, als an das seehofersche, christlich-soziale Kasperltheater zu denken. Ein Politiker will also mit Gewalt beweisen, dass er kein Leiter sein möchte, sondern lieber der Esel vor dem Karren der Kurzsichtigen. Dieser Beweis wird ihm zweifelsfrei gelingen, und das bräuchte niemanden weiter zu interessieren, würde nicht so viel mehr auf dem Spiel stehen.

Nicht nur, dass "Fremdlingen", wie die Bibel sie nennt, mit den Worten "kein Platz in der Herberge!" die Tür vor der Nase zugeknallt wird. Sondern auch, dass dem Bürger ein Bär aufgebunden wird, wenn wir ihm vom Märchen er…

Missionarsalltag

Was machen wir eigentlich? Wie sieht eine "normale" Woche aus? Das werden wir immer wieder gefragt. Zeit für eine verständliche Antwort.


Let's FEAST

feast[fiːst], Nomen: Festessen, Bankett. Verb: schlemmen, schwelgen, sich an etwas gütlich tun.

Das sind die offiziellen Übersetzungen des englischen Worts feast. Bei uns steht FEAST allerdings für etwas anderes: the Fellowship of the European Andvancment and Support Team. Wir wollen Gemeinschaft sein, am zukunftsorientierten Fortschritt arbeiten und unsere Gemeinden und Projekte unterstützen.

Dazu haben wir regelmäßige Skypetreffen. Zwei bis dreimal jährlich treffen wir uns offline, entweder in einer strategisch wichtigen Region oder in einer Stadt mit einem Gründungsteam.

Unser diesjähriges Maitreffen fand in Valencia statt. Communitas España ist ein Segen, und wir wollen als Team ein Segen für unsere Mitarbeiter sein.

Aus diesem Grund haben wir uns einen ganzen Nachmittag mit dem dortigen Team getroffen. Natürlich nicht ohne Paella.

 Valencia ist außerdem Heimat des Communitas-Kunstwerks "The Lion And the Lamb".

Für uns als Team stand vor allem Teambuidling auf dem Prog…

Reden ist Silber

Im Mai war es wieder Zeit für eine Schweigefreizeit. Vier Tage Stundengebet, geistliche Wegweisung. Handy aus, Computer nein. Keine Kommunikation erlaubt - außer mit Gott. Eine Wohltat.

Morgens um 6 geht's mit der Laudes los. Um acht ist Morgenmesse mit Abendmahl. Dann Frühstück. Um 10:00 gibt es geistliche Wegweisung in der Bibliothek, das sind 45-minütige Vorträge. Um 12 Mittagsgebet, danach Mittagessen. Um 15:30 ist Kaffee und um 16:00 wieder Wegweisung. Um 18:00 Vesper, danach Abendessen. Und um 20:30 ist Kompletorium im Oberen Saal. Dazwischen kann man spazieren, lesen oder einfach nur da sitzen.

Ich bin wahrscheinlich der am wenigsten liturgische Mensch der Welt, doch gerade deshalb ist dieses Kontrastprogramm so nährreich für mich, vor allem, weil es ein Pfingstkloster ist, und der Heilige Geist tatsächlich auch in alten Liturgien zu Hause sein kann. Ein echtes Erlebnis.

Der Lauf braucht mich nicht, doch ich brauche den Lauf

Laufen ist nicht nur gut für die körperliche Gesundheit. Vor allem ist es eine geistliche Übung. Wer läuft, trainiert sein Durchhaltevermögen. Übt sich in Disziplin. Stärkt den Glauben, das Ziel erreichen zu können, auch wenn es manchmal unmöglich erscheint.

Es war im Frühjahr 2009, als ich mich im Gottesdienst unserer Partnergemeinde Saron nach dem Abendmahl vor dem großen Kreuz niederkniete. Dort war mir, als spräche Jesus außergerwöhnlich klar und deutlich zu mir: "Marcus, melde sich zum nächsten Halbmarathon an. Du brauchst mehr Disziplin." Am selben Abend war ich angemeldet.

Seither bin ich jährlich gelaufen. Bis 2014, wo ich so gut trainiert war, dass ich meine Traumzeit von 1:45 erreicht hätte. Doch einige Wochen vor dem Lauf brach ich mir erfolgreich ein Fersenbein in zwei Stücke. Da war's erstmal für ein paar Jahre vorbei mit dem Rennen.

Doch 2017 meldete ich mich wieder für 2018 an. Und siehe da, eine ganze Gang aus der FeG Ingolstadt stand mit mir am Start.

L…

Des Glaubens Abtritt von der Bühne

Wohlstand ist etwas sehr Feines und Kostbares. Gott selbst verspricht seinem Volk ein Land, in dem Milch und Honig fließt, ein Land der reichen Ernten und des Friedens. Das Gelobte Land ist eine Vorschau des Himmels.

Doch Gott warnt auch davor, den ultimativen Geber jedes Wohlstandes nicht zu vergessen. Undankbarkeit und Überheblichkeit führen langfristig zu Schwäche und Rissen, im schlimmsten Fall zu Dekadenz. Es ist aber nie der Wohlstand selbst, der zur Ursache des Abstiegs wird, sondern unsere Wahl, wie wir damit umgehen.

Unsere Geschichte der Säkularisierung begann mit der Reformation, die zum 30-jährigen Krieg führte, der die Aufklärung auslöste, welche in ihrer Verlängerung heute ihre vollen Früchte trägt: Ein Leben in Wohlstand ist auch ohne Gott möglich. Das wird heute ernsthaft geglaubt, während man sich auf den Errungenschaften seiner Ahnen ausruht.

Es ist also nichts Neues, dass der christliche Glaube von der europäischen Bühne abtritt und anderen Akteuren, wer auch immer…

Der Anti-Trumpf

Nun hat Donald Trump also tatsächich das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt (schon am 8. dieses Monats). Für mich ist das nur ein weiteres Vorbeben der zu erwartenden globalen Veränderungen. Der Westen, so wie wir ihn kennen, wird aufhören, zu existieren. "America first!" reißt sich mit aller Gewalt aus Staatenverbünden und Verpflichtungen, zeigt der Welt, dass Absprachen und Versprechen nichts wert sind. Wie sich dieses Vorbild langfristig in unseren Gesellschaften auszahlen wird, kann noch keiner sagen. Wir wissen nur, dass auf Amerika, lange der Garant für europäische Sicherheit, absolut kein Verlass mehr ist. Trump trampelt alles kurz und klein.

Mit dem politisch äußerst bedauernswerten Bruch der transatlantischen Zusammenarbeit des Westens macht Trump all jenen versteckten Dämonen ein Geschenk, die in ihren Höhlen schon jahrelang nach Macht und Gewalt geifern und die Zersplitterung des Westens erhofften. Europa wird im Kampf gegen Terrorismus und um seine weltwirtscha…

Schlechterwisser XIV: Vorteile

Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ein Leben nach dem kött* so interessant sein könnte.

Es ist billiger, damit geht es schon mal los.

Langeweile beim Essen, ja, ich geb's zu, das hatte ich befürchtet. Ein fleischloses Leben muss fad sein, meinte ich mir sicher zu sein. Doch heute muss ich ausgerechnet einem Metzger Recht geben: Metzger Schorsch Boggnsagg mit seiner viel beachteten und tiefsinnigen Frage "Wo is'n 's Hirn?!"** Ungewürztes Fleisch ist nämlich ziemlich geschmacklos, dass wissen nicht nur die Boggnsaggs. Was den Geschmack am Fleische macht, sind die Gewürze, und die sind, nun ja, die sind nunmal höchst vegan. Richtig gute Geschmäcke kann man völlig fleischfrei zaubern. Lina und anderen sei Dank, wir entdecken ständig neue Zutaten und Kompositionen. Es ist eine wahre Freude!

Die eigene Zunge gewöhnt und verändert sich überraschend schnell. Nach nur wenigen Wochen stellt man eine spürbare Veränderung ein. Heute schmecken mir Avocados. Schmecken!

M…

Schlechterwisser XIII.: Reaktionen

Mein Aufruf und Vorbild, kein fleischliches Leben mehr zu führen, sorgt für sehr unterschiedliche Reaktionen.

Beeindruckt sind Nichtkirchengänger, die es offenbar überrascht, dass Christen doch up-to-date sein können und sogar bereit sind, dafür ihr Leben zu ändern. Christen sind scheinbar nicht gerade für ihre Flexibilität berühmt.

Vereinzelt werde ich konkret um mehr Auskunft gebeten, weil man selber gerade in Erwägung ziehe, vegetarisch oder gar vegan zu werden.

Junge Christen, wie z.B. viele meiner ALT-Studenten, fragen genau nach, wieso, weshalb, warum. Dann beobachten sehr genau, was denn nun auf meinem Teller liegt und man merkt, wie die Thematik in ihnen arbeitet.

Grundsätzlich sind junge Leute interessierter, alte ablehnender. Ich erlebe außerdem ein europäisches nord-süd-Gefälle. Im Norden ist man viel offener, im Süden deutlich skeptischer. Doch es gibt in jeder Hinsicht viele Ausnahmen.

Das meiste Unverständnis ernte ich interessanterweise von reifen Christen, oft in Leit…

Schlechterwisser XII.: Nach Furz kommt Festland

Jeder kennt die sagenumwobene Flatulenz der Rinder. Obwohl nur ein kleiner Teil der Verdauungsgase ausgepupst und der Großteil über die Atemwege abgegeben wird, bleibt ein Faktum bestehen: Die durchschnittliche Milchkuh produziert mindenstens 100kg Methan pro Jahr. Methan in unsere heutige Atmosphäre zu geben ist genauso weise wie Windpocken durch exzessives Kratzen zu behandeln, Lungenkrebs mit Rauchen zu therapieren, Kopfschmerzen mit Holzhämmern zu kurieren.

Der Treibhauseffekt von Methan verhält sich relativ komplex im Vergleich zu Kohlendioxyd, doch vereinfacht kann man sagen, dass Methan 72x schlimmer ist als CO2, in Worten: zweiundsiebzig mal.

Am Beispiel meines obigen Instagram-Posts vereinfacht ausgedrückt: Mein Platz in den Fliegern auf der letzten Dienstreise nach Madrid hat eine gute halbe Tonne CO2 in die Atmosphäre gepustet, und das ist ziemlich viel, finde ich, doch der Treibhauseffekt dieser Menge entspricht nur 7,5kg Methan - das entspricht einem knappen Monat im Leb…

Schlechterwisser XI.: Vive la reformation!

Wir haben gesehen: Das Smartphone symbolisiert so etwas wie die Erfindung des Buchdrucks, nur heute, in unserer Zeit, im 21. Jahrhundert! Plötzlich sind Informationen auf dem ganzen Globus verfügbar, können Menschen nicht mehr so leicht für dumm verkauft werden. Genau wie zu Gutenbergs Zeiten. Wird dieser neuen Revolution auch eine neue Reformation folgen? Höchstwahrscheinlich. Können wir uns darauf vorbereiten? Nein und ja.

Nein, weil wir gar nicht wissen, worauf genau wir uns vorbereiten sollen, abgesehen von den biblischen Prophezeiungen.

Ja, weil jeder Christ sowieso ein Leben der täglichen Reformation führen sollte. Der richtige Umgang mit Veränderungen lässt uns reifen. Dabei habe ich mir gedacht, dass man sich besonders durch Anpassung und Neugestaltung alltäglicher Routinen ändern kann. Mahlzeiten, zum Beispiel. Unser täglich Fleisch durch täglich Brot zu ersetzen, zum Beispiel. Im Sinne des Vater Unsers wäre es sogar eine recht biblische Geistliche Übung. Und im Lichte des…

Schlechterwisser X.: Große Welt auf kleinem Schirm

So ändern sich die Zeiten: WiFi ist heute nach Wasser die Nummer 2 auf der Überlebensliste. Foto aus Camp Moria auf Lesbos.
Hey, wir sind nicht die einzigen, deren Horizonte gerade erweitert werden. Das haben mich meine beiden Reisen nach Ragusa, Sizilien, und Mytilene, Lesbos, gelehrt. Beide Orte liegen in Ländern, die von der mangelnden EU-Solidarität auf peinliche Weise im Stich gelassen wurden. Denn laut dem Dubliner Übereinkommen sollen Flüchtlinge dort "abgefertigt" werden, wo sie die EU-Grenze überschreiten. Entsprechend können sich alle anderen Regierungen die Hände abklopfen und sagen: "Lass Griechenland und Italien mal machen. Schließlich ist das deren, nicht unser Problem."

Doch sie haben die Rechnung ohne den Jobs gemacht. Denn der wichtigste Gegenstand der Flüchtlingskrise war nicht das Schlauchboot, sondern das Smartphone. Der wichtigste Treffpunkt in den Flüchtlingslagern ist die Ladestation. Die Welt ist vernetzt heutzutage. Europa kann sich auch un…

Schlechterwisser IX.: Entwässerung

Zur Sättigung der 7 bis 9 Milliarden Menschenmägen auf dem Globus gesellt sich ein noch viel größeres, in unseren Breitengraden völlig unvorstellbares, fast absurd anmutendes Problem: die „Sittigung“. Der Mensch besteht bis zu 70% aus Wasser, und das muss ja auch irgendwoher kommen. Wir wollen satt und sitt werden. Die Prognose hierzu sieht aber nicht gerade freundlich aus.

Kapstadt hat es immerhin in die europäischen Nachrichten geschafft, ist aber nur der Anfang einer Kette von Städten mit trockenen Kiemen. Und was macht der Mensch? Er rodet riesige Flächen in Südamerika. Das ist ungefähr genauso so intelligent wie Genitalverstümmelung, denn jeder weiß, dass diese wunderbaren Feuchtgebiete zum Erhalt der Spezies unersetzlich sind. Warum aber schnipseln wir an unserem Planeten ausgerechnet das kurz und klein, was uns ein weltweit balanciertes Klima, Regen und Wasser beschert? Nun, um Getreide anzubauen. Doch nicht um Menschen zu füttern, sondern Rindviecher. Denn für ein argentinis…

Schlechterwisser VIII: Im Namen der Nächstenliebe

Manche halten vegetarisch nur für einen Trend, einen Spleen der Jugend, der schon bald vergehen wird. Und in der Tat, es sind Trends, die dem zugrundeliegen, aber gewiss keine Modeerscheinungen. Es geht um die großen globalen Basistrends. Und diese werden alles andere als vergehen. Im Gegenteil. Sie werden mit nicht abzusehender Macht auf den Globus einhämmern.

Meine Tochter feiert diesen Monat ihren 18., und während ihrer Lebenszeit ist die Weltbevölkerung um ganze 1,5 Milliarden* auf rund 7,6 Mrd** Seelen angestiegen. Wenn sie mein Alter erreicht, werden wahrscheinlich weitere 2 Milliarden hinzugekommen sein. Solche Zahlen führen zu völlig neuen, nie gekannten Problemen und Konsequenzen, die unsere heimelige Westidylle aus dem letzten Jahrhundert gewaltig aus den Fugen heben. Unsere begrenzten Ökosysteme werden zu einem enormen Überlastungsstress in der Lebensmittelproduktion führen.

Gleichzeitig macht sich ein anderer Basistrend breit: Wir im Westen werden eine Seniorengesellschaf…

Schlechterwisser VII.: Kreuz statt T-Bone

Veränderung, massive Veränderung ist es, was uns alle erwartet. Wer seine Hand an den Pflug legt und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes, lehrt Jesus. Wir alle sind geneigt, zu "den guten, alten Zeiten" zurückzublicken. Deswegen mahnt Jesus 39 Verse vor der Hand am Pflug, wie weise und vorteilhaft es doch ist, sich stattdessen freiwillig auf Veränderung vorzubereiten. Selbstverleugnung nennt er es, das ultimative Zeichen wahrer Nachfolge. Für uns mag das wie blutige Selbstkasteiung klingen, doch in Wahrheit reicht uns der Menschensohn die Freiheit und Stärke, unser Fleisch ganz ohne Peitsche und Versklavung in den Griff zu kriegen. Während der Mensch gerne über seine Opferrolle in der korrupten Welt jammert, bietet Jesus uns die Macht an, diese Welt zu ändern, indem wir bei uns selbst beginnen. Wir haben viel mehr Autorität, als uns gemeinhin bewusst ist.

Zum Beispiel darin, was wir auf den eigenen Teller legen. Es mag zwar als Bagatelle im Vergleich…

Schlechterwisser VI.: Lebendiges Wasser

Doch selbst Glaubwürdigkeit verändert sich. Als zum Beispiel vor rund 150 Jahren mein Gastland Schweden mehr oder weniger kollektiv besoffen war, war die Heilung von Alkoholmissbrauch und die folgende Alkoholabstinenz ein Zeichen christlicher Glaubwürdigkeit. Heute ist das nicht mehr so, weil das frühere, gigantische Gesellschaftsproblem Alkohol im Jahre 2018 nicht mehr so riesig ist. Dafür hat die Welt heute noch viel größere und mehr lebensbedrohende Probleme als Alkoholmissbrauch. Steigende Salzwasserspiegel und sinkende Süßwasserspiegel zum Beispiel. Extremere und gefährlichere Wetterlagen. Eine stark zunehmende globalpolitische Unsicherheit. In absoluten Zahlen bedrohen solche Dinge mehr Familien und Menschenleben als Alkohol je in der Lage war. Da stellen sich Fragen wie: Was macht christliche Glaubwürdigkeit heute und in Zukunft aus? Welche Abstinenzen oder Lebensgewohnheiten machen uns in der heutigen Welt als μαθητής glaubwürdig? Wonach schmeckt lebendiges Wasser…

Schlechterwisser V.: Ich. Will. Einfach!

Der Meister ist rigoros. Das hat schon Bonhoeffer in seinem Buch "Nachfolge" klargestellt: Wenn Jesus sagt "Steh auf und folge mir!" dann gibt es nur eine einzige adäquate Entgegnung: Aufstehen und folgen. Alles andere ist Versagen. Das passt zwar nicht so recht in unserer evangelikales Bild vom Kuschelkumpeljesus, aber es passt zum Neuen Testament: "Was, du willst erst deinen Vater begraben?! Lass die Toten ihre Toten begraben!" Sitte und Gewohnheit sind dem Hirten wohl nicht viel wert. Erst recht lieb gewordene Gewohnheiten ("Ich will einfach nur hier sitzen!"). Zu viel steht auf dem Spiel, wenn das Ziel erreicht werden soll.

Wahres Training ist kein Kaffeekränzchen. Es fordert Entbehrungen. Nur wer sich ständiger Veränderung aussetzt, den inneren Schweinehund überwindet, bleibt flexibel, durchtrainiert, in Form. Wohl deshalb nennt man μαθητής auf englisch disciple - Diszipliner. Christen erwarten viel Disziplin - ein anderes Wort fü…

Schlechterwisser IV.: Was nicht beugt, das bricht

Die Veränderungen um uns herum sind heute so gigantisch, dass fast jeder Tag zum Pilgerorientierungslauf wird. Ohne Hirte kein Weg. Ihm nachzufolgen heißt auch im 21. Jahrundert kein gemütliches, berechenbares Leben zu führen, sondern ständigen Wendungen und Überraschungen ausgesetzt sein - wie damals schon bei den ersten zwölf μαθητής. Christen müssten eigentlich diejenigen sein, die am Besten mit Veränderung umgehen können, schließlich züchtet der Meister unseren Glauben seit 2000 Jahren fast ausschließlich durch Veränderung und Ungewissheit. Wir sollten zur flexibelsten Gattung Mensch gehören, die die Welt kennt.

(Fortsetzung folgt)

Schlechterwisser III.: Lernt von den Kindern!

Veränderung ist Glaube an eine Zukunft, die man noch nicht kennt. Der Glaube, das Ziel zu erreichen, lässt uns nicht aufgeben.

Nur der Glaube, ein instabiles Rohrgestell auf zwei Rädern eines Tages galant zu beherrschen, lässt Kinder selbst mit blutigen Knien noch ein zweites Mal mal das Fahrrad besteigen. Junge Menschen sind uns darin Vorbilder, und wohl deshalb sagte Jesus, dass ausgerechnet sie uns lehren können, ein wahrer μαθητής zu bleiben. Als mein eigener Nachwuchs kollektiv aufhörte, Fleisch zu essen, war ich als Vater verärgert, persönlich getroffen. Warum wollten sie sich plötzlich von der liebevollen Tischgemeinschaft ausschließen, in der ich sie jahrelang fürsorglich großgezogen hatte? Doch als μαθητής, als lernender Vater, hatte ich viel tiefere Fragen. Und in diesem speziellen Fall stellte sich sogar heraus, dass ich noch nicht einmal zu verstehen angefangen hatte.

(Fortsetzung folgt)

Schlechterwisser II.: Wir sind dran!

Auf dem Pfade der Veränderung führt mein Hirte mich manchmal aus dem dunklen, pieksigen Unterholz auf sonnige, freie Felsvorsprünge. Aussichtsplätze, von denen ich zurückblicken darf in die Täler des Wandels, durch die meine frommen Vorväter und -mütter gestrauchelt sind. Dort sehe ich Mönche, die Schulen und Universitäten gründeten. (Ob sie wussten, dass daraus einmal unsere heutigen Bildungssysteme erwachsen würden?) Sehe namenlose Nonnen und Diakonissen an der Seite Kranker und Sterbender. (Ob jenen Dienerinnen der Nächstenliebe bewusst war, dass sie den Samen unserer heutigen Gesundheits- und Sozialsysteme legten?) Ich sehe Anbeter, die Punkte und Striche erfanden, um ihrem Gott besser singen zu können. (Ob ihnen klar war, dass ihre Noten Jahrhunderte später auf dem ganzen Globus geschrieben und gelesen werden?) Während ich verzückt versuche, noch mehr Vorbilder zu entdecken, knackt es aus dem Busch. Der Hirte ist weitergezogen. Nur nicht den Anschluss verpassen, de…

Schlechterwisser

Es wird wohl nie enden. Immer, wenn man denkt, nun hätte man verstanden und könne sich ausruhen, muss man kurz danach einsehen, mit dem Verstehen gerade erst angefangen zu haben. Mit allem geht es so. Sprache. Kultur. Der eigenen Frau. Klimaveränderung. Liebe. Zukunft. Gott. Nach der Einsicht beginnt die Entdeckungsreise auf der nächsten, dann der übernächsten Etage, bis man glaubt, nun aber wirklich begriffen zu haben, doch kurz danach... - ja, genau.

Ich gebe auf zu glauben, irgendetwas je völlig zu verstehen und wähle stattdessen, ein Lernender zu bleiben. Dabei lerne ich unerwartet Demut, denn ein ewig Neugieriger kann nie als Professor Schlau auftreten, der wie eine Mastgans am Rohr mit künstlicher Weisheit gefoltert wurde. Vielleicht nennt man die Jünger Jesu deshalb μαθητής, Lernende, Schüler. Demütige. Wer jünger bleiben will, muss aufmerksam, flexibel sein, sonst wird man schnell wieder zum verlorenen Schaf, im dösigen Trott schon wieder eine Abbiegung des Hirten…

Gebetsclip im April

Philosophie einer Leiterin

Seit einigen Jahren bietet Communitas eine 18-monatige Fortbildung in Leitung und Menschenführung an, im Wesentlichen basierend auf dem Buch "The Leadership Challenge". Diese Woche wird der Kurs abgeschlossen, an dem Karen seit Herbst 2016 teilgenommen hat. Eine der abschließenden Aufgaben war es, die eigene Leiterschaftsphilosophie kreativ vorzustellen. Hier ist das Ergebnis (auf Englisch):


Fromm à la Amerika?

Vor 18 Jahren begann mein Theologiestudium als Folge einer langen Serie unerwarteter Ereignisse. Plötzlich war ich als 33-jähriger dreifacher Familienvater und bayerischer Dorfbewohner offiziell Student einer US-amerikanischen Universität geworden. Spannend für einen, der Kontraste mag.

Auch wenn ich in meinem ersten Kurs wohl eher Englisch als Ethik lernte, genoss ich die Andersartigkeit. Allein die Bibel auf Englisch zu lesen fühlte sich an, als hörte ich die Geschichten zum allerersten Mal. Man sieht, wächst, versteht, fragt, wundert sich. Seit 18 Jahren lerne und arbeite ich mit vielen Amerikanern. Ist mein dadurch heute etwas amerikanisch gefärbter Glaube nun volljährig geworden?

Ich sehe nach wie vor viele Stärken der amerikanischen Kultur. Der unternehmerische Optimismus, die Leichtigkeit, über Spiritualität zu reden, der Spaßfaktor oder allein das Wort commitment sind nur einige positive Beispiele, die uns in Europa eher abgehen. Deswegen halte ich das internationale Zusammen…

Gehaltene Augen

Der Sinn des Lebens ist es, "ein netter Mensch zu sein und das Beste draus zu machen".
Glaube, vor allem der christliche, ist ein Tabuthema. 
Mit dem Tod ist alles aus, man verwest und das ist auch gut so.
Man fragt nie warum, woher, wohin.

Die Aussagen beschreiben das Weltbild einer großen Zahl säkularer Menschen, ganz gewiss der Mehrheit der Skandinavier.

Liegt ein Teil der Antwort in Mt 11,25? Kann der Mensch nicht sehen, was nicht offenbart wird? Macht Gott sich einen Spaß daraus, die vermeintlich Schlauen als große Dumme hinzustellen, wie man Jes 19,14 oder 1Kor 1,18ff lesen könnte?

Scheinbar sind ja selbst wir Jünger auf Offenbarung über das Offensichliche hinaus angewiesen. Den sogenannten Emmausjüngern waren "die Augen gehalten", wie Luther übersetzt, und sie erkannten den Geliebten nicht.

Ist geistliche Dummheit das neue Los des aufgeklärten Westens? 

Aprilschmerz

Eisiger Ostwind pfeift um die Ohren. Trotz blauen Himmels will so recht keine Farbe aufkommen, sind alle Böden und Seen immer noch gefroren, der Schnee schmilzt nicht, er verdunstet nur in der trockenen Luft. Ostern 2018 erinnert an Narnia.

Der kalte Atem des "Beast from the East" hält alles in Winterstarre. Auferstehung? Davon ist nur wenig zu spüren. Trockenes Gras und kahle Bäume erinnern an wärmere Zeiten längst vergangener Tage. Eine Landschaft voller Symbole für den geistlichen Zustand unserer Zeit: Von geistlicher Erweckung ist ebenso wenig zu spüren. Eisige Winde ziehen über das Terrain und finden jede Ritze, durch die sie ins Innere dringen können. Wahrscheinlich hat Phil Zuckerman deswegen eine kahle Schneelandschaft als Coverfoto für sein Buch "Society without God" gewählt.


Der Soziologe hat massenweise Dänen und Schweden über Religion interviewt. Dazu zog der Autor extra nach Skandinavien und war die ersten Monate seines Lebens in Nordeuropa völlig ve…