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Neue Blogposts

Liebe Freunde, es ist soweit. Google und ich, wir haben uns auseinandergelebt. Sie fällt mir grundsätzlich ins Wort, wenn ich eine Frage stelle, sie nutzt mich aus und treibt's mit jedem. Lange schon benutze ich deshalb andere Suchmaschinen, doch nun ist auch der Blog an der Reihe. Ich werde ihr nicht mehr erzählen, was mich so beschäftigt. Sie wird es sowieso rauskriegen, aber jetzt gehören ihr meine Worte zumindest nicht mehr.

Dieser Blog wird keine Blogposts mehr mit neuen Inhalten erhalten.

Für eine Weile werde ich die Links zu neuen Blogposts hier noch anzeigen. So zum Beispiel:

Neue Blogposts, die du vielleicht verpasst hast: Hej då, Welt!Verräterischer Freund: Der Liberalismus
Ab nächstem Jahr wird es dann eine automatische Weiterleitung zum neuen Blog geben. Ich freue mich, wenn wir uns auf dem neuen Blog genauso oft treffen!
Letzte Posts

Septemberclip

Der Blog hört auf! Der Blog zieht um! Der Blog geht weiter!

Ja, es ist soweit, der Umzug ist fast abgeschlossen, nur noch ein paar Fehler beseitigen und Feinschliffe tätigen. Vor wenigen Wochen hatte ich es angekündigt, und ein großzügiges Geschenk hat den Umzug gezahlt. Deshalb ging's recht schnell.

Da dieser new-reformation Blog bei Blogspot mit 2000 bis max. 8000 Aufrufen pro Monat nie wirklich großes Interesse bei deutschen Lesern fand, wird auf der neuen Internetpräsenz ein größeres Angebot an englischen und schwedischen Beiträgen zu finden sein. Außerdem fallen alle Blogpsot-Begrenzungen weg. Man kann zum Beispiel besser sortieren oder ältere Beiträge finden.

Den Namen New Reformation werde ich als Titel noch eine Weile beibehalten. Als Domain habe ich aber etwas anderes gewählt, weil meine Erwartungen, die Gemeinde durch neue Gemeinden reformieren zu können, in den letzten 13 Jahren nicht gerade gewachsen sind. Daher habe ich eine Domain gewählt, die eher meinen Dienst der letzten Jahre, mich als Person und damit meinen Dienst in Z…

Du sollst den Sabbat heiligen

Oder: Der Fluch unserer GeschäftigkeitHier beginnt noch eine Antwort auf die gestrige Frage: "Warum?"



Am Sonntag schuf Gott das Universum, die Erde und das Licht.

Am Montag schuf Gott die Atmosphäre um die Erde.

Am Dienstag schuf Gott Kontinente und Ozeane sowie die gesamte Flora; eine Vegetation, die durch Früchte und Samen fortpflanzungsfähig ist.

Am Mittwoch schuf Gott den Rest unseres Sonnensystems und das Zusammenspiel aus Tag und Nacht.

Am Donnerstag schuf Gott die Vielfalt aller Fische und Vögel, die alle auf ihre Art fortpflanzungsfähig sind.

Am Freitag schuf Gott erst die Tiere: Insekten, Echsen, Säugetiere, alle auf ihre Art fortpflanzungsfähig. Abschließend schuf er ein Wesen, das ihn selbst widerspiegeln sollte: Den Mensch, in der Lage, eine enorme Vielfalt an Persönlichkeiten, Kulturen, Ideen und Farben zu zeugen, und Gott gab ihm den Auftrag, zu schaffen und sich um die Erde zu kümmern, wie er es selbst tun würde.

Am Samstag schuf Gott gar nichts. Er ruhte von…

Leitung verstopft?

Tja, nachdem eure Traumdeutungsfähigkeiten ganz deutlich doch eher unterentwickelt zu sein scheinen - die Anzahl der eingegangenen Deutungsversuche meines Traumes kann ich jedenfalls an den Fingern eines Ohres abzählen - wende ich mich nun wieder ernsthaften Dingen zu (obwohl, wer sagt eigentich, dass prophetische Traumdeutung nichts Seriöses ist?! Joseph oder Daniel waren da extrem seriös!*).

Wenden wir uns also stattdessen z.B. dem ebenfalls sehr ernsten und völlig unterschätzten Problem unterschiedlicher Leitungskulturen zu. Im Augustclip hatte ich ja ganz mysteriös angedeutet, dass meine Rolle als Europadirektor für den Rest des Jahres mal ganz anders aussieht. Auf die Frage "Warum?" gibt es viele Antworten.

Hier ist eine.

Uns ist selten bewusst, wie unterschiedlich Führungsstile in anderen Ländern aussehen. Man sieht's ja auch nicht von außen. Selbst, wenn man Teil einer anderen Arbeitskultur ist, geht man immer automatisch davon aus, dass alles so ähnlich sein muss…

Neulich, nachts in der Kirche...

Also, Sachen passieren...

Letzte Nacht bin ich als Heimatloser über eine kleine Seitentür in eine einsame, italienische Kirche eingedrungen und habe mich für einige Tage in der Sakristei einquartiert. Tagelang kam keine einzige Menschenseele in den großen, uralten Bau mit seinen weiß getünchten Wänden, also habe ich mich frei an den Utensilien bedient und jeden Tag alleine Abendmahl gefeiert. Doch eines Nachts hörte ich plötzlich die schweren Schlüssel in der großen Haupttür und wusste, dass nun der Priester kam. Als ich mich ihm stellen wollte, trug ich ein weißes Gewand aus der Sakristei. Ich wusste nicht, wie ich es sagen sollte, weil ich kaum italienisch kann. Es war stockfinster, und der Priester kam langsam angeschlurft. Ein saloppes buongiorno oder buona notte hielt ich angesichts der Gesamtsituation für etwas unangebracht. Ich hörte seine Schritte in dem größeren Gang hallen, und der schwache Schein seiner Funzel kroch ihm voraus. Als er gedankenversunken um die Ecke kam und …

Kann man in diese Welt noch Kinder setzen?

Vor wenigen Tagen wurde der folgende, kurze Vortrag veröffentlicht und ich sah ihn mir zusammen mit meiner Tochter an:


Meine Tochter, eine junge Frau im Studentenalter und in einer festen Beziehung, schmiedet wie alle jungen Menschen gerade ihre eigene Zukunft und kann die im Vortrag erwähnten Fragen und Ängste ihrer Generation nur allzugut verstehen.

Hinterher fragte sie mich: "Papa, kannst du die Frage, ob man in diese Welt überhaupt noch Kinder setzen sollte, überhaupt verstehen? Hast du damals ähnliche Gedanken gehabt?" Was antwortet man auf eine solche Frage?

Am Besten die Wahrheit.

Nein, ich wollte keine Kinder. Dass ich mich im Umgang mit Kindern für ungeschickt hielt und Nachwuchs außerdem oft als teuer, laut und lästig ansah, war da eher Nebensache. Der Hauptgrund war in der Tat auch damals schon die Umwelt. Saurer Regen, Chemie in Flüssen, Terrorismus, Kalter Krieg. Das waren einige Nachrichten meiner jungen Tage. Meine Familie besaß Wald und genau dort habe ich …

Leben wir in der Endzeit?!

Vor ungefähr einem halben Jahrhundert war es so populär, das Ende der Welt herbeizupredigen, dass eine ganz neue Gattung Redner entstand: Der Endzeitprophet, eine Nische der Gattung Evangelist, der mit eloquenter Rhetorik versucht, Menschen zur Umkehr zu Jesus zu bewegen. Endzeitpropheten waren Spezialisten für biblische Bücher wie Daniel oder die Offenbarung, deren schwere Bildersprache sie in ihrer durcheinander gebrachten Welt wiedererkannten und deshalb mit einem nahen Ende rechneten. Ein guter Prophet will, dass alle vorbereitet sind.

Doch die Zeit verging, das nächste Jahrtausend brach an, die Welt drehte sich immer weiter, und Jesus ist bis jetzt nicht wiedergekommen. Es wurde stiller um die Endzeitprophetie. Das mag jene freuen, die sich immer noch lebhaft an das Phänomen donnernder Feuer-und-Schwefel-Predigten erinnern. Auch wenn der Endzeitprophet heute nur noch in Witzen vorkommt (oder manchmal sogar als Schimpfwort für Klimaaktivisten Verwendung findet), so war deren Ents…

Der Bolsonaro in uns

Als Notre Dame in Flammen stand, war das Entsetzen groß: Schrecken, Spenden, Sondersendungen. Politiker versprachen, das "Kulturerbe" so schnell und schön wie möglich wieder aufzubauen.

Seit der Regenwald in Flammen steht, ist das Entsetzen recht überschaubar. Es ist ja keine Kirche! Nur ein Wald, und sehr weit weg. Eine von diesen Nachrichten halt. Keine Spezialsendungen, die genauestens zu beleuchten versuchen, was die Ursache dahinter sein könnte. Keine Spendenkonten.

Dabei haben wir doch alle schon in der Schule gelernt, wie wichtig der Regenwald für die Nordhalbkugel ist - und damit für uns und unsere Kinder, unsere Enkel. Wir alle wissen auch, dass Lungen abfackeln einen frühen Tod beschert. Dennoch kriegt unser Hirn die einfache Mathematik nicht hin, um eins und eins zusammenzuzählen.

Eine abgebrannte Kathedrale ist sicher tragisch, ihre verkohlten Ruinen mögen nicht schön sein, es ist sehr schade um alle Kunstschätze, wirklich, doch die existenzielle Bedrohung, die…

P wie prophetisch

Im Mai 1991 besuchte ich völlig spontan meine Großmutter im Altenheim. Sie sprach nicht viel, und ich las ihr aus meiner kleinen, blauen Reisebibel vor. Es war ein schöner, friedlicher und liebevoller Besuch. Als ich dann gehen musste, war uns beiden klar, dass wir uns nicht mehr wiedersehen würden. Langsam, aber sehr dankbar schlich ich aus dem Zimmer. Eine gefühlte Stunde, nachdem ich den Raum verlassen hatte, wachte ich in Freetown auf - ein neuer Morgen in Sierra Leone. Meine Oma war immer noch in Gummersbach - doch ich war eine Woche zuvor nach Afrika gereist. Mir war klar, dass ich sie nur im Geist besucht hatte und heute ihr Todestag sein würde. 1991 hatten wir noch keine Handys. Als mich zwei Wochen später meine Eltern am Flughafen abholten und dann verzweifelt nach Worten suchten, mir schonend beizubringen, was in meiner Abwesenheit passiert war, konnte ich ihnen helfen: "Die Oma ist tot, ich weiß. Ich habe sie vorher noch besucht." Ich war 23 Jahre alt, und dies w…

Augustclip

Betet für G7!

Diesen Monat wurde der Westen, wie wir ihn kennen, 78 Jahre alt, genau gesagt so um den 12. August herum. Denn 1941 trafen sich an jenen Tagen zwei intelligente Männer, echte Leiter, um mutig gegen die enormen Herausforderungen ihrer Zeit anzugehen. Winston Churchill und Theodor Roosevelt verhandelten und verabschiedeten die Atlantic Charta, ein transatlantisches Bündnis zwischen Großbritannien und den USA, um der Welt nach der Zerstörung des Nazi-Terrors neue Prinzipien der Zusammenarbeit zu geben. Ihr Treffen war von Hoffnung gekennzeichnet, und wohl deshalb schlossen sich immer mehr Länder den daraus hervorgegangenen Prinzipien an. Die Charta trug sogar zur Gründung der NATO bei und formte somit das, was wir heute "die westliche Welt" nennen.

Keine acht Jahrzehnte später aber sind ausgerechnet die aktuellen Führer der beiden Gründernationen keine Männer mit Charakter und Profil mehr, die heimlich weise Pläne zum Besten der ganzen Welt schmieden, sondern eher Witzfiguren,…

Muss dieser Blog umziehen?!

Au Backe! Vielleicht darf ich bald 1531 Koffer packen mit dem Inhalt von 1531 Blogposts, die auf new-reformation.blogspot.com gehostet sind. Alle Bits und Bytes samt Fotos, Links und Videos brauchen vielleicht bald schon eine neue Bleibe... Hach!

Der Grund: Der Bund freier evangelischer Gemeinden scheint ab und zu Schwierigkeiten mit seinen Spam-Einstellungen am Server zu haben - sämtliche blogspot.com Adressen wurden neulich über einen Kamm geschoren und alle kurzerhand als Spam zensiert: "Blogspot URLs are used to spam", siehe unten. So würde die Versendung eines unserer Gebetsbriefe ziemlich schwierig, weil eine Reihe Empfänger eine @feg.de-Adresse haben und unsere Mails immer schon mindestens einen Link enthalten haben, der zum Blog führt.

Oje... Jetzt weiß ich also, wofür ich vielleicht in den nächsten Wochen meine Zeit verbringen darf. Es braucht neben einer Domain auch einen Platz bei einem Webhotel, der odendrein in der Lage sein muss, den bisherigen Blog zu importie…

EQU

Heute Nachmittag gibt's einen wichtigen Termin mit Vertretern der Equmeniakyrkan. Es geht um die mögliche Deckung der Unkosten für Reisen (Schweden ist groß!) oder Events für unser Projekt Glaube und Zweifel. Auf dem Treffen werden wir unser bisheriges Schaffen, aber auch unsere Ideen und Visionen für die Zukunft vorstellen. Für unser Team war das ein willkommener Anlass, unsere Zukunftsvorstellungen etwas zu polieren, und wir freuen uns auf das Gespräch heute Nachmittag.

Equmenia ist eine 2011 neu gebildete Denomination, in dem sich vor allem die drei früheren schwedischen Denominationen der Methodisten, Baptisten und Missionskyrkan zusammengeschlossen haben. Die Missionskyrka war das schwedische Gegenüber der deutschen FeG, und Zusammenschlüsse dieser Art sind ein Kennzeichen unserer Zeit.

Das Making of the neueste Gebetsclip

Tag 1 Der Sommer war schön. Doch jetzt kommt mir eine Idee: Es wird Zeit für einen Gebetsclip. Der letzte war schließlich vor drei Monaten.  

Tag 2 Gebet ist wichtig. Ich bete für unsere Unterstützer und überlege später, welches Gebetsanliegen für den aktuellen Clip angebracht ist.

Tag 3 Klar ist: Das wird kein normaler Clip. Das Anliegen ist wichtig und komplex. Also setze ich mich hin, um den Text schriftlich zu formulieren. Sonst wird's nur Kauderwelsch. Oder zu lang. Wahrscheinlich beides.

Tag 4 Wir haben keinen Hund mehr. Ich tu so, als wär er noch da und mach früh morgens eine lange Hunderunde ohne Hund. Eine ganze Stunde übe ich den Text. Ich mache sogar Probeaufnahmen mit dem Handy. Klappt wunderbar. Allein, meine alte Hunderunde ist mit Bäumen und Wiesen im Hintergrund. Das Anliegen aber fordert ein urbanes Setting.

Tag 5 Cool! Hab heut eh' einen Termin in der Stadt. Beim Optiker. Trifft sich gut, ich plane 30 Minuten vor'm Sehtest für die Aufnahme ein. Leider v…

Zum Ende des Sommers

Gegen Ende der schönsten Zeit des Jahres, das nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, kann ich konstatieren, nie so lange am Stück frei gehabt zu haben, seit wir bei Communitas sind. Die Organisation ist eben doch durch und durch amerikanisch, und sie wird es wohl auch immer bleiben. Dort ist unsere Urlaubskultur mehr oder weniger unbekannt.  Obwohl wir dieses Jahr gar nicht verreist sind (abgesehen von ein paar Tagen zu Communitas Sommertreffen) war es für mich mit Abstand der erholsamste Sommer seit 15 Jahren*. Ich muss im Nachhinein zugeben, dass es sich als Fehler erwiesen hat, mich als Deutscher so sehr und so lange auf US-amerikanische Arbeitskultur eingelassen zu haben. Regelmäßige Pausen sind einfach durch nichts zu ersetzen. Ich hätte mich besser gleich an die schwedische Kultur angepasst, wo jeder das gesetzlich verankerte Recht hat, im Sommer mindestens vier Wochen am Stück frei nehmen zu dürfen. Zwar fühlte sich die nordische Sommerkultur anfangs auch sehr merkwürdi…

Pflanzt mehr Hoffnung in diese Welt!

Wer heute noch optimistisch ist, hat wohl nicht richtig aufgepasst. Hingegen gibt es gewichtige Gründe für existenzielle Hoffnung. Gemeinden fällt in unserer Zeit besondere Verantwortung zu. Doch dazu müssen viele Christen lernen, aus kleinen, frommen Blasen herauszukriechen.

Meine Predigt über Lukas 12,49 am 5. Mai 2019 in Ingolstadt kratzt eigentlich nur an der Oberfläche riesiger Chancen und Möglichkeiten im 21. Jahrhundert.


Maiclip

Auch wenn's schon Juni ist, bleibt das Anliegen länger aktuell. Wegen des Interviews ist der Clip etwas länger.


Kompensation

Übrigens hat Schweden schon seit 1992 (glaube ich) eine CO2-Steuer, die seither konsequent angehoben wurde. Ich denke, nicht nur jedes Land, sondern jeder Mensch muss darüber nachdenken, wie man den CO2-Fußabdruck so klein wie möglich hält.

Obwohl ich sehr viel mit Videokonferenz wie Skype oder Zoom arbeite, lässt es sich manchmal nicht vermeiden, zu reisen, und für mich bedeutet das meistens: fliegen. Ich bin mir schon lange darüber im Klaren, welche Treibhausgase dadurch verursacht werden. Manchmal wollen mich Leute sticheln indem sie mich von der Seite ansprechen: "Du, der so klimabewusst sein willst, ich frage mich nur, was diese Reise wohl verursacht hat...". In der Regel sind sie recht verdattert, wenn ich wie aus der Pistole geschossen z.B. antworte: "Vier Flugsegmente, GOT-CPH-AMS und zurück, macht zusammen 148kg CO2." Die App ICAO CO2 rechnet es mir vor Reiseantritt für jedes Flugsegment aus. Bewusst bin ich mir dessen schon sehr lange.

Doch nun habe ich e…

Symposium Auswertung

Ein wichtiges Treffen war die Auswertung des Future Church Symposiums. Ende Mai traf ich mich mit zwei Kollegen aus meinem Team und den leitenden Pastoren der Gemeinde, die uns ihre Räume für das Symposium zur Verfügung gestellt hatten.

Eine Frage, die sich mir persönlich im Zusammenhang mit Kirche, Mission, Gegenwart und Zukunft immer wieder stellt, hat mit der Rolle der Gemeinde in unserem Jahrhundert zu tun. Ich stelle fest, das zu viele Christen, ganze Gemeinden, ja, ganze Generationen sich einigeln, um die großen Veränderungen unserer Zeit nicht an sich heranzulassen. Es ist dasselbe Phänomen, das auch im Generationenkonflikt der Politik zu beobachten ist. Im Unterschied zum neuen politischen Aktivismus der jungen Generation ist der christliche Aktivismus bei den heißen Eisen unserer Zeit eher überschaubar.

Ich bin der Meinung, dass Gemeinde immer ein Vorkämpfer sein muss, kein Nachzügler. Wir brauchen eine Theologie, die uns motiviert, in dieser Welt Salz und Licht zu sein. Wir…

Kunst und Glaube

Könnte die Kombi aus Kunst und Glaube viel, viel wichtiger sein, als es in Freikirchen üblich ist? Diese Frage kam mir zum ersten Mal am 25. Juni 2015, jener sonnige Tag, an dem das obige Foto entstanden ist. Ein Dom, bestückt mit Stuck und Bildern; Kunst, über die man zwar geschmacklich streiten kann, aber dennoch von hochwertiger Qualität ist. Bis heute bin ich Kristina Zels dankbar, dass sie mich in den Dom zu Passau geführt hat. Das Thema ließ mich nicht mehr los, und heute bin ich Mitgründer von Tro & Tvivel (sprich "truh-o-twiewl = Glaube & Zweifel), Gemeinde für Künstler, wahrscheinlich eine Frucht jenes 25. Juni.

Tro & Tvivel wiederum war einer der Arrangeure der Osterkonferenz konst & tro (= Kunst & Glaube) in Malmö. Alles stand unter dem Motto "Vom Tod zum Leben" und wurde ein atemberaubendes Erlebnis mit vielen Beiträgen von Künstlern der unterschiedlichsten Gattungen. Pastor und Autor Roland Hellsten hielt z.B. mehrere Vorträge über sein …

Frischwasser

Das erste Mal ist immer besonders. Egal, ob himmelhoch jauchzend oder vielleicht doch eher enttäuschend, für den Rest des Lebens erinnert man sich ganz besonders an die ersten Male, die die Seele berührten. Selbst, wer die 50 passiert hat, ist nicht zu alt, noch so manches zum ersten Mal zu erfahren.

Es war keine kleine Angelegenheit für mich, zum ersten Mal echte, professionelle Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Das Ausmaß der diesjährigen Winterdepression war mir Warnsignal genug. Es war ziemlich offensichtlich, dass mehr dahinterstecken musste als nur Dunkelheit und Vitamin-D-Mangel. Doch wer in aller Welt könnte mir ein guter Seelsorger sein? Wer ist ausgebildeter Profi und kennt gleichzeitig die Höhen und Tiefen des Missionslebens, weiß um Himmel und Hölle interkultureller Gemeinschaften, kann meinen großen Frust über die jüngsten Entwicklungen der Organisation verstehen, kennt mich und meine Familie und hat obendrein mein volles Vertrauen? Bei so vielen Filtern kam eigentlich nu…

Freudentränen

Zwei besondere Ereignisse der letzten Wochen hatten mit ALT* zu tun. Das Grillfest zum Beispiel. Jeden Mai lade ich meine Göteborger Gruppe zum Grillen in unserem Garten ein. Weil ich weiß, dass vorleben effektiver als belehren ist. Als Vater hätte mir das schon längst klar sein sollen, doch als Missionar wurde mir diese Lektion erst brutal in den Schädel gehämmert und dann narkosefrei auf den Pelz gebrannt. Ein Funke Heuchelei, und das ganze Depot der Glaubwürdigkeit explodiert. Wenn ich also Offenheit, Transparenz oder Gastfreundschaft lehre, muss ich das mit mehr belegen können als einer coolen PowerPoint-Präsentation.

Um ein Haar hätte Grillfest V. anno 2019 aber nie stattgefunden. Denn erstmals in ALTs Geschichte hatten drei Stundenpläne völlig unbemerkt kollidiert. Meine Einladung, schon im Januar ausgesprochen, hatte ich kurzfristig wieder absagen müssen. Natürlich rechnete ich mit dem typisch schwedisch-freundlichem Verständnis der jungen Leute. Doch da hatte der Wirt die Rec…

Sprung in der Schüssel

Gestern war Nationalfeiertag. Warum es der 6. Juni ist, weiß ich grad nicht. Ich weiß nur, dass es seit drei Monaten mein erster voller Tag zu Hause und ohne Termine war, 24 Stunden ganz daheim, ohne etwas tun zu müssen. Wunderbar. Bin um acht nach dem Aufstehen nochmal ins Bett, einfach nur so, weil's eben ging, bis 9 auf der Matratze zu faulenzen. Frühstück im Garten, herumlümmeln, ein leckeres Essen kochen. Einer kreativen Übung nachgehen, die seit Monaten vernachlässigt wurde: Spaziergang mit Kamera und einem Objektiv, von dem man nur ein Foto mitbringen darf. Warum aber ausgerechnet das obige Resultat dabei herauskam, hab' ich mich dann schon gefragt. Ich überlasse die Deutung kompetenteren Tiefenpsychologen. Euch zum Beispiel.

Was ich weiß ist, dass ich überhaupt nicht mehr nach meinen eigenen Prinzipien gelebt habe. Wie Eli, der im Film "Book of Eli" bekennt, er wurde so euphorisch von seiner Mission, dass er das Wichtigste völlig vergaß. Das Gebot der Sabbat…

Die Zerstörung der Politik

Wie erst einen Blogpost früher enthüllt, ist "Evangelium" und "Gute Nachricht" ein brandaktuelles Thema für mich: Was ist Gute Nachricht heute? Für eine gute Antwort muss man weit auszoomen und viele Aspekte aus der Vogelperspektive betrachten. Das ist viel aufschlussreiche Arbeit. Ein Aspekte (wirklich nur einer) ist es, die Frage umzudrehen: Was ist eigentlich schlechte Nachricht heute? Denn, soviel kann ich heute schon verraten, eine Nachricht funktioniert nur dann als eine gute, wenn sie intuitiv als simpler, aber ästhetischer Kontrast zur erlebten, negativen Wirklichkeit wahrgenommen wird. Es gilt, dieser negativen Wirklichkeit so auf die Schliche zu kommen, dass man sie genau beschreiben kann.

Schlechte Nachricht ist nicht unbedingt, was in Tagesschau, Bildzeitung etc. verbreitet wird. Dort sehen wir nur Symptome. Die wahren Geschwüre sitzen woanders. In der Regel haben viele Menschen einen Sinn dafür. Sie sehen die Symptome, sie spüren den Schmerz, aber sie …

Es sollte nur ein ganz normaler Blogpost werden...

Die Gute Nachricht in der Krise - seit einigen Wochen befindet sich ein Entwurf zu selbigem Blogpost in meiner langen Liste aus nunmehr über 1500 Artikeln. Ein Freund hatte mich kürzlich nach meinem "Vortrag" zum Thema "Was ist Gute Nachricht heute?" gefragt und wo der denn zu finden sei. Antwort: Über dieses Thema rede ich zwar eigentlich ständig, aber einen eigenen Vortrag dazu habe ich weder je geschrieben noch gehalten. Also dachte ich, vielleicht ist es ja an der Zeit, zumindest mal einen Blogpost darüber zu verfassen. Gesagt, getan. Das Thema stand ja fest, Fragen, Gedanken, Ideen und theologische Ansätze habe ich mehr als genug nach all den Jahren in meinem Job, also nichts wie ran ans Werk. Doch wer schreibt, muss seine Gedanken ordnen und strukturieren, und vieles, was man eigentlich weiß, muss besser belegt, verfeinert oder aufbereitet werden. Ein fantastischer Job! Der Text wuchs und wuchs und wuchs, und irgendwann hatte er die Größe eines normalen Artik…

Let's Dance!

Oder: Auch Alte können Tango tanzen 

"Du bist aber nicht gerade der typische Veganer!" sagte die attraktive 22-jährige völlig verwundert zu mir, nachdem sie erst die Cashew-Gryta auf meinem Teller sah und daraufhin ein anderer Herr am Tische sie väterlich aufklärte: "Marcus ist ein..., ein Veganer." Der herzerwärmende Charakter dieser kurzen Unterhaltung musste mir ins Gesicht geschrieben stehen, denn mein erfreutes "Ach nein? Warum nicht?" beantwortete sie mit entwaffnend großer Offenheit: "Naja, erstens bist du ein Mann. Zweitens ein Christ. Und drittens alt."

Bingo.

Ich bedankte mich dreimal. Schießlich hatte sie meine Männlichkeit, meinen Glauben und mein Alter vor allen Anwesenden respektiert. Das sind Momente, die vergisst man nicht. Und sollte sie danach noch auf die Idee kommen und fragen, warum ich denn vegan sei, dann wäre das gerade so, als böte mir jemand einen schottischen Single-Malt und einen guten Zigarillo auf der Sommerveranda …