24 November, 2009

In meinen Träumen...

Das war das Thema unseres vergangenen "H2O med SMAK" zum Thema "In meinen Träumen...". Wieder war es für mich ein sehr positives Erlebnis. Vor allem, weil wieder neue Gäste kamen. Ein Gast kam, weil er morgens von unseren "Medvandrare" spontan eingeladen wurde. Was er sagte, macht mich betroffen: "Ich kenne niemanden hier. Ich habe keine Freunde und niemand, mit dem ich reden kann." Sein Traum ist es, schnell die Sprache zu lernen und einen Job zu finden. "Denn hier will ich leben", sagte er. Vor einigen Monaten ist er aus einem anderen EU-Land hergezogen. Welche Lebensgeschichte, welches Schicksal verbirgt sich hinter solch wenigen Worten? Wir wissen es noch nicht. Unser Traum ist es, den Menschen, die Gott uns in den Weg stellt, wie Jesus zu begegnen. Auf dass sie Liebe, Annahme, heilsame Veränderung und etwas übernatürliches erfahren.


* * *

"In my dreams..." was the topic of our last "H2O med SMAK" which means H2O with taste. SMAK means community, food, spirituality and creativity. We want to create opportunities where people find it easy to open up, where they feel save and accepted. Our monthly SMAK events always have a buffet and a simple topic which is easy to talk about but has at the same time the potential for going deeper. Here we don't want to preach at people but rather talk or discuss about different views. Even if somebody would come up with (for Christians) ridiculous opinions or believes we would never answer in a way like "but the Bible says...". We would rather ask for more information and letting somebody explain it a little better. We might share our view of course and how we look at it. But one of the goals with SMAK is that we want people to feel accepted, we want trust to grow. After that we can start discussing at a deeper level and see how the Spirit will guide us here. This discussion would probably not be at a SMAK night. For that we'll create other occasions. For now it's our dream with SMAK to shape communities of trust and occasions where people can open up.

23 November, 2009

Luke's TjänaStan-Clip

Luke war unser TjänaStan-Fotograf. Hier ist Lukes's Bildervideo:

20 November, 2009

Und noch ein paar Bilder

Das große Finale war die Party am Samstagabend. Unsere Freiwilligen hatten in der Woche spezielle Tickets solchen Menschen geschenkt, mit denen man ins Gespräch gekommen war.
Musik, Buffet, ein Quizz, Verlosung mit Preisen waren von einer Gruppe Freiwilliger vorbereitet worden.
Rund 100 Personen folgten der Einladung. Eine hervorragende Mischung der Gäste! Aus aller Herren Länder, Familien, Singles, Obdachlose, Rentner. Einige Gäste lieferten sich sogar einen kleinen Kampf, ansonsten war die Stimmung locker, fröhlich und entspannt.
Die Botschaft des Abends: Du bist willkommen! Gott liebt Dich und hat einen Plan für Dein Leben. Wie ich hörte, kommen einige der Gäste nun in den Gottesdienst. Eine Frau fragte: Warum bin ich nicht schon viel früher hierhergekommen? Sie war offensichtlich vorbereitet und TjänaStan war genau das richtige, um sie "abzuholen".

Fikawagen

Nicht zu vergessen der Fikawagen!
Von 22.00 Uhr abends bis 04.oo Uhr morgens teilen Freiwillige ca 500 Tassen Kaffee, Tee oder Saft aus und bieten kostenlos Gebäck an.
Vom 10-jährigen bis zum Rentner ist die gesamte Alterpalette geboten und auch der Alkoholpegel der Gäste geht auf der nach oben offenen Promilleskala von 0 bis x.
Eine lange Nacht für die Freiwilligen, aber alle sind sich einig: Das war so gut, das wollen wir wieder machen!

Noch mehr TjänaStan Bilder

Der Samstag ging damit los, dass bei zwei Second-Hand-Shops schon in aller Frühe Kaffee und Gebäck an die Menschenschlange verteilt wird, die schon lange vor Toresöffnung in der Kälte wartet. Meine Kinder und ich waren für Reningsborg in Angered zuständig und waren erstaunt, wie glücklich die Menschen durch diese kleine Geste wurden. Unsere Kinder waren begeistert.

Später startete "Handla för andra" - einkaufen für andere. An zwei Supermärkten gaben unsere Freiwilligen Einkaufslisten an die Kunden aus und baten sie, doch etwas davon einzukaufen...

...hinter der Kasse konnten die Waren bei anderen Freiwilligen in Kartons abgegeben werden...
... für Kunden, die Freiwilligen und selbst das Personal der Supermärkte war dieses Projekt eine einzige Freude...
Für mehr als 35.000 Kronen wurden in wenigen Stunden Lebensmittel eingesammelt, die wir an zwei karikative Einrichtungen in der Stadt weitergeleitet haben.

19 November, 2009

Happy birthday, Judy!

Alles Gute und Gottes reichen Segen! Man verrät ja nicht, wie alt eine Dame wird, an diesem Fall können wir sagen, dass es ein runder Geburtstag ist!


* * *

God bless you abundantly and keep guiding you! (Of course we won't tell her age - we just say it's a special birthday!)

Die Wölfe kommen

Dass die Wölfe wieder immer weiter zurückkommen, ist hier schon lange im Gespräch. Dass sie schon bis in den Norden Göteborgs vorgedrungen sind, ist neu: Kürzlich wurde ein Wolf in Eriksbo (ca. 1-2km von uns) gesichtet, einige Tage danach wurde ein Wolf von mehreren Personen in Linnarhult (unser Wohngebiet) und am Lärjeån gesehen (das Flüsschen, an dem wir immer mit Zera spazieren gehen). Hier in der Zeitung steht noch mehr - ist zwar in Schwedisch, aber Google übersetzt ja mittlerweile fast alles.


* * *

Wolves are coming back! A few days ago a wolf was seen in Eriksbo (about a mile away from our home), some days later it was seen by several people in Linnarhult (our neighborhood) and the area we use to walk our dog. Exciting, isn't it?

18 November, 2009

Mehr Bilder

Wenn der Internetanschluss einmal funktioniert sollte man es auch ausnutzen...
Eine Gruppe besuchte "Sagåsen" eine von drei Stellen in Schweden, wo neue Einwanderer aus aller Herren Länder ankommen. Zumal der "Fremdling" in der ganzen Bibel eine ganz besondere Rolle spielt und spezielle Fürsorge für den Fremdling geboten ist, nahm sich diese Gruppe allen an, die an jenem Tag ankamen.

Man hieß die Menschen willkommen, trank Kaffee oder Tee, verschenkte Mützen, kommunizierte auf alle mögliche Weise und spielte mit den Kindern. Wir haben uns hier einer Gruppe angeschlossen, die dies jede Woche macht und somit Erfahrung hat. Aus Rücksicht und Respekt vor den neu angekommenen Einwohnern Schwedens gibt von deren Gesichtern natürlich auch keine Fotos.

Bilder

Wir haben die Bilder bekommen und unser Internet funktioniert auch gerade, da will ich doch gleich mal die ersten Fotos hochladen.
Beim Auftakt: Die einzelnen Projektgruppen besprechen ihre Einsätze.

Projekt "35 - ein Bett für die Nacht": Die Helfer gehen in ein spezielles Obdachlosenheim und helfen dort, die Zimmer zu richten und das Essen vorzubereiten. Einige bleiben länger für Gespräche.

So sehen die Zimmer aus, wenn alles fertig ist. Die Menschen, die hier übernachten, müssen von Feldarbeitern gebracht werden und dürfen nur eine Nacht bleiben. (Es handelt sich hier um eine besondere Gruppe von Obdachlosen.) Natürlich haben wir von den Gästen selbst keine Fotos.


15 November, 2009

Furchtbare Internetverbindung

Zur Zeit haben wir leider eine katastrophale Internetverbindung, die ständig zusammenbricht und absolut unzuverlässig ist. Unser Provider sagt, wenn wir meinten, Hilfe zu brauchen, könnten wir ja einen Elektriker beauftragen, sie würden jedenfalls nichts machen. Und deshalb haben wir nun gekündigt, müssen aber noch bis Ende Januar auf den neuen Anschluss warten... Bis dahin ist es manchmal wirklich lästig, gerade die Zeiten zu finden, wo man ins Internet kommt und z. B. hier etwas schreiben kann. Tut mir auch leid...

12 November, 2009

Letzte Woche

Wir haben zwar immer noch keine Bilder der letzten Woche, aber ein bisschen erzählen kann ich trotzdem. Letzte Woche Mittwoch ging es mit einem Treffen der Freiwilligen los. Die letzten Infos wurden gegeben, es wurde gebetet und die jeweiligen Projektgruppen besprachen sich untereinander. Die erste Gruppe ging gleich anschließend zum Einsatz, ein Quartier für spezielle Obdachlose vorzubereiten, nämlich solche, die absichtlich mit keinem Sozialamt in Kontakt stehen möchten. Es wurde Essen gerichtet und die Räume vorbereitet. Gegen 10 kommen die Gäste, und wer von den Freiwilligen wollte, konnte noch ein bis zwei Stunden mit den Gästen reden. Dieses Projekt wurde bis Samstag jeden Abend angeboten und erhielt eine ganze Reihe Anmeldungen.


Am Donnerstagvormittag begann Judys "Lean on me!". Die Freiwilligen trafen sich auf dem Järntorget (=Eisenplatz), baten um Gottes Wegweisung und trennten sich wieder auf, um Menschen in Not aufzuspüren. Manche haben sich eine Weile zu Bettlern gesetzt oder mit ihnen zusammen Mittag gegessen. Manche haben andere einfach auf einem Kaffee eingeladen und zugehört. "Lean on me!" wurde fünfmal durchgeführt. Leider wurde dieses Projekt durch das Wetter und die Dunkelheit beeinträchtigt, meinte Judy, nächstes Frühjahr sollte es noch besser klappen.

Donnerstagnachmittag ging eine Gruppe nach "Sagåsen", einem der drei schwedischen Empfangslager für Flüchtlinge und Asylanten. Man begrüßte die neu Angekommenen, trank eine Tasse Kaffee oder Tee mit ihnen, kommunizierte in allen Sprachen, die zur Verfügung standen oder nur mit Gesten und Körpersprache, spielte mit den Kindern und verteilte warme Mützen. Auch dieses Projekt erfreute sich großer Beliebtheit und die Resonanz der Freiwilligen war sehr positiv. Und was am Wochenende so abging, erzähle ich morgen oder übermorgen.

Mir persönlich sind in der vergangenen Woche durch meine eigenen TjänaStan-Erfahrungen ein paar Dinge sehr, sehr deutlich geworden:

Für mich persönlich ist es als Jesus-Nachfolger ausgesprochen wichtig, mich klein und niedrig zu halten. Das geht nicht, indem ich auf Kanzeln stehe oder super Vorträge halte oder alle mich toll finden. Aber es geht, indem ich ein Freund der Armen werde, und dies zu einem Lebensstil mache.

Wenn es um Evangelisation geht, sind Christen leider oft als predigende Besserwisser bekannt, die sagen, was man oder frau glauben muss, in deren Alltagsleben aber sonst kaum ein Unterschied zu sehen ist. Dieses Vorurteil möchte ich nicht bestätigen sondern umdrehen. Ich möchte ein Vorbild sein, das anders lebt. Leider bin ich so an meinen westlichen Lebensstil gewöhnt, dass ich manchmal bewusste Gelenheiten brauche, einen anderen Lebensstil zu trainieren. TjänaStan bietet mir verschiedene "Kurse und Lektionen".

Als ich am Montag im Knast war, sagte jemand: "Die Temperatur einer Gemeinde kann man daran messen, wie sehr sie sich um die Gefangenen kümmert." Der Satz hat eingeschlagen bei mir. Wie oft habe ich in meinem bisherigen Leben Jesus im Knast besucht (Mt 25)? Noch kein einziges Mal!

Alles in allem hoffe ich, auch zwischen den TjänaStan-Ereignissen für mich Gelegenheiten zu schaffen, ein liebevollerer, demütigerer, niedrigerer, dienenderer Jesus-Nachfolger zu werden.

09 November, 2009

Danke

Danke für jegliche Unterstützung während TjänaStan! Wir hatten ein paar fantastische Projekttage, die heute mit mit einem Besuch im Knast zu Ende gehen werden. Sobald ich Bilder habe, werde ich etwas mehr erzählen. Bis dahin sage ich nur: Herzlichen Dank!

* * *

Thank you for each support as we did TjänaStan! We had some fantastic project days. Today is the last project going on as a group of 11 volunteers is visiting prisoners in jail. As soon as I get some pictures I'll tell a little more. Thanks for your prayers!

04 November, 2009

Heute beginnt TjänaStan!

Heute gehen wir in die zweite Runde! Dieses Mal ist es nicht nur ein einzelner Projekttag, sondern fast eine ganze Woche mit verschiedenen Aktionen. TjänaStan (= diene der Stadt) lädt Menschen ein, mal aus dem eigenen Saft herauszukommen, in dem man sonst immer brät. Es fordert heraus, anderen Menschen zu dienen, die man sonst gar nicht kennt. Es soll Gelegenheiten bieten, neue Erfahrungen zu machen und die Welt ein bisschen bunter, schöner, liebevoller zu gestalten. Das ist unsere Art, der Stadt zu predigen, wie wir uns den Himmel vorstellen und welche Hoffnung wir in der Auferstehung haben. 104 Anmeldungen haben wir bis gestern Abend erhalten! Das sind deutlich mehr als das letzte Mal und dies freut uns natürlich sehr.


Heute Abend um sieben ist der Auftakt, bei dem sich alle Freiwilligen treffen und Inspiration erhalten. Gleich im Anschluss beginnt für die ersten der Einsatz: "Nr 35 - ein Bett für die Nacht" In einem Obdachlosenheim mit der Hausnummer 35 werden Betten gemacht, Brote geschmiert und anschließend bleiben noch ein paar für Gute-Nacht-Geschichten. Bis Samstag kann man das jeden Abend machen.

Morgen um 8 beginnt der nächste Einsatz: "Café Vasagatan". Dies ist ein Café speziell für Obdachlose, wo man morgens frühstücken kann. Einige Freiwillige werden mit ihnen gemeinsam früstücken. Während des TjänaStan Projektes wird dies jeden Vormittag angeboten.

Am Donnerstagvormittag beginnt auch eines der spannendsten Projekte: "Lean on me!", welches bis Samstag fünfmal angeboten wird. Eine Gruppe begabter Menschen lässt sich vom Heiligen Geist zu Menschen führen, die gerade jetzt in einer Notsituation stecken und Hilfe oder ein tröstendes Wort brauchen. Das kann eine Oma sein, die über die Straße muss oder ein Mensch, der mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen. Unsere Freiwilligen wollen genau diese Menschen aufspüren und ihnen zur Seite stehen. Das mag für viele eine sehr ungewohnte Vorstellung sein, aber glaubt mir, es gibt nicht nur Menschen, die das können - oft müssten wir (die wir meinen, so etwas nicht zu können) nur mit offeneren Augen durchs Leben gehen und/oder mehr Zilivcourage zeigen. Bitte schaut doch mal auf unserer Webseite das "Lean on me!" Video von Kirk Franklin an!

Donnerstagnachmittag geht die Gruppe "Sagåsen" mit 11 Freiwilligen zur Einwandererbehörde, und heißt neu angekommene Einwanderer, Flüchtlinge oder Asylsuchende willkommen, redet mit ihnen, spielt mit den Kindern und teilt warme Mütze aus für solche, die aus heißen Ländern in den schwedischen Winter kommen.

Am Freitag stößt eine kleine Gruppe Studenten aus Småland hinzu, die davon hörte und gerne mal bei so etwas dabei sein wollte. Am Abend ist erstmal ein Gottesdienst für junge Erwachsene, welcher bei Saron stattfindet und wo auch wir dabei sein werden. Gegen 22 Uhr geht es dann richtig zur Sache: Eine Gruppe Freiwillige macht den "Kaffeewagen am Järntorget". Der Kaffeewagen ist ein Wohnwagenähnlicher, ausfahrbarer Anhänger. Järntorget ist einer dieser Plätze, die es in jeder Stadt gibt. Ein Platz, wo die meisten Polizeieinsätze verzeichnet werden. Bis 4 Uhr morgens wird die Gruppe dort kostenlos Kaffee, Saft und Gebäck verteilen und für alle Arten von Gesprächen zur Verfügung stehen.

Samstag um 9 geht es für die nächsten weiter: "Kaffee in der Schlange" heißt es nun. Wie ihr vielleicht wisst, sind Second Hand Shops äußerst beliebt in Schweden, und die Kunden beginnen schon eine Stunde vor Öffnung Schlange zu stehen. Wir werden sie an zwei Second Hand Shops mit Kaffee und Gebäck überraschen.

In den gleichen Shops werden wir hinterher "Medvandrare" sein, Begleiter, die im Café der Shops für Hilfe, einen kleinen Quatsch oder ein längeres Gespräch zur Verfügung stehen.

Samstag um 10 beginnt ein weiterer Einsatz: "Handla för andra" oder "Kauf mal was - aber nicht für dich." In zwei Lebensmittelgeschäften geben wir allen Kunden eine kleine Einkaufliste mit der Bitte, doch etwas davon mitzukaufen. Hinter der Kasse können diese Sachen bei anderen Freiwilligen abgegeben werden. Wir werden sie zum Beispiel ans Obachlosencafé weiterleiten.

Samstagnachmittag steigt die fette Party: Während der ganzen Woche teilen wir Tickets aus, die zum Kommen einladen. Es gibt Musik, Essen, Bilder, Spaß und eine Verlosung. Jedes Ticket ist auch ein Los. Wir möchten mit Großzügigkeit Freude austeilen und es zu einem persönlichen Erlebnis werden lassen.

Sonntag wird ganz normal Gottesdienst bei Saron sein - ansonsten gibt es eine Verschnaufpause.

Und Montagabend ist der letzte Einsatz: Eine Gruppe aus 11 Freiwilligen geht in den Knast. Wir wissen alle noch nicht, wie das werden wird.

Aber wir wissen, dass dies eine außergewöhliche Woche werden wird. Und natürlich auch sehr anstrengend in mehrfacher Hinsicht. Deshalb bitten wir Euch herzlich, für uns, unsere Famile, unser Team und alle Freiwilligen zu beten. Vergesst natürlich auch die Menschen nicht, die wir treffen und denen wir dienen werden. Danke für Eure Hilfe und Unterstützung aus der Ferne!

31 Oktober, 2009

Was ist "das Evangelium"?

TjänaStan nähert sich, und gerade vor solch größeren Einsätzen sollte man sich immer wieder fragen, was man eigentlich vermitteln will. Genauer gesagt, was der absolute Kern unserer Botschaften ist. Klar doch, es ist das Evangelium. Das wollen wir auf alle erdenkliche Art weitergeben. Aber was ist "das Evangelium"? Schon mal drüber nachgedacht? Wieviele Sätze brauchst du, um das Evangelium zu erklären und sicher zu sein, nichts vergessen zu haben? Was ist deine Kernbotschaft? Vielleicht sollte ich hier mal einen Absatz machen, damit man kurz überlegen kann.


Möglicherweise denkt man zuerst an die "Brückenzeichnung", um das Evangelium zu erklären (eine einfache Illustration um die Notwendigkeit des Todes Jesu zu veranschaulichen), oder die "Römerstraße" (eine Reihe Bibelverse aus dem Römerbrief). Vielleicht denkt man an "die vier geistlichen Gesetze" (ein kleines Heft herausgegeben von Campus für Christus, welches in vier Schritten erklärt, wie man ein Jesus-Nachfolger werden kann) oder man hat seine eigene Art, das Evangelium zu definieren und zu erklären.

Entsprechend der ersten Christen in den ersten Jahrhunderten war "das Evangelium" viel, viel einfacher und kürzer. Es war die einfache Mitteilung: "Jesus ist Herr und nicht der Kaiser!". Dieser einfache Satz war eine gute Nachricht, eine freudige Mitteilung. Nicht der Kaiser, Jesus ist Herr! Mit diesem Evangelium breitete sich der christliche Glaube wie ein Lauffeuer im römischen Reich aus. "Es gibt Hoffnung! Jesus lebt und wird die ganze Erde in Kürze erneuern und allem jetzigen Machtgehabe und Leid ein Ende setzen, hurra! Ich bin dabei!!" Wer das glaubt, ist gerettet.

Denn wer das wirklich glaubt (und nicht nur "kann gut sein!" sagt), hat Jesus auch zum persönlichen Herrn und wird ihm folgen. Genau das taten die ersten Christen und folgten Jesus, indem sie wie er lebten - und manche sogar wie er starben. Das wiederum hat viele andere neugierig werden lassen auf diesen christlichen Kult. Es klang einfach spannend und faszinierend, was die Christen da trieben. Was steckt denn bloß dahinter, fragten sich viele verwunderte Römer. Auf Nachfrage hörten sie die einfache Botschaft: "Jesus ist Herr und nicht der Kaiser! Und das was wir tun ist nichts anderes als die logische Folge wenn Menschen ihm nachfolgen. So sieht Gottes Reich aus - im Gegensatz zum Römischen Reich." Immer mehr Römer entschlossen sich also, fortan Jesus anstelle des Kaisers zu folgen.

Wer einfach nur glaubt, dass Jesus lebt und von Gott dem Schöpfer als König der Welt eingesetzt wurde und seine Herrschaft in Kürze auch für alle sichtbar werden wird, ist schon gerettet! Wer das einfach nur glaubt bekommt das ganze Gnadenpaket als kostenloses göttliches Give-away mit dazu, all inclusive sozusagen. Deshalb möchten wir als H2O Jesu Herrschaft heute schon sichtbar werden lassen und Jesus als bemerkenswert guten und persönlichen König vorstellen. Wir wollen dies tun, indem wir selbst wie Er leben.

Das ganze ist natürlich auch ganz schön konfrontativ. Es hat enormes Konfliktpotential. Nicht umsonst wurde Jesus gekreuzigt und nicht umsonst sind so viele Christen in römischen Arenen gelandet. Das Evangelium bringt nicht nur Frieden sondern auch das Schwert. Zäumen wir das Pferd mal rückwärts auf: Wer nicht lebt, wie Jesus - und das will sagen: in wessen Leben kein deutlicher Unterschied zum Rest der Welt erkennbar ist - wer nicht bereit ist, wie Jesus zu sterben, folgt ihm auch nicht nach. Wer ihm nicht nachfolgt, glaubt auch nicht wirklich, dass Jesus Herr ist, denn sonst würde er oder sie ja folgen. Wer nicht glaubt, dass Jesus Herr ist, ist auch nicht gerettet. Und da haben wir schon das erste große Problem: Viele von denen, die mal "eine Entscheidung" für Jesus getroffen haben, werden sich wohl mal Mt 7:21-23 (s.u.) anhören müssen. Sie haben sich in dem trügerischen Glauben gewogen, "gerettet" zu sein, doch sie haben Jesus nur "Herr" genannt, ihn nie als solchen behandelt. Das ist natürlich äußerst unbequem, weil es so manchen "christlichen" Lebensstil und so manche oberflächliche Evangelisationsmethode zutiefst in Frage stellt.

Das andere Problem ist noch viel größer. Es betrifft den Teil "...und nicht der Kaiser!". Wenn wir sagen "Jesus ist Herr und nicht der Kaiser!" ist das eine direkte Kampfansage an die bestehenden herrschenden Mächte. Zu römischen Zeiten war es der Kaiser. "Kaiser, du hast nicht viel zu melden in dieser Welt, weißt du das eigentlich?" Kein Wunder, dass die Kaiser nicht sehr amüsiert reagierten. Heute ist es sehr viel defizieler. Wer sind die heutigen Kaiser, müssen wir uns als Christen fragen. Natürlich können es Politiker und Präsidenten sein. Aber denken wir nur mal die Macht der Wirtschaft und wie sehr sich manche darin suhlen. Können wir uns eine Aussage wie "Jesus ist Herr, und nicht die Banken!" vorstellen? Welchen Einfluss erlauben wir den Medien? Jesus ist Herr, und nicht die Werbung! Vergessen wir auch nicht den Einfluss von Korruption und Schmiere, Menschenhändlern und Schiebern, Drogenorganisationen und Pornoindustrie. Und das sind noch längst nicht alle heutigen Kaiser. Wagen wir es als Christen, es mit solchen Mächten aufzunehmen? "Jesus ist Herr und nicht du!" Wagen wir es, uns dem Gelächter dieser machtgeilen Geschöpfe auszusetzen? Bleiben wir standhaft, wenn sie ihre Geschütze gegen uns aufrichten, weil sie der Meinung sind, dass so ein paar naive, lächerliche Christen, die verrückt genug sind, es mit UNS aufzunehmen, weggeblasen gehören? Wagen wir es, Jesus wirklich zu FOLGEN oder bleiben wir lieber in unseren frommen Mauern und verteilen bestenfalls ein paar fromme Traktate?

Jesus ist Herr, und nicht der Kaiser. Wer das glaubt, wird es leben, so, wie der Herr es jedem geben wird. Wer das glaubt, ist gerettet, vergeben, eine neue Kreatur, Teil der neuen Schöpfung, Träger des neuen Lebens in einer vergänglichen Natur. Das ist doch wirklich eine gute Botschaft oder? Ach, möge sie doch wieder sichtbar werden, diese frohe Botschaft! Mögen immer mehr Europäer wie die Römer damals neugierig werden, weil sich da so eine wohltuende Gegenkultur ausbreitet, ganz anders als alles was man sonst so kennt. Vielleicht braucht es dazu mehr echte Jesus-Nachfolger, breit, sich zum Fraß vorwerfen zu lassen. Weil sie wissen, dass letztlich Jesus Herr ist. Die Geschütze der Herrscher dieser Welt werden sich einst als extrem lächerlich herausstellen, wenn ihnen der wahre Herr entgegentritt.



Mt 7:21-23
21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? 23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!


30 Oktober, 2009

TjänaStan Vorbereitungen

Nächste Woche ist es soweit, TjänaStan geht in die zweite Runde. Alle Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und wir hoffen und beten, dass es wieder ein gesegneter Einsatz wird. Am Sonntag ist das letzte Treffen der Vorbereitungsgruppe. Bitte betet mit uns!


* * *

Next week we'll have our second Serve the City event. We're preparing with full steam and we hope and pray it will be again a blessed thing. On Sunday the planning group will have its last meeting prior to Serve the City. Please join us in prayer!

28 Oktober, 2009

Ferien

Grad sind Herbstferien, und meine Familie ist gar nicht zu Hause. Meine Schwägerin hat ihre Zwillingsschwester und die Kinder wie schon letzten Herbst zu sich nach Glasgow eingeladen. Da ist es ganz schön still im Haus! Selbst dem Hund ist es ungewohnt. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Zum Glück war ja einiges los für mich, GLS am vergangenen Wochenende, einen ganzen Tag mit SALT-Studenten, Teamtreffen und so weiter. Trotzdem freue ich mich, wenn ich meine Lieben morgen endlich wieder abholen darf!


* * *

Holidays and my family is away! Just as last year Karen's sister invited them to visit her in Glasgow. And they didn't take me along... So I have to stand the silence. Even our dog has to get used to it. Fortunately there was a lot to do this week, so it didn't get boring. But tomorrow is the day, they're coming back!

23 Oktober, 2009

Tack, Ingolstadt!

Danke für eine super Zeit in Ingolstadt! Auch wenn es diesmal nur kurz war, habe ich es sehr genossen!

16 Oktober, 2009

Wir sehen uns in IN

Morgen geht's nach Ingolstadt! Ich freue mich auf Euch!

14 Oktober, 2009

Letzten Samstag: H2O med SMAK

In einer internationalen, aber ständig wachsenden und schwedischprachigen Gruppe haben wir letzten Samstag wieder H2O med SMAK durchgeführt. Es gab eine rege Diskussion, diesmal zum Thema "Erinnerung - wäre es gut wenn wir löschen könnten?" Wir sind ermutigt und bitten Euch weiter um Euer begleitendes Gebet.


* * *

Last Sarurday we offered again "H2O med SMAK", an international but Swedish speaking and community building monthly event at Reningsborg. We had a good discussion on "memories - would it be good if we could erase?" We're encouraged and ask you for your continuing prayers.

07 Oktober, 2009

Räcker räckorna?

Das heißt soviel wie: Reichen die Krabben? In dem Fall haben sie dicke gereicht: Wir waren neulich bei einer Familie zum Krabbenessen eingeladen, zusammen mit ein paar anderen Familien. Nachdem wir alle fleißig zun Ende gepuhlt hatten, waren so viele Krabben übrig, dass man beschloss, sie den Deutschen mitzugeben. Den Sonntag danach ist also die ganze Familie nochmal satt geworden. Zum allerersten Mal habe ich übrigens Krabben vor exakt 28 Jahren und 3 Monaten gegessen. Und das war wo? In der Göteborger Fischkirche!




N.T. Wright: Surprised by Hope

Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe. N.T. Wright beschreibt im Grunde die Bedeutung und Wichtigkeit der Auferstehung und macht auf Dinge aufmerksam, die sich im Laufe der Kirchengeschichte so eingeschlichen haben. Ein faszinierendes Buch und ein Muss für den, der gerne ein bisschen tiefer graben möchte (zum allgemeinen Verständnis ist kein Theologiestudium, sondern nur Englischkenntnisse Voraussetzung, weil es dieses Buch leider, leider nicht auf Deutsch gibt).
A must read for each church leader today I'd like to say. One of the best books I ever read on meaning and theology of Jesus' resurrection. Wright shows also some important but incorrect theological developments we all accept because we are so used to them. I love N.T. Wright.

Gemeinde - ein Verein oder eine Firma?

Bald ist wieder GLS-Zeit in Schweden. GLS heißt Global Leadership Summit und ist nichts anderes als Willow-Creeks jährliche Leiterkonferenz. In Schweden wird GLS in den Großstädten angeboten als eine halb Live, halb aufgezeichnete Veranstaltung. Unser Partner Saron ist Treffpunkt für alle Gemeindeleiter im Göteborger Raum. Natürlich werde auch ich wieder da sein, nicht zuletzt, um andere Gemeinden zu treffen und um getroffen zu werden. Nun habe ich selbst meine Leiterausbildung in den USA absolviert und weiß, dass die Amis hier sehr viel Gutes zu sagen haben. Ich weiß auch, dass die Deutschen in Sachen Menschenführung und Leitung deutlich mehr Nachholbedarf haben als die Schweden. Und so begeistert ich von vielen Dingen auch immer noch sein mag, ein paar Fragen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf:


Muss Gemeinde wie eine Firma geführt und strukturiert werden?

Muss Gemeinde wie ein Verein geführt und strukturiert werden?

Und wenn die Antwort auf beide Fragen auch Nein lauten kann, wie muss Gemeinde dann geführt und strukturiert werden?

Ich habe keine klaren Antworten auf diese Fragen, deshalb werde ich auch hier keine versuchen. Aber vielleicht möchte mir jemand helfen und mir eine weitere Frage, einen Gedanken, oder eine Bemerkung dazu geben. Ich würde mich freuen.

* * *

Soon we have GLS time over here in Sweden, and Saron will be the meeting point for many church leaders of the Gothenburg area. Of course I will be there, just for the network's sake. And since I've been trained as a leader in the USA I can say how much I love the way Americans deal with the topic of Christian leadership. And it's great to expirience the opennes of Swedish leaders to new inspirations and thoughts, and especially Willow Creek has had a big influence on Swedish churches. Anyway, I am dealing with some questions right now.

Do we have to lead and structure churches like companies or registered associations?

And if we answer no, what kind of options to we have to lead and structure Christian communities?

There's some brain work going on in my head right now - probably triggered by my silent retreat in a monastery. Maybe some would help me by giving a comment on that???

05 Oktober, 2009

Ora et labora

Wobei letztes Wochenende eher "ora" angesagt war. Eine Schweigefreizeit, in der man einem mönchischem Tagesablauf folgte und viele meist koptische Liturgien durchbetete und ansonsten gar nichts sagte. In den Stunden zwischen den Gebeten, Mahlzeiten und Andachten hatte man die Möglichkeit, in der Bibliothek zu lesen, sich auf sein Zimmer zurückzuziehen oder Spaziergänge in Europas größtem Eichenwald machen. Eine unschätzbare Erfahrung.


Für mich waren es weniger die Liturgien, die mich angesprochen haben. Das ist nicht meine persönliche Art, Gott näher zu kommen. Mit Liturgien habe ich immer eher auf Kriegsfuß gestanden, es waren nur tote Formen für mich. Und in der Tat, in vielen Kirchen ist es auch nicht mehr. Es war hochinteressant zu erleben, wie eine Liturgie zu Leben erwachen kann, wenn sie von Menschen mit echtem Leben erfüllt wird. Hier waren junge Männer und Frauen, echte Jesusnachfolger, die einen Teil ihres Lebens in einer Art Orden verbringen möchten. Und eine Gruppe schweigender Männer, die sich ihnen für ein Wochenende anschloss. Plötzlich konnte man echte Tiefe und Weisheit in den festen Gebetszeiten wie die Laudes oder die Vesper entdecken. Man wurde immer wieder an einfache aber so wichtige Glaubensweisheiten erinnert, konnte sie verinnerlichen, sie wieder neu auf sein eigenes Leben beziehen. Es gab hier keine Heiligenverehrung, sondern hier standen alleine der Vater, der Sohn und der Heilige Geist im Mittelpunkt. Zum Glück, sonst hätte ich wohl doch Probleme bekommen. Der Leiter der KOmmunität war (ist?) ein (ehemaliger?) Pfingstler, kann man das glauben. Er erinnerte mich an Ed Rommen, der als Evangelikaler zur Orthodoxen Kirche "übergelaufen" ist. Nun, heute kann ich verstehen, warum. Vielleicht ein anderes Mal mehr dazu. Eigentlich wollte ich ja sagen, dass es eben NICHT die Liturgien waren, die mich ansprachen.

Es war zum Einen die Erfahrung der Ruhe. 20 Stunden hat es gebraucht, bis ich spürte, dass mein Geist auch angekommen war. Wie sehr brauchen wir heute Ruhepole in dieser hektischen Welt?

Zum anderen war es die erneute Erfahrung, dass Gott lebt und ein sehr lebendiger und persönlicher Gott ist. Er redet. Er redet fast wie ein irdischer Vater, wenn auch nicht mit hörbarer Stimme. Durch Gedanken, klar und deutlich wie ein gesprochenes Wort, durch das Mitbeten, das Hören der Andachten aus Gottes Wort, das eigene Bibelstudium. Er redet, und er redete zu mir und hatte einige wichtige Dinge zu sagen, so wichtig, dass ich an einer Stelle das Gespräch mit dem leitenden Geistlichen aufsuchte. Es ist so inspirierend wie nichts anderes, wenn der Allmächtige in das eigene, kleine Leben spricht. Wie armselig ein Leben, das das nicht kennt.

Einige Dinge nehme ich mit aus diesem Wochenende. Einige wichtige Dinge. Eins ist, dass ich dies nicht zum letzten Mal gemacht habe. Im nächsten Jahr werde ich es wohl wiederholen. Auch wenn ich persönlich keine klösterlichen Liturgien brauche.

01 Oktober, 2009

Schweigefreizeit

Heute geht's ins Kloster. Ich weiß nicht, ob man mir auch den Kopf rasieren wird, in jedem Fall ist es aber so, dass es dort einen mönchmäßigen Tagesablauf geben wird, und in der Zwischenzeit wird nicht geredet. Laptop bleibt zu Hause, Handy geht offline, und jegliche weitere Elektronik hat auch keinen Zutritt. Für wenige Tage soll das Flüstern des Heiligen Geistes mal nicht überdröhnt werden wie sonst. Am Sonntag komme ich zurück, und ich bin sehr gespannt, wie es werden wird und was der Herr zu sagen hat.


* * *

Today I am going into a monastery. Not sure if they will also shave my head. But there will be a monastical daily routine, and we're not supposed to talk for the whole time. My laptop stays home, my mobile goes offline, and all the other gadgets are not allowed either. For a few days we want to turn off the cannonading against the whispering of the spirit and we want to listen what he has to say. Sunday I'll be back. We'll see what God will be talking about.

29 September, 2009

Medvandrare

Seit Mitte November machen wir nun die Medvandrare (Begleiter). Jeden Samstag sind zwei von uns im Café des Reningsburger Second-Hand-Verkauf. Letzten Samstag war ich mal wieder dran. Ich merke, wie die "Medvandrare" sich etabliert haben. Unter den Kunden gibt es natürlich viele, mit denen man so gut wie nie in Kontakt kommt, bestenfalls gibt einen Gruß oder ein Lächeln. Und immer wieder gibt es solche , die man zum erstem Mal sieht und die fragen, was das denn sei, Medvandrare. Und es gibt Kunden, die sich schon richtig freuen, wenn man sich sieht, zu denen man sich an den Tisch setzt, und mit denen man nicht selten über eine ganze Stunde über Gott und Welt redet. Jeder von uns Medvandraren hat so seine eigene Art, samstags da zu sein. Manche helfen im Café wie eine Bedienung mit. Manche gehen immer wieder mal mit der Kaffeekanne rum und laden auf eine Extratasse ein. Manche sitzen einfach nur auf einem Barhocker und beten für die Leute, die vorbeigehen. Dabei kommen manchmal ganz interessante Geschichten raus. Manche helfen auch im Laden mit. Eins haben alle Medvandrare aber gemeinsam: Echte Liebe und Freundlichkeit, Regelmäßigkeit, ein Dienst in einem offenen Rahmen, Spontaneität, viel Geduld und ein offenes Herz. Das sind die Zutaten, die wir hier entdecken. Mit diesen Zutaten im H2O werden wir hier weitere Gerichte kochen.


* * *

Since November we're doing our Medvandrare ministry (the companions). It's encouraging to see how this ministry is now an established part of the Second Hand café. We got to know plenty of people, and each Saturday those who are on for medvandrare have many conversations with different people. For you, who is reading those lines in America or with an American background I need to say that you cannot assume it is as easy in Sweden to involve somebody in a converation as it is in America. It's just very, very different. For us it took months of a regular appearance in that Second Hand shop. We needed to show up each week until people start wondering what that is about. It takes a lot of patience, intuition, tact, sure instinct and prayer to get connected with somebody in a way you could talk with him about more important issues than just Second Hand stuff. But we feel blessed, and we're keep going!

28 September, 2009

Ehen in Schweden

Nachdem ich gerade einen Post zur schönen Hochzeit am Samstag schrieb, sollte ich vielleicht noch was anderes erwähnen. Lies erst den Post unten, dann weißt Du, worum es geht.


Also, das Recht, in Schweden auch selbst Ehen schließen zu dürfen, werde ich wohl nie bekommen. Der Grund ist folgender Sachverhalt: Das Recht wird in Schweden an gewisse Berufsgruppen vergeben, u.a. an Geistliche in einer Kirche. Voraussetzung für Geistliche oder Pastoren ist, dass man zu einer anerkannten Denomination gehört und man entsprechend in rechtlichen Fragen unterwiesen ist. In meinem Fall hätte ich also die entsprechenden Belehrungen im Frühling machen können und hätte danach von unserem Partner EFK bzw. unserer Partnergemeinde Saron das Recht erhalten können. So weit, so gut.

Nun ist es aber so, dass Schweden sich gerne als "das modernste Land der Welt" sieht. Und dazu gehört nach schwedischer Ansicht, dass auch homosexuelle Paare die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare haben. Dies wiederum bedeutet, wer das Recht hat, Ehen zu schließen, hat nunmehr gleichzeitig auch die Pflicht, auch homosexuelle Paare zu trauen, auch wenn man anderer Ansicht über homosexuelle Ehen sein mag. Dies wiederum heißt, wenn mich ein homosexulles Paar bäte, sie zu trauen, hätte ich die Pflicht, es auch zu tun.

Nun steht hinter diesem Sachverhalt eine tonnenschwere Last aus Emotionen. Und zwar auf beiden Seiten. Homosexuelle finden, dass die Christen sich wie ihre Feinde verhalten und Christen finden, dass Homosexuelle zu aggressiv für ihre Rechte kämpfen. Aus diesem Grund wäre folgender hypothetischer Fall nicht ausgeschlossen: Ein homosexuelles Paar kommt meinetwegen zu mir, um sich von mir trauen zu lassen. Wir würden uns also treffen, um über Ehe, Gott und die Welt zu reden. Im Laufe der Gespräche würde sich herausstellen, dass sich meine Bereitschaft, diese Trauung zu vollziehen, gelinde gesagt in Grenzen hält. Nun wäre es ein leichtes, mich oder H2O oder Saron oder gleich die ganze EFK zu verklagen. Wir würden vor Gericht nicht nur unterliegen, sondern hätten Schlagzeilen bis an die äußersten Landesgrenzen. Allerdings nicht die Art von Schlagzeilen, wie man sie sich eigentlich wünschen würde.

Aus diesem Grund hat es hier eine lange Diskussion gegeben. Die EFK hat sich entschieden, diese Art des Konflikts einfach zu umgehen indem man das Eherecht kollektiv abgeben wird. Im Laufe des kommenden Jahres wird es in der EFK keine "standesamtlichen" Trauungen mehr geben, den Pastoren, die das Recht haben, wird es damit entzogen werden und solche, die es noch nicht haben werden es auch nie bekommen.

Für uns Deutsche mag das wie eine überflüssige Disskussion erscheinen, weil sich dieses spezielle Problem in Deutschland gar nicht stellt. In gewisser Weise war man hier aber gezwungen, sich mit dem Thema Homosexualität tiefergehender auseinanderzusetzen, als Gemeinden das für gewöhnlich tun möchten (und lieber denken: "Was gibt es da zu diskutieren? Das ist doch alles sonnenklar!"). Ich würde heute, nachdem ich dies alles hier in Schweden mitbekam, einmal wagen zu behaupten, dass in mancher Gemeinde so manche Frage überhaupt nicht geklärt ist, weil sich niemand wagt, sie zu stellen. Von daher wäre es sicher gut, sich ganz neu mit einem Thema zu beschäftigen, das immer aktueller wird (man denke nur an aktuelle Landesvertreter Deutschlands!), was aber lieber unter dem "Hier-ist-schon-alles-sonnenklar-Teppich" belassen wird.

Sorry, no English translation again... takes too much time right now.


Hochzeit

Wind. Meer. Wellen. Salzgeruch. Eine große Stena-Fähre läuft gerade aus Dänemark ein und ein noch größerer Maersk-Frachter läuft soeben nach irgendwo aus. Eine kleine Gemeinschaft steht versammelt auf einer Holzbrücke und wird Zeuge, wie ein frisch vermähltes Paar ebenfalls auf das Meer der Ehe ausläuft indem sie sich die Ringe anstecken. Es war Zeras und mein Hundekursleiter, der heiratete. Das Paar hatte eigentlich sogar mich gefragt, ob ich die Trauung für sie machen wolle, was natürlich eine große Ehre für mich war, nachdem wir uns schon mehrere Male gegenseitig zum Dinner eingeladen hatten. Dabei hatten wir regelmäßig auch über geistliche Dinge gesprochen. Bei deutschem Bier, das war wichtig. In Schweden ist es allerdings so, dass der Pastor auch die rechtliche Trauung vollzieht, es gibt also keine extra standesamtliche Trauung. Dazu hätte ich erst einen Kurs belegen müssen, um die Zulassung zu bekommen, Ehen nach schwedischem Recht schließen zu dürfen, und dieser Kurs wird nur im Frühling angeboten. So lange wollte das Paar verständlicherweise nicht warten. Deshalb standen Karen und ich in der Runde der Hochzeitgäste und konnten die Freiluftzeremonie als Zuschauer genießen. Ein schöner Samstagabend war das.


* * *

Last Saturday we've been on an open air wedding next to the sea. One of our friends married - and actually he asked even me if I could perform the wedding. Unfortunately I did not have the permission to do it in Sweden. It would have been possible to get it though, but not prior to spring 2010. Who wants to wait that long if you really want to marry?? So Karen and I were just "usual" guests, and we could enjoy the first open air wedding we've ever seen, next to waves and wind and plenty of islands. It was wonderfull.

23 September, 2009

Keine Bundestagswahl...

Seit Wochen warte ich schon auf die Unterlagen zur Bundestagswahl - und die kommen einfach nicht. Heute wurde es mir also zu bunt und ich rief die Botschaft in Stockholm an. Worauf man mir mit der größten Selbstverständlichkeit erklärte, ich hätte schließlich bis zum 06. September in Hitzhofen (drei Ausrufezeichen) die Briefwahl beantragen müssen. Woher solle die Botschaft wissen, wer alles in Schweden lebe und wer nicht. Da wundert man sich bloß und muss die Wahl so hinnehmen, wie sie nun auch ohne unsere Stimme laufen wird.