Willkommen auf New Reformation

Wer die Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern

Das Evangelium ist keine Privatsache

sondern eine höchst brisante Botschaft an alle Instanzen aller Länder

Löwe und Lamm

Gott erklärt man nicht mal eben auf dem Bierdeckel

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25 März, 2017

Weiter schmieden

Das Forgeteam des Monats: Mattias und Steph, Alan und meine Wenigkeit
Das vierte Forgewochenende hat gestern Abend in Stockholm losgelegt. Eine phantastische Gruppe mit viel Passion und Liebe zum Herrn. Dieses Mal geht es um die Frage, was missionale Leitung ist, wie die Rolle des Leiters sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und wie sich dies auf unsere Gemeindearbeit und Gründungsprojekte auswirkt. Vielleicht magst du ja ein kurzes aber knackiges Gebet für Schüler und Lehrer sprechen? 

23 März, 2017

Lehre uns bedenken...

Bahre für rituelle Totenwaschungen

In den vergangenen Wochen muss Gott gewollt haben, dass ich unabhängig voneinander mehrere Menschen treffen sollte, die sich gerade mit dem Tod beschäftigen. Und obendrein war ich heute im Leichenhaus der Göteborger Uniklinik, um meinen ALT-Studenten zu helfen, anderen Menschen zu helfen, denen der Tod in den Weg getreten ist. Es ist interessant und aufschlussreich zu beobachten, wie unterschiedlich man dem Tod begegnet. Doch der Trend unserer Zeit ist eindeutig Verdrängung: Bloß nicht drüber nachdenken - bis man eines Tages muss.

Die zweitgrößte Gruppe (und dies ist keine repräsentative Statistik sondern meine eigene Beobachtung über viele Jahre) sind jene, die bedenken, dass sie sterben wollen (nicht müssen). Nicht wegen einer schweren Krankheit, von deren Schmerzen sie befreit werden möchten. Es ist die Pein des Lebens und der Seele, welche die Gedanken immer wieder in Richtung Freitod drängt. Nur wenige wagen den letzten Schritt; gut, dass es nur wenige sind.

Und schließlich gibt es die dritte Gruppe, solche, denen die eigene Endlichkeit sehr bewusst ist, oft Jahrzehnte, bevor es soweit ist. Sie haben keine Angst, an den Tod zu denken, sind oft lebensfrohe Menschen und treffen deshalb bewusstere Lebensentscheidungen. Manche von ihnen leben mit einer chronischen Krankheit, manche sind gesund und agil. Doch die dritte Gruppe ist mit Abstand die kleinste. Längst nicht alle von ihnen sind Christen.

Vorm Leichenhaus sah ich heute einige Leichenwagen stehen. Hätte man nicht gerade einen Sarg herausgeholt hätte man nicht erkennen können, dass dies Leichenwagen sind. Es hätte jeder beliebige, fensterlose Transporter sein können. Der Tod, das Leid, die Krankheit wird aus unserem Leben geschminkt wie eine Runzel. Das Leben heute hat bunt, sportlich, gesund und erfolgreich zu sein.

Im Gegensatz zu unseren Vorvätern und -müttern haben wir vergessen, dass das Leben schlaucht. Dass Leben auch krank sein bedeutet. Der Krankenhausseelsorger berichtete uns, dass die meisten Gespräche, zu denen er gerufen wird, um dieses Thema gehen. Menschen entdecken eine Lebenswirklichkeit, die ihnen bisher verborgen war. Sie brauchen Hilfe, um sie in Worte fassen zu können.

Dabei könnte jeder von uns schon so viel früher klug werden.  Man müsste nur Ps 90 lesen. Besser noch: auswendig lernen. Leid und Tod sind Topthemen für die Evangelisation.

22 März, 2017

Christen für den Umweltschutz?


Christen der (heute) nicht mehr ganz so jungen Generation ist sicher noch gut in Erinnerung, dass Umweltschutz eher was für "die Alternativen" war, die keine "Ewigkeitshoffnung" haben und sich deshalb für das Diesseits einsetzen. Wir Christen aber erwarten das Jenseits, und obendrein glauben wir, dass eines Tages unser vergaster Himmel zusammengerollt (Offb 6,14) und die verseuchten Elemente der Erde vor Hitze zerschmelzen (2Petr 3,12), kurz: sowieso vergehen werden. Warum also Umweltschutz, wenn sowieso alles in Gottes galaktischem Recyklinghochofen landen wird und wir auf einen viel besseren Himmel warten?

Mit Gedanken wie diesen im Kopf hatte ich mir 1987 einen alten, gebrauchten Range Rover, V8 mit zwei ausgelassen feiernden Vergasern gekauft, die sich frohgelaunt und gegenseitig zuprostend 28 Liter Sprit auf 100 Kilometern ex-und-hopp schamlos reingezogen haben. Das sind fast drei Eimer leergesoffen alle 100 Kilometer... Aber der Sound war cool!

Heutzutage sehen auch Christen immer mehr ein, dass das alte Argument "Wieso Umweltschutz?! Ich warte doch auf die Wiederkunft Christi!" genauso zweifelhaft klingt wie etwa "Warum sollte ich mich um meine Familie kümmern? Die werden irgendwann doch eh alle verwesen!" Umweltverschmutzung und ihre Folgen für die Menschheit werden gerade ein immer heißeres Eisen.

Doch heiße Eisen sind gute Werkzeuge für die Evangelisation. Man benutzt Themen, die alle kennen und beschäftigen, reflektiert sie biblisch und schafft eine Botschaft, die Menschen nicht nur anspricht und nachdenklich macht, sondern auch herausfordert, den Lebensstil zu ändern.

Heute las ich z.B. in der Zeitung, dass Göteborg bis zum Jahr 2030 einen komplett fossilfreien Fuhrpark haben möchte, inklusive öffentlichem Nahverkehr. Das ist doch mal was. Vielleicht wäre es eine Idee für Dich und mich, bis 2030 einen fossilfreien Haushalt einzuführen. Das erfordert Planung und Investitionen. Vor allem aber erfordert es eine Motivation. Die größte Motivation für viele unserer Entscheidungen ist leider fast immer noch das schnöde Mammon. Warum lassen wir uns nicht einmal davon motivieren, dass wir Ebenbilder des Schöpfers sind, und gemeinsam mit ihm nicht zulassen wollen, dass Teile seiner kreativen Schöpfung verrecken? Warum nutzen wir nicht jede Gelegenheit, über die Auferstehung zu sprechen? Regeneration und Erneuerung sind phantastische Gesprächseinstiege zum Thema Ostern!

Gewiss, manche werden über uns den Kopf schütteln oder uns für verrückt halten. Das ist ok, Jesus ging es auch nicht anders. Doch wenn unser Leben Aufmerksamkeit erregt, werden auch unsere Worte gehört und wahrgenommen werden.

Ach ja, und fast hätte ich es vergessen: Umweltschutz ist hervorragend geeignet, um natürlich auf das unbeliebte Thema "Sünde" zu sprechen zu kommen. Mit vielen gekauften Produkten, vielen weggeworfenen Verpackungen unterstützen wir korrupte Systeme, die Mensch und Schöpfung ausbeuten. Wir können uns dem nicht entziehen, doch das macht niemanden unschuldig. Als Christen wissen wir aber, was Bekenntnis, Buße und Vergebung ist. Was würde dein Kumpel auf dem Beifahrersitz wohl sagen, wenn Du das nächste Mal, bevor du von der Tankstelle fährst, Gott für Deinen soeben gekauften CO2-Beitrag im Tank um Vergebung betest? Es könnte eine lebhafte Unterhaltung über Ehrlichkeit, Verantwortung und die Vergebungsfreudigkeit Gottes werden.

21 März, 2017

Reisezeit ist Lesezeit


Von März bis Mai reise ich mehr als sonst. Doch ich liebe das Unstetige, mag neue Menschen treffen, Metros kennenlernen, Sprachen enträtseln, das Improvisieren bei ausgefallenen Verbindungen oder auch, wie neulich mal, mit einem brennenden Fahrwerk landen. Es bringt mich auf neue Ideen, fordert mein Denken heraus, bewahrt mich vor eingefahrenen Spuren, denn diese wären der Tod der Suche nach Gemeinde in der Zukunft. Doch schlimmer als der Tod ist die Hölle danach, und für mich wäre es ein quälendesFegefeuer als Bibliothekar zwischen Regalen eingesperrt zu werden, wo alles exakt geordnet werden muss. Dabei habe ich gar nichts gegen Bücher! Erst Recht nichts gegen gute Bücher. Im Gegenteil, das Reisen gibt mir Offline-Zeit  zum Lesen, Beten, Nachdenken. Jede Reiseetappe wird somit zur Lektion.

Der Stift auf dem Foto ist übrigens ein selbstgefertigter Schreiber aus besonderem Holz aus dem Nordwesten der USA, handgefertigt von meinem Communitas-Freund und Kollegen Bill aus Alaska.

20 März, 2017

Erdogan & Trump & Co: Welch ein Segen sie doch sind!


Deutsche Politiker fragen sich, ob Erdogan "noch bei Sinnen" sei. Das ZDF berichtet verstört über Donalds Tweets. Am Stammtisch hört man Worte wie "bekloppt" oder "hirnlos". Doch mindestens bekommt man immer mal ein wortloses Kopfschütteln, wenn es um diverse aktuelle Landesführer geht. Wir halten Erdogan & Trump & Co für gefährlich. Sie reden selbst auf Stammtischniveau, und das lässt irgendwie innere Alarmglocken läuten. Sie fordern Dinge, die keiner will, zum Beispiel massive Aufrüstung.

Sie bedrohen unsere Gartenzwergidylle. Doch genau deswegen sind sie so ein Segen.

Wir alle sind bequeme, egoistische Wesen. In unseren Wohlstandszeiten geht unser geheimes Streben nach einem immer noch etwas weicheren Sofa. So sehr Gott uns Wohlstand gönnt und herzensgerne genießen lässt (wenn er es freilich auch nicht versprochen hat), so sehr warnt er uns davor, in Undankbarkeit zu verfallen. Dankbarkeit ist in Gottes Augen etwas sehr spezifisches: Sie richtet sich mit liebevollem Herzen immer konkret an Gott persönlich und erst dann an Mitmenschen oder Gesellschaften. Genau darin versagen heute die Völker Europas. Vor diesem Versagen warnt uns der Allmächtige recht deutlich. Liebt mich und vergesst mich nicht, sagt er oft genug.

Es wäre nicht das erste Mal, dass uns Warnschüsse in Form von zweifelhaften Politikern gegeben werden, vor der Nase abgefeuert. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ganze Reiche an fragilem Individualismus und Dekadenz zerbrochen wären. Manche Dinge wiederholen sich einfach. Deswegen sind sie auch für Nichtpropheten so einfach zu durchschauen.

Der Christ, doch vor allem die Gemeinde als Ganzes trägt hier eine besondere und große Verantwortung. Wir sind der Leib Christi, wir sind seine irdische Präsenz zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft. So lange wir es nicht besser hinkriegen, als unseren Glauben nur wie ein lächerliches Sahnehäubchen des persönlichen Glücks zu leben, solange Evangelisten nicht mehr sind als Versicherungsvertreter, so lange unser wichtigstes Anliegen nicht größer ist, als den Sonntagsgottesdienst noch ein bisschen hipper zu peppen, solange Gemeindegründung nur dem Zweck dient, Gemeinde cooler zu vermarkten, so lange trompeten wir das gleiche Allerweltshorn wie der Rest des Planeten. Damit sind wir in der Welt und wie die Welt und somit gut getarnt. Wir meinen vielleicht, ein paar kluge Warnschüsse abzugeben, doch unsere eigenen Schüsse gehen nach hinten los. Wir sollten lieber Gottes großen Warnschüsse ernster nehmen.

Erdogan und Trump und Co setzen unsere vermeintlichen Sicherheiten aufs Spiel. Das ist eine wichtigsten göttlichen Lektionen, die wir uns denken können. Die Welt sieht und akzeptiert keine göttlichen Lektionen, doch wir können es. Wir sollten es können. Immer und immer wieder versucht der Herr, seinen Kindern Glauben und Vertrauen beizubringen, ihnen Sicherheit bei ihm zu lehren, sie wie Küken zu sammeln, doch zu oft weigern wir uns hartnäckig. Warum hat Jesus seine Jünger wohl absichtlich in einen lebensbedrohlichen Sturm segeln lassen? Um ihnen zu zeigen, dass wir in Wahrheit auf Sturmwellen spazieren können. DAS ist göttliche Sicherheit! Gänsehaut! Oh Herr!

2000 Jahre später sollten wir eigentlich mehr können als Petrus zu seiner Zeit. Wenn wir wollten, könnten auf den Trumps und Erdogans der Erde nicht nur laufen, sondern barfuß surfen. Selbst wenn sie uns in die Ferse stechen. Geben wir uns einen Ruck.

18 März, 2017

Der Alltag - eine pausenlose Predigt

16 März, 2017

Und in zehn Jahren?


Passend zu meinem Blogpost über "Zehn Dinge, die es vor zehn Jahren noch nicht gab" hatte ich heute eine Unterhaltung mit meinem Sohn über den Mobile World Congress, der kürzlich in Barcelona stattfand. Sein Arbeitgeber hatte einige Mitarbeiter, darunter einen Futurologen dorthin gesandt, um sich über die neuesten Trends zu informieren. Wer glaubt, die Technik habe bald das Ende der Fahnenstange erreicht, wird überrascht werden (oder enttäuscht - je nachdem, wie man es sieht...). Die Entwicklung schreitet derzeit immer schneller voran. Das bedeutet, es werden immer mehr Chips unseren Alltag beeinflussen, und das bedeutet, unser Alltag wird sich noch mehr und noch schneller verändern.

Einige Stunden zuvor hatte ich eine Vorlesung zum Thema "Warum Gemeindegründung?" gehalten. Dort gab ich mein Bestes, um den Studenten vor allem eins mit auf den Weg zu geben: Es geht heute bei Gemeindegründung weniger um den Start eines neuen Gottesdienstes in einem anderen Gebäude. Es geht vor allem darum, heutigen Menschen Jüngerschaft beizubringen, und Jüngerschaft ist nur in Gemeinschaft möglich und obendrein ein mutiges aber gesundes Gegengewicht zur krankhaften Unbalance einer Gesellschaft. Wir werden in Zukunft immer häufiger fragen müssen, was es heißt, in dieser Welt ein wahrer Nachfolger Jesu zu sein.

Wer ein wahrer Jünger sein will, wird in den kommen zehn Jahren absolut keine Langeweile erleben. Anders ausgedrückt: Wenn Dir Dein Leben gerade etwas einspurig und langweilig vorkommt, lauf mal ein paar Kilometer hinter Jesus her und Du wirst den Unterschied merken.

15 März, 2017

Gebet für Holland



Himmlischer Vater, Herr der Nationen, wir bitten Dich heute für unsere Nachbarn in den Niederlanden. Sie treffen eine wichtige Entscheidung und wir bitten Dich um Weisheit, Weitblick und vor allem um Frieden. Möge Dein Reich mehr und mehr durchschimmern. 

14 März, 2017

... und Er liebt sie doch!



Nicht selten habe ich über die Zustände im alten Rom - nicht zuletzt in den "biblischen" Gemeinden - den Kopf geschüttelt. 1Kor 1,11 ja noch ein auffallend harmloses Beispiel. Naja, dachte ich, damals wussten sie es wohl nicht besser. Aber wir, ja wir, heute, 2000 Jahre später, wir wissen es natürlich. Wir sind aufgeklärt, erfahren, erwachsen. Nicht wahr? Ach, was sind wir aufgeklärt! Ja, Pustekuchen auch. Ich höre immer und immer wieder Geschichten,  die mir die Gesichtszüge entgleisen lassen. Manchmal muss ich nachfragen: Habe ich da gerade richtig gehört?! Was hat der Pastor gemacht?! Was hat die Gemeindeleitung gesagt?!?! Schließlich höre ich ja nur wenig auf meiner Muttersprache. Und mein Gehör war auch noch nie das beste. Doch so oft ich auch nachfrage, die Geschichten werden selten besser. Meistens tut's beim zweiten Mal nur noch mehr weh. Hach!

Doch dann denke ich an die Zustände im alten Rom. Und zwar in den "biblischen" Gemeinden. Die Besserwisserei, das Gesaufe, Gehure, der Zank, die fürchterlichen Lehrer. Und jedes Mal werden sie "Heilige" genannt. Mein Kopf schüttelt schon wieder. Aber nicht mehr wegen den Menschen, sondern wegen Gott. Er liebt uns doch. Er liebt die Gemeinde, seine einzige Braut. Er ist treu. Es ist wahrlich unverständlich, aber unglaublich tröstlich.

13 März, 2017

Herz für Muslime

Am vergangenen Samstag sind einige H2O'ler, darunter Karen, zur "Heart For Muslims" Konferenz nach Örebro gefahren. Hier sind ein paar ihrer Eindrücke:

Einer der Haupredner: Steve Bell

Im Gespräch mit Steve Bell: "Ein faszinierende Person"
Open Doors darf natürlich auch nicht fehlen
Liebe H2O-Kollegen: Johanna und Daniel
Karen und Johanna vor dem...
Schloss in Örebro
Seminar zum Thema Frauen im Islam begegnen und verstehen
Weiterer Vortrag des Hauptredners: Wie werden wir sie in unser Land, unsere Gemeinden integrieren?

12 März, 2017

Gebetsclip

10 März, 2017

Was haben wir mit Jesus gemacht?



Eigentlich bin ich vor ein paar Tagen nur deswegen an diesem Video hängen geblieben, weil ich eine Gemeinde mit ähnlichem Namen kenne und ich wissen musste, ob es sich hier um dieselbe Gemeinde handelt. Zum Glück war das nicht der Fall, denn die Gemeinde dieser TED-Talkerin befindet sich in den USA.

Doch während ich dem 15-minütigen Vortrag folge, schüttel ich innerlich immer wieder den Kopf. Was haben Christen nur mit Christus gemacht?

Ich höre mit den Ohren eines Missionsleiters zu. Zwangsläufig denke ich an mein Team, unsere Passion. Das Herz meines Teames, des sogenannten European Advancement Teams, unsere allererste, zentralste und wichtigste Aufgabe ist es, ein Netzwerk zu bauen und aufrecht zu erhalten, das Menschen, Gemeinden, Umgebungen, vielleicht sogar ganze Städte verändert. Wenn wir Veränderung sagen, meinen wir Jesus ähnlicher werden. Doch wir müssen uns immer wieder die unbequeme Frage stellen: Wollen wir WIRKLICH diesem Jesus ähnlicher werden?!

Der Name Jesu wurde missbraucht, vergewaltigt, benutzt, befleckt, vor die Säue geworfen. Menschen heutzutage wollen cool sein. Aber nicht wie Jesus. Denn Jesus ist sicher vieles, aber gewiss nicht cool. Zu viele Gemeinden - oder das, was man über Kirche zu wissen meint - scheint genau das zu bestätigen. Dazu braucht es keine frommen Hassprediger, die sowieso gegen alles und jeden sind. Jesus ist auch so aus Sicht der Welt herzlich wenig attraktiv.

Aus Sicht der Gemeinde ist Jesus auch nicht gerade der Superstar. Vielleicht theologisch, ja, in Theorie sicher. Doch wirklich sein wie Jesus heißt brav sein, sich artig in der Gemeinde engagieren, den Regeln folgen und vor allem nicht aufmupfen. Es liegt sicher viel Wert in solchen Menschen als Bausteinen einer Gesellschaft. Allein, ich kann nichts von dem in Jesus entdecken.

Jesus hat sich ausgerechnet mit Leuten umgeben, die wenig für ihr brav-sein bekannt waren, er hat sich mehr auf der Straße als in der Synagoge engagiert, er hat massenweise Regeln gebrochen, die den Leuten heilig waren und er hat gewaltig aufgemupft (nicht zu verwechseln mit gewaltsam, bitte schön), indem er fromme Politiker bloßstellte. Er gab ihnen viele Gründe für die Peitschenhiebe, die ihn rachsüchtig in Fetzen reißen sollten. Allein, von Jesus ging nie Hass aus. Er war nie ungerecht. Er hat sich immer auf die Seite der Schwachen gestellt. Er hat nie Macht an sich gerissen oder darauf bestanden. Er hat noch nicht einmal erwartet, dass die Leute ihm zuhören. Und jene besondere Macht, die er besaß, setzte er ausnahmslos zur Heilung und zur Präsentation einer erlösten Schöpfung ein.

Dieser Jesus ist zeitlos "cool". Oh! Wo haben wir ihn bloß verloren? Wo sind die wahren Jünger, die heute noch so leben, wie er es damals vorgemacht hat?

Ja, es gibt sie. Doch ich fürchte, sie leben meistens im Verborgenen, sprechen selten auf Konferenzen, genießen kein besonderes Ansehen. Es sind wohl jene, die eines Tages Jesus fragen werden: "Meister, wir können Deinen Beschreibungen nicht ganz folgen. Wann und wo genau sollen wir das alles gemacht haben, was Du über uns sagst?!"



Was ist mit dem Kreuz passiert? Wer hat es blank poliert? 
Was ist mit dem Mann gescheh'n? Wer hat den Mann geseh'n?

09 März, 2017

Sei ein Zeuge!


08 März, 2017

Hunt the Haggis

Es muss ihn geben, den Haggis. Er ist der schottische Wolpertinger, wird kaum lebend gesichtet und liegt doch jeden Morgen als Wildbret auf dem Frühstücksteller, hoch oben im Norden des noch vereinigten Königreiches. Ach! Wenn sich doch manches zwischenmenschliche Problem, das unsichtbar durch unsere Gemeinschaft spukt, ebenso einfach verwursten ließe! Wir könnten dreimal so viele Menschen auf dem Globus sättigen! Stattdessen jagen wir ihnen meist ebenso blind hinterher wie beim "Hunt the Haggis" auf schottischen Highland Games. 

So denkt es in mir, während ich im B & B mein "Full Scottish Breakfast" betrachte und mir all die Geschichten durch den Kopf gehen, für die ich gekommen bin, um sie mir ohne Umwege mit eigenen Ohren selbst anzuhören. 

Natürlich kann ich hier aus Diskretionsgründen nicht jeden einzelnen Haggisköttel beschreiben. Doch ich ahne: Der Weg zum Haggis ist nicht leicht. Er ist steinig und schwer. 



07 März, 2017

Pastor mit weit verstreuter Gemeinde

Ich fühle mich eher wie ein Cowboy als ein Hirte. Aber beide haben ja ähnliche Aufgaben.

Im Moment komme ich mir eher wie ein Pastor als wie ein Missionsleiter vor. Meine Gemeinde ist auf ganz Europa verteilt, sie dienen in verschiedenen Städten, und jeder hat an seiner Front zu kämpfen. Durch die vielen Wechsel in der Communitasleitung in den vergangenen Jahren fühlt sich der ein oder andere etwas vernachlässigt, verunsichert oder gar verwaist. In Absprache mit meinem Leiungsteam, der "Gemeindeleitung" wenn man so will, haben wir uns geeinigt, dass alle Projekte "Hausbesuche" benötigen. Wenn man weit verstreut lebt, geht nichts über persönliche Begegnungen. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass mir die persönliche Begegnung, die Zeit von Mensch zu Mensch einmal so wichtig werden würde. Es geht darum, zu hören und lernen, Beziehung und Vertrauen zu bauen und vor allem die gemeinsame Vision zu bauen und zu vermitteln. Heute geht es zu diesem Zweck für drei Tage und zwei Nächte nach Schottland. Und ich freue mich über Eure Gebete.

06 März, 2017

Mut und Freiheit


Mut und Freiheit sind zentrale und wesentliche Werte in der Nachfolge Jesu. Leider hört man (d.h. höre ich) ziemlich wenig von Christen zum Thema Mut. Mut bedeutet Risikobereitschaft, im Angesicht der Gefahr das Richtige und Wichtige zu tun. Wer danach trotz aller davongetragenen Wunden und Narben immer wieder mutig sein kann, ist ein wirklich freier Mensch; einer, der sich selbst überwindet, allen Drohungen trotzt und sich einsetzt. Wer das nicht schafft, kann nicht behaupten, frei zu sein. Jedenfalls nicht im Sinne Jesu. Die Welt definiert Freiheit freilich anders: plump ausgedrückt geht's bei "Freiheit à la Welt" um nicht viel mehr als viel Egoismus, viel Geld ausgeben und viel Sex.

In Gemeinden höre ich mehr über Freiheit als über Mut. Doch "Freiheit à la Gemeinde" klingt oft nach einer akademischen Abhandlung, wenig nach Leidenschaft. Es fühlt sich eher wie Staubputzen an als wie klares, sprudelndes Wasser, in das so, wie man wie man ist, einfach hineinspringen möchte. Ich glaube, wir Christen brauchen eine Menge Nachhilfeunterricht.

Wir wurde das deutlich auf dem Netzwerktreffen am vergangenen Mittwoch. Dort wurde es deutlich, wie sehr viele Gemeindegründer damit kämpfen, "Zeugnis zu sein", wie man es auf frommisch so schön sagt. Es fehlt die Freiheit und der Mut. Man ist über sich selbst frustriert und es tut gut, darüber offen reden zu können.

Zu wenig Freiheit und Mangel an Mut ist nichts Ungewöhnliches. Ob man es nun glauben will oder nicht, selbst die Apostel kannten es. Das Problem ist so groß, dass es ein eigenes Wort dazu gibt, der Freimut oder auf altfrömmisch die Freimütigkeit, etwas, worum alle Apostel Gott angefleht haben: "... gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort" steht z.B. in Apg 4,29. Ja, selbst der größte Missionar aller Zeiten, Paulus himself, brauchte dieses Gebet: "Betet ... für mich, ... freimütig ... zu verkündigen". Das bittet er die Epheser im sechsten Kapitel, Vers 18 und 19.

Seinen Mangel und damit sein Bedürfnis an Freiheit uns Mut offen und vor anderen zuzugeben ist also immer ein sehr guter Anfang. Darum zu beten ist ein fantastischer zweiter Schritt.

Aber eins gilt es auf jeden Fall zu vermeiden: Resignieren. Sich mit wenig Freimut zufrieden geben. Wer dort landet, kettet sich an die Meinungen anderer Menschen. Das führt zu Sozialphobie, auf frömmisch als Menschenfurcht bekannt, die immer in Einsamkeit führt. Gottesfurcht hingegen, in der Welt als unanständig verpöhnt, füllt uns - so paradox es klingen mag - mit Mut. Und Mut führt zur Freiheit. Zur leidenschaftlichen Freiheit. Jene, die perlt und sprudelt, in die man sich hineinwerfen will. Aus menschlicher Perspektive ist diese lebendige Freiheit hinter großen Mauern verborgen. Der Teufel redet uns ein, dass wir doch alle Freiheit in diesem Gefängnis haben. Deswegen heißt es in der Bibel, dass man nur mit Gott über Mauern springen kann.

Steckt der Teufel im Detail?


Im Laufe dieses Bloglebens wurde schon einiges über geistlichen Kampf geschrieben. Und doch muss ich immer wieder mal darauf zurückkommen.

Teilweise, weil dem heutigen Westen eine Theorie über Herkunft oder Existenz des Bösen abgeht, man hält Teufel und Dämonen doch für pure Überbleibsel des Mittelalters, grad wie jener verwitterte Wicht auf dem Foto. Schauerliche Nachrichten über grausame Exorzismen scheinen dies ja auch glaubhaft zu bestätigen.

Teilweise, weil es auch in unseren Gemeinden sinkende Tendenzen gibt, das Böse zu thematisieren, entsprechend gibt es - meiner Meinung nach - immer weniger, denen es auf Gute Art gelingt, sich im Spannungsfeld zwischen "verleugnen" und "Dämonen hinter jedem Busch" aufhalten zu können.

Teilweise, weil wir in einer Welt leben, in der es manchmal leichter erscheint, an den Teufel zu glauben als an Gott.

Teilweise, weil viele, die sich für aufgeklärt und kaum religiös halten, nicht wissen, wie sie übernatürlichen Erfahrungen deuten sollen, die sie zu erzählen hätten (wenn sie nur wüssten, wem sie die erzählen könnten).

Und teilweise, weil ein im Laufe meines Lebens lange schon erahntes Muster immer deutlicher wird: Wer mit aufrichtigem Herzen Gott liebt und dient, erlebt die kuriosesten Rückschläge. Es scheint, als ob eben jene Liebe und der Dienst zermürbt werden sollen.

Ich wundere mich manchmal über winzige Details, denen kaum Bedeutung beigemessen wird, und die doch das Potenzial haben, Streit auszulösen, schlechte Gefühle zu wecken, Zweifel zu sähen, zu destruktivem Verhalten zu führen, Menschen gegeneinander anstatt zusammen zu bringen.

Nur eine Beobachtung. Und es gibt Zeiten, da kann ich nicht alles, als mir diese Fragen zu stellen. Ist der Teufel im Detail mehr als nur ein Sprichwort?

04 März, 2017

Schwere Zeiten für EFK?



Wie gestern bekannt wurde hat der sogenannte "Missionsdirektor" unserer schwedischen Partnerorganisation EFK (bei der FeG würde man diese Position wohl Präses nennen) gestern seinen Job mit sofortiger Wirkung gekündigt. Offiziell hieß es, dass einige im Vorstand der Denomination mit seiner Leitung nicht zufrieden waren und kein ausreichendes Vertrauen mehr vorhanden sei. Er selbst äußerte sich öffentlich ähnlich, dass er so nicht weitermachen könne, wenn er sich selbst treu bleiben will. Das sind für schwedische Verhältnisse ungewöhnlich deutliche Worte. Die Sache wiegt in meinen Augen besonders schwer, da der neue Leite erst 2014 neu berufen wurde. Ein schneller Wechsel der Leitung in größeren Organisationen ist immer gefährlich.

Über die Ursachen kann ich nur spekulieren. Ob ich mit meinen Spekulationen richtig liege, wird die Zukunft zeigen (ich hoffe aber, im Unrecht zu sein).

Was auch immer passiert sein mag, eins steht fest: Derartige Eskapaden schwächen die Gemeinde und damit den Leib Jesu. Es ist wie ein gebrochener Knochen. Therapie und Heilung kann Jahre dauern.

Ich möchte dies als Erinnerung nutzen, für Eure Leiter zu beten. Egal, welchem frommen Verein ihr angehört. Leiter sind starken Winden ausgesetzt, der Feind schläft nie. Nimm Dir eine Minute und spreche ein Gebet für Deine Leitung. Und wenn der Geist dich so leitet, dann gerne auch für die EFK.

03 März, 2017

An alle, die für Göteborg gebetet haben

Gestern hatte ich das Vorrecht, einen Redner nach seinem Vortrag über Mission, Ausländer- und Integrationsarbeit interviewen zu dürfen. Es war der Leiter des internationalen Programms einer der größten und rennomiertesten Freikirchen Schwedens. Er begann seine Rede mit dem Hinweis, dass die größten Veränderungen, die seine Gemeinde in ihrer rund hundertjährigen Geschichte durchgemacht hat, alle in den vergangenen sechs Jahren stattgefunden haben. Meine erste Frage war also, ob er den hier anwesenden Leitern und Pastoren einen Tipp geben könne, wie man eine Gemeinde mit viel Tradition durch umwälzende Veränderungen leite. Seine Antwort lautete ungefähr so:

Natürlich gibt es die, die grummeln und kritisieren. Wir haben viele Ältere und Alte, denen Veränderung am Schwersten fällt. Die meisten von ihnen haben ihr Leben lang treu für die Gemeinde gebetet, so, wie sie sie eben kennen. Wir fragen sie, wofür sie denn jahrzehntelang gebetet haben. Sie haben gebetet, dass neue Leute in die Gemeinde kommen und viele Menschen gerettet werden. 

Und dann zeigen wir ihnen, dass genau diese Gebete heute erhört werden. Hunderte von neuen Menschen kommen. Doch sie sind weder blond noch blauäugig. Sie beherrschen unsere Sprache kaum, finden anderes Essen lecker und feiern andere Feste. Doch sie kommen! Und nicht nur das, sie kommen zum Glauben! Dutzende werden regelmäßig getauft, die Dunkelziffer Neubekehrter ist unbekannt. Und einer unserer wichtigsten Aufträge ist es nun, sie auf ihren Missionsdienst im Heimatland vorzubereiten, falls sie wieder ausgewiesen werden sollten. Denn dort geschenen derzeit wahre Erweckungen. 

Wer das versteht, kann das Chaos leichter akzeptieren, das alle Veränderungen in unserer Gemeinde bewirken.

Eine andere Geschichte:

Vor einem guten Jahr hat sich ein in Schweden berühmter und berüchtigter Rapper nach einer Begegnung mit Jesus bekehrt und sein Leben vollständig umgekrempelt. Der in Stockholm lebende Musiker war am vergangenen Sonntag in Göteborg, was zu einem recht großen Medieninteresse geführt hat. Jede Menge Leute kamen und wollten ihn sehen und hören. Die Zeitungen klangen beeindruckt von seiner Geschichte und nannten den Abend eine "Erweckung", denn mindestens zweihundert Menschen haben sich am Sonntag Abend nach seinem Aufruf für Jesus entschieden. So was hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben.

Bei allem Grund zur Unruhe und Besorgnis: Es tut sich was im Reiche Gottes. Gott erhört Gebet. Er erhört auch Eure Gebete für Göteborg und neue Menschen, die zum Glauben kommen. Nicht selten kommt die Erhörung allerdings etwas anders als gedacht. Das sollte uns nicht abhalten, unserem Gott danke zu sagen.

Danke für Euer Beten. Bitte hört nicht auf.


Ein neueres Lied des Rappers, Förlåt (=vergib), in dem er öffentlich um Vergebung bittet.

02 März, 2017

Kollegen unter sich

Gemeindegründer brauchen Gemeinschaft. Einsamkeit und Isolation ist so gefährlich wie schmutzige Hände für einen Chirgurgen und muss um jeden Preis vermieden werden. Kontakt zu anderen Gemeindegründern und Missionaren ist nicht nur wichtig, sondern überlebenswichtig.

Für uns war Communitas in all den Jahren ein solches Netzwerk. Doch ich sehe ein, dass internationale Kontakte nicht unbedingt jedermanns Sache sind. Den meisten ist ein lokales Netzwerk genug. Doch ein solches gibt es in Göteborg nicht. Was nicht ist, kann man schaffen. Mein Freund Martin Alexandersson und ich haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Gemeindegründer Göteborgs miteinander in Kontakt zu bringen und zu halten.

Gestern Abend war unser zweites Treffen - in der Göteborger "Herrnhuter" Brüdergemeinde. Thema: Neue Menschen kennenlernen und erreichen. Wo man sich verstanden und gehört fühlt, packt man aus: Wie schwierig, langsam und fruchtlos der Prozess ist. Wie einer Kollegin gekündigt wurde, weil die Frucht nicht schnell genug wächst. Wie eine Schwester erzählt, dass sie sich eigentlich immer schämen müsste, dass sie immer noch kaum mehr als 10 Hanserl in ihrem Gründungsprojekt sind. Wie eine Gemeinde, die massiv auf Gründung von Tochergemeinden setzt, durch dramatische Vorkommnisse mehr oder weniger außer Gefecht gesetzt wurde.

Aber auch die positiven Geschichten werden ausgepackt. Von der missionalen Gemeinschaft im Schrebergarten. Von der Gemeinde auf dem Beachvolleyballplatz. Vom Unternehmer, der kam und fragte, ob man hier wirklich bete und das etwas bewirke. Voll all der Neugier auf Jesus.

Und alles führt uns ins Gebet. Denn Jesus ist der Boss, Er hält die Fäden in der Hand, Er baut seine Gemeinde. Von solchen Treffen fährt man aufgemuntert heim. Man fühlt sich verstanden, weiß, dass man nicht alleine ist. Fühlt sich angenommen und geliebt. Von daher sind solche Treffen eine ganz eigene Form des Evangeliums.

01 März, 2017

Die nächsten Reifen warten schon

Letzte Nacht heimgekehrt vom Summit, heute morgen wieder auf der Straße: Die sogenannten Semesterverträge für ALT-Studenten müssen zu Beginn jedes Semster neu geschrieben werden. Ein Vollzeit-ALT-Student verbringt nämlich jede Woche 8 Stunden als Praktikum in seiner so genannten Ausbildungsgemeinde, wo er oder sie auch einen persönlichen Mentor hat, der den Student / die Studentin durch die vierjährige Ausbildug begleitet. Jedes Semester werden deswegen im Dreiergespräch von Student, Mentor und mir als "studievägledare" Einsatzbereiche und Ziele des Semesters besprochen und schriftlich festgehalten. Diese Treffen finden meistens in der jeweiligen Ausbildungsgemeinde statt. Ich habe in Göteborg 15 Studenten, das macht also 15 Ausbildungsgemeinden und viele Kilometer.

Zu meinen heutigen Besuchen im Städtchen Alingsås gehörte unter anderem die dortige Pfingstgemeinde.



28 Februar, 2017

Heimwärts


Heute geht es wieder nach Hause. Fast eine Woche lang war gefüllt mit Treffen, Besprechungen, Vorträgen, Planungen, Gesprächen. Mehr oder weniger pausenlos, denn die meisten offiziellen Pausen sind auch mit irgendwelchen Besprechungen gefüllt. Doch man braucht einfach Zeit von Mensch zu Mensch. Keine Kollegen vor Ort zu haben, ist einer der größten Nachteile meines Jobs. Unser Leadership Summit ist wichtig für die persönliche Begegnung und damit entscheidend für Beziehung, Vertrauen und Planungen. Andererseits ist es für mich die reinste Wäscheschleuder, die den letzten Tropfen Kraft aus mir herauspresst. Ich bin froh, bald wieder daheim sein zu dürfen. Nur noch 12 Stunden Heimreise mit einem kleinen Hügel Nacharbeit...

Am Ende

Am Montagmorgen ging unser Leadership Summit offiziell zu Ende. Weil mein Team in sieben verschiedenen Ländern lebt und wir uns meist nur per Skype sehen, haben wir einen Extratag angehängt, geplant, gebetet und uns mit anderen Leitern getroffen. Am Montagabend ging damit eine sechstägige Zeit mit insgesamt 70 Arbbeitsstunden zu Ende. Alles war echt gut, doch jetzt bin ich auch am Ende. Puh...

27 Februar, 2017

Man lernt ja nie aus...

Kelly, Communitas' Ausbildungsleiterin

LLD oder Life Long Development (lebenslanges Lernen) stand schon vor Jahrzehnten bei CA hoch im Kurs. Im Gegensatz zum alten Lehrmodell, bei dem man eine Ausbildung oder Studium absolviert und fortan als Magister gilt (oder wie auch immer der Experte genannt werden will), erkennt man bei den heutigen Informationstsunamis, dass man niemals auslernt. Das fördert zwar einerseits die Fachidiotie, andererseits war persönliche Weiterentwicklung in Gemeinden immer schon Thema. Oder sollte es (immer schon gewesen) sein. Und wo fängt man am besten an? Natürlich bei den Leitern selber, die schließlich Vorbilder sein sollten. Communitas übernimmt also diese Tradition von CA. Letztes Jahr haben wir zu diesem Zwecke eine neue Ausbildungsleiterin bekommen: Kelly Gotthard. Auf unserem diesjährigen Leadership Summit hat sie ihre Erfahrungen und Visionen (mit-)teilen können. Na, dann wolln mer mal. Schließlich lernt man ja nie aus.

25 Februar, 2017

Kann man beim Sex beten?


Sexualität und Spiritualität konkurrieren nicht miteinander, vielmehr ergänzen sie einander. Das meint jedenfalls Debra Hirch, Autorin des Buches Redeeming Sex, auf unserem diesjährigen Leadership Summit.

Innovatoren, bitte!


Alan Hirsch betont die Notwendigkeit neuer Denker in den Gemeinden. Die Gemeinde wurde von wahren Innovatoren, den Aposteln aufgebaut, meint er, doch irgendwie seinen uns solche Leute auf dem Weg verloren gegangen. Wir brauchen gerade wieder heute sie so dringend wie in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte.

24 Februar, 2017

Multikulti-Leadership

Dudley erläutert den Segelkurs
Unser Summit hat begonnen, wie immer bis zum Rand mit Begegnungen, Programm und Menschen gefüllt. Den Tag vor dem offiziellen Start haben wir die Herausforderung der Entscheidungsfindung in multikulturellen Zusammenhang diskutiert. Was mir dabei wieder einmal bestätigt wurde: Es ist alles andere als einfach. Geduld, Weisheit und Gottes Geist ist nötiger denn je.

22 Februar, 2017

Leadership Summit 2017

Heute reise ich zu unserem jährlichen Leadership Summit. Fast schon eine Tradition. Ich werde mein Zimmer mit einem Deutsch-Brasilianer teilen. Und Euch die nächsten Tage auf dem Laufenden halten, was hier so abgeht. Freu mich über das ein oder andere Gebet für diese Tage.


21 Februar, 2017

Einsatz


Wir haben zwar ein System, wie im Konfliktfall vorzugehen ist, doch manchmal muss ich eben selber ran. Das kommt nicht oft, aber immer wieder vor. Auch in diesem Jahr musste ich schon ran. Und was halte ich davon? Ich habe gelernt, das Konflikt grundsätzlich etwas Gutes ist. Konflikte zeigen die Vielfalt in der Schöpfung, ja, auch im Himmelreich. Ich bin mir sicher, dass es auch im Himmel unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen, Ansichten oder Persönlichkeiten geben wird. So wurden wir eben geschaffen, und jeder Konflikt ist ein Beweis, wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind, um uns gegenseitig ergänzen zu können.

Armselig läuft hingegen meistens unser Umgang mit dem Konflikt ab. Anstatt voller Neugier erfahren zu wollen, was hier an Unerwartetem entstehen kann, laufen wir davon. Es ist die Konfliktscheu, die unsere Sündhaftigkeit beweist, nicht der Konflikt. Die Scheu sagt, ich laufe weg, ich bin mir selbst genug, ich brauche den anderen nicht. Die Scheu ist ein Ergebnis der Angst, die uns steuert. Angst, verletzt zu werden; Angst, zurückzuschlagen.

Der reife Christ begrüßt den Konflikt, findet Mut zur Begegnung mit dem Anderen, sucht nach den Lektionen, hat sich selbst unter Kontrolle, achtet den anderen höher als sich selbst, verleugnet sein Ego. So werden Konflikte im Himmel ausgetragen werden, und es wird jedes Mal ein großartiges Schauspiel werden, das im rauschenden Applaus der Zuschauer mündet: Ach, SOO hatte Gott sich die Lösung gedacht! Wie genial! Halleluja!

Wir sind auf Erden meist weit von der himmlischen Konfliktbewältigung entfernt, doch wir können ihr durchaus ein gutes Stück näher kommen. Das ist mein Bestreben, wenn ich als Vermittler eingeschaltet werde. Wir haben selten perfekte Lösungen erarbeitet, doch meistens eine Haltung der Versöhnung à la Himmelreich erreicht. Deswegen fahre ich meistens mit etwas mulmigen Gefühl auf solche Einsätze und komme mit dankbarem Herzen zurück: Ich durfte einen Tropfen Himmel verabreichen und selber schmecken.

20 Februar, 2017

Im Gefolge der Einsamkeit


Wo die Einsamkeit das Regiment übernimmt, da ist auch die Eskorte nicht fern: Verzweiflung, Depression, Betäubung.

Mein Post von Samstag über einen erschreckenden Anstieg der Anzahl total vereinsamter Menschen wurde diese Woche von einer Pressemeldung indirekt bestätigt: Im Jahre 2016 ist die Menge beschlagnahmter Drogen durch den Zoll um 1100% (eintausendeinhundert) gestiegen. Das wird mit einem enorm gestiegenen Drogenhandel in Verbindung gebracht.

Sind das Früchte, die ihre Wurzel in säkularer Aufklärung haben?

18 Februar, 2017

Zahl der Beerdigungen ohne Trauernde hat sich in drei Jahren verdoppelt



Die Zahl der sogenannten "zeremonielosen Beerdigungen" hat sich in Schweden im Landesdurchschnitt von 2013 auf 2015 verdoppelt. Das bedeutet, dass die Angehörigen, so überhaupt welche auffindbar sind, bewusst keine Trauerfeier wünschen und keine Verantwortung im Prozess bis zur Beerdigung übernehmen. Der Verstorbene wird entsprechend durch die Behörden anonym verbrannt, die Urne irgendwo beigesetzt. Schweden, wohl immer noch Vorbild vieler Deutsche, zeigt uns damit, wohin Säkularisierung und Individualisierung führen: Zur anonymen Einsamkeit. Auf gut deutsch gesagt: Kein Schwein interessiert's. In der schwedischen Landeshauptstadt trifft dieses Schicksal heute schon fast jeden zehnten Toten. Tendenz steigend. Wo werden wir in fünf Jahren sein?

17 Februar, 2017

Apropos Langsamkeit. Oder: Lesen macht dumm.

Als Ergänzung zu meinem (interessanten?) Blogpost zur Entdeckung der Langsamkeit möchte ich Euch gerne zu einem kleinen Wettbewerb herausfordern. Das geht so: Ich werde Euch einen kurzen Text geben, und Ihr messt die Zeit, die Ihr zum Lesen braucht. Es wird ungefähr eine gute Buchseite sein. Ich habe zum Lesen dieser einen Seite mindestens eine halbe Stunde gebraucht. Weil ich nicht nur ein langsamer Leser bin, sondern, wie der Schwede sagen würde, ein "scheißelangsamer".

So ungefähr ging es vor sich:

Es war sehr früh morgens. Wegen der langen Schlange an der Sicherheitskontrolle war ich einer der letzten, die das Flugzeug bestiegen hatten. Endlich saß ich an meinem Platz und schlug mein Buch auf, um weiterzulesen, begann eben jene Seite, die Ihr auch gleich bekommen werdet. Während sich meine Augen die ersten zwei Zeilen entlangschlängelten, fragte ich mich immer noch, warum die beiden Kinder hinter mir in der Securityschlange am Weinen waren, warum die beiden Mütter so besorgt aussahen. Naja, aber dafür sah das Kleinkind aus Reihe eins im Flieger, mit dem ich fast eine Minute beim Warten in Gang geshakert hatte, umso glücklicher aus. Großer Bruder und Mutter in Reihe eins waren auch gut drauf.

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Hach, der Platz neben mir bleibt doch nicht frei. Der junge Geschäftsmann war der Allerletzte beim Boarding und setzt sich neben mich. Er sieht aus, als flöge er täglich zu Geschäftsterminen. Warum fliegt er nicht Business Class?

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Alles ist saukalt im Flieger. Die Sitze, die Luft, die Wände. Ist das heute der erste Flug dieser Boeing 737? Ja, wahrscheinlich. Der ganze Flügel ist ja vereist.

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Es stinkt plötzlich nach Kerosin! Puh! Ach so, man hat wohl nach dem Betanken endlich das Heizgebläse angemacht.

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Plötzlich riechts nach Scheibenwaschanlage, gleichzeitig bombardiert rosa Schleim knallend mein Außenfenster. Immer wieder faszinierend. Womit verdienen Flugzeugenteiser eigentlich im Sommer ihr Geld?

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Ja, isses denn wahr?! Da popelt einer höchst genüsslich und ungeniert. Ob er seine Beute gleich auffrisst?


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Oh, wie das ruckelt, es geht los, wenn auch erstmal rückwärts. Mann, was die Turbine beim Anlassen qualmt. Echter Kaltstart. Sieht fast schon gefährlich aus.


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Sicherheitsballet. Die Stewardess ist blond, pummelig und kurz vor der Rente.

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Wir rollen. Oh, sie mal, die Boeing der Norwegian dort, wie sie gerade enteist wird. Die Beleuchtung des dahinwehenden rosa Dampfes ist dramatisch und filmreif. Wir nähern uns der Startbahn.


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Der routinierte Geschäftsmann neben mir fummelt sehr nervös ständig mit seinen Händen herum und knibbelt ohne Hinzusehen aggressiv an seinen Fingernägeln. Ist er doch nicht so routiniert, wie es schien? Oder hat er immer noch große Flugangst? Soll ich seine Hand halten? Soll ich es wagen? Wie würde er reagieren?

Nein, ich wage es nicht und lese stattdessen weiter.

Aaahh, diese Beschleunigung beim Start! Ich werde in den Sitz gepresst. Nichts ist schöner. Wir heben ab in die Dunkelheit.

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Es duftet nach Kaffee. Draußen erkennt man gefrorene Seen in der Tiefe. Ob ich gleich die Sonne aufgehen sehe?

Nach 15 Minuten bin ich auf Zeile 15 angekommen. So geht mir das ganz oft beim Lesen. Egal, ob ich im Flieger oder auf einem Küchenstuhl sitze. Besonders erwähnenswert war dieses Mal aber der Text, den ich während eben dieses Fluges gelesen habe. Der Inhalt. Und jetzt seid Ihr an der Reihe. Ich möchte, dass Du denselben Text auch liest. Wie Du siehst, bin ich langsam. Es besteht also kein Grund zur Unruhe, Du wirst mich locker schlagen.

Oder?!

Die Zeit gilt ab:

JETZT.

Ernst Pöppel, der kriegsbedingt recht spät eingeschult worden ist, kann sich gut an die Zeit erinnern, in der er noch unbelesen war. »Es war etwas vollkommen anderes, ich schweifte mit offenen Augen und Ohren durch die Natur. Die Sinneseindrücke und die Erzählungen der anderen waren ja die einzigen Möglichkeiten, etwas Neues zu erfahren«, erzählt er. Also hörte man seinen Mitmenschen genauer zu, sah sich die Dinge an oder nahm sie in die Hand, um mehr über die Welt zu erfahren. Und wie ist es als lesender Mensch? »Der genaue Blick in die Welt ist erheblich eingeschränkt worden«, sagt der Vielleser Pöppel, obwohl er in seinem Leben mittlerweile 100 000 Stunden mit Lesen verbracht hat und jeden Tag mindestens 100 Seiten liest. »Lesen ist bereichernd, aber trotzdem: Der ursprüngliche Blick ist verloren gegangen und wurde durch eine mittelbare Betrachtung ersetzt.« Das hat Auswirkungen, so der Hirnforscher: »Für die feinen Unterschiede, die sich mir optisch darbieten, bin ich weniger empfänglich als früher. Eigentlich gehe ich verblindet durch die Welt, abgestumpft für den Reichtum dessen, was sich in meinem weiteren Gesichtsfeld zeigt. Ich erkenne die Farben, doch ich erlebe sie nicht mehr.« Die Fokussierung auf das artifiziell Visuelle beim Lesen führt des Weiteren dazu, dass die anderen Sinnesorgane bzw. die Interpretation ihrer Informationen im Gehirn verkümmern. Das Visuelle ist dominant geworden, das Hören, Tasten, Riechen, Schmecken oder Sichbewegen zieht weniger Aufmerksamkeit auf sich. Wir stumpfen in jeder Hinsicht ab für das, was es in der Welt um uns herum gibt. Fairerweise muss man dazusagen, dass auch das Leben in Städten und in geschlossenen Räumen hineinspielt, ebenso wie der Umgang mit Technik, die uns die Welt vermittelt, wodurch es viel weniger notwendig ist, dass unsere Sinne geschärft bleiben. 

Natürlich sind Menschen, die nicht lesen können, in unserer Gesellschaft benachteiligt. Aber aus Sicht der Hirnforschung sieht es eben anders aus: Menschen, die ohne Lesenlernen aufwachsen, haben eine intensivere Wahrnehmung der Welt als Menschen, die ihre Zeit über Bücher gebeugt in Zimmern verbringen. Wobei es nicht nur um das Lesen von Büchern geht, sondern generell um die Vermittlung der Welt durch Hilfsmittel. 

Smartphone und Navi –Lesen 3.0 

Systematische Verblindung 
Ist das jetzt nur ein einzelnes Phänomen eines Professors oder eine breite Strömung? Um diese Frage zu beantworten, fuhren die Autoren gemeinsam mit der S-Bahn. Die S7, die vom Münchner Hauptbahnhof sowohl Pullach anfährt, wo Ernst Pöppel zu Hause ist, als auch Icking, das Heimatdorf von Beatrice Wagner, ist ein guter Ort, um das Verhalten von Menschen zu beobachten. Auch Schüler fahren mit dieser Linie, die S-Bahn-Abteile sind erfüllt von Lärm, Geschrei sowie von SMS-Piepsern und Klingeltönen. Viele Kinder und Jugendliche haben ihre Smartphones dabei, tippen herum oder telefonieren. So auch das 16-jährige Mädchen neben uns. Eine Nachricht nach der anderen macht sich mit einem Beep bemerkbar und wird beantwortet. Bis das Telefon klingelt. »Ja wo bist du denn jetzt?«, schallt es laut aus dem iPhone. »Hier im ersten Wagen, es ist voll«, so die lautstarke Antwort des Mädchens. »Aber wir sind doch auch hier«, tönt es blechern aus dem Lautsprecher. Das Mädchen schaut sich um, springt auf und läuft in das Nebenabteil. »Ich hab dich gar nicht gesehen«, ruft sie. Natürlich hat sie die Freundin nicht gesehen, wie könnte sie auch, sie war ja nur mit ihrem Smartphone beschäftigt. 

Die beiden Autoren, die sich gerade über den Sinn und Unsinn des Lesens unterhalten haben, müssen grinsen. Volltreffer! Genau das meinten wir. Vergleichbares hätte auch dem Touristen passieren können, der einen Reiseführer über die Schönheit des Isartals liest, anstatt sich selbst umzuschauen. Man geht verblindet durch die Welt und verlässt sich auf die mittelbare Betrachtung durch ein Hilfsmittel. Beim Lesen eines Buches wird beschrieben, was in der Welt passiert, so muss man es nicht mehr selbst erleben. Beim Bedienen eines Smartphones ist man von der Aufgabe entbunden, sich selbst umzuschauen. Die Hilfsmittel übernehmen das, was eigentlich Augen, Ohren, Nase und die anderen Sinne leisten sollten.

(Aus:
Ernst Pöppel und Beatrice Wagner: dummheit. warum wir heute die einfachsten dinge nicht mehr wissen. München: Riemann Verlag, 2013.)

 Und? Wie lange hast Du gebraucht?!


16 Februar, 2017

Mal ehrlich: Soll man Bettlern Geld geben?

Bettler mit Botschaft: Scene aus "Bruce Almighty"

Ich sah die Dame schon die ganze Zeit auf dem Busbahnhof herumschlawenzeln. Übergewichtig und im schmutzigen, aber farbenfrohen, südosteuropäischen Traditionsgewand. In der Hand jener typische Pappbecher mit ein paar Münzen drin. Mehrmals ignorierte sie mich, doch mein Bus ließ zu lange auf sich warten. Irgendwann stand sie direkt vor mir und schaute mich mit treuen Hundeaugen an. Ich wich nicht aus und blickte lächelnd zurück. Doch mein schönes Lächeln war ihr nicht genug. Sie wollte mehr von mir. Verführerisch tanzte der Becher vor meinem Gesicht. Tja, was soll man da machen? Ich lächelte noch etwas breiter und sagte freundlich: Nej, tack. Grad so, als hätte ich ein Stück Sahnetorte abgelehnt. Offenbar verstand sie aber kein Schwedisch. Aus dem anmutigen Becherbauchtanz wurde ein Becherkasatschok, mit Münzen im militärischen Gleichschritt rasselnd. Hinter dem Becher verfinsterten sich zudem die Hundeaugen. Mir war, als sollte ich beschwört werden, als würde ihre zweite Hand gleich eine Kristallkugel oder mindestens Tarotkarten aus dem Folklorekleid zaubern, um mir meine elende Zukunft im Falle meiner Verweigerung zu offenbaren. Also wiederholte ich meine Schwedischlektion. Nach nur fünf Wiederholungen hatte sie die beiden Worte "nej" und "tack" begriffen. Leider freute sie sich gar nicht über den kostenlosen Sprachunterricht. Ihr böser Blick war schwarz wie die Nacht, während sie von dannen zog.

Ich bin überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Keine faulen Ausreden bei Bettlern. Sich stattdessen freundlich grüßen und anschauen. So weit es geht ein paar Worte wechseln. Ich habe keine Angst vor Bettlern. Sie nerven mich auch nicht. Aufdringlicher als die dicke, bunte Dame wird kaum jemand. Die allermeisten akzeptieren ein Nein und wenn nicht, ist das ganz sicher nicht mein Problem. Ich kann auch fünfmal freundlich ”nein, danke” sagen, ohne genervt oder ausfällig zu werden.

Und dennoch denke ich ganz ehrlich, dass wir Bettlern etwas geben sollten. Nicht immer, aber immer wieder. Natürlich, es gibt dieses Gerede, dass das alles organisierte Banden seien, Menschen würden ausgenutzt und so etwas sollte man nicht unterstützen. Wer mir das sagt, erzählt mir mehr über sich selbst als über die Bettlerei. Mag sein, vielleicht ist einiges organisiert. Auf den Beweis warte ich aber immer noch. Wer mit dieser Logik auffährt, dürfte konsequent auch kein Auto kaufen, keine Schokolade essen und keinen Kaffee trinken. Mit all dem unterstützen wir sehr, sehr viel Dunkleres, was sich wirklich in der Welt organisiert hat. Einem Bettler etwas zu geben, hat meiner Meinung nach nur wenig mit organisierter Kriminalität zu tun.

Einem Bettler etwas zu geben, ist eine geistiche Übung. Eine Hantel für die Seele. Je öfter wir sie stemmen, desto stärker werden wir. Anfänger legen im Vorbeigehen vielleicht nur ein paar Cent in den Becher. Das ist das Leichtgewicht. Fortgeschrittene geben nicht nur Geld, sondern auch ein echtes, selbstsicheres Lächeln. Vielleicht tauscht man sogar ein paar Worte aus. Schwergewichte fragen, ob sie vielleicht etwas bestimmtes benötigen oder wünschen. Das kann ein Toastbrot oder eine Dose Red Bull sein, die man dann vom Einkauf mitbringt. Profi-Seelenbodybuilder bauen eine Beziehung auf und setzen sich dann und wann sogar für ein paar Minuten neben den Bettler.

Wer das tut, trainiert seine Großzügigkeit. Nicht nur finanziell. Man teilt großzügiger sein Lächeln, seine Zeit, sein Herz. Wer das tut, verändert seinen Charakter.

Jede Stadt ist heutzutage ein gigantisches Fitnesscenter. Gott hat an jeder Straßenecke Übungen für uns aufgestellt. Wir müssen sie nur nutzen.

ÜBERRASCHUNG!!! - Der Bettler war Gottes Verkleidung (gespielt von Morgan Freeman)

15 Februar, 2017

Er ist weg.

Heute wollte ich Euch eigentlich Nicki vorstellen. Ich treffe ihn mindestens einmal die Woche. Wir begrüßen uns, tauschen aus. Meist kaufe ich ihm etwas ein oder gebe ihm etwas Geld. Nicki hat mir geholfen, Leben und Alltag eines Bettlers besser zu verstehen. So wusste ich, dass er Familie, Eltern, Frau und Kinder weit weg in seinem Heimatland hat. Ich habe gesehen, wie er sich auf dem kalten Boden erkältete und trotzdem weiterarbeitete, um seine Familie versorgen zu können. Er erzählte mir, wie es ist, hier zum Arzt gehen zu müssen. Und ich wusste, dass er Ende Februar zurück in sein Heimatland muss, um seiner Familie zu helfen. Er hofft aber sehr, wieder nach Schweden zurückzukommen, und dann wünscht er sich einen richtigen Job. Immer wieder haben wir ihm auch warme Getränke, eine Toilette, einen Platz zum Aufwärmen angeboten.

Nun war ich eine Zeit nicht hier. Als ich heute wiederkam, hatte ich ihm ein kleines Geschenk mitgebracht. Doch er war nicht da. Wie ich hörte, war seine Mutter schwer erkrankt. Offenbar hatte er das Geld für die Heimreise zusammen und sich auf den Weg gemacht. Meine Gebete begleiten ihn. Vielleicht mögt Ihr mit mir für Nicki beten, dass er wirklich ein neues Leben inklusive einer richtigen Arbeit findet.

Sein nun leerer Arbeitsplatz. Unter dem Briefkasten klemmt noch seine Matte.

14 Februar, 2017

Ungewöhnliche Bekehrung

Wir alle wissen, dass Gott stärker als der Tod ist und damit über jeglichen Trends der Zeit oder politischem Schwachsinn steht. Deswegen darf man das Unerwartete nie ganz ausschließen, auch nicht in Landstrichen, die als "Missionarsfriedhöfe" bekannt sind. Zu den Freuden meines Jobs gehört es, manche Geschichten ganz aktuell aus erster Hand zu erfahren.

Wie zum Beispiel jenes Vorkomnis in einem unserer Teams - ein Team, das ich sehr, sehr schätze und so oft ich kann aufmuntere (aber aus Gründen der Diskretion nicht öffentlich hier nennen möchte). Sie haben eine unglaublich gute Arbeit in ihrer Stadt aufgebaut, mutig, weise, lustig, tief, voller Liebe und in der Kraft des Geistes. Ich hatte die Möglichkeit, das Projekt mit meinen eigenen Augen zu sehen. Obwohl man keinerlei Reklame betrieb, erregte die Arbeit wachsendes Interesse in der Stadt. Schließlich wurde sogar die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung erregt. Um mehr zu erfahren, lud deren Vorsteher - offenbar heimlich - einige Leiter älterer Gemeinden in sein Büro, um sich zu informieren. Zu einem weiteren Treffen wurden dann auch die Teamleiter unseres Teams eingeladen, die keine Ahnung hatten, warum sie plötzlich ins hochoffizielle Rathaus der Stadt zitiert wurden. Dort wurde ihnen in Anwesenheit der anderen Pastoren eröffnet, dass der Bürgermeister sich taufen lassen möchte - aufgrund des überzeugenden Zeugnisses dieser Arbeit.

Was für eine Geschichte! Was für ein vorbildliches Zusammenspiel! Ihr dürft mit mir Gott danke sagen und für den neugeborenen Bürgermeister beten!


13 Februar, 2017

Die Entdeckung der Langsamkeit


Meine Frau spielt schon lange keine Strategiespiele mehr mit mir. Anfangs fand sie es immer lustig, weil sie jedes Spiel gewann. Vor allem neue Spiele. Doch nach ein paar Spielen, Tagen oder Wochen, wenn ich es dann endlich auch begriffen hatte und beginne, eigene Taktiken zu entwickeln, wird der Spieß umgedreht. Nach einigen Ehejahren entdeckte sie dieses Muster und fand es fortan langweilig, gegen mich immer nur noch zu verlieren.

So geht es mir oft. Mittlerweile weiß ich es: Wenn mir neue Leute ein neues Spiel beibringen wollen, fühle ich mich grundsätzlich wie ein dummer Schuljunge, der gar nichts rafft, während alle anderen sofort kapieren, was abgeht. Aus diesem Grunde habe ich wohl auch nie Skat gelernt, trotz vieler Versuche, es mir beizubringen. Das Gefühl, dumm zu sein und andere mit meiner Dummheit zu nerven, war wahrscheinlich immer die größte Erfolgsbremse. Die Abseitsregel habe ich auch erst bei der WM 2010 in Südafrika gerafft. Nicht, weil sie mir da jemand erklären konnte, nein. Als sonst extrem gemäßigter Fußballinteressierter habe ich aber erstmals sämtliche WM-Spiele nacheinander angesehen hatte endlich die Gelegenheit, jene ominöse Abseitsregel selbst zu entdecken und verstehen.

Ich muss zugeben: So funktioniere ich. Langsam. Ich komme schwer aus dem Bett und bin immer der letzte, der mit dem Essen fertig ist. Obwohl Langsamkeit durchaus ihre Vorteile hat, wird sie grundsätzlich als Manko angesehen. Alles muss schnell gehen, erledigt werden, fertig sein. Heute muss alles noch schneller als schnell gehen. Am schnellsten gibt es gar nicht mehr, denn eigentlich sollte immer noch ein bisschen schneller drin sein. Manche zweifeln sogar an, ob die Lichtgeschwindigkeit wirklich das Ende der Fahnenstange ist.

In meinen Studien zum Thema Dummheit entdecke ich hingegen, dass Langsamkeit alles andere als dumm ist. Langsamkeit ist sogar sehr viel weiser als Schnelligkeit. Weisheit lädt man nicht während ein paar Millisekunden herunter. Sie wächst über Jahrzehnte. So man sie denn pflegt und nährt, sonst wächst sie gar nicht. Unsere "Hier-und-jetzt-aber-sofort-Gesellschaft" zeichnet sich sogar in vielen Fällen durch ausgesprochene Dummheit aus. Wir treffen kurzfristige Entscheidungen ohne an die Zeit danach zu denken. Börsenhändler denken nur ans Heute. Manager an die nächsten Monate. Politiker an ihre Legislaturperiode. Pastoren an die Zeit ihrer Anstellung in dieser Gemeinde. Wer denkt an die nächste Generation? Die übernächste? Und trifft heute entsprechende Entscheidungen? Richtet eventuell sein ganzes Leben danach aus? Wer weiß schon, dass man heute keine Fichten mehr aufforsten sollte, Deutschlands Nadelbaum Nummer eins, weil sie die Erderwärmung nicht vertragen werden und unsere Urenkel nur noch an Plastiktischen sitzen werden?

Das Problem ist, dass wir von Kindesbeinen an gelehrt werden, schnell sein zu müssen. Wer nicht mithalten kann, hinkt hinterher. Schon unsere Sprache ist voller Idiome, die Schnelligkeit als wichtig betonen. Doch damit werden wir zu kulturellen Kaltblütern, unfähig, langfristige Trends wahrzunehmen wie der berühmte Frosch im Kochtopf. Wer also lehrt uns Langsamkeit? Wer erklärt uns, wie man weise wird? Wer bringt uns bei, in großen Zeitrahmen zu denken und das Heute entsprechend zu gestalten?

Ihr ahnt es schon: Die Gemeinde wäre der ideale Platz. Wir dienen dem Gott der Ewigkeiten. Mit unglaublicher Geduld lässt Er nicht nach, uns Geduld zu lehren. Er gibt uns kapitelweise Lektionen zum Thema Weisheit. Er beschreibt uns als Bäume, die am Wasser gepflanzt sind und Früchte tragen. Kein Baum, keine Frucht lässt sich mit LTE-Geschwindigkeit downloaden. Sie wachsen langsam. Und wenn Spanien Scheißwetter hat, bleiben bei uns die Gemüseregale leer. Schnell hin oder her. Die Gemeinde hat wohl den unglaublichen Auftrag, der Welt die Freuden und die Ruhe der Langsamkeit beizubringen.

Wie gut, dass es in unseren Gemeinden kaum Stress gibt, dass sie Orte des puren Aufatmens und Durchschnaufen sind, dass wir unseren Gemeindezielen in einem Milieu der Gemächlichkeit nachstreben, dass wir uns Zeit zum Feiern und zur echten Lebensfreude nehmen, dass wir Geduld miteinander haben wie Gott sie mit uns hat, dass unsere Gemeinden ein so angehmer Kontrast zum hastigen Businessmanagement sind, dass wir Menschen und Gemeinschaft wichtiger nehmen als Aufgaben und Programme.

Die Gemeinde ist wahrlich etwas vom Himmel auf Erden. Ein Stückchen Ewigkeit. Oder?!

11 Februar, 2017

Nicht ganz sicher...

Nur zwei Dinge sind unendlich: 
Das Universum und 
die Dummheit des Menschen. 
Beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein 


10 Februar, 2017

Quo vadis, Welt?


Man fragt sich, welchen Kurs die Welt des Westens gerade einschlägt. Das, worauf man angeblich immer sooo unglaublich stolz war, nämlich die Vernunft der Aufklärung, Freiheit von der "Bevormundung der Kirche", säkulare und demokratische Gesellschaften, opfert man gerade höchst freiwillig auf dem Altar der Demokratie, der Wahlurne. Man fasst kurzssichtige Entscheidungen und lässt höchst zweifelhafte Gestalten das Ruder übernehmen. Es ist nicht auszuschließen, dass im Wahljahr 2017 noch so mancher saurer Apfel vom Baume fällt.

Ich frage mich, was das sowohl für die Gemeinde im Allgemeinen als auch für mich persönlich im Speziellen bedeutet. Es gibt keinen einfachen Antworten. Doch der beste Ansatz bei allen Forschungsfragen ist lesen und beten. Und wenn ihr mich fragt, womit ich mich in meiner persönlichen Andacht täglich beschäftige, dann sei euch verraten: mit Dummheiten. Ich brauche eine Theologie zur Dummheit, um mein tägliches Kopfschütteln, meine Fassungslosigkeit besser verstehen zu können. Inwieweit sich das in meinem Blog widerspiegeln wird, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall kann ich verraten, dass es hier sehr viel Interessantes zu entdecken gibt. Und ich freue mich darauf, bei einem guten Glas Wein einiger Eurer Ein- und Ansichten zum Thema Dummheit zu hören.


09 Februar, 2017

Unanständige Spielwaren? Oder: Die größten Probleme nachchristlichen Wohlstandes


In Schweden wurde neulich ein Spielwarenladen gerichtlich verurteilt. Der Laden hatte sich allen Ernstes erlaubt (stellt euch vor!) auf einem Plakat mit einem als Pirat verkleideten Jungen und einem als Engel verkleidetem Mädchen zu werben. Ich nehme an, jeder von uns würde sofort vor Gericht ziehen, wenn wir ein solches Plakat sähen. In einem SPIELWARENLADEN! Der Laden wurde also verurteilt. Wegen Sexismus. Weil das ja klar ist. Wäre das Mädchen der Pirat und der Junge der Engel gewesen, hätt' sich keiner aufgeregt, logisch. Aber so! Wenn der Junge etwas weiblicher gewesen wäre, mit langem Haar vielleicht, dann wäre das auch noch ok gewesen, las ich in der Zeitung. Sachen gibts.

So, ich muss jetzt aufhören. Meine Lockenwickler müssen raus.



08 Februar, 2017

New-reformation ist nicht Last Reformation


Googelt man ”new reformation” bekommt man viele Links, die zur dänischen Bewegung Last Reformation führen. Ich wollte nur mal so erwähnt haben, dass weder ich persönlich noch Communitas als Organisation etwas mit dieser Bewegung zu tun haben. Ich habe nichts Konkretes  gegen sie zu sagen, aber auch nichts Gutes. Das, was ich meist über persönliche Kontakte oder Anhänger von der Last Reformation mitbekomme, klingt in meinen Ohren etwas merkwürdig, manchmal sogar sektiererisch. Außerdem finde ich, dass keiner weiß, wann die ”letzte Reformation” stattfindet. Das können wir ebensowenig wissen wie das Datum der Wiederkunft des Herrn.

Neue Reformationen werden hingegen ständig gebraucht. Im Grunde ist jeder Tag eine Reformation des eigenen Lebens. Und die Neuformung unseres Lebens sollten wir dem Herrn des Neuen Lebens vollständig überlassen. Ebenso wie den Tag, an dem Er dies zum letzten Mal tun wird, weil Er Lust hat, uns zu sich zu rufen.

07 Februar, 2017

Beten nicht vergessen!


Die erste Serie zur Gemeinde der Zukunft habe ich weniger geschrieben, um Neugier zu befriedigen. Aus diesem Grund hat Gott noch nie prophetisch gesprochen. Es geht viel mehr um Vorbereitung und Umkehr. Und dies geschieht vor allem im Gebet, in der Beziehung mit dem Herrn.  Deswegen möchte ich uns alle zum Gebet ermahnen und darum bitten, besonders für die Gemeinden der Zukunft zu beten, für alle ihre Möglichkeiten und Herausforderungen.

06 Februar, 2017

"Die Zukunft des Westens"

"Bonn"
 Zum Abschluss dieser ersten Serie zum Thema "Gemeinde der Zukunft" ein paar Zeilen aus Mark Sayers faszinierendem Buch "Disappearing Church" (Verschwindende Gemeinde):

In den neunziger Jahren sagte der kanadische Autor Douglas Coupland die Zukunft des Westens wie folgt voraus: 

"Der Westen wird wie Bonn sein - wie eine saubere, ordentliche, moderne deutsche Stadt." 

Er sollte Recht behalten. Die Zukunft des Westens sieht in der Tat wie Bonn oder eine skandinavische Metropole aus, vielleicht auch wie meine Heimatstadt Melbourne, gewählt zur lebenswertesten Stadt mit all ihren Cafés, kreativen Gewerben, großartigem öffentlichen Nahverkehr, einem zivilen Religionsverständnis und fortschrittlichen Werten. Selbst die einflussreichsten Kulturcities der USA verwandeln sich mehr und mehr in diese Form. Wie wir in Kapitel drei noch sehen werden, sind solche Plätze eine enorme missionarische Herausforderung. 

Als jemand, der in der Nähe Bonns geboren wurde und dort seinen Militärdienst absolvierte und als jemand, der heute in "einer skandinavischen Metropole" lebt, könnte ich ihm nicht mehr zustimmen - vor allem seiner Schlussfolgerung der enormen missionarischen Herausforderung.

Sollte jemand von Euch Kapitel drei oder den Rest des Buches gerne selber lesen wollen, so könnt ihr es hier finden.


"Eine skandinavische Metropole" (Göteborg)



04 Februar, 2017

Die Pforten der Hölle werden auch die Gemeinde der Zukunft nichtüberwinden (12)




Nun, meine Serie zum Thema Gemeinde der Zukunft mag dem ein oder anderen etwas zu pessimistisch klingen oder gar Angst hervorrufen. Bei allen Herausforderungen, die sich unserer Science-Fiction-Welt stellen werden, ist es leicht, die Versprechen Gottes zu vergessen. Und dazu gehört, dass die Gemeinde unüberwindbar sein wird. Nichts und niemand wird sie ausrotten oder besiegen können. Weder Tod noch Leben kann uns von Gott trennen.

Die Gemeinde der Zukunft wird kämpfen müssen, gewiss. Doch das musste die Gemeinde zu allen Zeiten. So manche Geschwister werden sich dann und wann in unsere glorreichen Glanztage zurückwünschen, wenn sie in Kirchengeschichtsbüchern über gefüllte Alphakurse und Willow-Creek-Konferenzen lesen. Sie werden manchmal etwas unverständlich den Kopf darüber schütteln, dass wir unser Gemeindewachstum und unsere schönen und teuren Gemeindehäuser meist als selbstverständlich ansahen. Dass wir davon ausgingen, so werde es immer sein, weil es immer so sein muss. Sie werden denken "Ach, wenn die damals gewusst hätten!" Ja, das werden sie denken, aber wir denken heute doch auch viel über unsere Vorväter, schütteln den Kopf über sie und fragen uns "Warum haben die das nicht gesehen, was wir sehen?"

Doch eins hat die Gemeinde zu allen Zeiten gemeinsam: Sie ist nie k.o. zu Boden gegangen. Ortsgemeinden mögen sterben, gewiss. Doch der Leib Christi wird es nicht, auch in Zukunft nicht. Er ist nur einmal gestorben und dann zu ewigem Leben auferstanden.

Unsere geistlichen Kinder werden also wie unsere geistlichen Väter die bittere Medizin sein, die die Welt so dringend braucht, und sie werden sie mit Liebe reichen und die Welt pflegen.

Bis der Arzt kommt. Bis zum letzten Tag.

03 Februar, 2017

Die Gemeinde der Zukunft (11) wird eine prophetische Stimme entwickeln müssen


Liebe und Prophetie sind die Hauptzwecke der Geistesgaben. Jede Gabe soll die Liebe Gottes vermitteln, spürbar und erlebbar werden lassen. Gleichzeitig vermitteln sie eine Realität, die dem Mensch von Hause aus verborgen ist.

In Zeiten, wo sich der Mensch als Individuum ins Zentrum stellt und daran langsam aber sicher in Einsamkeit vertrocknet, kann Liebe wie ein Regen in der Wüste sein. Doch wer Gott nicht kennt, weiß auch nicht um die vielen Dimensionen, die Liebe noch alles haben kann: Selbstlosigkeit, Opferbreitschaft, eben alles, was in 1 Korinther 13 aufgelistet wird. Der Gemeinde der Zukunft wird die wichtige Aufgabe zukommen, prophetisch zu lieben, das neue Herz zu leben, auf die Neue Schöpfung hinzuweisen.

Dazu gehört auch der Mut, die Scheinheiligkeit des nachchristlichen Säkularismus zu enthüllen, das zerfressenne Innere unter den schön designten Oberflächen zu zeigen. Wie Krebsbilder auf Tabakverpackungen werden wir sagen müssen: Seht her, dazu kann es führen, wenn der Mensch nur sich selbst liebt und Gott vergisst.

Damit werden sich die Geschwister der Zukunft nicht nur Freunde machen. Wie Jesus, der die Überzeugungen der Kulturarchitekten seiner Zeit, die Pharisäer und Sadduzäer öffentlich bloßstellte und damit schieren Hass erntete, geht es jedem, der ein Allerheiligstes in Frage stellt. Und das Allerheilgste des zukünftigen Westens werden unsere wunderschönen Illusionen sein. Niemand will sie sich nehmen lassen, denn was darunter gedeihen konnte, kann Ähnlichkeit mit Monstern haben.

Propheten haben schon immer gefährlich gelebt. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
 
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