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Es werden Posts vom Juni, 2017 angezeigt.

Ich heirate. Ich heirate nicht. Ich heirate. Ich heirate nicht.

Der westliche Mensch des 21. Jahrhunderts will wenig Verantwortung für's Leben übernehmen und sich spät bis möglichst gar nicht festlegen. Das ist nichts Neues mehr. Dazu hatte ich erst kürzlich den schwedischen Psychiarter David Eberhard zitiert. Heute flatterte eine neue E-Mail in meinen Eingangskorb. Der Autor des Buches "Not yet married" (Noch nicht verheiratet) fügt einige interessante Aspekte hinzu. Ein paar übersetzte Abschnitte von Marshal Segal:

Wir leben in einer Geselschaft des Jetzt. Immer und überall können wir sehen und streamen, worauf wir grad Lust haben. Wenn wir wollen, werden uns die ausgefallensten Lebensmittel und Mahlzeiten direkt an die Haustür geliefert. Wir klicken "Gefällt mir", schicken Sms und flirten von unserer vollgekrümelten Couch aus - unsere abgeschottete Sicherheits- und Komfortzone.

Das Ich gepaart mit Ungeduld sind auch die wesentlichen Bestandteile der Flutwelle des vorehelichen Sex, wo wir uns selbst verschenken bevor wir ü…

Von nun an geht's bergab.

Mittsommer in Schweden. Wer nie mindestens zwei Jahre nördlich des 55. Breitengrades gelebt hat, kann sich die Auswirkungen von Licht und Dunkelheit auf Leben und Wohlbefinden, auf Gesellschaft und Kultur nicht im Entferntesten vorstellen. Mittsommer als längster Tag des Jahres wird deswegen gebührend gefeiert. Jeder genießt die Allgegenwart des Lichts. In alle Freude mischt sich aber auch ein wenig Schwermut, denn alle wissen: Von nun an geht's bergab.

Darin unterscheiden sich die Skandinavier von den Christen des Westens: Der Nordeuropäer weiß, dass nun die Tage kürzer werden. Winter is coming. Der gemeine Christ des Westens hingegen weigert sich, die in der Ferne herannahenden Wetterfronten ernst zu nehmen. Teils ist er viel zu beschäftigt, teils verlässt er sich lieber auf zweifelhafte Scheinheiligkeiten. Dass Gemeinde immer wachsen werde, wenn man nur alles richtig mache. Dass Gott kein Leid und Ungerechtigkeit im eigenen Leben zulasse. Und wenn der Frost dann doch gekommen …

Zero Commitment

Vor knapp zwei Wochen habe ich meinen Sohn verheiratet. Welch ein Erlebnis. Noch heute bin ich voll auf Endorphin: Sonne, Fest und Stolz auf Sohn und Schwiegertochter. Die zwei sind wunderbar, kommen aus stabilen Familien, die ihren Vorbildern in den kommenden 65 Jahren nacheifern wollen. Allen, die uns weder auf Instagram noch Twitter oder Facebook folgen, werde ich irgendwann ein paar Bildchen auf new-reformation-privat einstellen.

Doch im Rausch der Glückshormone schmecke ich auch einen Wermutstropfen. Der hat nichts damit zu tun, dass nun auch das zweite Kind Vater und Mutter verlassen hat. Die Tatsache, dieses Ziel erreicht zu haben, macht mich nur noch stolzer. Der Wermutstropfen kommt nicht aus der Familie, sondern aus der Gesellschaft, in der wir leben.

Nie habe ich nämlich so viele verstörte Blicke und Kommentare erhalten. ”Was?! Die heiraten?! Ja, wie alt sind die denn?! Was, 21?! SO JUNG?!?!” Und dann dieser Blick, das künstliche Grinsen, als würde bald unser Haus von ein…

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