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Schlechterwisser XIV: Vorteile


Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ein Leben nach dem kött* so interessant sein könnte.

Es ist billiger, damit geht es schon mal los.

Langeweile beim Essen, ja, ich geb's zu, das hatte ich befürchtet. Ein fleischloses Leben muss fad sein, meinte ich mir sicher zu sein. Doch heute muss ich ausgerechnet einem Metzger Recht geben: Metzger Schorsch Boggnsagg mit seiner viel beachteten und tiefsinnigen Frage "Wo is'n 's Hirn?!"** Ungewürztes Fleisch ist nämlich ziemlich geschmacklos, dass wissen nicht nur die Boggnsaggs. Was den Geschmack am Fleische macht, sind die Gewürze, und die sind, nun ja, die sind nunmal höchst vegan. Richtig gute Geschmäcke kann man völlig fleischfrei zaubern. Lina und anderen sei Dank, wir entdecken ständig neue Zutaten und Kompositionen. Es ist eine wahre Freude!

Die eigene Zunge gewöhnt und verändert sich überraschend schnell. Nach nur wenigen Wochen stellt man eine spürbare Veränderung ein. Heute schmecken mir Avocados. Schmecken!

Man lebt bewusster, sehr viel bewusster sogar. Ich habe mich nie um Nährstoffe gekümmert. Satt war das einzige Ziel, das zählte. Ob man es mit Hot Dogs oder Chips erreichte, spielte nicht die geringste Rolle. Heute weiß ich genau, wie viele Proteine ich woher erhalte.

Meine sportliche Aktivität und Leistungsfähigkeit ist nicht im Geringsten beeinträchtigt.

Da ich mich zu Hause vollständig und auf Reisen so weit wie möglich vegan ernähre, brauche ich mir aufgrund der neuen Abwesenheit körperfremder Östrogene weniger Gedanken um Prostatakrebs zu machen, der bei mir in der Familie liegt. Die Gefahr eines Männerbusens ist damit auch endgültig gebannt, wie so manches andere, höchst unmaskuline Problemchen. Gott sei dreimal Dank!

"Wer viel frisst, der muss viel..." sagen humorvolle Vertreter einer anderen philosophischen Schule.*** Wer vegetarisch lebt, braucht aber fortan beim Stuhlgang keine Sorge mehr haben, innerlich zu verwesen. Das Geld für's Duftspray kann man also auch sparen.

Das sind alles nur ein paar Extravorzüge - und ganz nebenbei verändert man nachhaltig die Welt.

Jüngerschaft kann so viel Spaß machen! So viel habe ich also bis heute verstanden. Doch wie gesagt, es wird wohl nie enden. Denn immer, wenn man denkt, nun hätte man verstanden, muss man kurz danach einsehen, dass der Spaß gerade erst angefangen hat.

Ende 


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* kött, sprich shött, schwedisch Fleisch 

** wem diese philosophische Strömung entgangen sein sollte, kann sich hier weiterbilden 

*** auch diese kann man sich hier zu Gemüte ziehen

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Guten Tag! Ich freue mich, heute hier bei Euch sein zu dürfen. Falls ihr uns noch nicht kennt, ich heiße Kelli Crull, und meine wunderbare Frau April ist auch hier. Ursprünglich komme ich aus Sioux Center, und ob ihr’s glaubt oder nicht, aber eure Gemeinde hat uns die letzten 15 Jahre als Missionare unterstützt. Ich kann’s kaum glauben, dass ich schon soo alt sein soll - aber das ist eine andere Geschichte.

Zu allererst möchte ich eine großes Dankeschön aussprechen, für Eure Unterstützung und Treue über so viele Jahre. Ohne Euch könnten wir nicht tun, was wir tun, also nochmals: Danke!

Wie schon erwähnt, leben wir in Spanien. Wer von Euch ist schon mal in Spanien gewesen? - Vielleicht wisst …