Direkt zum Hauptbereich

... and the church came tumbling down.

Foto: Òran Mór (www.oran-mor.co.uk)

Wenige Monate vor Geburt dieses Blogs zogen wir aus Glasgow zurück nach Deutschland. Dort in Glasgow gab es nicht weit von unserer Adresse die "Kelvinside Parish Church". Gab es.  Gibt es aber nicht mehr. Heute ist dieses beachtliche Gebäude ein renommierter Nachtclub. Statt "Heiligenschein" ziert ein schiefer, blauer Neonkringel den Kirchturm, und das Innere der Kirche wurde ebenfalls interessant neuinterpretiert.

Foto: http://oran-mor.co.uk/history/alasdair-gray/
Auf der Insel ist die Vermarktung von Kirchengebäuden schon lange gängiger Trend. In Ländern hingegen, wo Pfarrersgehälter immer noch größtenteils von staatlich eingetriebenen Steuern finanziert werden (z.B. Deutschland oder Schweden), hält sich die Illusion aufrecht, alles sei in Butter. Man kann aber auch weder auf deutsch noch auf schwedisch diesen treffenden sprachlichen Unterschied machen wie im Englischen: Dort unterscheidet man nämlich zwischen "Christendom" und "Christianity". "Christianity" bezeichnet den Inhalt des christlichen Glaubens und Lebens, "Christendom" hingegen beschreibt die unheilvolle Symbiose zwischen Kirche und Staat, das Zusammenspiel weltlicher und religiöser Mächte zugunsten der, tja, der Machthaber eben. Wenn wir davon sprechen, dass die Zeit der Kirche zu Ende gehen wird, dann meinen wir, dass vor allem die Periode des "Christendoms", des kirchlichen Machtapparates durch staatliche Bevollmächtigung, zu ihrem Ende kommen wird.

Während meines "Winterschlafes" 2012/2013 habe ich viel darüber nachgedacht. Und ich komme zu dem Schluss, dass der heutige, blaue Neokringel auf der ehemaligen Kirche im Glasgower Westend eigentlich nur etwas sichtbar macht, was es ganze 1700 Jahre lang auch schon gab und bloß versteckt wurde: Ein zweifelhafter Heiligenschein über der Institution Kirche, der obdendrein sehr schief auf dem frommen Hütle sitzt. Es ist gut, dass das "Christendom" endlich (wenn auch langsam, so doch sicher) zerbröselt.

Doch was kommt danach? Was ist mit "Christianity"? Eine zweite Schlussfolgerung macht sich breit: Wir sind auf ein Zeitalter ohne Institution Kirche denkbar schlecht vorbereitet. Unsere ganze Gesellschaft wurde vom kirchlichen Machtapparat konditioniert. Selbst die Freikirchen, die deutlich näher an "Christianity" dran sind, sind viel, viel mehr vom "Christendom" beeinflusst, als uns allen  bewusst ist. Gibt es Hoffnung? Klar, gibt es. Und es gibt vielleicht sogar solche, die uns in unserer Lage weit, weit voraus sind: Ausgegrenzte (wie wir es alle bald wieder sein werden), weil sie seit langer Zeit "Christianity" jenseits des "Christendoms" praktizieren. Vielleicht können wir von deren Erfahrungen etwas lernen.

In der Hoffnung, Euch jetzt neugierig gemacht zu haben, werde ich in den kommenden Posts versuchen, meine winterschläfrigen Gedanken einmal zu ordnen und hier niederzubringen - hoffentlich ohne irgendjemand damit einzuschläfern. Bis bald!

Foto: http://oran-mor.co.uk/


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gemeinde - ein Verein oder eine Firma?

Bald ist wieder GLS-Zeit in Schweden. GLS heißt Global Leadership Summit und ist nichts anderes als Willow-Creeks jährliche Leiterkonferenz. In Schweden wird GLS in den Großstädten angeboten als eine halb Live, halb aufgezeichnete Veranstaltung. Unser Partner Saron ist Treffpunkt für alle Gemeindeleiter im Göteborger Raum. Natürlich werde auch ich wieder da sein, nicht zuletzt, um andere Gemeinden zu treffen und um getroffen zu werden. Nun habe ich selbst meine Leiterausbildung in den USA absolviert und weiß, dass die Amis hier sehr viel Gutes zu sagen haben. Ich weiß auch, dass die Deutschen in Sachen Menschenführung und Leitung deutlich mehr Nachholbedarf haben als die Schweden. Und so begeistert ich von vielen Dingen auch immer noch sein mag, ein paar Fragen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf: Muss Gemeinde wie eine Firma geführt und strukturiert werden? Muss Gemeinde wie ein Verein geführt und strukturiert werden? Und wenn die Antwort auf beide Fragen auch Nein lauten kann, wie mu...

Bewirken. Entfachen. Hervorrufen. Evozieren.

Serie: Missional Action Plan, Phase zwei  Das sind einige Synomyme für die zweite Phase unseres sogenannten Missional Action Plans, genannt Auslösen (initiate) . Was ist denn das? Nun, niemand glaubt heute noch, dass der Pfarrer den Menschen wirklich zu sagen hat, wie man was zu tun oder zu lassen hat. Eigentlich möchte sich heute überhaupt niemand noch was sagen lassen, solange man nicht ausdrücklich gefragt hat. Entsprechend ist auch niemand mehr scharf auf Predigten. Predigt, das klingt wie Standpauke. Epistel. Ermahnung. Wie Schelte und Zurechtweisung. Niemand* will sich also noch bepredigen lassen. Man geht entweder auf Konfrontation oder stellt die Ohren auf Durchzug. Das, was jahrhundertelang das Zentrum der kirchlichen Kommunikation war, die Predigt, stirbt aus. Stirbt aus? Ganz und gar? Keine Predigten mehr in Zukunft? Nein, so ist es auch wieder nicht. Römer 10,17 sagt ganz klar, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und damit wird die Predigt immer eine entsche...

Sola Gratia

Schschschau mal, ist das hoch zum Drüberspringen... Impuls Nummer drei: Gottes Maßstäbe gelten lassen (Hier geht's zum Anfang dieser lustvollen Serie) Ich möchte uns an eine alte, biblische Weisheit erinnern, von der wir heute nicht mehr so viel hören: Gottes Standards für den Menschen sind extrem hoch. Dieses Prinzip finden wir durchgehend in der ganzen Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Man lese nur einmal das Gesetz der Thora oder, wem das zu alttestamentlich erscheint, der darf sich gerne der Bergpredigt hingeben und ihrem Standard folgen. Viel Erfolg dabei. Zweitens sollten wir uns daran erinnern, dass Gottes Standards nicht verhandelbar sind. Gott hängt die Messlatte auf, wo ER sie haben will und dann hängt sie da. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Keinen Millimeter weicht Gott davon ab. Das gefällt uns Menschen nicht. Wir möchten gerne glänzen, als gut und richtig dastehen. Doch der Hauptzweck dieser hohen Messlatte ist es ja gerade, unsere menschlich...