Direkt zum Hauptbereich

Die Lehre der Leere (15): Der Feierabend



Wenn der Herrjott ruft, dann ist Sense, wenn der Herrjott ruft zur Himmelfahrt, dann geht jeder auf seine Art” sang die Kölner Gruppe ”Die Höhner” über den Feierabend des Lebens. Dem Uhrmacher schlägt das letzte Stündchen, die Putzfrau wird wieder zu Staub, der Koch gibt den Löffel ab.

Und der Manager findet die ewige Ruhe. Denn Manager haben bis zu diesem Augenblick eigentlich nie Feierabend.

Pastoren und besonders Gemeindegründer auch nicht. Es gibt immer noch etwas mehr zu tun, doch am Ende des Tages sieht man nie wirkich das getane Tagewerk.

Während meine Seele also weiter durch die Leere fiel, füllte sich mein Moleskine mit Beschreibungen der Bilder, die ich in weiter, weiter Entfernung flimmern sah. Die unzähligen Tage mit noch einer Stunde mehr am abendlichen Schreibtisch, „schnell“ noch vor dem Einschlafen E-Mails lesen, viel Abwesenheit von daheim, körperliche Abwesenheit doch vor allem, viel schlimmer noch, die geistige bei körperlicher Anwesenheit. Ich sah plötzlich auch all die renovierungsbedürftigen Stellen am und im Heim, für die ja nie Zeit war, schließlich arbeitet man für den Herrn. Und Geld für Handwerker war erst recht keins da. Das Faktum, in dreizehn Jahren nur einen für europäische Kultur vernünftigen Familienurlaub gemacht zu haben, wurde mir schmerzlich bewusst.

Trotz allem war mir klar, dass all das im Großen und Ganzen kein Fehler gewesen war, es war genau das gewesen, wozu der Herr uns berufen hatte. Und im Großen und Ganzen ging es unserer Familie mit alledem außergewöhnlich gut. Nur ein Blick auf unsere Kinder ist die offensichtliche Bestätigung des Segens. Offensichtlich wurde heute aber, wieviel Kraft es mich auch gekostet hatte.

Mir dämmerte , dass der Herr zwar zur Nachfolge auffordert, aber die totale Nachfolge, wo weder Meister noch Jünger wissen, wohin sie ihr müdes Haupt legen sollen, ist biblisch doch eher die Ausnahme. Die großen Massen schickte der Herr abends heim. Feierabend. Pause.

War die schwarze Leere nur so etwas wie Gottes dumpfe, unüberhörbare Pausenglocke? Ich wusste es nicht.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

10 Dinge, die's vor 10 Jahren noch nicht gab (und warum das so wichtig für Gemeinden ist)

Herzlich willkommen im Jahre 2017!  Ich hoffe, Ihr seid gesund herübergekommen und habt allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen. Als wir vor 10 Jahren das erste Mal Silvester in Schweden feierten, hatten wir gerade erst damit angefangen, Ansätze und Ideen für die Gemeinde der Zukunft zu entwickeln. Aus einem kleinen, bayerischen Dorf kommend kam es uns damals grad so vor, als seien wir selber direkt in die Zukunft gezogen. Doch heute möchte ich Euch 10 Dinge vorstellen, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab - bzw. von denen zu Silvester 2006 noch keine Rede war. Wenn Ihr die Liste seht, werdet Ihr manchmal denken: ”Echt jetzt?! Das gab’s da noch nicht?!” In der Tat, es ist schwer zu glauben. So sehr haben wir uns heute an so manches gewöhnt. Legen wir los: Nummer 1: YouTube Streng genommen wurde YouTube schon 2005 gegründet, aber vor 2007 hat’s in unserem Teil der Welt kaum jemand beachtet. Heute ist eine Welt ohne das Videoportal undenkbar: Rezepte, T...

Fromme Schöpferkraft

Selig sind die Füße! Solange sie nicht abbrechen vom Freudenboten. Jahrhundertelang waren Christen in Sachen Kunst und Einfallsreichtum ihrer Zeit meilenweit voraus. Denken wir nur mal an die bildende Kunst. Denken wir überhaupt mal an das ganze akademische Bildungssystem. Denken wir an die unterschiedlichen Alphabete. An das musikalische Notensystem, an die Sozial- und Gesundheitssysteme westlicher Gesellschaften. Alles von Christen erfunden, alles aus biblischen Werten erwachsen. Da müssen überheblich säkulare Besserwisser mal ganz kleinlaut ihre große Klappe halten. Aber dann. Dann müssen entweder Gott oder uns die Ideen ausgegangen sein. Wir haben mit unserem Schöpfergeist das Beste der Staaten Europas gesucht, doch seit der Aufklärung ist uns wohl immer mehr die Phantasie eingetrocknet. Wo sind sie bloß, all die wegweisenden Erfindungen der Christen der vergangenen 150 Jahre? Es ist die Welt und nicht die Gemeinde, welche heute für ihre Originalität und Phantasie bekannt is...

Hochsommer

Wir wissen gar nicht, wie uns geschieht. Seit Wochen genieβen wir hochsommerliche Verhältnisse. Am 01. Mai hat es zum letzten Mal geregnet. Die Wiesen vertrocknen. Man könnte fast täglich baden gehen. Alles hat natürlich auch seine Kehrseiten: Es gibt schon einige Waldbrände, auch ganz in unserer Nähe. Vor ein paar Tagen zog so dichter Rauch durch unsere Siedlung, dass die Augen tränten. Aber man hat es in den Griff gekriegt. * * * We really don’t know what is going on in “cold Sweden”, for weeks we have it very summery. Our last rain we had the first of May. Lawn is getting brown. You could go swimming every day. On the other side of the coin there are forest fires. Some have been fairly close to us. A few days ago we had smoke in our neighborhood as thick as it made your eyes watering. But the fire brigade got it soon under control.