Direkt zum Hauptbereich

Die Gemeinde der Zukunft (6) legt Wert auf Beziehung


Eigentlich sollte es überflüssig sein, zu diesem Thema einen eigenen Blogpost zu schreiben. Gemeinde sollte immer Gemeinschaft und damit Beziehung sein. Leider ist sie's nicht. Allzuoft wurde Christentum mit einer unpersönlichen, frommes Show am Sonntagmorgen assoziiert: Man geht hin, schaut kostümierten Experten bei der Vorführung zu und geht wieder heim.

Doch in Zeiten fotorealistischer 3D-Animationen, Cyberbrillen, wuchernder Vereinsamung und Individualisierung drängt uns der Geist Gottes mehr und mehr in Gemeinschaft als Jüngerschaftsschule hinein. Viele Gemeinden haben heute schon ein Kirchencafé. Das ist ein ebenso winziger wie wichtiger Anfang. In Zukunft wird man noch mehr abhängen wollen, voreinander echt sein. Und genau wie sich am säkularen Arbeitsplatz der soziale Wunschfokus vom "gutem Chef" (den wollte man gestern) auf "tolle Kollegen" (die will man morgen) verlagert, so wird man in zukünftigen Gemeinden weniger Gewicht auf einen "guten Pastor" legen und mehr auf "tolle Geschwister".

Fürbittegebete mit Körperkontakt nehmen heute schon stark zu. Handauflegungen, Umarmungen, Salbungen wird man immer häufiger sehen. Aber auch der prophetische Zuspruch wird immer mehr gewünscht und bereitwillig entgegengenommen, nicht selten als Beweis der Gegenwart Gottes hergenommen.

Das wachsende Bedürfnis an Gemeinschaft wird in Verbindung mit dem schon genannten Trend zu mehr Hausgemeinden zu mehr christlichen Wohngemeinschaften führen - einschließlich echte Investitionen in christlich motivierte Mehrgenerationenhäuser. Hier gilt zwar auch "es gibt nichts Neues unter der Sonne", schließlich haben viele Klosterorden sehr ähnliche Wurzeln. Doch so manches wird sich dennoch ganz neu anfühlen - vor allem, wenn alle Welt vereinsamt und keiner sich erinnern kann, was Gemeinschaft eigentlich ist und sein kann.

Überspitzt könnte man zusammenfassen, dass sich der Fokus sich gerade von durchdachter Sachlichkeit auf gefühltes Miteinander verlagert.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gemeinde - ein Verein oder eine Firma?

Bald ist wieder GLS-Zeit in Schweden. GLS heißt Global Leadership Summit und ist nichts anderes als Willow-Creeks jährliche Leiterkonferenz. In Schweden wird GLS in den Großstädten angeboten als eine halb Live, halb aufgezeichnete Veranstaltung. Unser Partner Saron ist Treffpunkt für alle Gemeindeleiter im Göteborger Raum. Natürlich werde auch ich wieder da sein, nicht zuletzt, um andere Gemeinden zu treffen und um getroffen zu werden. Nun habe ich selbst meine Leiterausbildung in den USA absolviert und weiß, dass die Amis hier sehr viel Gutes zu sagen haben. Ich weiß auch, dass die Deutschen in Sachen Menschenführung und Leitung deutlich mehr Nachholbedarf haben als die Schweden. Und so begeistert ich von vielen Dingen auch immer noch sein mag, ein paar Fragen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf: Muss Gemeinde wie eine Firma geführt und strukturiert werden? Muss Gemeinde wie ein Verein geführt und strukturiert werden? Und wenn die Antwort auf beide Fragen auch Nein lauten kann, wie mu...

Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend H2O ist nach wie vor eine sehr kleine Gemeinde. Eine Brücke zu bauen, die sich über einen so großen Abgrund erstreckt, ist ohne Hilfe unmöglich. Sich sowohl in der Bibel als auch in der heutigen Kultur zu verankern, wird uns spannen wie eine Streckbank. Wir brauchen eine Stütze in der Mitte, etwas, wo man Gewicht ablegen kann. Für uns ist diese Stütze die Gemeinde generell, der Leib Christi, die weltweite Kirche, wie auch immer man es benennen mag. Wir sehen uns verbunden mit unseren Glaubensgeschwistern der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Tatsache, dass die Kirche nie perfekt war, sondern im Gegenteil stets mit Flecken und Fehlern behaftet war und ist, macht es für uns eigentlich nur noch interessanter. Denn wir erleben uns selbst auch nicht als perfekt und damit passen wir doch ganz gut zusammen. Außerdem können wir von allen Fehlern der Vergangenheit am meisten ler...

Urban Expressions Sweden

Urban Expressions ist ein von Stuart Murray in Großbritannien gegründetes Netzwerk von Gemeinden und Gemeindegründungen, die wie wir bei H2O neue Wege wagen wollen. Murray hat einige sehr wertvolle Bücher zum Thema Gemeindegründung verfasst. Sein Buch " Post-Christendom " las ich 2005 und hat mir extrem geholfen, all die Änderungen zu verstehen, die unseren Alltag verändern und auf die auch Gemeinden massiv beeinflussen. In den kommenden Jahrzehnten wird das erst so richtig sichtbar werden. Deshalb sind wir ganz besonders froh, dass Urban Expressions nun nach Schweden kommt. Und das Schöne ist, dass hier nichts von England nach Schweden exportiert sind, sondern dass eine Handvoll schwedischer Christen, teilweise schon betagt und weise, die große Notwendigkeit neuer Gemeinden mit Sicht für die heutige Welt sehen und aktiv wurden. Durch persönliche Kontakte mit Murray wurde zunächst sein Buch "The Naked Anabaptist" ("Der nackte Täufer") unter dem Titel ...