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Beliebte Posts aus diesem Blog

Zero Commitment

Vor knapp zwei Wochen habe ich meinen Sohn verheiratet. Welch ein Erlebnis. Noch heute bin ich voll auf Endorphin: Sonne, Fest und Stolz auf Sohn und Schwiegertochter. Die zwei sind wunderbar, kommen aus stabilen Familien, die ihren Vorbildern in den kommenden 65 Jahren nacheifern wollen. Allen, die uns weder auf Instagram noch Twitter oder Facebook folgen, werde ich irgendwann ein paar Bildchen auf new-reformation-privat einstellen.

Doch im Rausch der Glückshormone schmecke ich auch einen Wermutstropfen. Der hat nichts damit zu tun, dass nun auch das zweite Kind Vater und Mutter verlassen hat. Die Tatsache, dieses Ziel erreicht zu haben, macht mich nur noch stolzer. Der Wermutstropfen kommt nicht aus der Familie, sondern aus der Gesellschaft, in der wir leben.

Nie habe ich nämlich so viele verstörte Blicke und Kommentare erhalten. ”Was?! Die heiraten?! Ja, wie alt sind die denn?! Was, 21?! SO JUNG?!?!” Und dann dieser Blick, das künstliche Grinsen, als würde bald unser Haus von ein…

Fertig.

Wenn über Wochen nichts oder nur wenig auf meinem Blog zu lesen ist, dann ist das kein gutes Zeichen. Denn Blogartikel schreibe ich in erster Linie für mich selbst, weniger für die Öffentlichkeit. Ich schreibe als Übung zum Ordnen meiner unfertigen Gedanken. Der Blog ist mein Canvas. Wenn hier also nicht gekleckst wird, dann gab's auch keine unfertigen Gedanken. So einfach ist das. Dann gab es nur fertige Gedanken. Das ist schlecht. Denn fertige Gedanken sind nicht nur schon da und geboren, sie sind schon lange da. Alt sind sie. Alte Bekannte.

Fertige Gedanken sind längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Sie sind erwachsen, kennen den Ernst des Lebens. Haben Erfahrung und Falten, aber nichts Spielerisches mehr. Fertige Gedanken erwartet man von einer Kanzel. Von einem fertigen Prediger.

Unfertige Gedanken sind hingegen wie Kinder. Sie sind laut und springen herum. Sie haben Zeit, viel Zeit. Und sie brauchen Zeit. Zeit zum Spielen. Zum Ausprobieren. Zeit zum Entdecken. Und z…

Gebetskrücken

Wenn's dick kommt, leidet das Gebet. Soviel ist sicher. Es erfordert Disziplin, aus überquellenden Terminkalendern regelmäßige Gebete auszugraben, die mehr sind als nur Stoßgebete. Und wenn man mal kurz Zeit hätte, zum Beispiel im Bus oder Wartesaal, fehlen die betenden Worte. Man ist müde und das Hirn zu blank zum Beten.

In den letzten Jahren habe ich versucht, Wege zu finden, mein Gebet trotz langer, voller Tage zu fördern. Denn ein lebendiger Kontakt zu Gott ist (über-) lebenswichtig für mich. Lobpreismusik hilft mir nicht, meist weil mir die ewig sonnigen Texte zu flach und zu ich-mir-mein-mich-bezogen sind. Sie spiegeln kaum mein Seelenleben wider.

Vor Jahren entdeckte ich eine unerwartete Ressource: Das Stundengebet. Erst war ich etwas empört, dass so viele schwedische Freikirchler so bereitwillig eine "katholische" Tradition in ihr Gebetsleben einbauten. Außerdem reagiere ich seit dem Konfirmandenunterricht in der evangelischen Landeskirche immer noch allergisch …