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Gebetskrücken

Wenn's dick kommt, leidet das Gebet. Soviel ist sicher. Es erfordert Disziplin, aus überquellenden Terminkalendern regelmäßige Gebete auszugraben, die mehr sind als nur Stoßgebete. Und wenn man mal kurz Zeit hätte, zum Beispiel im Bus oder Wartesaal, fehlen die betenden Worte. Man ist müde und das Hirn zu blank zum Beten.

In den letzten Jahren habe ich versucht, Wege zu finden, mein Gebet trotz langer, voller Tage zu fördern. Denn ein lebendiger Kontakt zu Gott ist (über-) lebenswichtig für mich. Lobpreismusik hilft mir nicht, meist weil mir die ewig sonnigen Texte zu flach und zu ich-mir-mein-mich-bezogen sind. Sie spiegeln kaum mein Seelenleben wider.

Vor Jahren entdeckte ich eine unerwartete Ressource: Das Stundengebet. Erst war ich etwas empört, dass so viele schwedische Freikirchler so bereitwillig eine "katholische" Tradition in ihr Gebetsleben einbauten. Außerdem reagiere ich seit dem Konfirmandenunterricht in der evangelischen Landeskirche immer noch allergisch …

Zero Commitment

Vor knapp zwei Wochen habe ich meinen Sohn verheiratet. Welch ein Erlebnis. Noch heute bin ich voll auf Endorphin: Sonne, Fest und Stolz auf Sohn und Schwiegertochter. Die zwei sind wunderbar, kommen aus stabilen Familien, die ihren Vorbildern in den kommenden 65 Jahren nacheifern wollen. Allen, die uns weder auf Instagram noch Twitter oder Facebook folgen, werde ich irgendwann ein paar Bildchen auf new-reformation-privat einstellen.

Doch im Rausch der Glückshormone schmecke ich auch einen Wermutstropfen. Der hat nichts damit zu tun, dass nun auch das zweite Kind Vater und Mutter verlassen hat. Die Tatsache, dieses Ziel erreicht zu haben, macht mich nur noch stolzer. Der Wermutstropfen kommt nicht aus der Familie, sondern aus der Gesellschaft, in der wir leben.

Nie habe ich nämlich so viele verstörte Blicke und Kommentare erhalten. ”Was?! Die heiraten?! Ja, wie alt sind die denn?! Was, 21?! SO JUNG?!?!” Und dann dieser Blick, das künstliche Grinsen, als würde bald unser Haus von ein…

Die Lehre der Leere (5): Der Schatz

War es Zufall oder war es Führung, dass sich die rund achtzig Seiten Papier auf Seite zehn öffneten und ich ausgerechnet dort zu lesen begann:

Wage Widerspruch zu bejahen. 
Wage unter Spannung zu leben.
Wage die Konfrontation mit der Leere.
Wage auf Granit zu beißen.
Verharre in Sturköpfigkeit. Gib nicht auf. 
Ich spürte es in meinem Geist.

Ich spürte es in meinem Körper.

Mit jenen Worten schien jemand auf die berüchtigte Fernbedienung des Films "Click" gedrückt zu haben, so fühlte es sich an. Die Zeit um mich herum schien plötzlich still zu stehen. Absolut still. In mir ging sie wohl gefühlt weiter, obwohl auch ich erstarrt, wie leblos da gesessen haben muss. Was war es nur, das mein Inneres gefrieren ließ, als wäre meine Haut mit einem Mal nicht mehr als eine ausgestopfte Hülle, ausgestopft nicht mit Watte (oder was auch immer Tierpräparatoren für ihre Kunst verwenden), sondern mit altem, kaltem, pappigem Schnee? Alter Schnee?! War der Schnee schon immer da gewesen? Wurde er m…