Direkt zum Hauptbereich

Spaß am Leiten

"Nur, wer selbst brennt, kann in anderen Feuer entfachen", soll Augustinus gesagt haben. Recht hatte er. Der Mensch liebt es, inspiriert und geführt zu werden. Deswegen folgen alle Menschen gerne einem guten Leithammel. Wir Deutschen bekommen zwar gemischte Gefühle, wenn wir einem Führer folgen sollen. Die ersten Vorschläge zu "Leiter" im Synonymwörterbuch sind "Alte", "Boss", "Chef" und Hauptfigur. Das zeigt auch, dass wir in Leitern eher dominante Positionen sehen als inspirierende Mitmenschen.

Bei CA wird Leitung und Leiterschaft groß geschrieben. Alle Jahre wieder treffen sich alle unsere Leiter plus einige Gäste zum sogenannten "Leadership Summit", zu deutsch (gemäß Google) Leadership Summit. In diesem Jahr geht es um die fünf Praktiken des weltweiten Dauerbestsellers "The Leadership Challenge" (Herausforderung Leiterschaft). Die beiden Autoren des Buches haben in jahrerlanger, internationaler Forschungsarbeit herausgefunden, was Menschen weltweit an wirklich guten Leitern gut finden. In fünf verständlichen Praktiken haben sie zusammengefasst, was man tun muss, damit einem als Chef die Herzen nur so zufliegen. Ich habe dieses Buch schon während meiner Ausbildung gelesen und es war eines der besten Bücher des Studiums, fand ich.

Das Buch "The Leadership Challenge" gibt es auch auf deutsch (hier klicken) und heißt da "Leadership Challenge". Diese nicht grad kreative Übersetzung ließ mich stirnrunzelnd fragen, ob das Buch vielleicht von Google übersetzt wurde. Ich geb' euch mal die fünf Praktiken sowohl im Englischen Original als auch in der (offiziellen) deutschen Übersetzung. Dann könnt Ihr selbst entscheiden, was Ihr von der Übersetzung haltet.

Also, was macht so richtig beliebte Führungskräfte aus? Gute Leiter...

... model the way (Werte leben).
Es geht darum, das Worte und Taten übereinstimmen, man ein Vorbild und Beispiel ist, an dem sich andere gerne orientieren. Kasperle, Großmütter und Wachtmeister gibt es schon genügend im Kabinett der Führungskräfte. Wer wirklich lebt, was er sagt, hat gute Chancen, positiv wahrgenommen zu werden.

... inspire a shared vision (Eine gemeinsame Vision entwickeln).
Leiter MÜSSEN (!!!) in die Zukunft sehen können und sie können beschreiben, was sie dort sehen. Und wenn sie das tun, dann sehen sie weder schwarz noch rot, sie sehen Möglichkeiten. Wenn sie von diesen Möglichkeiten überzeugt sind, passiert, was Augustinus sagte: Sie stecken an. 

... challenge the process (Herausforderungen suchen).
Leiter sehen nicht nur Möglichkeiten in der Zukunft, sie sehen auch einen Weg dorthin. Und wenn sie ihn nicht sehen, finden sie ihn. Mit anderen Worten, Leiter setzen ihr eigenes Hinterteil in Bewegung und das der anderen ebenfalls. Und sie können helfen, in neuen Mustern zu denken.

... enable others to act (Anderen Handungsspielraum geben)
Nein, Leiter machen nicht alles selber. Sie kommandieren aber auch nicht herum. Sie schaffen Rahmen, in denen andere mehr oder weniger frei agieren können und rüsten ihre Mitarbeiter zum freien Agieren mit dem Nötigsten aus. Wenn der Rahmen gut gesteckt ist, führen die meisten Bewegungen näher zum Ziel.

... encourage the heart (Ermuntern und Ermutigen)
Wir sind Menschen, keine Roboter. Menschen haben Gefühle und gute Leiter wissen das. Natürliche Schönheit kommt von innen - und treue Nachfolger werden aus liebenden Herzen geboren. Echte Leiter sehen das Positive in ihren Mitarbeitern und Teams, erwähnen es glaubwürdig und feiern Erfolge. Nur, wenn der Mitarbeiter sich gesehen, gehört, verstanden und geachtet fühlt, wird er zum treuen Mitarbeiter.

Na, klingt gar nicht so unlogisch, oder? Und doch ist es ständige Arbeit und eine nie nachlassande Herausforderung. Doch wem's gelingt, der ist ein glückicher Leiter.

Ich weiß nicht, ob das folgende Bild zum Blogpost passt, doch ich fand diese Aussage während der Predigt in der gestrigen Abendvesper recht interessant.

(Foto: © Marcus Fritsch)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zero Commitment

Vor knapp zwei Wochen habe ich meinen Sohn verheiratet. Welch ein Erlebnis. Noch heute bin ich voll auf Endorphin: Sonne, Fest und Stolz auf Sohn und Schwiegertochter. Die zwei sind wunderbar, kommen aus stabilen Familien, die ihren Vorbildern in den kommenden 65 Jahren nacheifern wollen. Allen, die uns weder auf Instagram noch Twitter oder Facebook folgen, werde ich irgendwann ein paar Bildchen auf new-reformation-privat einstellen.

Doch im Rausch der Glückshormone schmecke ich auch einen Wermutstropfen. Der hat nichts damit zu tun, dass nun auch das zweite Kind Vater und Mutter verlassen hat. Die Tatsache, dieses Ziel erreicht zu haben, macht mich nur noch stolzer. Der Wermutstropfen kommt nicht aus der Familie, sondern aus der Gesellschaft, in der wir leben.

Nie habe ich nämlich so viele verstörte Blicke und Kommentare erhalten. ”Was?! Die heiraten?! Ja, wie alt sind die denn?! Was, 21?! SO JUNG?!?!” Und dann dieser Blick, das künstliche Grinsen, als würde bald unser Haus von ein…

Fertig.

Wenn über Wochen nichts oder nur wenig auf meinem Blog zu lesen ist, dann ist das kein gutes Zeichen. Denn Blogartikel schreibe ich in erster Linie für mich selbst, weniger für die Öffentlichkeit. Ich schreibe als Übung zum Ordnen meiner unfertigen Gedanken. Der Blog ist mein Canvas. Wenn hier also nicht gekleckst wird, dann gab's auch keine unfertigen Gedanken. So einfach ist das. Dann gab es nur fertige Gedanken. Das ist schlecht. Denn fertige Gedanken sind nicht nur schon da und geboren, sie sind schon lange da. Alt sind sie. Alte Bekannte.

Fertige Gedanken sind längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Sie sind erwachsen, kennen den Ernst des Lebens. Haben Erfahrung und Falten, aber nichts Spielerisches mehr. Fertige Gedanken erwartet man von einer Kanzel. Von einem fertigen Prediger.

Unfertige Gedanken sind hingegen wie Kinder. Sie sind laut und springen herum. Sie haben Zeit, viel Zeit. Und sie brauchen Zeit. Zeit zum Spielen. Zum Ausprobieren. Zeit zum Entdecken. Und z…

Gebetsclip April