27 Februar, 2012

Bedeutung von kirchlichen Pionierprojekten

(aktualisiert am 02. März)

Während ich mich nach unserer Bayernreise wieder auf meine Aufgaben in Schweden konzentriere, denke ich immer wieder an das eine oder andere Gespräch zurück. Z. B. darüber, wie auch andere Gemeinden von dem profitieren können, was z.B. H2O so macht. Heute gehe ich also auf meiner Reise zum jährlichen CA-Leadershipsummit durch ein Buch, welches meine Studenten für den bald startenden Kurs "Gemeindegründung" lesen müssen. Der Autor Stuart Murray schreibt hier:

 "Pioniere sind zum Nutzen anderer da. Gemeindegründer handeln nicht wie einsame Trapper sondern wie pfadfindende Entdecker, sich auf neuem Territorium durchschlagend zum Vorteile ihrer Denomination oder des Netzwerkes, dem sie angehören. Aus genau diesem Grund ist es so unerhört wichtig, dass starke Beziehungen und Verbindungen zwischen Kirchen und ihren Gemeindegründern erhalten und gepflegt werden. Denominationen und Gemeinden sollten Gemeindegründer nicht nur aussenden und unterstützen um neue Gemeinden entstehen zu lassen, sondern auch zu ihrem eigenen Vorteil, um so viel wie möglich von den Erfahrungen an vorderster Linie zu lernen."

(Stuart Murray, Planting Churches. A Framework for Practitioners, Bletchley (2008): Paternoster, 11.)

Gemeindegründung als "Hilfsmittel" zur Kontextuaisierung also. Laut Murray sollten bestehende Gemeinden neue Pionierprojekte nicht nur wohlwollend absegnen, sie sind geradezu darauf angewiesen, um auf die Herausforderungen der Gegenwart aufmerksam gemacht zu werden und gleichzeitig mögliche Strategien entwickeln zu lassen. Je älter und traditioneller eine Gemeinde ist, desto mehr steht sie in Gefahr, sich zu sehr um sich selbst zu drehen und damit auf der Stelle zu trampeln. Der Wille zur Innovation mag oft vorhanden sein, aber entweder fehlt es an Zeit und Mitarbeitern oder an der nötigen Flexibilität, mal ganz Neues zu probieren, alte Muster zu brechen, sich vielleicht sogar auf ein größeres "Versuch-und-Irrtum-Experiment" einzulassen. Gründungsprojekte sind hingegen von Natur aus auf Innovation, Kreativität und Flexibilität angewiesen. Deshalb, so verstehe ich Murray, sollte jede Gemeinde die Partnertschaft mit einem Gründungsprojekt suchen, von dem sie selbst profitieren kann, ein Projekt, das hilft, die Zeichen der Zeit zu erkennen und über den eigenen Tellerrand hinwegzusehen. Oder, wenn man kein geeignetes Partnerprojekt findet, gleich eine ganz eigene Gemeindegründung initiieren, tragen und durchziehen.

Ich glaube, ich stimme Murray voll und ganz zu.

23 Februar, 2012

Predigt vom Sonntag

Nicht alle konnten ja am vergangenen Sonntag den Gottesdienst in der FeG Ingolstadt besuchen - und damit hat man zweifelsohne etwas verpasst - aber eine kleine Sache kann man auch im Nachhinein noch hören - die Predigt. Hier ist sie.


(Predigt über den Absolutheitsanspruch Jesu heute anhand Offenbarung 21,3)


22 Februar, 2012

Ein großes "Danke!!!" ins Herzen Bayerns

Endlich wieder einmal konnten wir als ganze Familie unsere sendende Gemeinde in Ingolstadt besuchen. Nicht nur die frühlingshaft anmutenden Wetterverhältnisse boten einen wohltuenden Kontrast zum kalt-farblosen Göteborger Februar, sondern vor allem die immer wieder faszinierende Gastfreundschaft und -freundlichkeit dieser lebendigen Gemeinde. Am vergangenen Sonntag konnten wir persönlich von H2O berichten und den Gottesdienst mitgestalten. Was für eine Überraschung, dort völlig unerwartet ein schwedisches Anbetungslied (auf schwedisch!) mitsingen zu können! Danke! Wer kommen konnte, durfte sich hinterher an übervollen Tischen satt essen. Danke an alle Küchenbienen (und -drohnen natürlich!:-)) Aber auch sonst danken wir für jede Weißwurst, jedes Weizenbier, Leberkäs, Fleischsalat, Windbeutel, jede Einladung, jeden Kilometer, dafür, dass unsere Kinder so viel Zeit mit ihren alten Schulfreuden verbringen durften und auch nach so langer Zeit so herzlich aufgenommen wurden und, und, und... Danke! 

Heute brachte uns eine weibliche Flugkapitänin der "Augsburg Airways" wieder in die dicke Nebelsuppe Göteborgs. Und wie immer merkt man heute, dass die Zeit dann doch wieder nicht gereicht hat, um wirklich alle zu sehen, die man gerne noch gesehen hätte. 

Doch heute ist nicht alle Tage, wir komm'n wieder - keine Frage!


Fotos: Anne Gülich

Let's blog again...

Manchmal kommen die Dinge anders als gedacht - und schon geht viel Zeit in irgendetwas, für das gar nicht so viel Aufmerksamkeit geplant war. So war's im Februar auch mal wieder und deshalb endete meine Jesusserie etwas abrupt. Vielleicht (hoffentlich!) kann ich sie zu späterem Zeitpunkt würdig abschließen. Erstmal gibt es andere Sachen zu berichten.

05 Februar, 2012

Gottesbilder

"Du sollst Dir keine Bildnis machen" heißt es schon in den berühmten zehn Geboten. Trotzdem tragen wir alle unsere Gottesbilder mit uns herum - nicht unbedingt als physische Gegenstände, sondern als Vorstellungen, wer Gott unserer Meinung nach ist oder sein muss. Diese Gottesbilder sind ausgesprochen mächtig in uns und prägen unsere komplette Lebenshaltung. Für alle. Selbst der Atheist hat ein mächtiges Gottesbild in sich, an welches er aber nicht glauben will. Der berühmte Prophet Jona trug zum Beispiel ebenfalls ein ganz bestimmtes Gottesbild in sich: Für ihn war Gott nämlich eindeutig immer der, der Israel segnet und Israels Feinde vertreibt. Punkt. Schublade auf, Gott rein, Schublade zu, Gott gut aufgehoben (vgl. 2Kön 14,25). Dass Gott nun plötzlich daherkommen könnte, ganz unerwartet, um dann auch noch bekanntzugeben, dass jetzt sogar auch Ninive, Israels allgemeinbekannter Feind, in den Genuss der israelexklusiven Gnade Gottes kommen sollte, sprengte Jonas Vorstellungen völlig (Jon1). Gott - so anders???

Ja, Gott so anders. Wir müssen unsere Gottesbilder von Zeit zu Zeit an der Bibel kalibrieren, weil sie sonst durch eigene Erfahrungen oder die ständigen Predigten aus Medien (z.B. hier), Werbung und sonstwoher kräftig abdriften können.

Das gleiche gilt für Jesus. Wir glauben, dass Jesus Gott ist - und damit Gott repräsentiert. Welche Jesusbilder prägen uns? Sie sind ebenso mächtig wie unsere Gottesbilder. Besteht Kalibrationsbedarf? Sind wir wirklich folgsame Schafe, die die Stimme des Hirten sofort erkennen, und (vor allem!) von allen falschen Hirten und Dieben unterscheiden können (Joh 10,11-16)??? Wie können wir also Jesus, um den sich alles dreht, besser kennen, verstehen und folgen lernen?

01 Februar, 2012

Ein paar Ergänzungen vom Hirsch

Das waren also die Jesusbilder, die ich immer wieder außerhalb der Kirchen antreffe. Was mich auf die Idee brachte, auch darüber nachzudenken, welche Jesusbilder innerhalb der Kirchen zu finden sind. Trifft man dort vielleicht ähnlich anzusehende Jesusdarstellungen? Über diese Frage hat auch der messianische Jude Alan Hirsch oft nachgedacht, und der Einfachheit halber nehme ich ähnliche Kategorien, wie Hirsch sie in seinen Vorträgen oder in seinem Buch "Re-Jesus" verwendet. Die restlichen Formulierungen stammen jedoch von mir selbst.

Der Frau-mit-Bart-Jesus
Eines der beliebtesten Jesusbilder in Gemeinden ist wahrscheinlich der feminine Jesus, soft, lieblich, mütterlich. Allein sein Bart erinnert daran, dass wir es doch mit einem Mann zu tun haben. Der Frau-mit-Bart-Jesus führt wahrscheinlich dazu, dass man Jesus außerhalb Gemeindehäusern und Kirchenmauern nicht für einen kräftig-maskulinen Zimmermann, sondern eher einen "Schmalhans-Dünnbrettbohrer" hält.

Der Lover-Jesus
An den Lover-Jesus fühle ich mich immer wieder bei gewissen Anbetungsliedern erinnert, die eher wie Liebesschnulzen als wie Anbetung klingen. Da ist von Umarmungen, körperlicher Nähe oder auf dem Schoß sitzen die Rede. Als erwachsener, gesunder, heterosexueller und verheirateter Mann gebe ich öffentlich zu, so meine Schwierigkeiten mit der Vorstellung zu haben, auf Jesu Schoß zu sitzen und von ihm geknuddelt zu werden.

Der unheimliche Jesus
Dieses Bild leitet sich von Darstellungen des heiligen Jesus ab, der mich mit Strahlen um den Kopf und/oder geöffnetem Brustkorb bei freigelegtem Herzen herausfordernd anschaut. Trotz aller Symbolik in diesen Darstellungen, die ihre Berechtigung haben mögen, kann das einen eher gespenstigen Eindruck erwecken.

Der Kumpeljesus
Jesus, mein Freund und Genosse! Das ist er ja wirklich, er hat es selbst gesagt! Doch manchmal wird die Aussage Jesu "Ihr seid meine Freunde" aus Joh 15,14 doch arg überstrapaziert und Jesus wird eher zum Thresenkumpel, zum Spezi, immer da, immer gut drauf, immer alles vergebend. Ich hab's vermasselt? Alles kein Problem für Kumpel Jesus. Jesus erwartet Heiligkeit? Ach, was. Des basst scho' so. Und man vergisst völlig, den zweiten Teil aus Joh 15,14 ebenso zu betonen: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Punkt.

Der Psychojesus
Das ist keine Kategorie von Alan Hirsch mehr, sondern meine eigene Beobachtung. In manchen Anbetungsliedern wird Jesus dargestellt, ab ob er sie nicht mehr alle hätte, als sei er ein irrer Psychopath, wahrscheinlich sogar ein gemeingefährlicher. Da ist zum Beispiel die fröhliche Rede davon, mit Jesus doch "auf Ungerechtigkeit zu tanzen". Mit meiner sehr stark bildlich veranlagten Phantasie sehe ich also schnell das Leid und die Ungerechtigkeit der Welt vor mir - und darauf soll ich nun mit Jesus einen Walzer oder vielleicht Tango hinlegen??? Mit Respekt vor allen psychisch Kranken kann und will ich mir eine solche Szene nicht einmal in der Geschlossenen Abteilung vorstellen.

In einem anderen Lied heißt es "Du [Jesus] bist der Hurrikan, ich bin der Baum..." Also, wenn das so ist, dann möge Jesus mir bitte sehr, sehr fernbleiben, bevor er mir alle Äste und Knochen zerbricht und mich gegen den nächsten Felsen schmettert...

(Ich schließe dabei definitiv nicht aus, dass nur ich derjenige bin, der die tieferen Wahrheiten solcher Lieder nicht begreift. Allerdings habe ich gerade spaßeshalber nur mal kurz nachgesehen, und es dauerte keine 30 Sekunden um den ersten zu finden, der ähnlich empfindet wie ich, siehe hier)

Meine laienhafte Schlussfolgerung zu diesem Zeitpunkt lautet also, dass wir höchstwahrscheinlich alle fleißig und ständig an unserem Jesusbild arbeiten müssen. Das ist eigentlich auch nichts neues. Das war eines der zentralen Themen von Jesus selber, es war ein Thema für Luther, es war ein Thema für Bonhoeffer. Selber hab ich auch schon öfter geschrieben, dass Jesus einfach in kein Schema passt und wir deshalb immer sehr wachsam bleiben müssen.

Die Frage ist nur, wie können wir Jesus aus unseren vorgepressten Schemas herausholen? Wir präsentieren wir ihn einer postmodernen Welt? Gerne würde ich zu späterem Zeitpunkt auch dazu meine Gedanken sortieren und ordnen wollen.