Direkt zum Hauptbereich

Er ist wirklich auferstanden!


In Zeiten wie diesen kann das Leben beschwerlich wirken. Terror, Flugzeugentführungen, Unglücke oder Flüchtlingsdramen, und all das gepaart mit dem ganz normalen Alltagswahnsinn wie Stress in der Arbeit, der Ehe, der Familie, mit Krankheiten, you name it. Da kann es schon mal sein, dass der Seele mehr Kraft entwrungen wird als nachgetröpfelt kommt. Ich weiß genau, wovon ich rede. Und ich weiß, welche Strategien es gibt, um sich selbst das Gefühl zu geben, nicht völlig vor die Hunde zu gehen.

Augen zu und durch, lautet eine. Das Herz zum Flummi werden lassen, an dem alles abprallt und nichts hängen bleiben darf, ganz besonders keine Gefühle.

Kopf in den Sand stecken ist auch sehr beliebt. So tun, als wäre alles bestens und die Scheuklappen immer schön so ausrichten, dass man nur den eigenen Blumentopf sieht.

Alkohol und Drogen stehen ebenfalls hoch im Kurs. Berauscht vergessen können und ein bisschen Glück spüren.

Manche werden aggressiv. Weil Angriff als die beste Verteidigung erscheint.

Andere werden depressiv. Wollen am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben.

Wieder andere bekommen Rückenschmerzen, Herzprobleme, oder es zwickt und zwackt irgendwo anders im Körper. Psychosomatische Symptome sind nichts ungewöhliches in einem schweren Leben.

Ich glaube, im Laufe meines Lebens so ziemlich alle dieser und noch andere Strategien kennengelernt und selbst erlebt zu haben. Doch es gibt noch eine weitere, echte Alternative, von der man nicht so oft hört in der Welt von heute: Glaube.

Es ist der Glaube, der uns durchhalten lässt. Es ist der Glaube, der Berge versetzt. Doch noch wichtiger als der Glaube selbst ist der Inhalt des Glaubens. Und hier kommt Ostern ins Spiel.

Denn die Auferstehung Jesu unterscheidet uns von allen, ausnahmslos allen anderen Glauben. Wenn ein auferstehungsloser Glaube schon viel Kraft geben kann, wieviel Potenzial muss erst jener Glaube mit der Power zum Töten des Todes haben?

Ich sage Euch eins: Ostern wird maßlos unterschätzt. Es ist fast schon peinlich, wie klein und fad wir dieses Fest machen. Gewiss, farbige Eier und Osterhasen mögen in die richtige Richtung zeigen, doch dies ist eher ein Rohrkrepierer als Freudenexplosion.

Und ja, selbst in frommen Kreisen macht man Ostern zum Zentrum unserer Geistlichkeit, weil Jesus ja lebt und wir deswegen eine Beziehung mit ihm haben können. Das ist wahr und wunderbar, doch wohl kaum das Zentrum unseres Glaubens. Es ist bestenfalls der Startschuss eines gigantischen Rennens.

Gewiss, wir sagen auch, dass uns Ostern Hoffnung auf ein Leben danach gibt. Auch das ist phantastisch und richtig und ja, genau das ist der Grund, warum ich selbst zu Jesus fand, weil mir als Teenager in einer säkularen Welt niemand die Frage beantworten konnte, was nach dem Tode kommt. Doch wenn "mein Leben nach dem Tod" alles sein soll, dann machen wir aus Ostern einen niedlichen Ententeich und verstehen nicht, wie ungeheuer gewaltig die Auferstehung Jesu wirklich ist: Sie ist die Quelle, aus der sich vor unseren Augen ein unüberschaubarer Riesenozean ergießt.

Ostern ist der Beginn eines neuen Universums, inklusive neuer Himmel und einer neuen Erde. Ostern ist der Zusammenprall der ultimativen Lebenskraft mit der destruktiven Macht des Todes. Ostern ist erst der Anfang. Ostern ist der Startschuss zu einer gefährlichen Reise über den Ozean. So paradox es klingen mag, doch Ostern wird vielen das Leben kosten - so geschehen z.B. am jüngsten Osterwochenende in Lahore. Am Ende wird das Leben den Tod verschlingen - wohl dem, der sich rechtzeitig auf die richtige Seite geschlagen hat. Denn es werden sich dramatische Szenen abspielen, bevor es soweit sein wird. Nachzulesen zum Beispiel in der Offenbarung. Doch das Endresultat wird alles wert sein: Ein Leben ohne Tränen und Tod, ohne Sünde und Scham, im Hause Seiner Majestät des Schöpfers selbst, mit neuen, sich ewig regenerierenden Körpern; in einer sich perfekt ergänzenden Gemeinschaft ohne lästige und schmerzhafte Konflike.

Es ist dieser Glaube, der einmalig und durch nichts zu überbieten ist, der unsere Seelen wie Adler kreisen und weitersegeln lässt, ungeachtet aller Seitenwinde und Sturmböen. Und sollte uns die Kugel treffen oder eine Explosion abstürzen lassen, so wissen wir dennoch, dass Ostern schon gesiegt hat und wir das glorreiche Finale deswegen nicht verpassen werden, denn ER, der wirklich und wahrhaftig schon auferstanden ist, wird uns dieses Ereignis nicht verschlafen lassen, sondern uns wie ein guter Vater rechtzeitig aufwecken.


_____

Dieser Blogpost ist eine abgewandelte und zusammengefasste Form meiner Osterpredigt bei H2O am vergangenen Sonntag.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Missionarsalltag

Was machen wir eigentlich? Wie sieht eine "normale" Woche aus? Das werden wir immer wieder gefragt. Zeit für eine verständliche Antwort.


Forge Film

Unter die Rubrik "Sachen, die wir so machen" fallen mal sehr schöne, mal sehr unschöne Aufgaben. Zu den besonders schönen gehört es, wenn ich einen Filmauftrag bekomme. In meinem Fall sind die Aufraggeber meistens christlich und deren Budgets ebenso, dass heißt, ich muss alles alleine in sehr begrenzter Zeit hinkriegen. Doch selbst, wenn das Resultat aufgrund solcher Begrenzungen nicht immer so perfekt ist, wie Profis sich das vorstellen, so ist die Arbeit an sich schon Belohnung.

Ein Film, den ich diese Woche geliefert habe.


Übersetzung, gefällig?!

Forge ist eine Ausbildung für Pioniere, die dich aufmuntern und ausrüsten will, Jesus in deinem Umfeld zu folgen. Risiken eingehen, neues Territorium zu erschließen, Jünger machen, die neue Jünger machen. 

Forge ist eine Gedankenschmiede, wo wir versuchen und darüber nachdenken, das Evangelium auf relevante Weise im heutigen Schweden zu formulieren. Es gab eine Zeit, wo in Schweden die Kirche mitten im Dorf stand. Es war eine chr…

Schlechterwisser XII.: Nach Furz kommt Festland

Jeder kennt die sagenumwobene Flatulenz der Rinder. Obwohl nur ein kleiner Teil der Verdauungsgase ausgepupst und der Großteil über die Atemwege abgegeben wird, bleibt ein Faktum bestehen: Die durchschnittliche Milchkuh produziert mindenstens 100kg Methan pro Jahr. Methan in unsere heutige Atmosphäre zu geben ist genauso weise wie Windpocken durch exzessives Kratzen zu behandeln, Lungenkrebs mit Rauchen zu therapieren, Kopfschmerzen mit Holzhämmern zu kurieren.

Der Treibhauseffekt von Methan verhält sich relativ komplex im Vergleich zu Kohlendioxyd, doch vereinfacht kann man sagen, dass Methan 72x schlimmer ist als CO2, in Worten: zweiundsiebzig mal.

Am Beispiel meines obigen Instagram-Posts vereinfacht ausgedrückt: Mein Platz in den Fliegern auf der letzten Dienstreise nach Madrid hat eine gute halbe Tonne CO2 in die Atmosphäre gepustet, und das ist ziemlich viel, finde ich, doch der Treibhauseffekt dieser Menge entspricht nur 7,5kg Methan - das entspricht einem knappen Monat im Leb…