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The Winds of Change



Vor einem Jahr schrieb ich eine Serie über die Gemeinde der Zukunft. Wer glaubt, die Zeit der Veränderungen gehe langsam zu Ende, weil wir mittwerweile wüssten, wo der Hase lang läuft, wird bald sehen, dass dies eine Täuschung war. Jener Hase hat noch so manchen Haken auf Lager. Wir sind noch nicht mal am Ende des Anfangs aller neuzeitlichen Veränderungen.

Gewiss, es hat immer wieder einzelne, bahnbrechende Ereignisse gegeben, die maßgeblich Menschheitsgeschichte schrieben. Manche rechnen die Entdeckung des Feuers dazu. Ich würde sofort an die Kreuzigung und Auferstehung Jesu mit dem folgenden Pfingsfest denken. Manchmal wird die Erfindung des Buchdrucks dazugezählt, die Entdeckung Amerikas, und die beiden Weltkriege haben auf krasse Weise Einfluss auf so viele große und kleine Dinge des weltweiten Lebens genommen.

Doch alle daraus resultierenden Veränderungen waren immer "nur" die Folge eines abgeschlossenen Ereignisses. Irgendwann war das Feuer halt entdeckt und alle konnten lernen, darauf zu kochen. Die Kreuzigung wird in der Bibel sogar mit Zeitangaben dokumentiert, und irgendwann war Jesus eben tot (- und zwei Tage später wieder da). Irgendwann konnte man eben Bücher drucken, und zwar immer mehr und immer besser. Und so weiter. Doch heute? Heute sind die ständigen Prozesse, Erfindungen, Entwicklungen usw. die größte Veränderung aller Zeiten. Was die Zukunft angeht, so ist eigentlich nur eins sicher: Wir können nicht sicher sein.

Das hat - oder sollte ich sagen: Es wird haben? Oder vielleicht noch besser: Es muss haben?! - weitreichende Konsequenzen für die Gemeinde Jesu. Wir Christen sind aus Tradition, tja, traditionell halt. Wir lesen alte Schriften, schauen zurück in die Vergangenheit und was wir dort finden versuchen wir, so gut es geht und "relevant" zu kopieren. Daran ist auch nichts Schlechtes. Es gibt Halt und Stabilität. Doch wie die Sinusmilieus zeigen, befindet sich unsere christliche, traditionelle Gesellschaftsblase in schwindelerregender Schrumpfung. Mit anderen Worten: Wir sind Dinosaurier, die es nicht schaffen, sich an die Eiszeit anzupassen. Was das bedeutet, ist ja bekannt.

Manche Christen sagen: "Wird schon nicht so schlimm werden!" Darauf erwidere ich: "Dafür bete ich auch. Täglich. Ich hoffe sehr, du wirst Recht behalten. Ich wäre nichts lieber als im Unrecht. Nach allem was ich bis heute sehe, muss ich aber davon ausgehen, dass es sogar noch schlimmer werden wird. Wir sollten uns vorbereiten."

Andere sagen: "Gott wird nie zulassen, dass seine Gemeinde aus einem ganzen Land, von einem ganzen Kontinent verschwinden wird." Dazu sage ich: "Er hat es sogar schon oft zugelassen. Sehen wir nach Kleinasien, die heutige Türkei. Sehen wir nach Nordafrika. Dort ist von der ehemals starken Gemeinde nicht viel übrig. Er hat es zugelassen."

Es gibt solche, die glauben an baldige Erweckungen, die alles retten werden. Tausende, Millionen werden zum Glauben kommen und Kirchen und Gemeinden in neuer Kraft erstrahlen lassen. Auch das hoffe ich. Ich bete sogar dafür und glaube, dass Gott unbeschreiblich Großes tun kann und getan hat. Ich sehe sogar kleinere Neuaufbrüche in manchen Subkulturen oder Teilen Europas. Doch ich spreche auch ganz offen meine Bedenken an: Erstens sind große Erweckungen kirchengeschichtlich eher selten und biblisch ist uns mehr Verfolgung als beeindruckende Erweckungen versprochen. Zweitens sehe ich auch das größte Problem an jedem beeindruckenden Wunderglauben: Die Enttäuschung, wenn das erbetete Mirakel ausbleibt. Im besten "Fall" fällt man in ein Loch, im schlechtesten vom Glauben ab. Ich finde, wir sollten weiter beten, uns vor allem aber in Standhaftigkeit üben, falls die großen Europaerweckungen erst nach unserer Lebenszeit stattfinden sollten.

Und schließlich gibt es die, die lieber sterben als sich zu ändern. Das ist sogar mehr Regel als Ausnahme. Und dazu sage ich nichts. Dazu schüttel ich nur den Kopf, wenn auch vielleicht nur innerlich.

Wir Christen müssen lernen, in dieser Zeit Gemeinde zu sein. Nach vorne zu sehen. Den Himmel auszuleben. Hoffnung, Gute Nachricht, Liebe, Gnade und wahrhaft kleine Christusse zu sein. Lasst uns miteinander die Zukunft gestalten, die gerade erst angefangen hat.

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