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Posts

Hoffnung, Leben, Auferstehung.

"Nur wenige finden Lebensfreude in Jesus oder im Gedanken an den Himmel. Eigentlich empfinden die meisten gar keine Freude, wenn "Himmel" hören." So Randy Alcorn auf den ersten Seiten seines Buchs "Heaven" ( Der Himmel - was und dort wirklich erwartet ). John Eldredge legt noch einen drauf: "Fast jeder Christ, mit dem ich gesprochen habe, denkt beim Himmel an endlose Gottesdienste ... Wir haben uns zu sehr ans Bild vom ewigen Gesang auf den Wolken gewöhnt. Ein Kirchenlied nach dem nächsten, für immer und ewig. Amen. Und unser Herz wird schwer. Für immer und ewig? Das soll alles sein?! Das ist die gute Nachricht des Evangeliums?!"* Der heutige Tag lehrt uns etwas besseres: Ostern ist konkret, der Herr ist auferstanden! Mit allen zehn Fingern und Zehen, einem Kopf mit Haaren und wahrscheinlich sogar einem Bart, einem Körper mit allem, was dazugehört! Er ist wirklich auferstanden! Die Auferstehung ist echt! Ostern ist der Beweis des neuen Le...

Karfreitag: Party für die Depressiven

Nicht, weil am heutigen Feiertag die Enttäuschung, die Frustration, der Zerbruch, die Schwärze und die Hoffnungslosigkeit seinen ultimativen Höhepunkt findet. Sondern weil heute alle diese destruktiven Mächte tödlich getroffen wurden. Der Depressive muss nicht mehr über den eigenen Selbstmord nachdenken. Das, was sich so arglistig und feuchtkalt zersetzend in unsere Herzen frisst, wurde heute jemand anderem injiziert. Einem Unschuldigen, einem Lebensspender und Heiler, der daraufhin gewissermaßen den Selbstmord auf sich nahm, indem er sich freiwillig den Schindern, den vermeintlichen Herrschern und Tyrannen aussetzte - wehr- und waffenlos. Durch diesen unbegreiflichen und unschuldigen Tod - und nur dadurch - wurde das Böse der Welt unheilbar verwundet. Für alle Depressiven gibt es heute einen Grund zum Feiern. Denn jedes erlebte Tief, jede Schwermut, die uns treffen mag, jede Verzweiflung oder Freudlosigkeit, die uns umgarnen und verhexen will, gehören seit Karfreitag nur noch zum l...

Dreißig

Dreißig Jahre. Vor dieser Zeit fasste ich den Beschluss, Jesus nachzufolgen. Was für eine Reise ist es seitdem gewesen! Damals, dort in der Küche der evangelischen Kirche zu Strombach, konnte ich unmöglich wissen, wohin das alles führen wird. Als knapp sechzehnjähriger Schlosserlehrling aus einer nicht gerade frommen Arbeiterfamilie hatte ich jedoch eine Ahnung, dass dieser Entschluss weitreichende Folgen haben würde. Er hatte es. Ich habe aufgehört zu fragen, wie mein Leben wohl ohne diesen Schritt verlaufen wäre. Zwei Dinge frage ich mich allerdings immer noch. Ich frage mich, was das Ziel der Reise ist. Natürlich werde ich ganz am Ende zu Jesus gehen. Und ich habe auch klare eigene Lebensziele. Im Laufe der drei Jahrzehnte sah es aber stets so aus, dass Jesus ein eigenes Ziel verfolgt - Er offenbart allerdings immer nur den nächsten Schritt. Jedesmal, wenn ich glaubte, angekommen zu sein, stellte sich heraus, dass alles nur Training für die nächste Phase war. Worauf trainiert E...

Ein farbenfroher Tag!

YES!!! Hier kommen einige Bilder vom letzten Samstag: Erstmal Werbung: 15 Minuten vor Beginn lädt der Angereder Chor im Einkaufszentrum singend zum Kulturtag ein.  Warten auf den Auftritt H2O lädt zum Kinder- und Spaßprogramm ein. Zuvor hatte Maria (Mitte) H2O vorgestellt. Wir tragen alle unsere TjänaStan-T-Shirts ...und los geht's zum "Barnprogramm"! Basteln... ...und Malen waren angesagt, Juliana gab ihr Debüt als Kinderschminkerin und überraschte mit den Ergebnissen. Aber am Bestern... war natürlich... der Fallschirm:  Drunter herspringen, oder oben drauf einen Ball balancieren, oder einfach beides. Auch Fünfkampf wurde angeboten.  Währenddessen fanden drinnen eine Menge Begegnungen statt und ein beeindruckendes Programm.  Mir war außerdem die filmische Dokumentation anvertraut worden - naheliegend wenn man weiß, welch interessanten Anfang das alles genommen hatte...  Wir da...

Kulturtag

Das offizielle Plakat des heutigen Kulturtages. H2O macht das "Barnprogram" (oben rechts, Kinderprogramm mit Spiel und Spaß). Angered pflege ich "Stadtteil der Zukunft" zu nennen. Wie Angered heute schon ist, werden in wenigen Jahrzehnten alle Städte Europas aussehen: International, multikulturell, kaum Kirchen mit Einfluss, viele Spannungen und viele Fragezeichen. Ich bin der Meinung, dass wir es uns als Gemeinden nicht leisten sollten, mit unserer eigenen Gemeindekultur meist einige Jahrzehnte hinterherzuhinken. Wir müssten vielmehr vorausdenken und Kulturgestalter sein, die Prägung der Zukunft nicht ausschließlich den anderen überlassen, die weder Schöpfer noch Erlöser noch König der Könige kennen - geschweige denn nachfolgen. Und ja, natürlich müssen wir uns dabei auf dem Grund der Bibel bewegen - gerade deswegen müssten wir mehr vorausschauen, um die Verbindung des Uralten und des Kommenden gut vorzubereiten. Nach viel, viel "try and error", Ve...

Am Samstag ist der große Tag

Samstag wird sehr wichtig für H2O. Durch merkwürdige Zufälle und fast schon amüsante Missverständnisse (die ich zu anderer Zeit mal erzählen werde) kamen wir in Kontakt mit dem lokalen Kulturzentrum der Stadt, genannt der Blaue Platz. Wir hatten schon vor Jahren immer wieder versucht, dort hineinzukommen, waren aber völlig ignoriert worden. Diesen Samstag wird es dort einen Kulturtag geben, einen Tag der offenen Tür mit vier Stunden Programm. Wir von H2O werden für zwei Dinge verantwortlich sein: Das Kinderprogramm und die filmische und fotografische Dokumentation. Maria hat die Leitung für das Kinderprogramm übernommen und ungefähr 12 Leute aus der H2O-Gemeinschaft zur Mitarbeit rekrutiert. Der "Blaue Platz" ist recht offen uns gegenüber: Unsere Mitarbeit ist eine Art Probelauf, um uns kennenzulernen, zu sehen, wer wir sind, wie wir arbeiten und ob man sich auf uns verlassen kann. Wenn's gut läuft, stehen uns mehr Türen offen. Was wir daher dringend brauchen - mehr als a...

"Das Himmelreich ist ansteckend!"

Kein Himmelsvirus, sondern ein garantiert ansteckendes Höllenvirus, das laut SZ aber nun angeblich geheilt werden kann: HIV. Quelle: sueddeutsche. de Die letzte Woche war echt stressig für mich. Nicht, weil grad alles zusammenkommt und viel zu tun ist. Eine 70-Stunden-Woche kann ich schon mal ganz gut ab. Es stresst mich aber, wenn ich das Gefühl habe, mit fusselig geredetem Mund auf Granit herumkauen zu müssen. Dann krieg ich dieses typisch säuerlich-beißende Stressgefühl in der Magengrube mit Unruheattacken, welche mich nachts nicht einschlafen lassen - obwohl ich Kraft für den Rest der Woche bräuchte. Es stresst mich, liebe, nette Geschwister im Herrn immer wieder predigen zu hören, dass das Himmelreich ansteckend sei. Wer nur nahe genug an den Himmel (sprich: Kirche, Gemeinde, Christen, "das Wort", Jesus selbst) herankomme, der werde "kontaminiert" und früher oder später selbst ein Christ werden. Mein Stresslevel potenziert sich, wenn die lieben, netten Ge...

Viel Glück, Herr Papst.

Ich wünsche dem neuen Papst alles Gute und viel Erfolg für seine neuen Aufgaben. Ob es ihm gelingen wird oder nicht, diese Frage ist - zumindest hier - ungefähr genauso alltagsrelevant wie die Frage ob Pluto nun ein echter Planet des Sonnensystems ist oder nicht. Was der Papst im Vatikan treibt, ist genausoweit weg wie Pluto, vielleicht sogar ein bisschen weiter. Hand auf's Herz - was wäre an diesem Donnerstag für Dich und mich anders gelaufen, wenn nicht Franziskus, sondern ein neuer Benedictus oder Pius gewählt worden wäre? Oder wie beeinflusst der Papst unsere Alltagsagenda heute in einem Jahr, am Freitag, den 14 März 2014? Der neue Papst hat es immerhin selbst in Göteborg bis auf die Titelseite der Tageszeitung gebracht. Das heißt schon was. Sonst wird Kirche von der Majorität dieser Stadt nur als historisches Gebäude bzw. als Randerscheinung gesehen. Zur 400-Jahr-Feier der Stadt gibt es eine große Planungsplattform, wie Göteborg 2021 aussehen soll. Alle waren namentlich ein...

Na, also.

Seit Samstagabend hat Schweden nach dem jährlichen sechs-Wochen-Marathon auch sein Lied für Malmö. Vielleicht sogar kein schlechtes. Der größte Vorteil an diesem Liederfest ist für mich, dass man hier einen Anlass hat, Freunde einzuladen, die man sonst selten sieht. Die Musik ist ansonsten solch ein simples Mainstream-Gedudel, dass ich mich ernsthaft versucht fühle, auch mal einen Liedvorschlag zu komponieren und einzureichen. Ich glaube, auf diesem musikalischen Niveau durchaus mithalten zu können und schließlich bin ich es ja nicht, der dazu in Unterhose auf der Bühne tanzen muss (dann hätte ich wohl eher keine Schnitte). Ja, und wenn mein Lied dann auch noch den Grand-Prix gewonnen hat, wäre ich das Problem mit dem schwachen Eurokurs auch endlich los. Wie sagte Jakobus doch gleich? Wenn Gott will, werden wir leben und dieses tun. Also dann.

Im Märzen auf Dauer kein bisschen entspannt...

Viel los im März. Teilweise, weil ich es selbst schuld bin und schlecht geplant habe, teilweise, weil's so is wie's is. Zum Beispiel gab's im Herbst kaum was für mich zu tun bei ALT und das ist ja wunderbar, wenn man etwas Geld verdient, ohne dafür arbeiten zu müssen, doch so kam ich 30 Stunden ins Minus. Das sind siebeneinhalb Wochen Arbeitszeit bei einer 10%-Anstellung. Jetzt darf ich aufholen. Heute war z.B. Tag der offenen Tür. Viele neue mögliche Studenten treffen. Immer spannend und interessant. Bin jetzt auf dem Heimweg. Heute kommt noch Besuch und heute Abend ist dann das jährliche Finale des schwedischen Melodiefestivals - wie immer gefeiert bei H2O. Mal sehen, wer heute so auftaucht. Die Auswahl der Lieder ist beschämend schlecht. Wenn ich nicht Teil des H2O-Teams wäre, würde ich mir diese Peinlichkeiten nicht antun wollen. So, mein Bus ist da und ich reise weiter...

Yes, no, shit.

Kommunikation ist ziemlich wichtig. Aber auch irgendwie schwierig. Schon in der eigenen Muttersprache geht's so leicht so voll daneben - insbesondere dann, wenn Kommunikation zwischen X und Y-Chromosomen stattfindet. Haben wir alle schon erlebt. Was macht man erst, wenn keine gemeinsame Muttersprache zur Verfügung steht? Schon mal versucht, einem Chinesen oder Afghanen einfache Wörter wie "Hafen" oder komplexere Begriffe wie "Gemeinde" zu erklären? Und das, wenn die einzige, gemeinsame sprachliche Grundlage höchstens 10% des Vokabulars einer Sprache ist? Einer Sprache, die auch für mich Fremdsprache bleibt? Da werden die Grenzen zwischen Unterhaltung und Schauspielerei sehr schnell sehr fließend. Willkommen in meiner Welt. Juliana hat gestern Abend aber den Vogel abgeschossen. Sie war bei Sagåsen, der hiesigen Einwanderungsbehörde mit einer Art Auffanglager für Neuankömmlinge und Verwahrung für solche, die bald abgeschoben werden sollen. Dort hat sie sich mit ...

"Nichts ist unmöglich."

Solange er noch aktuell ist, möchte ich auf den gegenwärtigen Gemeindebrief der FeG Ingolstadt hinweisen. Hier findet sich ein Bericht über H2O und einige interessante Entwicklungen, die gerade stattfinden und die ich nicht - oder zumindest noch nicht - von irgendwelchen Suchmaschinen im Netz gefunden haben möchte. Wer interessiert ist kann auf die Homepage der Gemeinde gehen und unter "Gemeindebrief" findet sich alles weitere.

Wann hörten wir auf, innovativ zu sein?

Schon ganz am Anfang versprach Gott Israel, dass alle Völker über Israel staunen werden, wenn sie Gott treu nachfolgen werden (Dt 4,6). Mit anderen Worten: Wer Gott wirklich folgt, gibt seiner Umwelt etwas zu sehen, was es sonst nirgendwo gibt. Noch nicht mal auf Pro7. Die ersten Christen fanden durch ihren neuen Lebensstil und ihre gute Laune viel Wohlwollen unter dem Volk, welches zu großer Neugierde und somit ständig neuen Gläubigen führte (Apg 2,47). Durch die ganze Geschichte waren es vor allem Christen, die bahnbrechende Entwicklungen in Gang setzten und damit den Wohlstand schufen, der uns heute so selbstverständlich ist (vgl. meinen Post vom 04. Dez 2012 ). Wann haben wir eigentlich damit aufgehört? Warum ist Kirche heute als der Club der ewig Gestrigen bekannt? Warum löst die bloße Existenz einer Gemeinde kein Staunen mehr in der Nachbarschaft aus? Es ist ja wunderbar, dass auch wir Christen uns nun in großen Veranstaltungshallen treffen oder uns der Satellitentechnik...

Vorbereitungen zur Umkehr: "Man nehme..."

Während ProChrist sich gerade mit astronomischem Aufwand auf offenbar ebenso astronomische Bekehrungszahlen vorbereitet, schlagen wir uns mit der Frage herum, wie gerade solche Menschen Jesus begegnen können, die absolut null Interesse an frommen Megashows und ihren Produzenten haben. Und davon gibt es hier sehr, sehr, sehr viele. Doch selbst unter ihnen gibt es neue Gläubige. Keine Massenbekehrungen mehr, sondern einzelne Ausnahmen. Meine Frage ist: Wenn ProChrist und ähnliche Billy-Graham-Style-Evangelisationen nicht mehr ziehen, was tut es dann? Seit Jahren versuche ich dieser Frage auf den Grund zu gehen. Gestern hatten wir einen Gast in unserem H2O-Teamtreffen. Eine politisch aktive Frau, die aus dem typisch säkularen Leben zu Jesus gefunden hat und nun nebenbei Theologie studiert. Sie erzählte uns von ihrer Reise. Im Gespräch mit ihr waren wir uns alle einig, dass sich ihr Bericht mit unseren Erfahrungen nahezu vollständig deckt. In ihrem Fall - wie auch in allen anderen Fälle...

Ziffern, Zahlen, Quoten

Es gibt Menschen, für die sind Diagramme und Grafiken wie Mangrovengewächse: Hübsch anzuschauen, doch bedrohlich und undurchdringlich. Meine Frau gehört zu dieser Sorte. Für andere sind die gleichen Bildchen wie Segelgleiter, die Freiheit und Überblick geben. So einer bin ich. Von der diesjährigen "Pionierkonferenz"* in Uppsala hab ich mir ein paar Segelgleiter mitgebracht. " Anzahl freikirchlicher Gemeinden in Schweden sinkt deutlich ": Auszug aus Øivind Tholvsens Studie "Freikirche bewegt sich - freikirchliche Mitgliedsentwicklung 2005-2010". Weil es mehr solche gibt wie meine eigene Frau, will ich niemanden mit langen Statistiken langweilen. Hier nur mal ein paar kurze Aussagen zum Nachdenken: Von 1990 bis 2010 ist die Anzahl freikirchlicher Mitglieder in Schweden (aller Denominationen) um rund ein Drittel geschrumpft (von rund 300.000 auf 200.000). Im Zeitraum von 2000 bis 2010 wurden 552 Gemeinden geschlossen, das entspricht ungefähr eine G...

Unlogische Logik

  Zweieinhalb Jahre bevor wir nach Schweden zogen geschah in einem mittelgroßen Ort nördlich Stockholms etwas Schreckliches: Nach dubiosen geistlichen Praktiken in einer Freikirche ließ der Pastor seine Frau erschießen. Im folgenden, monatelangen Medienrummel fanden sich vor allem die Worte "Pastor", "Gemeinde", "Macht", "Sex" und "Teufel" in den Schlagzeilen wieder. Ende dieser Woche wurde nun eine neue Untersuchung veröffentlicht, nach welcher sich die Pastoren Schwedens weitgehend einig sind, dass dieses Drama den Freikirchen einen deutlichen Sektenstempel aufgedrückt hat. Bemerkenswert fand ich einen Abschnitt über das "Knütbügefühl" (nach dem Ort des Geschehens benannt). Was ist das? In der Zeitung vom vergangenen Freitag ist darüber zu lesen: "... Menschen reagieren darauf, wenn sie warme Gemeinschaft erleben. Man erlebt plötzlich Angst, weil sie dieses Gefühl an die Bilder von Knütbü erinnert. Man glaubt wohl...

Pizza und Tiefgang

Einmal jährlich versucht mein CA-Mentor und Supervisor Kevin Johnson aus Minnesota herzukommen, um Zeit mit uns zu verbringen, das Team kennenzulernen und die Lage zu peilen. Diese Woche war's wieder soweit. Nicht nur, dass wir einen gemütlichen Abend mit Pizza, Spiel und der H2O-Kerngruppe verbracht haben, Kevin versucht auch, Zeit für alle CA-Mitarbeiter persönlich zu finden und an allem teilzunehmen, was gerade auf dem H2O-Terminkalender steht, z.B. unserer monatlichen Pubnight am gestrigen Freitagabend. CA legt sehr viel Wert auf funktionierende Teamarbeit und versucht, mögliche Probleme schon im Keime zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Wir haben im Laufe der Jahre viele, viele CA-Gäste bei uns zu Hause beherbergt die dadurch direkten Einblick nicht nur in unsere Familie, sondern auch in die ganze Teamdynamik und Arbeitsweise bekamen. (Fotos: Juliana Mittmann) Darüber hinaus haben Kevin, Karen und ich in diesen Tagen intensiv versucht, die Lage neu zu analysi...

Tatort Angered

Eine echte Frohnatur war er. Stets gut gelaunt, immer zu einem kurzen Schwatz aufgelegt. Selbst die Tatsache, dass vor einem guten Jahr sein Arbeitsplatz und damit seine Einkommensquelle komplett niedergebrannt ist, erschütterte seine gute Stimmung kaum. Fast jeder in Angered kannte ihn. Seine "Wurst mit Mus" war wohl das preiswerteste Mittagessen, das in ganz Angered zu kriegen war. Im Durchschnitt gehe ich jeden Tag die Woche mindestens zweimal direkt an seiner Imbissbude vorbei. Es gab dort zwar leider keine deutsche Currywurst mit Pommes, doch der Duft erinnerte mich trotzdem oft an meine Heimat. Doch das ist nun Geschichte. An einem der vergangenen Montage wurde der frohgelaunte Türke in seinem Imbiss aufgefunden - erstochen. Entsetzen und Trauer machte sich breit. Bergeweise stapeln sich Blumen und Gestecke, niemand will glauben, dass ausgerechnet er von so einer brutalen Tat getroffen wurde. Die Menschen stehen an seiner Bude, diskutieren, spekulieren, schreiben Brie...

Steinreich

Liseberg und Sahlgrenska (Vergnügungspark und Uniklinik) haben einiges gemeinsam in Göteborg: Beide teilen am Eingang Armbändchen an ihre Gäste aus, die damit Ewigkeiten warten dürfen, um zum Spaßteil zu kommen... Heute Vormittag vor einer Woche war meine Einführungslektion "Gemeindegründung" fällig. Doch nach dreieinhalb Stunden musste ich vorzeitig abbrechen. Die letzten 60 Minuten konnte ich wegen Schmerzen schon nur noch im Sitzen unterrichten, und während die Studenten halfen, meine sieben Sachen zusammenzupacken, wurde eine Ambulanz gerufen. Abgesehen davon, dass die Ambulanz trotz zweimaligen Nachbestellens nach 60 Minuten immer noch nicht da war, ich somit in einem Privatwagen eingeliefert wurde und danach noch weitere acht Stunden auf einen Arzt warten durfte (davon vier im Wartezimmer der Notaufnahme und vier im Behandlungszimmer), konnte die Ärztin dann Nierensteine konstatieren. Allerdings hatte sich der Stein bis dahin schon von selbst gelöst. In zwei Wochen...

Einfach Jesus

Was den Papst und seinen Rücktritt angeht, so erleben wir hier ein breites Spektrum an Reaktionen. Von totaler Gleichgültigkeit (wohl die absolute Mehrheit) über lästerlichen Klatsch (" Der hat bestimmt auch was mit kleinen Jungs und bevor sie ihm auf die Schliche kommen, tritt er lieber ab! ") bis hin zu schierem Entsetzen (" Niemand kann so nahe zu Gott kommen, wie der Papst - und wenn der Papst das freiwillig aufgibt, dann muss ja wohl der ganze Glaube eine Lüge sein! "). Eins haben alle Reaktionen gemeinsam: Sie setzen christlichen Glauben mit Religion bzw. Institution gleich. So naheliegend das auch sein mag (ist doch der Papst nichts anderes als die alte fromme Kopie des römischen Kaisers), es beklemmt mich ganz persönlich. Wohin ich auch komme, sobald die Leute rauskriegen, dass ich "Berufschrist", also einer "von denen" bin, werde ich als eine Art "Außendienstmitarbeiter" der Anstalt betrachtet. Dabei will ich überhaupt gar ni...

Der nackte Täufer

Das ist ja mal 'n Titel für'n Buch. Könnte glatt einer dieser Mittelalterkrimis sein, ein bisschen Historie und religiöser Anstrich, ein bisschen Psycho, ein bisschen brutal, viel dunkel und viel postmoderne Denkweise gemischt - und der Erfolg ist garantiert. Die schwedische Übersetzung des Titels verrät, worum es wirklich geht: "Radikale Jüngerschaft". Der Erfolg dieses Buches als Kassenschlager ist garantiert nicht garantiert. Jüngerschaft ist nämlich keine Jesusschnulze oder spirituelles Gewürz im faden Alltag. Jüngerschaft kostet - und zwar richtig. Der Preis ist immer höher als das, was wir bezahlen können. Und damit wird Jüngerschaft wohl nie besonders populär werden. Stuart Murray, Autor dieses 2012 in Schweden veröffentlichten Buches, stellt die ("Wieder"-) Täufer als lohnendes Beispiel und Modell für Gemeindebau im 21. Jahrhundert dar. Einige Beispiele, die mir aufgefallen sind: Für die Täufer habe nicht die Kirche als Institution sondern Jes...

ra·di·kal [ʀadiˈkaːl]

Radikal und Religion klingt nicht gut in unseren Ohren. Da schwingt "totalitär" mit, "fundamentalistisch", kurz: gefährlich. " Religion light " ist angesagt, Privatspiritualität ohne aufzufallen. Dabei ist radikal erstens gar kein gefährliches Wort, und zweitens ist es genau das, was heute und in Zukunft gebraucht wird: radikale Nachfolge. Die Täuferbewegung wurde, wie schon erwähnt, die "radikale Reformation" genannt, konsequent und kompromisslos (und hier wird die Regel gemeint, nicht Entgleisungen wie Münster). John Stott hat es treffend ausgedrückt:* "Warum also 'radikal'? Das Wort "radikal" stammt vom lateinischen radix , welches Wurzel bedeutet. In England benutzte man dieses Wort anfangs, um im 19. Jh Politiker wie William Cobbert und ihre extremen liberalen oder reformatorischen Ansichten zu stempeln. Seither benutzt man es vor allem für Menschen mit tief gewurzelten Ansichten und vollkommenen Engagement. Man ...

Gebetsclip

- diesmal mit Frau.

Ja, ABER...

Der Hauptmann von Köpenick konnte sich noch des totalen Gehorsams aller Menschen erfreuen, nur weil er eine Uniform trug, und der Kaiser selbst fand das sogar höchst vorbildlich. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man uns in Deutschland Gott sei Dank beigebracht, selbst zu denken und Dinge zu hinterfragen. Fast immer aber, wenn man vom Pferd fiel, ist die Gefahr groß, nun auf der anderen Seite das Gleichgewicht zu verlieren - und uns Deutschen fällt es seither ziemlich leicht, uns einen Ruf als Kritiker und Besserwisser zu verschaffen, weil wir das Haar in der Suppe sofort erkennen und uns nicht scheuen, es auch sogleich anzusprechen. Deshalb möchte ich ganz meiner deutscher Herkunft entsprechend auch sogleich damit beginnen, was es an der Täufern auszusetzen gäbe. Nein, auch die Täufer waren nicht perfekt. Wie schon erwähnt, wer lange hinterm Gaul hergeschliffen wurde, fällt schnell auf der anderen Seite runter. Es gab einige äußerst kuriose und merkwürdige Entwicklungen die man heut...

Kirche kriegt Krise

Die Täuferbewegung wuchs rasend, und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch anderswo, vor allem in Deutschland. Die Täufer waren wenig organisiert, es war mehr wie ein Feuer, das unverhofft an mehreren Stellen gleichzeitig ausbrach. "Wer Jesus nachfolgen will, muss es von ganzem Herzen tun" - so ungefähr kann die Grundhaltung der Täufer ausgedrückt werden. Dazu gehörten einige Haltungen und Überzeugungen, die sich massiv von üblicher Kirchenansicht - auch reformatorischer - unterschieden, allen voran die bereits erwähnte Tauffrage. Für die Kirche war das eine höchst bedrohliche Situation. Die Kindertaufe in Frage zu stellen, hieß am Thron der Macht der sägen. Die Kirche war schließlich eine territorial eingeteilte Institution im Auftrag des Staates, und wer die Staatsbürgerschaft=Religionszugehörigkeit von Geburt an in Frage zu stellen wagte, war eine ernste Bedrohung. Die gesellschaftliche Stabilität hing nach Ansicht damaliger Herrscher von der Kindertaufe ab; wer...

Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

Am vergangenen Montag vor 488 Jahren geschah etwas merkwürdiges. Man schrieb das Jahr 1525, die Reformation war in vollem Gange und viele Menschen fühlten sich erleichtert. Immer mehr hingen den Reformatoren an den Lippen, begannen, selbst die Bibel zu lesen und zu verstehen. Schüler des Reformators Zwingli kamen zu einer für sie erschreckenden Erkenntnis: Die Kirche war totalitär, weil sie Menschen gegen ihren Willen den Glauben aufzwang. Alternativen waren absolut verboten. Die Zwinglischüler sahen die Kindertaufe als Wurzel des Übels an, weil hier aus willen- und hilflosen Babys künftige Mitglieder gemacht wurden. Eine Taufe müsse aber nach dem Glauben kommen, und christlicher Glaube kann nur bedeuten, sich aus freien Stücken entschieden zu haben, Jesus konsequent nachzufolgen. Die Gruppe diskutierte eifrig mit ihrem Lehrer Zwingli und forderte ihn auf, die Tauffrage in die öffentliche Diskussion aufzunehmen. Doch Zwingli wagte nicht. Er wusste, dass diese Frage politischer Spre...

Das Warten der Gerechten

Seit langer Zeit las ich heute morgen wieder einmal die "Losungen". Wie schon bei der diesjährigen Jahreslosung erwähnt, ist diese Tradition hier längst nicht so bekannt wie in deutschen Landen, wo die von Zinzendorf entwickelte Idee ja ursprünglich auch herkommt. Das Warten der Gerechten wird Freude werden. Das ist also der heutige Losungsvers aus Sprüche 10,28. Als Lehrtext hat man passenderweise Hebräer 10,36 hinzugefügt: Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. Ich dachte an Carmen, die sich im Juli entschieden hat, Jesus nachzufolgen. Fast jede Woche trifft sie sich mit Karen und mir, um alle ihre vielen Fragen zu besprechen. Sie möchte alles lernen, was es zu wissen gibt. Sie hat Gottes Güte buchstäblich geschmeckt und Seine übernatürliche Kraft erlebt, die aus jedem Sumpf des Lebens retten kann. Eine Frage, die sie nun schon öfter gestellt hat, ist: Warum lässt sich Gott denn immer so furchtbar viel Zeit? Gute Fr...