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Posts mit dem Label "Geschichte" werden angezeigt.

Leben wir in der Endzeit?!

Vor ungefähr einem halben Jahrhundert war es so populär, das Ende der Welt herbeizupredigen, dass eine ganz neue Gattung Redner entstand: Der Endzeitprophet, eine Nische der Gattung Evangelist, der mit eloquenter Rhetorik versucht, Menschen zur Umkehr zu Jesus zu bewegen. Endzeitpropheten waren Spezialisten für biblische Bücher wie Daniel oder die Offenbarung, deren schwere Bildersprache sie in ihrer durcheinander gebrachten Welt wiedererkannten und deshalb mit einem nahen Ende rechneten. Ein guter Prophet will, dass alle vorbereitet sind. Doch die Zeit verging, das nächste Jahrtausend brach an, die Welt drehte sich immer weiter, und Jesus ist bis jetzt nicht wiedergekommen. Es wurde stiller um die Endzeitprophetie. Das mag jene freuen, die sich immer noch lebhaft an das Phänomen donnernder Feuer-und-Schwefel-Predigten erinnern. Auch wenn der Endzeitprophet heute nur noch in Witzen vorkommt (oder manchmal sogar als Schimpfwort für Klimaaktivisten Verwendung findet), so war deren ...

Betet für G7!

Hochgeheimes Treffen zwischen Roosevelt und Churchill and Bord der HMS Prince of Wales (Quelle: commons.wikimedia.org) Diesen Monat wurde der Westen , wie wir ihn kennen, 78 Jahre alt, genau gesagt so um den 12. August herum. Denn 1941 trafen sich an jenen Tagen zwei intelligente Männer, echte Leiter, um mutig gegen die enormen Herausforderungen ihrer Zeit anzugehen. Winston Churchill und Theodor Roosevelt verhandelten und verabschiedeten die Atlantic Charta , ein transatlantisches Bündnis zwischen Großbritannien und den USA, um der Welt nach der Zerstörung des Nazi-Terrors neue Prinzipien der Zusammenarbeit zu geben. Ihr Treffen war von Hoffnung gekennzeichnet, und wohl deshalb schlossen sich immer mehr Länder den daraus hervorgegangenen Prinzipien an. Die Charta trug sogar zur Gründung der NATO bei und formte somit das, was wir heute "die westliche Welt" nennen. Keine acht Jahrzehnte später aber sind ausgerechnet die aktuellen Führer der beiden Gründernationen keine ...

Pflanzt mehr Hoffnung in diese Welt!

Wer heute noch optimistisch ist, hat wohl nicht richtig aufgepasst. Hingegen gibt es gewichtige Gründe für existenzielle Hoffnung. Gemeinden fällt in unserer Zeit besondere Verantwortung zu. Doch dazu müssen viele Christen lernen, aus kleinen, frommen Blasen herauszukriechen. Meine Predigt über Lukas 12,49 am 5. Mai 2019 in Ingolstadt kratzt eigentlich nur an der Oberfläche riesiger Chancen und Möglichkeiten im 21. Jahrhundert.

Die Zukunft verpasst?

Die blutrot-faszinierende Fassade des Petersen Automotive Museum in Los Angeles, fotografiert im Vorbeifahren bei Nacht Die jetzige Diesel- oder Emissionsdebatte erinnert an die Kirche. Oder umgekehrt. Kirche und Verbrennungsmotor . Begriffe, die vielleicht mehr gemeinsam haben, als man sieht. Stärke. Dominanz. Beide haben viele Menschen bewegt. Und beide teilen eine gemeinsame Zukunft - nämlich eine recht düstere. Warum? Kirche leitet sich von kyriakon ab , das heißt "dem Herrn gehörend". Es kommt von den alten heidnischen Tempeln, die im Zuge der politischen Christianisierung fortan "zum Herrn gehörten" und damit kyriakon , eine Kirche wurden. Künftig verrichteten nämlich keine heidnischen, sondern christliche Priester die Zeremonien innerhalb der Tempelmauern. Kirche wurde damit der Begriff, der das europäische Christentum in vielen Sprachen auf den Punkt bringen sollte. Noch heute denken Europäer bei Kirche vor allem an Gebäude , in denen heilige Profi...

Des Glaubens Abtritt von der Bühne

Quelle: Bundeskanzlerin.de Wohlstand ist etwas sehr Feines und Kostbares. Gott selbst verspricht seinem Volk ein Land, in dem Milch und Honig fließt, ein Land der reichen Ernten und des Friedens. Das Gelobte Land ist eine Vorschau des Himmels. Doch Gott warnt auch davor, den ultimativen Geber jedes Wohlstandes nicht zu vergessen. Undankbarkeit und Überheblichkeit führen langfristig zu Schwäche und Rissen, im schlimmsten Fall zu Dekadenz. Es ist aber nie der Wohlstand selbst, der zur Ursache des Abstiegs wird, sondern unsere Wahl, wie wir damit umgehen. Unsere Geschichte der Säkularisierung begann mit der Reformation, die zum 30-jährigen Krieg führte, der die Aufklärung auslöste, welche in ihrer Verlängerung heute ihre vollen Früchte trägt: Ein Leben in Wohlstand ist auch ohne Gott möglich. Das wird heute ernsthaft geglaubt, während man sich auf den Errungenschaften seiner Ahnen ausruht. Es ist also nichts Neues, dass der christliche Glaube von der europäischen Bühne abtritt ...

Schlechterwisser II.: Wir sind dran!

So oder ähnlich sahen wohl die ersten Noten aus (Quelle: Wikipedia) Auf dem Pfade der Veränderung führt mein Hirte mich manchmal aus dem dunklen, pieksigen Unterholz auf sonnige, freie Felsvorsprünge. Aussichtsplätze, von denen ich zurückblicken darf in die Täler des Wandels, durch die meine frommen Vorväter und -mütter gestrauchelt sind. Dort sehe ich Mönche, die Schulen und Universitäten gründeten. (Ob sie wussten, dass daraus einmal unsere heutigen Bildungssysteme erwachsen würden?) Sehe namenlose Nonnen und Diakonissen an der Seite Kranker und Sterbender. (Ob jenen Dienerinnen der Nächstenliebe bewusst war, dass sie den Samen unserer heutigen Gesundheits- und Sozialsysteme legten?) Ich sehe Anbeter, die Punkte und Striche erfanden, um ihrem Gott besser singen zu können. (Ob ihnen klar war, dass ihre Noten Jahrhunderte später auf dem ganzen Globus geschrieben und gelesen werden?) Während ich verzückt versuche, noch mehr Vorbilder zu entdecken, knackt es aus dem Bus...

Was die AfD über die Zukunft der Gemeinde verrät

Remember, remember, the 9th of November - vor eineinhalb Jahren veränderte Jan Böhmermann das berühmte englische Gedicht zur Schwarzpulververschwörung für seinen Song " Be deutsch " - das Lied sollte wohl eine gutgemeinte Warnung aus Deutschland an die Wähler in den USA sein, denn im Lied heißt es auch: We have once been stupid, too.  Wir sind auch mal dumm gewesen. Wir haben auch mal den falschen gewählt. Seit wir aber 2017 zum ersten Mal seit 1945 wieder (Neo)nazis in eine deutsche Regierung einladen, lässt sich über die Aussage streiten, wir seien nur dumm gewesen und hätten seither dazugelernt. Natürlich haben längst nicht alle für die AfD gestimmt. Doch bei einer so hohen Wahlbeteiligung sind die absoluten Zahlen trotzdem irgendwie erschreckend. Aber es reicht nicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Diese Strategie ist zwar urmenschlich, hat sich aber seit dem dritten Kapitel der Bibel noch nie ausgezahlt. Denn wie ich schon in meinem Blogpost " Let...

Der Urdenker der Gemeinde der Zukunft

Wer sich professionell mit einem bestimmten Thema befasst, kommt nicht umhin, sich auch mit der Geschichte jener Thematik auseinanderzusetzen. Wie hat alles angefangen? Wie wurde es entwickelt? Wenn wir uns also intensiv mit allen gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen und ihren Auswirkungen auf Jüngerschaft und zukünftige Gemeinde und Mission, dann sollte eine Person erwähnt werden, die als "Urtyp" aller Vordenker für zukünftige Gemeinden angesehen werden kann. Es handelt sich um den Italiener Joachim von Floris. Joachim war ein stark eschatologischer Denker, baute seine Theologie von der Zukunft ausgehend auf, setze sich für geistliche Erneuerung ein und hat Klöster wie Orden mit seinem Denken nachhaltig beeinflusst. Wie alle, die in der Kirche außergewöhnlich oder anders als die großen Massen waren, wurde auch Joachim zu seiner Zeit im 12. Jahrhundert von der Kirche schräg beäugt, aber nie als Häretiker verurteilt. Bis heute wird so manche Erneuerungsbeweg...

Humanistischer Ramsch

Der atheistische Humanismus  hat viele Werte und Praktiken übernommen,  die im Ursprung christlich sind;  doch losgelöst von ihrer Quelle sind sie machtlos,  unfähig, Stärke und Glaubwürdigkeit zu bewahren.  Geist, Vernunft, Freiheit, Wahrheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit,  ohne diese großartigen Dinge gäbe es gar keinen Humanismus.  Sie werden unwirklich,  sobald sie nicht als Strahlen Gottes gesehen werden,  der sie mit Leben und Vitalität füllt.  Gibt man den Glauben an den lebendigen Gott auf,  verlieren sie ihre Substanz  und verkommen zu leeren Formen.  Henry de Lubac

Die Theologie des guten Erzählens

Geschichten erzählen mag ein wenig nach Märchenstunde klingen, wo Großeltern ihren mit großen Augen und offenen Mündern zuhörenden Enkeln vor dem Schlafengehen spannende Erzählungen vortragen. Und ja, das ist durchaus ein Teil der Geschichte. Guten Predigern oder Rednern wird nachgesagt, dass sie gute Geschichtenerzähler seien. Werdenden Pastoren wird beigebracht, wie man seine Unterweisungen mit bunten Erzählungen ausmalt und unterstreicht. Nicht selten höre ich von dann Predigern die Klage, dass die Zuhörer sich später aber "nur" an die Geschichten erinnerten und nicht an "das Eigentliche". Der Grund liegt wohl darin, dass uns lange genug eingeredet wurde, Daten und Fakten seien "das Eigentliche". Es war der eher atheistische Geist der Aufklärung, der uns seit Jahrhunderten im Westen eingebläut hat, das Hirn müsse nur mit messbaren Tatsachen gefüttert werden, um wirklich "vernünftige" Entscheidungen treffen zu können. Als ob die graue Masse...

Apropos Kreativität...

Zur Zeit belege ich eine vierwöchige Online-Fortbildung für Lehrer zum Thema "Digitales Geschichtenerzählen" - gemeinsam mit rund 2500 weiteren Teilnehmern aus dem ganzen Globus. Ich halte Jesus für einen genialen Geschichtenerzähler und bin der Meinung, dass seine Nachfolger das auch wieder erlernen sollten. Erst Recht in Zeiten, wo alle Welt Geschichten erzählen und hören will. Und ganz besonders, wo uns heute so unglaublich viele Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Neben Leseaufgaben, Vorlesungen und Interaktion mit der Community gibt's wöchentlich eine Aufgabe zu erledigen. In der ersten Hausaufgabe galt es, eine Kurzgeschichte zum Thema "Essen" mit Hilfe der App "Voice" zu erzählen. Ich habe eine wahre Geschichte über meine eigene Familie erzählt. Und wer hätte es gedacht, damit habe ich doch glatt den ersten Preis für die erste Woche gewonnen. Sie ist zwar auf Englisch, aber ihr werdet's trotzdem kapieren. Voilà:

Geschichte in der Seele

Gustav Vasa wurde 1527 zum Oberhaupt der schwedischen Kirche eingesetzt - und der Papst damit abgesetzt. Alle Schweden waren fortan per Gesetz lutherisch. Wer das nicht wollte, wurde des Landes verwiesen. Anknüpfend an den vergangenen Blogpos t könnte man sich fragen, warum prostchristliche Menschen, die nie was mit Glauben zu tun hatten, sich nach der Bekehrung in "herkömmlichen", traditionellen Gemeinden wohler fühlen.  Dieses Jahr kam eine interessante Studie heraus, die einen Hinweis geben könnte. Abgesehen davon, dass wir nicht nicht wissen, ob die Neubekehrten nicht vielleicht doch aus der traditionellen sozialen Kartoffel kommen und wir außerdem davon ausgehen müssen, dass die meisten sich der Gemeinde anschließen werden, die sie zum Glauben geführt hat, spielt wahrscheinlich unser tiefstes Seelenleben eine größere Rolle, als man meinen will. Der Religionshistoriker David Thurfjell geht in seinem neu erschienenen Buch vom "gottlosen Volk" - d...

Lust. Auf Hermeneutik.

Heiliger Höhepunkt: Berninis "Verzückung der heiligen Theresa" in der Santa Maria della Vittoria-Kirche in Rom. Impuls Nummer zwei: Hermeneutische Hausaufgaben (hier geht's zurück zum Impuls Nummer eins) Alle modernen und postmodernen Phänomene, die nicht explizit in Bibel erwähnt sind, erfordern gründliche und genaue hermeneutische Arbeit. Hermeneutik bedeutet, die zeitlosen Prinzipien zu identifizieren, welche uns dann im Grunde in jedem Kontext durch alle Situationen, jeden Fall leiten können. Ein einfaches Beispiel zur Erklärung wäre, dass die Bibel nirgendwo Bier erwähnt. Nun könnte man die Bibel entweder so auslegen, dass man gar kein Bier trinken soll - schließlich ist es nirgendwo erlaubt, oder man darf so viel saufen, wie man reingeschüttet kriegt - schließlich ist es ja nicht verboten. Die Bibel spricht hingegen über Wein. Wie sie über Wein spricht, kann uns ein zeitloses Prinzip offenbaren: Wein wird in beiden Testamenten immer wieder genossen, all...

Summit Highlight

Oft wird das Unvorhergesehene zum Besten. Wie letzte Woche auf dem Summit zum Beispiel. Es war ein super Programm, doch eine ganz bestimmte, ungeplante, spontane Begegnung wird mir wohl dauerhaft in Erinnerung bleiben.  Beim Mittagessen sitze ich gegenüber eines Mannes, den ich noch nie bei CA gesehen hatte. Es stellt sich heraus, dass er Pfarrer einer über dreihundert Jahre alten Presbyterianischen Gemeinde ist. Und zwar in der größten Stadt Nordirlands. Wir kommen ins Gespräch. Wir sprechen über Geschichte und welch dauerhaften Spuren sie hinterlässt. Ich erzähle ein wenig von den heute erst richtig reifenden Früchten des 30-jährigen Krieges. Und er erzählt - natürlich - von Nordirland, seiner Geschichte und ihren Folgen. Davon, dass "katholisch" und "protestantisch" dort nichts als politische Bezeichnungen sind, abwertende Etiketten, die helfen, zwischen " uns " und " denen " zu unterscheiden. Er erzählt, wie ihm als Kind verboten wur...