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Posts mit dem Label "postmodern" werden angezeigt.

Nachchristliche Dogmatik

Heutige Menschen haben die alten Doktrine satt. Man will sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie man was richtig zu glauben hat. Doch bei genauem Hinsehen lebt die nachchristliche Gesellschaft ihre eigenen Dogmen. Sie mögen nicht systematisch beschrieben und gelehrt werden, doch sie sind da, sie sind stark und und sie sind alles andere als tolerant. Hier sind einige: Der Mensch ist im Kern gut. Es gibt keine Erbsünde.  Der Sinn des Lebens besteht darin, Glück, Befriedigung, einen unabhängigen und freien Lebensstil zu finden sowie sich selbst zu verwirklichen.  Gäbe es keine konservativen Kräfte, würde die Welt durch Fortschritt zu einem immer bessereren Platz werden.  Persönliche Freiheit und Selbstbestimmung ist wichtiger als Unterordnung.  Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder mus seine Wahrheit selbst finden.    Traditionelle Gruppen wie Religionen spielen bestenfalls kleinere Rollen am Rande der Gesellschaft als eine Art Dienstleiste...

Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend H2O ist nach wie vor eine sehr kleine Gemeinde. Eine Brücke zu bauen, die sich über einen so großen Abgrund erstreckt, ist ohne Hilfe unmöglich. Sich sowohl in der Bibel als auch in der heutigen Kultur zu verankern, wird uns spannen wie eine Streckbank. Wir brauchen eine Stütze in der Mitte, etwas, wo man Gewicht ablegen kann. Für uns ist diese Stütze die Gemeinde generell, der Leib Christi, die weltweite Kirche, wie auch immer man es benennen mag. Wir sehen uns verbunden mit unseren Glaubensgeschwistern der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Tatsache, dass die Kirche nie perfekt war, sondern im Gegenteil stets mit Flecken und Fehlern behaftet war und ist, macht es für uns eigentlich nur noch interessanter. Denn wir erleben uns selbst auch nicht als perfekt und damit passen wir doch ganz gut zusammen. Außerdem können wir von allen Fehlern der Vergangenheit am meisten ler...

Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben Wohl jeder hat schon mal Leute getroffen, die in der Tat sehr tief in der Bibel verwurzelt sind, deren Füße aber leider nicht mehr auf dem Teppich blieben. Sie sind weder von dieser Welt noch in dieser Welt. Wie Außerirdische sprechen sie eine unverständliche Sprache und ihr Verhalten ist ebenso weltfremd. Solche Menschen können phantastische Denker sein und uns helfen, tiefer in die vielen versteckten Geheimnisse der Heiligen Schrift vorzudringen. Als Gemeindegründer sind sie jedoch nur begrenzt von Nutzen. Sie sind wie Pond d'Avignon , jene berühmte mittelalterliche Brücke im Süden Frankreichs, die es nur bis zur Mitte des Flusses geschafft hat. Sur le pond d'Avignon ist's romantisch schön - doch die Brücke ist nutzlos. Wir denken zum Beispiel an den Klerus in kunstvollen Gewändern oder in höheren Sphären schwebende Theologen, deren Sprache Kanaans uns rästel...

Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel  Eines der tiefgründigsten und eindeutigsten Gebote Gottes findet sich im fünften Buch Mose: Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore. (5Mos 6,4-9) Diese Worte wurden vor tausenden von Jahren gegeben, doch ihre Botschaft ist immer noch sonnenklar: Tu, was du kannst, um nie von Gottes Geboten abgelenkt zu werden. Simpel, oder? Bei uns im Westen finden ...

Könnte die Bibel wirklich so besonders sein?

Vor einigen Wochen war ich wieder auf dem jährlichen CA-Leadership Summit. Aus dem Thema unseres Summits 2012 (Gütesiegel missionaler Gemeinden) ist damals ein Buch entstanden: Grow, where you are planted (Wachse, wo du stehst - 12 Gütesiegel missionaler Gemeinden). Ich bin damals gebeten worden, ein Kapitel zu einem der Gütesiegel zu schreiben. Da ich nach wie vor die vollen Rechte an diesem Kapitel besitze möchte ich es Euch übersetzen und auf meinem Blog zum Lesen zur Verfügung stellen. Mir wurde Gütesiegel Nr. 2 anvertraut, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt: Reife, missionale Gemeinden wurzeln tief in der Schrift und sehen sich in enger Verbindung mit der Gemeinde der Vergangenheit und der Gegenwart.  Könnte die Bibel wirklich so besonders sein?  ”Wer weiß? Vielleicht ist dieses Buch namens ’Bibel’ ja etwas besonderes. Doch ehrlich gesagt ist es kaum verständlich, völlig veraltet und entweder sonderbar oder gruselig.” Mit dieser Haltung wuchs ich auf, ...

Postmoderne Apologetik

So manchem hängt das Wort "Postmoderne" heute schon zum Halse raus, dabei hat sie noch gar nicht richtig angefangen. Die wahren postmodernen Zeiten kommen erst noch. Wer Gemeinde gründet, darf dies nie nur für die eigene Generation tun, sondern muss auch immer die kommende im Blick halten. Mein " Kartoffelpost " vom 6. Februar zeigt sowohl die Sinus-Milieus für ganz Deutschland als auch die nur der Jugendlichen. Und siehe da: Unter den Teenagern sind die Traditionellen schon jetzt komplett verdunstet. Was sagt da die Hochrechnung? In einigen Jahren wird es wohl endgültig keine absoluten Wahrheiten mehr geben. Das ist ja eine postmoderne Grundhaltung: Nichts ist objektiv. Es gibt zwar Aussagen und Behauptungen, aber erst die eigene Deutung oder Interpretation machen solche Behauptungen wahr oder falsch. Ein Beispiel: Vor 500 Jahren wurde ein Mensch als Bauer geboren. Seine Wirklichkeit war, dass er zeitlebens im Bauernstande leben würde. Der Postmoderne sagt h...

Herzlichen Glückwunsch, H2O! Oder: Einige Gedanken zum Sinn und Zwecke H2Os

Am vergangenen Mittwoch, den 06. Juni war wieder einmal schwedischer Nationaltag. Und damit H2O's Geburtstag! Vor vier Jahren ging H2O zum ersten Mal als H2O in die Öffentlichkeit! Es war ein Kinderfest auf dem Parkplatz unseres Partners Reningsborg , direkt vor unserem heutigen H2O-Center - damals wussten wir davon natürlich noch rein gar nichts! H2O ist kein "herkömmliches" Gemeindegründungsprojekt. In einer "normalen" Gemeindegründung hätte man vor der Geburt sicher alle Vorbereitungen zu einem ersten öffentlichen Gottesdienst getroffen, man hätte Gäste dazu eingeladen und im Gottesdienst offiziell bekannt gegeben, dass hier nun eine neue Gemeinde gestartet wurde. H2O hingegen ist ein "Gemeindegründungsforschungslabor". Unser Auftrag ist nicht nur, neue Gemeinden zu starten. Unser Auftrag ist vor allem, herauszufinden, wie im 21. Jahrhundert neue Jesusnachfolger gemacht werden können. Wie können Menschen Jesus begegnen, die freiwillig nie und ni...

missional = schwammig unklar?

Nun sind wir also mittendrin im Gemeindegründungskurs bei ALT (vormals SALT). Er ist Teil eines Wahlkursprogrammes und ich freue mich, eine Gruppe von 20 Studenten unterrichten zu können. Eine tolle und motivierte Truppe habe ich da beisammen, über die ich mich richtig richtig freuen kann. Als etwas ganz besonders Bereicherndes erlebe ich persönlich immer wieder Diskussionen und Nachfragen. Zum Beispiel sprachen wir über geschichtliche Entwicklungen, traditionelle Ansätze und heutige "missionale" Konzepte. Der Begriff "missional" scheint das althergebrachte Wort "missionarisch" wohl mehr und mehr abzulösen, und so mancher wundert sich über den Unterschied - nicht nur Theologiestudenten. " Ist 'missional' zu schwammig, nebelhaft? Muss man nicht irgendwann auch mal raus mit der Botschaft? Sind wir nicht zu vorsichtig? " Solche Fragen sind nicht nur berechtigt, sondern dringend nötig. Viele Christen erleben nämlich Unfreiheit, wenn es da...

Ein paar Ergänzungen vom Hirsch

Das waren also die Jesusbilder, die ich immer wieder außerhalb der Kirchen antreffe. Was mich auf die Idee brachte, auch darüber nachzudenken, welche Jesusbilder  innerhalb der Kirchen zu finden sind. Trifft man dort vielleicht ähnlich anzusehende Jesusdarstellungen? Über diese Frage hat auch der messianische Jude Alan Hirsch oft nachgedacht, und der Einfachheit halber nehme ich ähnliche Kategorien, wie Hirsch sie in seinen Vorträgen oder in seinem Buch "Re-Jesus" verwendet. Die restlichen Formulierungen stammen jedoch von mir selbst. Der Frau-mit-Bart-Jesus Eines der beliebtesten Jesusbilder in Gemeinden ist wahrscheinlich der feminine Jesus, soft, lieblich, mütterlich. Allein sein Bart erinnert daran, dass wir es doch mit einem Mann zu tun haben. Der Frau-mit-Bart-Jesus führt wahrscheinlich dazu, dass man Jesus außerhalb Gemeindehäusern und Kirchenmauern nicht für einen kräftig-maskulinen Zimmermann, sondern eher einen "Schmalhans-Dünnbrettbohrer" hält. Der ...

Jesus? Gibbetnich! Ausrufezeichen!

Die wahrscheinlich letzte Teilmenger derer, die weder auf Jesus noch auf Kirche scharf sind, ist nach meiner subjektiven Erfahrung die kleinste: Ein Gruppe erstaunlich jesuskundiger, aber relativ aggressiver Atheisten. Hier weiß man ganz schön viel über das Leben Jesu, vor allem aber weiß man, warum das alles purer Blödsinn ist, Manipulation, Opium für das Volk. Die Bibel ist ein Märchenbuch, gefüllt mit lauter Fabeln. Wie kann man nur so dumm sein und solchen Lügen immer noch auf den Leim gehen? Ist es denn nicht offensichtlich, dass alles nur ein Machtspiel von Kirche und Staat war? "Halt du sie dumm", sagte der König zum Papst, "ich halt sie arm!" Alles abgekartet! Da ist doch klar, dass man so ein Druckmittel wie die Bibel erfinden musste, mit Drohungen wie die Hölle und einem Helden wie Jesus! Wir leben im 21. Jahrhundert, Mann!!! Wie kannst Du sowas denn noch ernsthaft glauben? Geschweige denn auch noch verbreiten ?! Ich denke, es erübrigt sich zu erwähnen, ...

Jesus, göttlicher Pontifex Maximus

Diese Teilmenge fühlt sich genau wie die Jesunator-"Gläubigen" sehr stark distanziert von Jesus - die einen wegen seiner Superpower, die anderen wegen seiner Heiligkeit. Man kennt Jesus nur mit dieser weihevollen Korona ums Haupt, glorreich die Leiden der Welt tragend, in sakraler Erhabenheit von religiösen Gemälden oder Ikonen auf uns herabblickend. Weil aber niemand anders in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder in der Familie einen ebensolchen Heiligenschein ständig mit sich herumträgt, bleibt, was Jesus angeht, nur eine einzige Schlussfolgerung: Jesus ist vollkommen weltfremd. Das wird in religösen Zirkeln aber gar nicht unbedingt als negativ empfunden, einige empfinden dies sogar als erstrebenswert. Allerdings ist es uns Sterblichen absolut unmöglich, diesen Level an Heiligkeit jemals zu erlangen. Es wäre viel leichter, morgen vom Papst heilig gesprochen zu werden, was ja auch nicht jeden Tag vorkommt. Und weil Jesus so würdevoll unnahbar wirkt, hat man zumindest in d...

Der Jesunator

Für andere wiederum scheint Jesus das krasse Gegenteil zum Dünnbrettbohrer zu sein. Ihnen dünkt Jesus als magischer Gigant. Anhänger dieser Teilmenge outen sich oft durch die Frage: "Bin ich Jesus?" - was soviel heißt wie "Bin ich Chuck Norris?!" und meist als rhetorische Antwort auf Fragen wie "Kannst du das bis morgen fertig haben?" oder "Weißt du, wann der Chef wiederkommt?" verwendet wird. In ihren Augen kann Jesus nämlich alles bis morgen fertig haben und weiß auch immer exakt, wann was mit wem passiert. Damit unterscheidet sich Jesus in unerträglichem Maße vom eigenen Alltagserleben, wo man manchmal überhaupt gar nichts fertigbringt, geschweige denn bis morgen, und auch sonst keinen Plan hat. Schön für Jesus, mag man denken. Insgeheim aber erweckt es den Anschein, dass "Jesus" und "Chuck Norris" tatsächlich austauschbare Begriffe sein können. Beide hält man für eine Art Schauspieler und all diese Heldengeschichten für ...

Jesus Dünnbrettbohrer

Für die nächste Teilmenge derer, die weder von Jesus noch Kirche angetan sind, ist "Jesus" ein Synonym für "Weichei". Jesus, dieser außerordentlich nette Erdengast, dieses Vorbild für die Menschheit, immer taktvoll, immer artig, stets korrekt. Und natürlich erwartet er von seinen willigen Jüngern, dass auch sie jederzeit ebenso entgegenkommend, galant, höflich und sittsam sind. Jesus, ein Löwe? Wenn, dann bestenfalls ein zahnloser. Eher ein zahmer Gentleman. Jesus, ein ungefährlicher, hodenloser Kastrat, ein weißbleicher Ministrant mit der typischen Frisur mit Mittelscheitel, der nur gedämpft spricht und Konfrontation aus dem Wege geht.* Am Ende wird er vor lauter Nettigkeit und Unterwürfigkeit totgenagelt. Jesus, der sandalentragende Versager. Wer will einem solchen Jesus nachfolgen? Ich auch nicht. ____ * vgl. John Eldrege, Der ungezähmte Mann , 51.  

Jesus, Pluto, Imhotep

Die Geschichten, nach denen Jesus völlig unbekannt ist oder für einen neuen Fernsehstar oder ein neues Torwunder gehalten wird, haben sich in meiner Erfahrung noch nicht bestätigt. Jesus zu kennen, gehört einfach zur Allgemeinbildung. Je älter und höher gebildet ein Mensch, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, von Jesus gehört zu haben. Moslems kennen ihn unter dem Namen Isa. Allerdings ist die Grenze des Wissens oft schnell erreicht. Viele wissen nur, dass Jesus eng mit dem Christentum verknüpft ist, grad so wie Pluto ein Gott der Antike war und Imhotep etwas mit Ägypten zu tun hatte. Aber wer war Pluto jetzt noch mal genau? War's ein Gott der Römer? Oder der Griechen? Wer das nicht beantworten kann, hat eine Vorstellung davon, wie viel oder wenig man über Jesus weiß. Jesus, der antike Mythos. So könnte wohl die erste Teilmenge derer bezeichnet werden, die Jesus nicht mögen. Sie " mögen " ihn nur nicht, weil sie ihn einfach nicht besser kennen, nicht, weil sie ...

"Man mag zwar Jesus, doch keine Kirche" - kleine Ergänzung

Es ist vielleicht hilfreich für Euch, wenn Ihr auch einen klitzekleinen Eindruck von dem bekommt, wer Dan Kimball ist, was er denkt und wie er es vermittelt. Hier ist eine kurze Zusammenfassung der Schulungsvideos, veröffentlicht von Zondervan, dem Herausgeber des ganzen Materials. Es ist natürlich nicht auf Deutsch, was guter Anlass sein kann, sein Schulenglisch mal wieder hervorzukramen... Die Frage an Euch bleibt: Stimmt Ihr zu, dass Jesus allgemein geachtet ist, nur die Kirche nicht???

"Man mag zwar Jesus, doch keine Kirche." Echt jetzt?

Vor einigen Jahren machte ein Buch namens "They like Jesus but not the church" die Runde. Autor ist ein beeindruckend frisierter blonder Mann namens Dan Kimball. Er beschreibt, dass viele Menschen Jesus zwar irgendwie ok finden, aber extreme Probleme mit Kirche haben. Für mich als Leiter eines "Kirchenlabors" gehört so etwas natürlich irgendwie zur Pflichtlektüre. Wir kauften sogar das ganze Schulungsset mit Buch, Leiter- und Teilnehmerhandbuch und DVD. Ich glaube, vor ungefähr zwei Jahren haben wir es in unserem Teamhauskreis komplett durchgearbeitet. Und ich muss sagen, Dan Kimball hat beeindruckend gute Arbeit geleistet und zeigt offen aber liebevoll beliebte Schwächen in frommen Kreisen. Vor allem zeigt er aber, was wir lernen können uns müssen, und wie wir nicht trotz unserer Fehler sondern gerade wegen und durch unsere Fehler besser werden können. Hut ab. Nach all meinen eigenen Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren frage ich mich aber, ob es wirkl...

Twitter mir doch mal, wie's Deinen Hühneraugen geht!

oder: Kommunikation zwischen postmodernen Menschen Es ist schon interessant. Fast merkwürdig. Denn einerseits scheint es vielen, vielen Menschen hier so unendlich schwer zu fallen, sich anderen Lebewesen der Gattung Mensch zu zeigen, ein wenig von sich preiszugeben, eine Unterhaltung mit einem Unbekannten zu führen. Doch bei anderen Gelegenheiten schlägt diese vermeintliche Scheu in ein krasses Gegenteil um. Und zwar überraschend schnell und übertrieben krass. Da kann es zum Beispiel passieren, dass dir ein Mensch mitten im Stadtgewühl sein Herz mit überschwänglich emotionalen Ausbrüchen ausschüttet. Unter Umständen mit solchem Nachdruck, dass der Rest des Gewühls nur verwundert den Kopf schüttelt. Hinterher wird dem Betroffenen das totpeinlich sein, und er wird vermutlich den Kontakt zu dir abbrechen. Aber in diesem Moment hatte er das Gefühl, dass Du der einzige auf der ganzen weiten Welt bist, der sich interessiert, und deswegen konnte er sich in diesem Moment einfach nicht zu...

Der Alchimist

Die Alchemie befasste sich bekanntlich mit der Goldherstellung aus anderen Materialien. Das war eine ganz schön schwere Aufgabe und erforderte viel Geduld und Experimentierfreude. In einem Telefongespräch sagte ich gestern ganz spontan, dass ich mich manchmal ebenfalls wie ein echter Alchimist fühle, der versucht, aus ganz verschiedenen Zutaten  etwas ganz Neues zu schaffen. Das größte Problem ist aber nicht, dass kein Gold entsteht, sondern dass viele unserer Zutaten gar nicht in den Topf wollen, oder, wenn sie drin sind, einfach wieder rausspringen. Ob der Topf zu klein ist? Oder zu groß? Oder zu mittelgroß? Ob die Temperatur zu heiß ist? Oder zu kalt? Oder zu lau? Immer wieder setzen wir uns zusammen, bisherige Erfahrungen zu diskutieren, lesen, überlegen, tauschen mit anderen "Alchimisten" aus. Für 2011 haben wir ein weiteres Rezept entwickelt. Morgen werde ich mehr darüber berichten.