Direkt zum Hauptbereich

Tatort Angered

Eine echte Frohnatur war er. Stets gut gelaunt, immer zu einem kurzen Schwatz aufgelegt. Selbst die Tatsache, dass vor einem guten Jahr sein Arbeitsplatz und damit seine Einkommensquelle komplett niedergebrannt ist, erschütterte seine gute Stimmung kaum. Fast jeder in Angered kannte ihn. Seine "Wurst mit Mus" war wohl das preiswerteste Mittagessen, das in ganz Angered zu kriegen war. Im Durchschnitt gehe ich jeden Tag die Woche mindestens zweimal direkt an seiner Imbissbude vorbei. Es gab dort zwar leider keine deutsche Currywurst mit Pommes, doch der Duft erinnerte mich trotzdem oft an meine Heimat.

Doch das ist nun Geschichte. An einem der vergangenen Montage wurde der frohgelaunte Türke in seinem Imbiss aufgefunden - erstochen. Entsetzen und Trauer machte sich breit. Bergeweise stapeln sich Blumen und Gestecke, niemand will glauben, dass ausgerechnet er von so einer brutalen Tat getroffen wurde. Die Menschen stehen an seiner Bude, diskutieren, spekulieren, schreiben Briefe und letzte Grüße. Die Polizei tappt im Dunkeln. Man vermutet Raubüberfall - und dass der 54-jährige Wirt seine Einnahmen nicht so spontan rausgerückt hat, wie der Verbrecher es wünschte.

Sterben muss jeder, ganz klar, aber so eine Tat muss es auch nicht gerade sein. Sie erinnert ganz Angered und damit auch mich schmerzhaft daran, wie schnell es zu Ende gehen kann. Ich kannte das Opfer leider zu wenig, aber ich wünsche ihm, dass er in Frieden vor seinem Schöpfer erscheinen konnte.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine neue "Engelskala"?

Ich selbst kam gerade erst ins zweite Schuljahr, als die beiden Herren James Engel und Wilbert Norton ein Buch mit dem Titel " What's gone wrong with the harvest? " (Was ist mit der Ernte schiefgelaufen?) herausgaben. Nein, das Buch handelte nicht von Traktoren, Mähdreschern und Güllefässern, sondern um die Ernte der geistlichen Früchte, die Jesus von Kirche und Gemeinden erwartet. Und hier läuft ja bekanntlich so manches schief. Zur Veranschaulichung entwickelte Herr Engel, einer der Autoren, eine Skala. Auf dieser Skala konnte man leicht erkennen, wo man sich auf seiner geistlichen Reise gerade befindet. Als " Engelskala " - was nur etwas mit dem Namen des Erfinders und nichts mit Engeln zu tun hat - gelangte sie zu weltweiter Bekanntheit. Für alle, die noch nie eine Engelskala gesehen haben - so ungefähr sieht eine deutsche Version aus (von mir farblich etwas aufgepeppt): (zum Vergrößern auf's Bild klicken) Man liest die Skala im Prinzip von unten ...

Sola Gratia

Schschschau mal, ist das hoch zum Drüberspringen... Impuls Nummer drei: Gottes Maßstäbe gelten lassen (Hier geht's zum Anfang dieser lustvollen Serie) Ich möchte uns an eine alte, biblische Weisheit erinnern, von der wir heute nicht mehr so viel hören: Gottes Standards für den Menschen sind extrem hoch. Dieses Prinzip finden wir durchgehend in der ganzen Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Man lese nur einmal das Gesetz der Thora oder, wem das zu alttestamentlich erscheint, der darf sich gerne der Bergpredigt hingeben und ihrem Standard folgen. Viel Erfolg dabei. Zweitens sollten wir uns daran erinnern, dass Gottes Standards nicht verhandelbar sind. Gott hängt die Messlatte auf, wo ER sie haben will und dann hängt sie da. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Keinen Millimeter weicht Gott davon ab. Das gefällt uns Menschen nicht. Wir möchten gerne glänzen, als gut und richtig dastehen. Doch der Hauptzweck dieser hohen Messlatte ist es ja gerade, unsere menschlich...

Bewirken. Entfachen. Hervorrufen. Evozieren.

Serie: Missional Action Plan, Phase zwei  Das sind einige Synomyme für die zweite Phase unseres sogenannten Missional Action Plans, genannt Auslösen (initiate) . Was ist denn das? Nun, niemand glaubt heute noch, dass der Pfarrer den Menschen wirklich zu sagen hat, wie man was zu tun oder zu lassen hat. Eigentlich möchte sich heute überhaupt niemand noch was sagen lassen, solange man nicht ausdrücklich gefragt hat. Entsprechend ist auch niemand mehr scharf auf Predigten. Predigt, das klingt wie Standpauke. Epistel. Ermahnung. Wie Schelte und Zurechtweisung. Niemand* will sich also noch bepredigen lassen. Man geht entweder auf Konfrontation oder stellt die Ohren auf Durchzug. Das, was jahrhundertelang das Zentrum der kirchlichen Kommunikation war, die Predigt, stirbt aus. Stirbt aus? Ganz und gar? Keine Predigten mehr in Zukunft? Nein, so ist es auch wieder nicht. Römer 10,17 sagt ganz klar, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und damit wird die Predigt immer eine entsche...