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Posts mit dem Label "Lebensstil" werden angezeigt.

Warum gute Vorsätze (k)ein Blödsinn sind

Solche Todesanzeigen machten die Runde. Ich fand diese auf gott-in-berlin.blogspot.com . Weniger essen, mehr Sport. Weniger Stress, mehr Ruhe. Mehr beten, weniger sorgen. Die Lister aller 2017 geborenen Vorsätze scheint unendlich zu sein. Die Liste der Todesopfer? Nur unwesentlich kürzer. Wenn's hoch kommt, überlebt nur ein 1% den Frühling. Gute Vorsätze enthüllen zweierlei. Erstens, unsere tiefe Sehnsucht nach Veränderung. Im tiefsten Herzen werden sie gezeugt und zu Silvester geboren. Wer nämlich gar nichts Verbesserungswürdiges an seinem Leben findet, macht auch keine Vorsätze. Zweitens, unsere gefühlte Machtlosigkeit, die ersehnte Veränderung auch wahr werden zu lassen. Gute Vorsätze sind Leckerlis für Schweinehund, den inneren. Manche nehmen's mit Humor. Andere geben auf und halten gute Vorsätze fortan für völligen Blödsinn. Ich gehör wohl zur zweiten Kategorie. Habe schon vor vielen, vielen Silvestern aufgehört, gute Vorsätze zu fassen. Oder sollte ich besser sage...

Nachchristliche Dogmatik

Heutige Menschen haben die alten Doktrine satt. Man will sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie man was richtig zu glauben hat. Doch bei genauem Hinsehen lebt die nachchristliche Gesellschaft ihre eigenen Dogmen. Sie mögen nicht systematisch beschrieben und gelehrt werden, doch sie sind da, sie sind stark und und sie sind alles andere als tolerant. Hier sind einige: Der Mensch ist im Kern gut. Es gibt keine Erbsünde.  Der Sinn des Lebens besteht darin, Glück, Befriedigung, einen unabhängigen und freien Lebensstil zu finden sowie sich selbst zu verwirklichen.  Gäbe es keine konservativen Kräfte, würde die Welt durch Fortschritt zu einem immer bessereren Platz werden.  Persönliche Freiheit und Selbstbestimmung ist wichtiger als Unterordnung.  Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder mus seine Wahrheit selbst finden.    Traditionelle Gruppen wie Religionen spielen bestenfalls kleinere Rollen am Rande der Gesellschaft als eine Art Dienstleiste...

Be the Gospel (3): Identität

"Welches Schweinderl hätten's denn gern?" Robert Lembke ist out, seine Frage "Was bin ich?" oder vielmehr "Wer bin ich?" ist hingegen inner denn je... "Alles geht!" ist die Devise. Die Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte, ist ein extrem hoher Wert in unserer heutigen und den kommenden Gesellschaften. Vorbei die Zeiten, wo man verheiratet wurde, in einen gewissen Stand hineingeboren wurde, wo die groben Bahnen des Lebens schon zur Geburt feststanden. Deine Umstände zur Geburt sagen heute gar nichts mehr. Alle Türen stehen offen und was du daraus machst, ist dein eigenes Geschick. Heute gilt es sogar zunehmend als politisch inkorrekt, einen Menschen nach seinem Ursprungsland zu fragen, weil allein diese Frage schon diskriminierend sei. Ob all das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Eins steht aber in jedem Fall fest: Diese Freiheit setzt uns Menschen einer neuen Unsicherheit aus: Wer oder was bin ich überhaupt?! Dies...

Be the Gospel (2): Schlaf

"Der Schlaf erwies sich in der Tat als Problem. Ransom kam es vor, als habe er lange verkrampft, müde und bald auch hungrig und durstig in der Dunkelheit gesessen." "Die Frau schlief mit einem Arm unter dem Kopf und leicht geöffneten Lippen. Sie schlief ganz ohne Zweifel, denn ihre Augen waren geschlossen, und ihr Atem ging gleichmäßig, doch sie sah nicht aus wie Schläfer auf unserer Welt, denn ihr Gesicht wirkte ausdrucksvoll und intelligent, und ihre Glieder schienen bereit, jeden Augenblick aufzuspringen; alles in allem hatte man den Eindruck, der Schlaf sei nicht etwas, das über sie kam, sondern eine Tat, die sie vollbrachte."  C.S. Lewis, Perelandra Perelandra? Nachtruhe unter klarem Sternenhimmel mit Planet In meinem Post Be the Gospel: Mission als Lebensstil habe ich ansatzweise erklärt, warum klassische Evangelisation heutzutage nicht mehr funktioniert: Ein schwer begreifbares Evangelium des unverständlichen Kreuzestod eines außergewöhnlichen J...

Be the Gospel: Mission als Lebensstil

Bild : DMG ( 17 Tipps, wenn du auf keinen Fall Missionar werden willst ) Es ist nunmal so, dass das, was wir ”Gute Nachricht” nennen, für 95 + x % aller heutigen Europäer nicht nur keine gute Nachricht, sondern gar keine Nachricht mehr ist. Irrelevant, belanglos, nicht der Rede wert. Nur eine weitere, überflüssige Information unter Milliarden anderer. Ohren auf Durchzug und fertig. Wenn wir wirklich wollen, dass Jesus wieder bekannt wird - und zwar im ganzen Kartoffelsack -, dann müssen wir ganz neu lernen, ihn wieder bekannt zu machen. Viele Arten der Evangelisation sind effektlos geworden. Ich möchte helfen, neue Wege zu finden und unverhoffte Neugier auf den Auferstandenen hervorzurufen. Im Grunde sind es drei Prinzipien, denen es zu folgen gilt: - ganz nah bei Jesus bleiben - ganz nah bei den Menschen bleiben - ganz nah bei sich selber bleiben. Es ist ein Lebensstil. Nur wer Jesus dicht auf den Fersen folgt, unterscheidet sich. Glaube muss Spuren hinterlassen. ...

Wegweiser

Zwei Kennzeichen haben die Wegweiser Gottes. Erstens, wir sehen sie nur, wenn wir uns unsicher fühlen. Nicht, dass sie sonst unsichtbar wären, selbstsichere Menschen ignorieren sie einfach. Zweitens, sie tauchen immer erst in letzter Sekunde auf. Oder einen Moment danach. Gottes Wegweiser sagen nie: In 5km rechts abbiegen . Sie sagen: HIER rechts abbiegen . Oder: UMKEHREN. Da hinten hättest du rechts abbiegen müssen . Gott nachzufolgen hat mehr mit indianischer Spurensuche als einer GPS-ausgestatteten Autoreise zu tun. Welches dazu führt, dass man erstens langsam reist und zweitens nie sicher ist, wie viele Abbiegungen man schon verpasst hat. Aber das ist, wie gesagt, ja auch Sinn und Zweck: Nur, wer sich unsicher fühlt, sucht nach Gottes Wegweisern. Wem das zu diffus ist, erlebt in Gottes Augen den Normalzustand der Nachfolge. Nur dann schafft man es, auf dem Wasser zu gehen. Selbst Paulus, in unseren Augen ein selbstsicherer Kleriker, irrte auf der Spurensuche nach göt...

Weihnachten, Teil II bis XI

In meinem Kotelettpost philosofierte ich über Fleisch. Weihnachten hat auch viel mit Fleisch zu tun. Weniger wegen der vielen an Braten überfressenen Bäuche, sondern vor allem, weil Weihnachten die Fleischwerdung Gottes ist. Auch Inkarnation genannt, falls einem "Fleischwerdung" zu sehr nach Kuhzüchter- oder Metzgersprache klingt. Die Inkarnation ist Voraussetzung zur Rettung der ganzen Schöpfung - des zur Verwesung verdammten Fleisches sozusagen. Ohne Inkarnation keine Kreuzigung, ohne Kreuzigung keine Auferstehung, ohne Auferstehung keine neue Schöpfung, ohne neue Schöpfung keine Hoffnung, ohne Hoffnung kein Evangelium. Aber Inkarnation ist nicht nur unser beliebtes Lichter- und Geschenkefest im Dezember. Von Januar bis November ist auch Fleischwerdung angesagt, die Fortsetzung Weihnachtens sozusagen, nämlich die Inkarnation des Evangeliums im täglichen Leben. In neutheologischer Sprache nennt sich das inkarnationales Leben . Jesus wurde nämlich nicht nur Mensch au...

Vier Gründe, warum die Bibel hilft, das Leben in Balance zu halten

Auf dem letzten Halbmarathon, den ich laufen konnte, kamen in regelmäßigen Abständen beschilderte Stationen mit folgender großen Aufschrift: " Gib auf. Hier. Wir fahren dich kostenlos zum Ziel. " Das waren Taxiunternehmen, welche Absprachen mit dem Marathonveranstalter hatten, dass alle Läufer, die nicht mehr können oder wollen, kostenlos zurückgefahren werden. Das Leben ist auch ein Marathon, der Training und Disziplin erfordert. Oft genug kommen wir an Stationen vorbei, an denen man aufgeben möchte. Doch sitzt man erst mal im Taxi, geht es einem selten besser - wäre es nicht viel schöner gewesen, das Ziel auf eigenen Beinen zu erreichen? Die letzten Monate waren eine beachtliche Steigung auf meinem Lebensmarathon. Viele Menschen, viele Eindrücke, viele Reisen, viel Information, viel Organisatorisches, viele Erwartungen, viele Herausforderungen, viel Unterschiedliches. Manchmal ist es mehr, als mein Hirn eigentlich verarbeiten kann. Luther sagte: "Wer viel arbeitet, m...

In der Ruhe liegt die Kraft

Busfahrten, Flugzeiten, Hundespaziergänge - ich brauche diese Zeiten zum Nachdenken All die Eindrücke und Gesprächsthemen wollen verarbeitet werden. Viele gute Leiter sind introvertierte Menschen, sagt Susan Cain, Autorin des Buches "Quiet". Ich muss die leise Stimme in mir hören können, und das geht nur in der Stille der Abgeschiedenheit. Aus diesem Grunde habe ich mein Facebook-App vom Handy geschmissen, um nicht mit noch mehr völlig überflüssiger Information zugemüllt zu werden. Es macht großen Spaß, all die neuen Leute und all die alten Bekannten nicht nur online, sondern in Fleisch und Blut (wieder) zu treffen, deren Lebenswelten sehen, riechen schmecken; persönliche Erfahrungen austauschen, ausloten, wo man sich einig ist und wo nicht. Man hört, sieht, fühlt und lernt. Jede Begegnung ein Puzzelsteinchen. Jedes einzelne will in die Hand genommen, angesehen, gedreht und gewendet werden um herausfinden zu können, ob es einen Beitrag zur Antwort auf die große Frage leiste...

Des Teufels Horror

Theoretisch-theologisch wissen wir alle, dass Satan eine rücksichtslose Niederlage erlitt, als Christus nach seiner unschuldigen Hinrichtung gesund, siegreich und quicklebendig wieder aus dem Grab spazierte. Wir wissen auch, dass die Tage des Widersachers gezählt sind, bis ihm eines Tages endlich und endgültig das Handwerk gelegt werden wird. Rein praktisch ist es aber doch immer wieder erstaunlich mitzubekommen, dass nicht wir es sind, denen es bei möglichen Begegnungen mit dem Reich des Düstren gruselt. Im Gegenteil. Den Teufel packt das schiere Entsetzen allein beim Gedanken an uns, die Gemeinde. Warum? Weil wir die derzeit einzige irdische Verkörperung seines Todfeindes sind, dem er chancenlos und schmachvoll unterlegen ist. Jeder geistreiche Schachzug der Gemeinde wird zu einem Andenken seiner Schlappe, zum schmerzhaften Stich in der unheilbaren, tödlichen Wunde, die Jesus ihm damals geschlagen hat und die seither brennend vor sich hin eitert. Nicht uns, den Teufel schaudert...

Sarx

invertiertes Kotelett Meine Eselsbrücke zum Einprägen des altgriechischen Wortes für "Fleisch" war, dass σάρξ (sarx) ein bisschen wie "Sarg" klingt. Das war einfach zu merken, denn Fleisch muss ja schließlich vergehen und verwesen. Ja, sollte es nicht sogar bewusst mit Christus gekreuzigt werden? Es erinnert mich an eine Geschichte, die ich in den Anfangstagen meines Glaubens einmal las. Nach dieser Geschichte gab es ein Piratenschiff, das auf allen geenterten Kähnen die Hälfte der Besatzung umbrachte und dann jeweils einen toten Matrosen an jeweils einen lebenden Matrosen fesselte und die zwei an einen Mast band. Die halbtote, halblebendige Besatzung wurde so ihrem Schicksal überlassen. Der fromme Autor jenes Buches schrieb, dass die Armen also regungslos an einen Toten gefesselt, hilf- und steuerlos übers Meer treiben mussten. Manchmal wurden sie jedoch rechtzeitig gefunden, und jener befreiende Augenblick, wo die Lebenden von den Toten losgeschnitten wurden...