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Posts mit dem Label "Gesellschaft" werden angezeigt.

Modern Idolatry

Walter Brueggemann ist sicher kein leicht zu lesender Theologe. Vor allem, weil er Experte für das Alte Testament ist, und das AT ist heute nicht mehr ganz so populär unter modernen Christen. Doch Brueggemann gelingt es, eine kräftige, fast schon überwältigende Theologie des Zeugnisses zu entwickeln, die allein im alten AT verwurzelt ist und dennoch zeitlos bleibt. Es geht nämlich um die große Frage, welchen Wahrheiten und Lügen Gesellschaften ihren Glauben schenken - und damit die Werte zahlloser Individien beeinflussen, die eine Gesellschaft bilden. Schließlich glaubt jeder Mensch gleich viel. Selbst der Atheist glaubt nicht weniger als der Imam, nur der Inhalt unterscheidet sich ziemlich drastisch. Was auch immer wir wählen zu glauben, unser Glaube steuert immer und überall unser Denken und Handeln. Und hier stellt Brueggemann die herausfordernde Frage: Zu welchem "Gegenzeugnis" ist das Volk Gottes wirklich berufen?

"Eine kreative Explosion"

Über eine "kreative Explosion" in schwedischen Gemeinden berichtete am vergangenen Freitag die christliche Tageszeitung Dagen . In einem größeren Bericht listete man aus dem ganzen Land alle möglichen Versuche auf, in einer neuen Zeit Gemeinde zu sein und zu leben, sei es als "Wohnzimmerkirche", "Messy Church" oder in vielen anderen Ausdrucksformen. Mich freuen an diesem Bericht vor allem zwei Dinge. Erstens ist es phantastisch, weil dringend nötig, dass immer mehr Christen, Leiter und Gemeinden einsehen, dass sich so manches ändern muss, wenn wir mit den extremen Veränderungen unserer Zeit mithalten wollen. Das gilt besonders in missionarischer Hinsicht, darf aber auch für das ganz normale Gemeindeleben nicht unterschätzt werden. Jeder 08/15-Christ lebt heute in einer ganz neuen Welt mit völlig veränderten Bedingungen und Voraussetzungen. Wenn unsere Gemeinden, Botschaften und theologischen Antworten sich immer weiter vom wahren Leben da draußen en...

Ich heirate. Ich heirate nicht. Ich heirate. Ich heirate nicht.

Der westliche Mensch des 21. Jahrhunderts will wenig Verantwortung für's Leben übernehmen und sich spät bis möglichst gar nicht festlegen. Das ist nichts Neues mehr. Dazu hatte ich erst kürzlich den schwedischen Psychiarter David Eberhard zitiert . Heute flatterte eine neue E-Mail in meinen Eingangskorb. Der Autor des Buches " Not yet married " (Noch nicht verheiratet) fügt einige interessante Aspekte hinzu. Ein paar übersetzte Abschnitte von Marshal Segal: Wir leben in einer Geselschaft des Jetzt. Immer und überall können wir sehen und streamen, worauf wir grad Lust haben. Wenn wir wollen, werden uns die ausgefallensten Lebensmittel und Mahlzeiten direkt an die Haustür geliefert. Wir klicken "Gefällt mir", schicken Sms und flirten von unserer vollgekrümelten Couch aus - unsere abgeschottete Sicherheits- und Komfortzone. Das Ich gepaart mit Ungeduld sind auch die wesentlichen Bestandteile der Flutwelle des vorehelichen Sex, wo wir uns selbst verschenken b...

Die Gemeinde der Zukunft (9) ist geprägt von der Vergangenheit ihrer Gläubigen

Wir alle wissen, wie schwierig es ist, aus alten Mustern herauszukommen, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Hand auf's Herz: Das gilt auch für Christen, die den Heiligen Geist in sich haben, mit dem eigentlich nichts unmöglich ist. Für unsere zukünftigen Geschwister werden wir dieselbe Geduld aufbringen müssen, die der Heilige Geist mit uns hatte und immer noch hat. Es mag uns schwerer fallen, weil deren Lebensprobleme ganz anders aussehen werden als unsere. Einsamkeit, Identitätsprobleme, psychische Störungen oder Abhängigkeiten waren von 30 Jahren eher die Ausnahme in Gemeinden, in 30 Jahren ist es wohl normal. Enttsprechend werden die Aktivitäten und Unterweisungen und das ganze Gemeindeleben aussehen: Völlig anders, als wir es heute kennen. Was der Heilige Geist damit im Einzelnen alles machen wird, ist schwer zu sagen. Der Wind weht ja bekanntlich, wo er will.

Nachchristliche Dogmatik

Heutige Menschen haben die alten Doktrine satt. Man will sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie man was richtig zu glauben hat. Doch bei genauem Hinsehen lebt die nachchristliche Gesellschaft ihre eigenen Dogmen. Sie mögen nicht systematisch beschrieben und gelehrt werden, doch sie sind da, sie sind stark und und sie sind alles andere als tolerant. Hier sind einige: Der Mensch ist im Kern gut. Es gibt keine Erbsünde.  Der Sinn des Lebens besteht darin, Glück, Befriedigung, einen unabhängigen und freien Lebensstil zu finden sowie sich selbst zu verwirklichen.  Gäbe es keine konservativen Kräfte, würde die Welt durch Fortschritt zu einem immer bessereren Platz werden.  Persönliche Freiheit und Selbstbestimmung ist wichtiger als Unterordnung.  Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder mus seine Wahrheit selbst finden.    Traditionelle Gruppen wie Religionen spielen bestenfalls kleinere Rollen am Rande der Gesellschaft als eine Art Dienstleiste...

Randale, Barrikaden und brennende Autos

Nicht weit von uns entfernt gab's gewalttätige Auseinandersetzungen. Diese Woche hatte die Polizei mehmals gegen Hehler und kriminelle Gruppen zugeschlagen, und bei einem weiteren Einsatz schlugen die Gangs zurück. Man wollte klarstellen: "Hier regieren wir, nicht ihr, und wir lassen uns nicht von euch reinreden." Einige völlig unbescholtene Bürger verloren dabei ihre Autos, weil sie gerade zur faschen Zeit am falschen Platz waren und kurzerhand in Brand gesetzt wurden. "Was können wir tun?" "Wo sind die guten Kräfte in der Gesellschaft?" Solche Fragen werden heute ganz offen in den lokalen Zeitungen gestellt. Von Betroffenen bis zu Politikern. Man sollte meinen, dass Gemeinde die ultimative gute Kraft in jeder Gesellschaft sein sollte, wo es Gemeinde gibt. Doch es ist nicht leicht für Christen, sich das einzugestehen und dann auch auszuleben. Es ist einfacher, alle guten Kräfte nur intern zu verwenden. Wer will schon mit Leuten abhängen, die,...

Don't worry - be grateful!

Liebe Gemeinde Europas - an Deinem Geburtstag machst Du Dir vielleicht ein paar Gedanken über Deine Zukunft. Und wahrscheinlich wirst Du Dir in kommenden Jahren immer mehr Gedanken darüber machen. Nicht unbedingt, weil Du älter wirst, sondern weil Dir dieser Muskelschwund zu denken gibt. Liebe Gemeinde Europas, es mag in der Tat Besorgnis erregend sein. Doch mach Dir bitte nicht zu viele Gedanken. Du bist nicht nur stärker, als Du denkst (und wirst es auch immer bleiben), Du hast vor allem etwas zu bieten, was niemand sonst, wirklich keiner (mit K! - auch nicht einer!) zu geben hat. Das mag zwar im Gegröhle der Welt leicht übersehen werden, aber das macht überhaupt gar nichts. Die wirklich interessanten und attraktiven Persönlichkeiten sind jene, die sich in aller Demut ihres besonderen Wertes bewusst sind; solche, die sich sowohl geliebt wissen als auch selber lieben können. Als kleine Aufmunterung zum heutigen Pfingsttag schenke ich Dir eine kleine Webseite. Es ist mein ganz pers...

Wer erntet die dicksten Kartoffeln?

Wer es noch nie gesehen hat, dem sei es hiermit gezeigt: Unsere Gesellschaft setzt sich aus vielen Subkulturen zusammen. Das Bild ist ein Beispiel für Deutschland, wo sich das Sinusinstitut in seinen sogenannten "Milieustudien" auf zehn Milieus oder Kartoffeln begrenzt. Sinus macht solche soziologischen Studien in erster Linie für Firmen, die ihr Produkt möglichst punktgenau in einer passenden Zielgruppe vermarkten wollen. Es ist eine fantastische Brille, mit der man klarer sehen kann, mit wem man es eigentlich zu tun hat und wie die gewünschten Kunden so ticken. Wenn sich Pastoren, Pfarrer oder ganz normale Christen diese Brille auf die Nase setzen, sehen die meisten entweder rot oder schwarz. Einigen wird auch gerne schwindelig oder sogar so schlecht wie bei einem Horrortrip. Warum nur? Weil Sinus ebenfalls herausgefunden hat, dass Kirchen und Gemeinden, völlig egal welcher Farbe, Konfession oder Denomiation, fast ausschließlich aus einem ca. 15% großen Segment am lin...

Theologie für jeden Tag

Unter "Alltagstheologie" versteht man offenbar vor allem den Alltag der Theologen wie Pfarrer oder Pastoren. Nur selten wird eine Autopanne, die entlaufene Katze, Entzündung, Büroformulare oder eine WM mit "Theologie" in Verbindung gebracht. Genau hier liegt ein Problem. Theologie ist weltfremd geworden. Vergangenen Sonntag machten wir ein Experiment. In Gruppen aufgeteilt, sollte jede H2O-Gruppe ein jeweils gerade aktuelles Alltagsereignis oder Problem identifizieren. Hatte man sich auf eine Sache geeinigt, ging es daran, den eigentlichen Kern der Sache zu finden: Wo liegt die Wurzel des Übels oder des Ereignis? War das gefunden, stellte sich die Frage, ob es in der Schrift (d.h. Bibel) vielleicht irgendwo das gleiche Problem oder ähnliche Vorkommnisse gibt. Welche? Wo finden sie sich? Gibt es vielleicht andere Texte, Psalmen oder Geschichten, die einem passenderweise in den Sinn kommen? Welche? Danach ging es darum herauszufinden, ob in der Kirchengeschic...

Alltagstheologen

So sehr man die Kirche auch kritisieren kann, sie hat der westlichen Gesellschaft unbezahlbare Dienste erwiesen. Nehmen wir allein unser Ausbildungssystem. Heute als selbstverständlich hingenommen und als "mein Recht" erwartet, so waren es einst vor allem Christen, die sich für die Einrichtung qualifizierter Ausbildungen eingesetzt haben. Oder nehmen wir den Dorfpfarrer. Er spielte auch deswegen eine besondere Rolle in der Dorfgemeinschaft, weil er als hochgebildeter und doch volksnaher Mitbürger den Menschen jeden Sonntag das Leben verständlich machte - jenen, denen Ausbildung versagt war. Was einst ein Segen war, ist für heutige Gemeinden ein Problem. Heute, wo jeder mindestens mal einen Hauptschulaubschluss hat und allein dieser unendlich besser ist als gar keine Bildung; heute, wo unser Hirn Dinge bearbeitet, die selbst unsere gebildeten Vorväter noch für pure Zauberei gehalten hätten, heute also, im 21. Jahrhundert, überlassen Christen die Theologie nach wie vor dem...