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Posts mit dem Label "Leid" werden angezeigt.

Die Lehre der Leere (17): Die Landung

Theresa von Avila auf einem Gemälde von Rubens. Foto: David Monniaux - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129907 Die Landung kam unerwartet. Nach wochenlangem Fall durch's Dunkel kann man nur unerwartet landen. Der Aufprall war weder hart noch sanft, aber deutlich und direkt in Gottes Hand. Es geschah im Workshop Gelebte Spiritualität , eine winzige Gruppe, in der ich nur saß, weil meine Frau teilnahm. Niemand konnte sich verstecken. Zu Anfang bat die Workshopleiterin jeden Teilnehmer zu sagen, wie viel oder wenig man über Theresa von Avila wisse. Als mir das Wort erteilt wurde, antwortete ich ganz ehrlich. Schließlich wusste ich nicht mehr über sie, als dass der Künstler Bernini die junge Theresa in einer Statue abgebildet hatte, die heute in einer Kirche nahe des Hauptbahnhofs in Rom steht. Theresa sah aus, als genieße sie gerade einen wahrhaft himmlischen Orgasmus. Was sie mir nie unsympathisch machte. Worauf ich einen Ellebogen...

Gebetskrücken

Mein schwedisches Gebetsbuch Wenn's dick kommt, leidet das Gebet. Soviel ist sicher. Es erfordert Disziplin, aus überquellenden Terminkalendern regelmäßige Gebete auszugraben, die mehr sind als nur Stoßgebete. Und wenn man mal kurz Zeit hätte, zum Beispiel im Bus oder Wartesaal, fehlen die betenden Worte. Man ist müde und das Hirn zu blank zum Beten. In den letzten Jahren habe ich versucht, Wege zu finden, mein Gebet trotz langer, voller Tage zu fördern. Denn ein lebendiger Kontakt zu Gott ist (über-) lebenswichtig für mich. Lobpreismusik hilft mir nicht, meist weil mir die ewig sonnigen Texte zu flach und zu ich-mir-mein-mich-bezogen sind. Sie spiegeln kaum mein Seelenleben wider. Vor Jahren entdeckte ich eine unerwartete Ressource: Das Stundengebet. Erst war ich etwas empört, dass so viele schwedische Freikirchler so bereitwillig eine "katholische" Tradition in ihr Gebetsleben einbauten. Außerdem reagiere ich seit dem Konfirmandenunterricht in der evangelischen ...

Lehre uns bedenken...

Bahre für rituelle Totenwaschungen In den vergangenen Wochen muss Gott gewollt haben, dass ich unabhängig voneinander mehrere Menschen treffen sollte, die sich gerade mit dem Tod beschäftigen. Und obendrein war ich heute im Leichenhaus der Göteborger Uniklinik, um meinen ALT-Studenten zu helfen, anderen Menschen zu helfen, denen der Tod in den Weg getreten ist. Es ist interessant und aufschlussreich zu beobachten, wie unterschiedlich man dem Tod begegnet. Doch der Trend unserer Zeit ist eindeutig Verdrängung: Bloß nicht drüber nachdenken - bis man eines Tages muss. Die zweitgrößte Gruppe (und dies ist keine repräsentative Statistik sondern meine eigene Beobachtung über viele Jahre) sind jene, die bedenken, dass sie sterben wollen (nicht müssen). Nicht wegen einer schweren Krankheit, von deren Schmerzen sie befreit werden möchten. Es ist die Pein des Lebens und der Seele, welche die Gedanken immer wieder in Richtung Freitod drängt. Nur wenige wagen den letzten Schritt; gut, dass...

Die Leere war eine Lehre

Angeredsbron  "Bitte lass mich auch die andere Seite sehen!" war mein wiederholtes Gebet beim Anblick der vielen Häuserfassaden während der ausgiebigen Gebetsmärsche im ersten Jahr unseres außergewöhnlichen Dienstes. Es dauerte seine Zeit, doch Gott antwortete. Die Türen, die mir in den Jahren danach in die unterschiedlichsten Wohnstätten geöffnet wurden, führten mich in vielen Fällen in eine Welt der Verzweiflung. Alkohol- oder Drogenmissbrauch, völlige Einsamkeit, zerbrechende Beziehungen, Oberflächlichkeit, Krankheit, Angst. Mal mehr, mal weniger. Mal überdeutlich, mal subtiler.  Manche von denen, die ich dort antraf, waren in religiösen Familien groß geworden und haben sich aus diversen Gründen wieder vom Glauben abgewandt. Oder sie kämpften mit ihrer religiösen Vergangenheit. Viele, sehr viele andere hatten aber so etwas wie Glauben, der das Leben prägt, nie erlebt.  Meine Augen sahen eine Menge Menschen, meine Ohren hörten unzählige Geschichten, mein...

Er ist wirklich auferstanden!

In Zeiten wie diesen kann das Leben beschwerlich wirken. Terror, Flugzeugentführungen, Unglücke oder Flüchtlingsdramen, und all das gepaart mit dem ganz normalen Alltagswahnsinn wie Stress in der Arbeit, der Ehe, der Familie, mit Krankheiten, you name it. Da kann es schon mal sein, dass der Seele mehr Kraft entwrungen wird als nachgetröpfelt kommt. Ich weiß genau, wovon ich rede. Und ich weiß, welche Strategien es gibt, um sich selbst das Gefühl zu geben, nicht völlig vor die Hunde zu gehen. Augen zu und durch, lautet eine. Das Herz zum Flummi werden lassen, an dem alles abprallt und nichts hängen bleiben darf, ganz besonders keine Gefühle. Kopf in den Sand stecken ist auch sehr beliebt. So tun, als wäre alles bestens und die Scheuklappen immer schön so ausrichten, dass man nur den eigenen Blumentopf sieht. Alkohol und Drogen stehen ebenfalls hoch im Kurs. Berauscht vergessen können und ein bisschen Glück spüren. Manche werden aggressiv. Weil Angriff als die beste Verteidigu...

Jahreslosung 2016: Trost, bitte!

Willkommen im Jahre 2016 a.D.! Jesaja ist ein faszinierendes Buch der Bibel. Nicht nur, dass es 66 Kapitel hat - genausoviele wie die ganze Bibel Bücher enthält. Jesaja hat außerdem zwei Teile, die auch Nichttheologen deutlich unterscheiden können. Der erste Teil hat genausoviele Kapitel, wie das Alte Testament Bücher, und der zweite so viele wie das Neue Testament. Die Jahreslosung 2016 stammt aus dem letzten Kapitel Jesajas, wo viel von der Neuen Schöpfung die Rede ist. Doch auch die 65 vorlaufenden Kapitel handeln viel von Trost und Hoffnung.  Wie treffend, nach 2015 von Trost zu reden. Zum dritten Mal habe meine Gedanken musikalisch zusammengereimt. Zum ersten Teil des Liedes inspirierte mich ein Gedicht, was mir ein ALT-Student gab. Im Frühjahr machte er ein Auslandssemester in Ägypten und bekam alle Reaktionen auf den "Racheakt" direkt mit. Der Student brachte mir das Gedicht " Two Rows " (zwei Reihen) mit, welches kurz nach der Tat von der ägyptischen Bib...

Trauer in Trollhättan

Er war erst 21. Laut Polizei folgte er einem gut bekannten Muster. Still und unauffällig, manchmal vielleicht etwas zu still und etwas merkwürdig, aber sonst ruhig und nett. Doch innerlich gärt ein Hass auf irgendetwas. Manchmal gibt es Signale darauf, dass tief drinnen etwas nicht stimmt, doch diese Signale sind selten so deutlich, dass sie wirklich ernst genommen werden. Manchmal gibt es keine solchen Signale. Dann ist es zumindest für die Polizei unmöglich, etwas im Voraus zu erahnen. An die 5000 Menschen nahmen an der traurigen Manifestation gegen Gewalt und Fremdenhass teil. Auch H2O. Letzte Woche vor den Herbstferien. Für den Schweden war es dann so weit. In den Tagen vor dem Schlag zieht er sich einschlägige Naziseitenseiten an, hört rechtsextreme Musik im Netz, achtet genau auf die Texte, klickt "like". Am Donnerstagmorgen zieht er einen Nazihelm, eine Maske und einen Darth-Vader-Mantel an. In der Schule angekommen, glauben die Schüler zuerst, dies sei ein Hall...

Ungerecht.

Wenn ich wie vorgestern über Leid schreibe, dann denke ich über Ostern besonders an die unschuldig hingerichteten christlichen Studenten in Kenia. Die kursierenden Fotos der herumliegenden Leichen möchte ich euch ersparen. Doch wo bleiben die Proteste? Die Massensammlungen gegen Gewalt? Die prominenten Polikerstimmen? Der Unterschied liegt vermutlich darin, dass im Januar in Paris zwar deutlich weniger erschossen wurden, doch dort handelte es sich um Europäer. Wichtiger noch, es waren nicht irgendwelche, es waren Medienleute. Noch wichtiger, es waren Propheten des Säkularismus, die stolz darauf waren, null Respekt vor Religionen zu haben. Es waren Menschen, die wagten zu zeichnen und zu sagen, was alle Europäer irgendwo doch sowieso denken, nicht wahr? Wenn solche Menschen unschuldig erschossen werden, dann weckt das starke Gefühle. Kenia? Das waren doch bloß Afrikaner. Und vor allem, es waren bloß Christen. Es lässt ein politisches korrektes Kopfschütteln machen, doch wenn es übe...

Dem Tod ins Auge sehen

Ein Krankenhausseelsorger mit über 40 Jahren Erfahrung zeigte uns die verschiedenen Räume des Göteborger Leichenhauses - hier der Platz, wo rituelle Waschungen für Angehörige möglich sind. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden . Das betete ausgerechnet Mose, der den Tod Zeit seines Lebens täglich vor Augen gehabt haben muss. Was sollen wir da sagen? Wir haben heutzutage das Leid und die Endlichkeit dieses Lebens vollends aus dem Alltag verbannt. Ein buntes, lustiges Leben genießen ist ja auch schöner als Schmerz und Übel. Nur wenn Freund Hein dann plötzlich doch anklopft, steht vielen das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Christen machen nicht unbedingt eine Ausnahme. Gerade in Kreisen, wo Heilung stark betont wird, verkümmert der hilfreiche Umgang mit Leid und Trauer. "Ich empfehle euch, aktiv in Trauersituationen hineinzusprechen" empfahl der Chef der Göteborger Krankenhausseelsorge einer kleinen Gruppe Studenten, für die ich ein...

Gottes "Heute"

Gott steht über der Zeit, tausend Jahre sind wie ein Tag für ihn - und umgekehrt. Bei uns Menschen ist das anders. Wir wurden vom Zeitlosen bewusst in die vierte Dimension hineingeschaffen. Zeit ist nichts sündiges und auch keine Folge des Sündenfalles, es ist also kaum damit zu rechnen, dass Gott die Zeit abstellen wird, wenn wir nach diesem Leben zu Ihm kommen werden. Die Ewigkeit werden wir buchstäblich als eine solche empfinden, als eine endlose Reihe von Stunden, Tagen, Monaten, Jahren. Das Schöne wird sein, dass es für die Geretteten kein Leid oder Langeweile geben wird, es wird nichts mehr geben, was "endlich" einmal aufhören möge. Anders als in diesem Leben. Hier gibt es viel, das uns zusetzt, das gelindert gehört, wir uns wegwünschen. Manche erleben so viel davon, dass sie ihrem Leben sogar freiwillig ein Ende setzen, die Endlichkeit scheint für sie die vermeintlich letzte Hoffnung zu sein. Diese Dinge sind allerdings in der Tat eine Folge des Sündenfalls. Und ...

Eine Vorschau des großen Masterresets (Mittwoch der Karwoche)

Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und rief: "Gott sagt: 'Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein', ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!" ( Matt 21,12-13) Da kamen Blinde und Krüppel, und er heilte sie im Tempel. (Matt 21,14) Lies die Texte mehrere Male und bitte den Heiligen Geist, Dich zu leiten. Herr, Du bist sehr aktiv. Du gehst, Du jagst, Du stößt um, Du rufst. Und dann sind da plötzlich die Unvermögenden, die Schwachen; erst nachdem Korruption und Verlogenheit gestürzt wurde, wagen sie sich hervor, erst dann werden auch sie sichtbar. Und Du heilst sie. Nach Deinem Einzug in Jerusalem machst Du sehr deutlich, wie es nach Deinem Zweiten Kommen abgehen wird, wie die große Wiederherstellung einmal aussehen wird: Geldgeilheit, irdische Macht, Konsum, Heuchlerei, religiöse Verlogenheit, Du wirst alles umstürzen. Das wird der große Tag des Geric...

It's a broken world

Als ich vor vier Jahren begann, regelmäßige Gebetsmärsche in der Stadt zu machen, war eins der Hauptanliegen, Einblick in das Leben hinter den Fassaden zu bekommen. Nach nunmehr vier Jahren scheinen diese Gebete langsam erhört zu werden. Selten bekam ich so viel Einblick in das Leben ganz unterschiedlicher Menschen wie in der vergangenen Zeit. Und was sehe und höre ich? Es sind Geschichten von Unfällen, Krankheiten, Todesfällen. Es sind Beziehungsprobleme, Vergangenheitsprobleme, Alkoholprobleme. Es ist Verzweiflung, Unsicherheit, Einsamkeit. Ich gebe zu, mir wird es fast ein bisschen viel. Ich werde überwältigt von der Last der Menschen und fühle mich macht- und hilflos. Ich frage mich: Was sind wirklich gute Nachrichten für diese Menschen? Wie kann ich sie ihnen bringen? Ein paar zusammenhangslos aufgesagte Bibelverse sind wertlos. Es gibt keine 0-8-15-Lösung. Jeder Fall ist einzigartig. Ich bete und bete. Und bete, dass der Herr sich ihnen offenbaren möge. Und dass ich, wie Adria...