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Posts mit dem Label "Kultur" werden angezeigt.

Leitung verstopft?

Tja, nachdem eure Traumdeutungsfähigkeiten ganz deutlich doch eher unterentwickelt zu sein scheinen - die Anzahl der eingegangenen Deutungsversuche meines Traumes kann ich jedenfalls an den Fingern eines Ohres abzählen - wende ich mich nun wieder ernsthaften Dingen zu (obwohl, wer sagt eigentich, dass prophetische Traumdeutung nichts Seriöses ist?! Joseph oder Daniel waren da extrem seriös!*). Wenden wir uns also stattdessen z.B. dem ebenfalls sehr ernsten und völlig unterschätzten Problem unterschiedlicher Leitungskulturen zu. Im Augustclip hatte ich ja ganz mysteriös angedeutet, dass meine Rolle als Europadirektor für den Rest des Jahres mal ganz anders aussieht. Auf die Frage "Warum?" gibt es viele Antworten. Hier ist eine. Uns ist selten bewusst, wie unterschiedlich Führungsstile in anderen Ländern aussehen. Man sieht's ja auch nicht von außen. Selbst, wenn man Teil einer anderen Arbeitskultur ist, geht man immer automatisch davon aus, dass alles so ähnlich sei...

Sind Schweden die glücklichsten Menschen?

Jeder Schwede weiß, dass die Deutschen Skandinavien mögen. Schweden scheint besonders beliebt zu sein. Daher stellen mir schwedische Freunde immer wieder die zaghafte Frage men varför? - warum eigentlich?! Meine Standardantwort ist, dass Deutschland nur 0,8 mal so groß wie Schweden ist, dafür aber 8 mal so viele Einwohner hat. Doch die Deutschen lieben Wald, Natur und ihre Ruhe. Während germanische Energieriesen deutsche Forste kleinhäckseln, findet man in Schweden immer noch totale Stille in scheinbar unberührter Natur. Deswegen hat ein mit Dachzelt, Elchaufklebern und fetten Reifen bespickter Landrover auf schwedischen Straßen immer ein deutsches Kennzeichen - als Deutscher muss man einfach dahin kommen, wo einem keiner mehr auf den Senkel geht. Diese Urlaubsstimmung trägt wahrscheinlich dazu bei, dass Skandinavien als kleines Paradies in greifbarer Nähe erlebt wird. Die ZDF-Mediathek ist gefüllt mit Inga-Lindström-Filmen voll strahlender Sonne und Falunröd . Der Journalismus hat ...

Fromm à la Amerika?

Vor 18 Jahren begann mein Theologiestudium als Folge einer langen Serie unerwarteter Ereignisse. Plötzlich war ich als 33-jähriger dreifacher Familienvater und bayerischer Dorfbewohner offiziell Student einer US-amerikanischen Universität geworden. Spannend für einen, der Kontraste mag. Auch wenn ich in meinem ersten Kurs wohl eher Englisch als Ethik lernte, genoss ich die Andersartigkeit. Allein die Bibel auf Englisch zu lesen fühlte sich an, als hörte ich die Geschichten zum allerersten Mal. Man sieht, wächst, versteht, fragt, wundert sich. Seit 18 Jahren lerne und arbeite ich mit vielen Amerikanern. Ist mein dadurch heute etwas amerikanisch gefärbter Glaube nun volljährig geworden? Ich sehe nach wie vor viele Stärken der amerikanischen Kultur. Der unternehmerische Optimismus, die Leichtigkeit, über Spiritualität zu reden, der Spaßfaktor oder allein das Wort commitment sind nur einige positive Beispiele, die uns in Europa eher abgehen. Deswegen halte ich das internationale Zu...

Die Lehre der Leere (10): Große Fragen

Gefühllos im Nebel treiben, nicht wissen ob, wann, wie man aufprallt, war ungemütlich. Hoffentlich war Gott wirklich da. Warum war es überhaupt zu jener Leere gekommen, der ich mich nun stellte? Das war die große Frage der Stunde. Ich nahm mir Zeit, in die Leere zu horchen. Hörte die vergessene Stimme eines Zeltevangelisten. Vor vielen Jahren predigte er im Süden Bayerns: "Die Antworten auf die großen Fragen des Lebens sind ganz einfach!" . Er wollte den Hörern Jesus nahebringen, die ultimative Antwort auf jede Frage. War das Leben wirklich so simpel? In freikirchlichen Kreisen wohl schon. Freikirchler, zumindest meine Generation, hatten eine Tendenz zu einfachen Schablonen. Blieb man unter sich, war das kein Problem. Ging man aber "in die Welt", außerhalb frommer Kreise, wurde immer schnell die Spannung deutlich. Vielleicht taten sich Christen deswegen immer so schwer mit Mission. Freikirchliche Mission war meine Sendung geworden. Ein Jahrzehnt hatte i...

Zero Commitment

Young 'n brave 'n wild: Ole und Athene (Fotograf: Svea Nadia Fritsch) Vor knapp zwei Wochen habe ich meinen Sohn verheiratet. Welch ein Erlebnis. Noch heute bin ich voll auf Endorphin: Sonne, Fest und Stolz auf Sohn und Schwiegertochter. Die zwei sind wunderbar, kommen aus stabilen Familien, die ihren Vorbildern in den kommenden 65 Jahren nacheifern wollen. Allen, die uns weder auf Instagram noch Twitter oder Facebook folgen, werde ich irgendwann ein paar Bildchen auf new-reformation-privat einstellen. Doch im Rausch der Glückshormone schmecke ich auch einen Wermutstropfen. Der hat nichts damit zu tun, dass nun auch das zweite Kind Vater und Mutter verlassen hat. Die Tatsache, dieses Ziel erreicht zu haben, macht mich nur noch stolzer. Der Wermutstropfen kommt nicht aus der Familie, sondern aus der Gesellschaft, in der wir leben. Nie habe ich nämlich so viele verstörte Blicke und Kommentare erhalten. ”Was?! Die heiraten?! Ja, wie alt sind die denn?! Was, 21?! SO JUNG...

Angenommene Vermutungen

"Wat is en Dampfmaschin?" fragte Lehrer Bömmel "Da stelle mer uns ma janz dumm..." Manchmal isset jar nich so verkehrt, sich janz dumm zu stelle und so zu tun, als wüsste man gar nichts. Denn wer nichts weiß, muss alles lernen. Wer glaubt zu wissen, passt nicht auf. Der Schlaue fragt, wie meinst du das? Der Dumme glaubt, er weiß es schon. In jeder Beziehung gibt es Dialoge, die perfekt aneinander vorbeireden. Jeder glaubt zu wissen, was der andere meint, und damit verfehlt jeder sein Ziel. Im schlimmsten Fall erreicht man sogar genau das Gegenteil von der eigentlichen Absicht. Nach zehn Jahren internationalem Dienst weiß ich sehr gut, wovon ich rede. Im interkulturellen Umgang vervielfacht sich das Potential zum gelungenen Missverständnis. In fast jedem einzelnen Fall war die Annahme, man wisse ja schon, was der andere meine, der fatale Auslöser zu lustigen und weniger lustigen Verstrickungen. Ganz besonders jetzt spüre ich das, jetzt, wo ich seit zwei J...

Coaching

Ähem..., das war wohl ein Missverständnis. Wir meinten eigentlich nicht diese Art von Coach! Seit ich in meine Rolle als Regionalleiter Europa gekommen bin, versuche ich, Strukturen für Gemeindegründer zu schaffen, wo Kreativität gefördert wird, missional gedacht und gehandelt und gute Theologie nicht vernachlässigt wird. Als eine Art Aorta strebe ich ein gutes Coachingkonzept an, das internen wie externen Mitarbeitern ein gutes Wir-Gefühl vermittelt. Doch dann stellt sich immer wieder heraus, wie viel unsere Organisation in punkto kulturelle Vielfalt noch zu lernen hat. Unsere meisten Strukturen traditionell nordamerikanisch geprägt, und da ist viel Gutes dran, und dennoch passt es nicht wirklich in den europäischen Kontext. Außerdem ist die Annahme, dass sich Amerikaner und Europäer sich recht ähnlich sind, ein verflixtes Ding. Denn amerikanische und europäische Kultur ähneln sich nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten und dritten ist's vorbei mit der Ähnlichkeit. Und d...

Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend H2O ist nach wie vor eine sehr kleine Gemeinde. Eine Brücke zu bauen, die sich über einen so großen Abgrund erstreckt, ist ohne Hilfe unmöglich. Sich sowohl in der Bibel als auch in der heutigen Kultur zu verankern, wird uns spannen wie eine Streckbank. Wir brauchen eine Stütze in der Mitte, etwas, wo man Gewicht ablegen kann. Für uns ist diese Stütze die Gemeinde generell, der Leib Christi, die weltweite Kirche, wie auch immer man es benennen mag. Wir sehen uns verbunden mit unseren Glaubensgeschwistern der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Tatsache, dass die Kirche nie perfekt war, sondern im Gegenteil stets mit Flecken und Fehlern behaftet war und ist, macht es für uns eigentlich nur noch interessanter. Denn wir erleben uns selbst auch nicht als perfekt und damit passen wir doch ganz gut zusammen. Außerdem können wir von allen Fehlern der Vergangenheit am meisten ler...

Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben Wohl jeder hat schon mal Leute getroffen, die in der Tat sehr tief in der Bibel verwurzelt sind, deren Füße aber leider nicht mehr auf dem Teppich blieben. Sie sind weder von dieser Welt noch in dieser Welt. Wie Außerirdische sprechen sie eine unverständliche Sprache und ihr Verhalten ist ebenso weltfremd. Solche Menschen können phantastische Denker sein und uns helfen, tiefer in die vielen versteckten Geheimnisse der Heiligen Schrift vorzudringen. Als Gemeindegründer sind sie jedoch nur begrenzt von Nutzen. Sie sind wie Pond d'Avignon , jene berühmte mittelalterliche Brücke im Süden Frankreichs, die es nur bis zur Mitte des Flusses geschafft hat. Sur le pond d'Avignon ist's romantisch schön - doch die Brücke ist nutzlos. Wir denken zum Beispiel an den Klerus in kunstvollen Gewändern oder in höheren Sphären schwebende Theologen, deren Sprache Kanaans uns rästel...

Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel  Eines der tiefgründigsten und eindeutigsten Gebote Gottes findet sich im fünften Buch Mose: Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore. (5Mos 6,4-9) Diese Worte wurden vor tausenden von Jahren gegeben, doch ihre Botschaft ist immer noch sonnenklar: Tu, was du kannst, um nie von Gottes Geboten abgelenkt zu werden. Simpel, oder? Bei uns im Westen finden ...

Könnte die Bibel wirklich so besonders sein?

Vor einigen Wochen war ich wieder auf dem jährlichen CA-Leadership Summit. Aus dem Thema unseres Summits 2012 (Gütesiegel missionaler Gemeinden) ist damals ein Buch entstanden: Grow, where you are planted (Wachse, wo du stehst - 12 Gütesiegel missionaler Gemeinden). Ich bin damals gebeten worden, ein Kapitel zu einem der Gütesiegel zu schreiben. Da ich nach wie vor die vollen Rechte an diesem Kapitel besitze möchte ich es Euch übersetzen und auf meinem Blog zum Lesen zur Verfügung stellen. Mir wurde Gütesiegel Nr. 2 anvertraut, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt: Reife, missionale Gemeinden wurzeln tief in der Schrift und sehen sich in enger Verbindung mit der Gemeinde der Vergangenheit und der Gegenwart.  Könnte die Bibel wirklich so besonders sein?  ”Wer weiß? Vielleicht ist dieses Buch namens ’Bibel’ ja etwas besonderes. Doch ehrlich gesagt ist es kaum verständlich, völlig veraltet und entweder sonderbar oder gruselig.” Mit dieser Haltung wuchs ich auf, ...

Die Zukunft planen

Erstmal ein dickes Dankeschön an alle, die an uns denken und für uns beten, auch wenn für einige Zeit nicht viel auf diesem Blog passiert. Die letzten Wochen waren intensiv und gefüllt. Diese Zeilen schreibe ich am Ende des Herbsttreffens unseres Leitungsteams. Das Team lebt verstreut in ganz Europa. Wenn man sich sonst nur online trifft - was ein extremer Vorteil ist, den die meisten Generationen vor uns nicht hatten - so braucht man trotzdem (oder erst recht?) immer wieder Gelegenheiten zur persönlichen Begegnung. Zweimal jährlich schaffen wir also Treffen zum Reden, Planen, Spaß haben und zum Neutapezieren irgendeinens Raums mit Flipchartblättern und Post-it-Zetteln. Seit Linus, Gründer und langjähriger Leiter von CA die Organisation in andere Hände übergeben hat, ist CA durch einige Veränderungsprozesse gegangen. Einer davon ist der nicht ganz einfache Übergang von einer überwiegend amerikanischen Organisation, die anfangs nur englischsprachige Gemeinden gründete, zu eine...

Geschichte in der Seele

Gustav Vasa wurde 1527 zum Oberhaupt der schwedischen Kirche eingesetzt - und der Papst damit abgesetzt. Alle Schweden waren fortan per Gesetz lutherisch. Wer das nicht wollte, wurde des Landes verwiesen. Anknüpfend an den vergangenen Blogpos t könnte man sich fragen, warum prostchristliche Menschen, die nie was mit Glauben zu tun hatten, sich nach der Bekehrung in "herkömmlichen", traditionellen Gemeinden wohler fühlen.  Dieses Jahr kam eine interessante Studie heraus, die einen Hinweis geben könnte. Abgesehen davon, dass wir nicht nicht wissen, ob die Neubekehrten nicht vielleicht doch aus der traditionellen sozialen Kartoffel kommen und wir außerdem davon ausgehen müssen, dass die meisten sich der Gemeinde anschließen werden, die sie zum Glauben geführt hat, spielt wahrscheinlich unser tiefstes Seelenleben eine größere Rolle, als man meinen will. Der Religionshistoriker David Thurfjell geht in seinem neu erschienenen Buch vom "gottlosen Volk" - d...

Sprachentwicklung

Dass Sprache nie stehenbleibt, ist nichts Neues. Sie geht treu mit uns durchs Dick und Dünn des Lebens. Damit wird sie zum Spiegel der Kultur. Anthropolgen lehren uns, dass die Art, wie ein Volk verbal kommuniziert, 10% der ganzen Kultur ausmacht. In vielen westlichen Ländern gibt es offizielle Stellen, die ihre jeweiligen Sprachen mit Argusaugen beobachten. In Deutschland ist eine solche Stelle als "Duden" bekannt. Was dort der Duden, ist hier die SAOL, die Wortliste der schwedischen Akademie. Und heute wird nach vielen Jahren die neue Auflage offiziell vorgestellt. Ein ganze Menge Wörter wurden wegen Veralterung oder politischer Unkorrektheit aus der Liste genommen. Es gibt nun keine schokoladig-süßen Negerküsse mehr. Und was Saul nicht tat, gelang SAOL, nämlich die Amalekiter vollständig zu eliminieren - zumindest im Wörterbuch. Auch wurden einige hierarchische oder Machtbegriffe wie zum Beispiel das Partizip "allbeherrschend" aus dem offiziellen Sprachgebra...

Verdammt in alle Einsamkeit

"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen - woher kommt mir Hilfe?" Ein uraltes, brandaktuelles Gebet aus Psalm 121. Manchmal hat man Offenbarungsaugenblicke. Wo Schuppen aus den Augen fallen und plötzlich alles klar wird, was man schon lange zu wissen dachte. Heute vor einer Woche war mir ein solches Erlebnis vergönnt. Vor Beginn unseres Teamtreffens hatte ich eins unserer CA-Projekte in Frankreich besucht; eine Arbeit, die sich auf das Zentrum einer mittelgroßen Stadt konzentriert, welches stark von nordafrikanischen Einwanderern bevölkert ist. Wir sprachen über die orientalische Hochzeit, die eine Woche vorher gefeiert wurde. Über Kulturen und Kulturunterschiede. Mit am Tisch saß eine Person von der anderen Seite des Mittelmeeres, welche nun zu Jesus gefunden hat. Alle waren auch sehr neugierig, wie es in Schweden ist, wie man Gemeinde ganz dort oben im Norden baut. Ich erzählte von der Schönheit des Landes, aber auch von der Geduld, die man braucht, um Beziehungen zu...

Kulturbeobachtungen: Drei Mosaiksteinchen

Christen sollten wissen, woher der Wind weht. Christen in Leitungsfunktionen erst recht. Manchmal muss man sich nur ins Wetter stellen, Finger anfeuchten und hochhalten; schon weiß man, welches Lüftchen weht. Anders gesagt: Manchmal muss man sich nur ins öffentliche Leben begeben und seine Augen und Ohren aufsperren. Hier ist das erste von drei kleinen Mosaiksteinchen, Beobachtungen, die ich innerhalb der letzten Wochen gemacht habe. Ich steige im Zentrum der Stadt aus der Straßenbahn und mir fallen einige Leute auf, die jeder für sich an irgendwelchen Ecken stehen und ein grünes Faltblatt lesen. Etwas später wird mir ebenfalls ein solches Faltblatt angeboten. Neugierig geworden durch die anderen, nehme ich es an. Der Flyer, der sich solchem Interesse erfreut, nennt sich "Einführung in den Islam". Ich packe ihn ein und gehe weiter.  Auf der Brücke über den Kanal fallen mir viele weiße Zettel auf, die auf dem Boden liegen. Auf der anderen Seite der Brücke stehen einige Me...

Ein paar Ergänzungen vom Hirsch

Das waren also die Jesusbilder, die ich immer wieder außerhalb der Kirchen antreffe. Was mich auf die Idee brachte, auch darüber nachzudenken, welche Jesusbilder  innerhalb der Kirchen zu finden sind. Trifft man dort vielleicht ähnlich anzusehende Jesusdarstellungen? Über diese Frage hat auch der messianische Jude Alan Hirsch oft nachgedacht, und der Einfachheit halber nehme ich ähnliche Kategorien, wie Hirsch sie in seinen Vorträgen oder in seinem Buch "Re-Jesus" verwendet. Die restlichen Formulierungen stammen jedoch von mir selbst. Der Frau-mit-Bart-Jesus Eines der beliebtesten Jesusbilder in Gemeinden ist wahrscheinlich der feminine Jesus, soft, lieblich, mütterlich. Allein sein Bart erinnert daran, dass wir es doch mit einem Mann zu tun haben. Der Frau-mit-Bart-Jesus führt wahrscheinlich dazu, dass man Jesus außerhalb Gemeindehäusern und Kirchenmauern nicht für einen kräftig-maskulinen Zimmermann, sondern eher einen "Schmalhans-Dünnbrettbohrer" hält. Der ...

Jesus? Gibbetnich! Ausrufezeichen!

Die wahrscheinlich letzte Teilmenger derer, die weder auf Jesus noch auf Kirche scharf sind, ist nach meiner subjektiven Erfahrung die kleinste: Ein Gruppe erstaunlich jesuskundiger, aber relativ aggressiver Atheisten. Hier weiß man ganz schön viel über das Leben Jesu, vor allem aber weiß man, warum das alles purer Blödsinn ist, Manipulation, Opium für das Volk. Die Bibel ist ein Märchenbuch, gefüllt mit lauter Fabeln. Wie kann man nur so dumm sein und solchen Lügen immer noch auf den Leim gehen? Ist es denn nicht offensichtlich, dass alles nur ein Machtspiel von Kirche und Staat war? "Halt du sie dumm", sagte der König zum Papst, "ich halt sie arm!" Alles abgekartet! Da ist doch klar, dass man so ein Druckmittel wie die Bibel erfinden musste, mit Drohungen wie die Hölle und einem Helden wie Jesus! Wir leben im 21. Jahrhundert, Mann!!! Wie kannst Du sowas denn noch ernsthaft glauben? Geschweige denn auch noch verbreiten ?! Ich denke, es erübrigt sich zu erwähnen, ...

Jesus, göttlicher Pontifex Maximus

Diese Teilmenge fühlt sich genau wie die Jesunator-"Gläubigen" sehr stark distanziert von Jesus - die einen wegen seiner Superpower, die anderen wegen seiner Heiligkeit. Man kennt Jesus nur mit dieser weihevollen Korona ums Haupt, glorreich die Leiden der Welt tragend, in sakraler Erhabenheit von religiösen Gemälden oder Ikonen auf uns herabblickend. Weil aber niemand anders in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder in der Familie einen ebensolchen Heiligenschein ständig mit sich herumträgt, bleibt, was Jesus angeht, nur eine einzige Schlussfolgerung: Jesus ist vollkommen weltfremd. Das wird in religösen Zirkeln aber gar nicht unbedingt als negativ empfunden, einige empfinden dies sogar als erstrebenswert. Allerdings ist es uns Sterblichen absolut unmöglich, diesen Level an Heiligkeit jemals zu erlangen. Es wäre viel leichter, morgen vom Papst heilig gesprochen zu werden, was ja auch nicht jeden Tag vorkommt. Und weil Jesus so würdevoll unnahbar wirkt, hat man zumindest in d...

Der Jesunator

Für andere wiederum scheint Jesus das krasse Gegenteil zum Dünnbrettbohrer zu sein. Ihnen dünkt Jesus als magischer Gigant. Anhänger dieser Teilmenge outen sich oft durch die Frage: "Bin ich Jesus?" - was soviel heißt wie "Bin ich Chuck Norris?!" und meist als rhetorische Antwort auf Fragen wie "Kannst du das bis morgen fertig haben?" oder "Weißt du, wann der Chef wiederkommt?" verwendet wird. In ihren Augen kann Jesus nämlich alles bis morgen fertig haben und weiß auch immer exakt, wann was mit wem passiert. Damit unterscheidet sich Jesus in unerträglichem Maße vom eigenen Alltagserleben, wo man manchmal überhaupt gar nichts fertigbringt, geschweige denn bis morgen, und auch sonst keinen Plan hat. Schön für Jesus, mag man denken. Insgeheim aber erweckt es den Anschein, dass "Jesus" und "Chuck Norris" tatsächlich austauschbare Begriffe sein können. Beide hält man für eine Art Schauspieler und all diese Heldengeschichten für ...