Direkt zum Hauptbereich

"Das Himmelreich ist ansteckend!"

Kein Himmelsvirus, sondern ein garantiert ansteckendes Höllenvirus, das laut SZ aber nun angeblich geheilt werden kann: HIV. Quelle: sueddeutsche. de
Die letzte Woche war echt stressig für mich. Nicht, weil grad alles zusammenkommt und viel zu tun ist. Eine 70-Stunden-Woche kann ich schon mal ganz gut ab. Es stresst mich aber, wenn ich das Gefühl habe, mit fusselig geredetem Mund auf Granit herumkauen zu müssen. Dann krieg ich dieses typisch säuerlich-beißende Stressgefühl in der Magengrube mit Unruheattacken, welche mich nachts nicht einschlafen lassen - obwohl ich Kraft für den Rest der Woche bräuchte.

Es stresst mich, liebe, nette Geschwister im Herrn immer wieder predigen zu hören, dass das Himmelreich ansteckend sei. Wer nur nahe genug an den Himmel (sprich: Kirche, Gemeinde, Christen, "das Wort", Jesus selbst) herankomme, der werde "kontaminiert" und früher oder später selbst ein Christ werden. Mein Stresslevel potenziert sich, wenn die lieben, netten Geschwister Fachkräfte sind und neue Gemeindegründer für das angeblich am meisten säkularisierte Land der Welt ausbilden.

Meine Einwände gegen die Theorie, dass sich bei richtigem Vorgehen eine Gemeinde innerhalb drei Jahren gründen lässt, die nach weiteren drei Jahren bereits die erste Tochtergemeinde gegründet hat, werden kaum gehört. Der Gedanke, dass damit jungen, motivierten Gemeindegründern ein Erfolgsmodell eingeimpft wird, welches sie nach drei Jahren leicht als ausgebrannte Versager fühlen lassen kann, stresst mich. 

Die Theologie, dass es keinen freien Willen gibt sondern jeder zwangsläufig angesteckt wird, der mit wahren Christen oder dem Evangelium in Kontakt kommt, stresst mich ebenfalls. Denn ich finde, dass allen Menschen soviel Respekt gebührt, auch "Nein!" sagen zu können.

Es gab einige Abende letzte Woche, wo ich nur schwer einschlafen konnte. Die Stimmung dieses Trainings für Gemeindegründer fühlte sich irgendwie weltfremd an. Es gab allerdings auch einen beruhigenden Gedanken. Es beruhigte mich zu wissen, dass diese lieben, netten Geschwister nicht Gott sind. Und dass Gott nicht wie sie ist. Gott weiß nämlich, wie es sich anfühlt, wenn man das Himmelreich zur Erde bringt doch kaum jemand "kontaminiert" wird. Er weiß, wie es ist, wenn man sich gegen ihn entscheidet, sich abwendet, wenn er in die Gleichgültigkeitszone geschoben wird. Und dennoch hat er Geduld. Gott brennt nicht aus und gibt nicht auf. Nicht nach drei Jahren, nicht nach sieben Jahren, nicht nach siebzig mal sieben Jahren.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine neue "Engelskala"?

Ich selbst kam gerade erst ins zweite Schuljahr, als die beiden Herren James Engel und Wilbert Norton ein Buch mit dem Titel " What's gone wrong with the harvest? " (Was ist mit der Ernte schiefgelaufen?) herausgaben. Nein, das Buch handelte nicht von Traktoren, Mähdreschern und Güllefässern, sondern um die Ernte der geistlichen Früchte, die Jesus von Kirche und Gemeinden erwartet. Und hier läuft ja bekanntlich so manches schief. Zur Veranschaulichung entwickelte Herr Engel, einer der Autoren, eine Skala. Auf dieser Skala konnte man leicht erkennen, wo man sich auf seiner geistlichen Reise gerade befindet. Als " Engelskala " - was nur etwas mit dem Namen des Erfinders und nichts mit Engeln zu tun hat - gelangte sie zu weltweiter Bekanntheit. Für alle, die noch nie eine Engelskala gesehen haben - so ungefähr sieht eine deutsche Version aus (von mir farblich etwas aufgepeppt): (zum Vergrößern auf's Bild klicken) Man liest die Skala im Prinzip von unten ...

Sola Gratia

Schschschau mal, ist das hoch zum Drüberspringen... Impuls Nummer drei: Gottes Maßstäbe gelten lassen (Hier geht's zum Anfang dieser lustvollen Serie) Ich möchte uns an eine alte, biblische Weisheit erinnern, von der wir heute nicht mehr so viel hören: Gottes Standards für den Menschen sind extrem hoch. Dieses Prinzip finden wir durchgehend in der ganzen Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Man lese nur einmal das Gesetz der Thora oder, wem das zu alttestamentlich erscheint, der darf sich gerne der Bergpredigt hingeben und ihrem Standard folgen. Viel Erfolg dabei. Zweitens sollten wir uns daran erinnern, dass Gottes Standards nicht verhandelbar sind. Gott hängt die Messlatte auf, wo ER sie haben will und dann hängt sie da. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Keinen Millimeter weicht Gott davon ab. Das gefällt uns Menschen nicht. Wir möchten gerne glänzen, als gut und richtig dastehen. Doch der Hauptzweck dieser hohen Messlatte ist es ja gerade, unsere menschlich...

Bewirken. Entfachen. Hervorrufen. Evozieren.

Serie: Missional Action Plan, Phase zwei  Das sind einige Synomyme für die zweite Phase unseres sogenannten Missional Action Plans, genannt Auslösen (initiate) . Was ist denn das? Nun, niemand glaubt heute noch, dass der Pfarrer den Menschen wirklich zu sagen hat, wie man was zu tun oder zu lassen hat. Eigentlich möchte sich heute überhaupt niemand noch was sagen lassen, solange man nicht ausdrücklich gefragt hat. Entsprechend ist auch niemand mehr scharf auf Predigten. Predigt, das klingt wie Standpauke. Epistel. Ermahnung. Wie Schelte und Zurechtweisung. Niemand* will sich also noch bepredigen lassen. Man geht entweder auf Konfrontation oder stellt die Ohren auf Durchzug. Das, was jahrhundertelang das Zentrum der kirchlichen Kommunikation war, die Predigt, stirbt aus. Stirbt aus? Ganz und gar? Keine Predigten mehr in Zukunft? Nein, so ist es auch wieder nicht. Römer 10,17 sagt ganz klar, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und damit wird die Predigt immer eine entsche...