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Schlechterwisser X.: Große Welt auf kleinem Schirm

So ändern sich die Zeiten: WiFi ist heute nach Wasser die Nummer 2 auf der Überlebensliste. Foto aus Camp Moria auf Lesbos. Hey, wir sind nicht die einzigen, deren Horizonte gerade erweitert werden. Das haben mich meine beiden Reisen nach Ragusa, Sizilien, und Mytilene, Lesbos, gelehrt. Beide Orte liegen in Ländern, die von der mangelnden EU-Solidarität auf peinliche Weise im Stich gelassen wurden. Denn laut dem Dubliner Übereinkommen sollen Flüchtlinge dort "abgefertigt" werden, wo sie die EU-Grenze überschreiten. Entsprechend können sich alle anderen Regierungen die Hände abklopfen und sagen: "Lass Griechenland und Italien mal machen. Schließlich ist das deren, nicht unser Problem." Doch sie haben die Rechnung ohne den Jobs gemacht. Denn der wichtigste Gegenstand der Flüchtlingskrise war nicht das Schlauchboot, sondern das Smartphone. Der wichtigste Treffpunkt in den Flüchtlingslagern ist die Ladestation. Die Welt ist vernetzt heutzutage. Europa kann sich au...

Gehaltene Augen

Der Sinn des Lebens ist es, "ein netter Mensch zu sein und das Beste draus zu machen". Glaube, vor allem der christliche, ist ein Tabuthema.  Mit dem Tod ist alles aus, man verwest und das ist auch gut so. Man fragt nie warum, woher, wohin. Die Aussagen beschreiben das Weltbild einer großen Zahl säkularer Menschen, ganz gewiss der Mehrheit der Skandinavier. Liegt ein Teil der Antwort in Mt 11,25? Kann der Mensch nicht sehen, was nicht offenbart wird? Macht Gott sich einen Spaß daraus, die vermeintlich Schlauen als große Dumme hinzustellen, wie man Jes 19,14 oder 1Kor 1,18ff lesen könnte? Scheinbar sind ja selbst wir Jünger auf Offenbarung über das Offensichliche hinaus angewiesen. Den sogenannten Emmausjüngern waren "die Augen gehalten", wie Luther übersetzt, und sie erkannten den Geliebten nicht. Ist geistliche Dummheit das neue Los des aufgeklärten Westens? 

Apropos Langsamkeit. Oder: Lesen macht dumm.

Als Ergänzung zu meinem (interessanten?) Blogpost zur Entdeckung der Langsamkeit möchte ich Euch gerne zu einem kleinen Wettbewerb herausfordern. Das geht so: Ich werde Euch einen kurzen Text geben, und Ihr messt die Zeit, die Ihr zum Lesen braucht. Es wird ungefähr eine gute Buchseite sein. Ich habe zum Lesen dieser einen Seite mindestens eine halbe Stunde gebraucht. Weil ich nicht nur ein langsamer Leser bin, sondern, wie der Schwede sagen würde, ein "scheißelangsamer". So ungefähr ging es vor sich: Es war sehr früh morgens. Wegen der langen Schlange an der Sicherheitskontrolle war ich einer der letzten, die das Flugzeug bestiegen hatten. Endlich saß ich an meinem Platz und schlug mein Buch auf, um weiterzulesen, begann eben jene Seite, die Ihr auch gleich bekommen werdet. Während sich meine Augen die ersten zwei Zeilen entlangschlängelten, fragte ich mich immer noch, warum die beiden Kinder hinter mir in der Securityschlange am Weinen waren, warum die beiden Mütter so...