Direkt zum Hauptbereich

„… weil du nicht predigst!“

Sprachkursfest, einige waren schon verreist, doch eine ganze Reihe der Kurskameraden kam, die meisten mit Partner. Einige Monate haben wir nun täglich mehrere Stunden verbracht und uns immer besser kennen gelernt. Es herrschte eine lustige und gelöste Atmosphäre. Gegen halb 12 wird plötzlich vom Balkon die Frage in die Küche gerufen: „Marcus, glaubst du eigentlich, dass es Geister gibt?“ Kaum habe ich meine Meinung dazu geäuβert berichteten einige von ihren übersinnlichen Erfahrungen. „Was geschieht eigentlich, wenn man stirbt?“ „Wer kommt zu Gott?“ „Ist Gott und Buddha eigentlich der gleiche?“ Meine Antworten werden sehr ernst genommen. Nach einigen Minuten ist alles vorbei, weil ein Glas umfällt und auf dem Boden zerspringt. Eine Stunde später werde ich nochmals gefragt: „Was ist das jetzt eigentlich genau, was du hier machst?“ Ich fasse meine Vision in Worte. Dann bekomme ich wahrscheinlich ungewollt und unbeabsichtigt das schönste Kompliment, das man mir hier je hätte machen können. „Wir glauben, dass es dir gelingen wird. Das ist eine tolle Aufgabe. Die Menschen vertrauen dir, weil du einer von ihnen bist. Sie hören dir zu, weil du nicht predigst.“

Menschen gestatten mir, zu predigen, weil ich nicht predige. Ein Paradox. Ein Gedanke, der mir heute sehr nachgeht, mich nachdenklich und gleichzeitig glücklich macht.
* * *
Language course party. Some were already in holiday, but many came with their spouses. We spent almost 6 months together, day by day, got increasingly acquainted with each other. We partied in a good mood. Round half 11 a question was shouted from the balcony into the kitchen: “Marcus, do you believe in ghosts?” I uttered my opinion when people started talking about their supernatural experiences. “Marcus, what happens, if one dies?” “Who comes to God?” “Are God and Buddha the same?” They took my replies very seriously. A few minutes later everything was over as a glass felt down and burst at the ground. One hour later another question, “Marcus, tell us again, what do you actually do in Gothenburg?” I expressed my vision. After that I got – probably not deliberately and totally unintentionally – the nicest and most beautiful compliment I could ever receive right now. “You will make it, you have a great task. People trust you, because you’re one of them. They listen to you, for you don’t preach.”

People allow me to preach because I don’t preach. A paradox. A conclusion which occupies my mind today, making me both thoughtful and happy at the same time.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine neue "Engelskala"?

Ich selbst kam gerade erst ins zweite Schuljahr, als die beiden Herren James Engel und Wilbert Norton ein Buch mit dem Titel " What's gone wrong with the harvest? " (Was ist mit der Ernte schiefgelaufen?) herausgaben. Nein, das Buch handelte nicht von Traktoren, Mähdreschern und Güllefässern, sondern um die Ernte der geistlichen Früchte, die Jesus von Kirche und Gemeinden erwartet. Und hier läuft ja bekanntlich so manches schief. Zur Veranschaulichung entwickelte Herr Engel, einer der Autoren, eine Skala. Auf dieser Skala konnte man leicht erkennen, wo man sich auf seiner geistlichen Reise gerade befindet. Als " Engelskala " - was nur etwas mit dem Namen des Erfinders und nichts mit Engeln zu tun hat - gelangte sie zu weltweiter Bekanntheit. Für alle, die noch nie eine Engelskala gesehen haben - so ungefähr sieht eine deutsche Version aus (von mir farblich etwas aufgepeppt): (zum Vergrößern auf's Bild klicken) Man liest die Skala im Prinzip von unten ...

Sola Gratia

Schschschau mal, ist das hoch zum Drüberspringen... Impuls Nummer drei: Gottes Maßstäbe gelten lassen (Hier geht's zum Anfang dieser lustvollen Serie) Ich möchte uns an eine alte, biblische Weisheit erinnern, von der wir heute nicht mehr so viel hören: Gottes Standards für den Menschen sind extrem hoch. Dieses Prinzip finden wir durchgehend in der ganzen Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Man lese nur einmal das Gesetz der Thora oder, wem das zu alttestamentlich erscheint, der darf sich gerne der Bergpredigt hingeben und ihrem Standard folgen. Viel Erfolg dabei. Zweitens sollten wir uns daran erinnern, dass Gottes Standards nicht verhandelbar sind. Gott hängt die Messlatte auf, wo ER sie haben will und dann hängt sie da. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Keinen Millimeter weicht Gott davon ab. Das gefällt uns Menschen nicht. Wir möchten gerne glänzen, als gut und richtig dastehen. Doch der Hauptzweck dieser hohen Messlatte ist es ja gerade, unsere menschlich...

Bewirken. Entfachen. Hervorrufen. Evozieren.

Serie: Missional Action Plan, Phase zwei  Das sind einige Synomyme für die zweite Phase unseres sogenannten Missional Action Plans, genannt Auslösen (initiate) . Was ist denn das? Nun, niemand glaubt heute noch, dass der Pfarrer den Menschen wirklich zu sagen hat, wie man was zu tun oder zu lassen hat. Eigentlich möchte sich heute überhaupt niemand noch was sagen lassen, solange man nicht ausdrücklich gefragt hat. Entsprechend ist auch niemand mehr scharf auf Predigten. Predigt, das klingt wie Standpauke. Epistel. Ermahnung. Wie Schelte und Zurechtweisung. Niemand* will sich also noch bepredigen lassen. Man geht entweder auf Konfrontation oder stellt die Ohren auf Durchzug. Das, was jahrhundertelang das Zentrum der kirchlichen Kommunikation war, die Predigt, stirbt aus. Stirbt aus? Ganz und gar? Keine Predigten mehr in Zukunft? Nein, so ist es auch wieder nicht. Römer 10,17 sagt ganz klar, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und damit wird die Predigt immer eine entsche...