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Schlechterwisser IV.: Was nicht beugt, das bricht

Flexibel durch's Leben tanzen Die Veränderungen um uns herum sind heute so gigantisch, dass fast jeder Tag zum Pilgerorientierungslauf wird. Ohne Hirte kein Weg. Ihm nachzufolgen heißt auch im 21. Jahrundert kein gemütliches, berechenbares Leben zu führen, sondern ständigen Wendungen und Überraschungen ausgesetzt sein - wie damals schon bei den ersten zwölf μαθητής. Christen müssten eigentlich diejenigen sein, die am Besten mit Veränderung umgehen können, schließlich züchtet der Meister unseren Glauben seit 2000 Jahren fast ausschließlich durch Veränderung und Ungewissheit. Wir sollten zur flexibelsten Gattung Mensch gehören, die die Welt kennt. (Fortsetzung folgt)

Schlechterwisser III.: Lernt von den Kindern!

Amen. Veränderung ist Glaube an eine Zukunft, die man noch nicht kennt. Der Glaube, das Ziel zu erreichen, lässt uns nicht aufgeben. Nur der Glaube, ein instabiles Rohrgestell auf zwei Rädern eines Tages galant zu beherrschen, lässt Kinder selbst mit blutigen Knien noch ein zweites Mal mal das Fahrrad besteigen. Junge Menschen sind uns darin Vorbilder, und wohl deshalb sagte Jesus, dass ausgerechnet sie uns lehren können, ein wahrer μαθητής zu bleiben. Als mein eigener Nachwuchs kollektiv aufhörte, Fleisch zu essen, war ich als Vater verärgert, persönlich getroffen. Warum wollten sie sich plötzlich von der liebevollen Tischgemeinschaft ausschließen, in der ich sie jahrelang fürsorglich großgezogen hatte? Doch als μαθητής, als lernender Vater, hatte ich viel tiefere Fragen. Und in diesem speziellen Fall stellte sich sogar heraus, dass ich noch nicht einmal zu verstehen angefangen hatte. (Fortsetzung folgt)

Schlechterwisser II.: Wir sind dran!

So oder ähnlich sahen wohl die ersten Noten aus (Quelle: Wikipedia) Auf dem Pfade der Veränderung führt mein Hirte mich manchmal aus dem dunklen, pieksigen Unterholz auf sonnige, freie Felsvorsprünge. Aussichtsplätze, von denen ich zurückblicken darf in die Täler des Wandels, durch die meine frommen Vorväter und -mütter gestrauchelt sind. Dort sehe ich Mönche, die Schulen und Universitäten gründeten. (Ob sie wussten, dass daraus einmal unsere heutigen Bildungssysteme erwachsen würden?) Sehe namenlose Nonnen und Diakonissen an der Seite Kranker und Sterbender. (Ob jenen Dienerinnen der Nächstenliebe bewusst war, dass sie den Samen unserer heutigen Gesundheits- und Sozialsysteme legten?) Ich sehe Anbeter, die Punkte und Striche erfanden, um ihrem Gott besser singen zu können. (Ob ihnen klar war, dass ihre Noten Jahrhunderte später auf dem ganzen Globus geschrieben und gelesen werden?) Während ich verzückt versuche, noch mehr Vorbilder zu entdecken, knackt es aus dem Bus...

Schlechterwisser

Lehrer Lämpel wiegt sich in trügerischer Gewissheit. Es wird wohl nie enden. Immer, wenn man denkt, nun hätte man verstanden und könne sich ausruhen, muss man kurz danach einsehen, mit dem Verstehen gerade erst angefangen zu haben. Mit allem geht es so. Sprache. Kultur. Der eigenen Frau. Klimaveränderung. Liebe. Zukunft. Gott. Nach der Einsicht beginnt die Entdeckungsreise auf der nächsten, dann der übernächsten Etage, bis man glaubt, nun aber wirklich begriffen zu haben, doch kurz danach... - ja, genau. Ich gebe auf zu glauben, irgendetwas je völlig zu verstehen und wähle stattdessen, ein Lernender zu bleiben. Dabei lerne ich unerwartet Demut, denn ein ewig Neugieriger kann nie als Professor Schlau auftreten, der wie eine Mastgans am Rohr mit künstlicher Weisheit gefoltert wurde. Vielleicht nennt man die Jünger Jesu deshalb μαθητής, Lernende, Schüler. Demütige. Wer jünger bleiben will, muss aufmerksam, flexibel sein, sonst wird man schnell wieder zum verlorenen Sc...

Gebetsclip im April

Philosophie einer Leiterin

Seit einigen Jahren bietet Communitas eine 18-monatige Fortbildung in Leitung und Menschenführung an, im Wesentlichen basierend auf dem Buch "The Leadership Challenge". Diese Woche wird der Kurs abgeschlossen, an dem Karen seit Herbst 2016 teilgenommen hat. Eine der abschließenden Aufgaben war es, die eigene Leiterschaftsphilosophie kreativ vorzustellen. Hier ist das Ergebnis (auf Englisch):

Fromm à la Amerika?

Vor 18 Jahren begann mein Theologiestudium als Folge einer langen Serie unerwarteter Ereignisse. Plötzlich war ich als 33-jähriger dreifacher Familienvater und bayerischer Dorfbewohner offiziell Student einer US-amerikanischen Universität geworden. Spannend für einen, der Kontraste mag. Auch wenn ich in meinem ersten Kurs wohl eher Englisch als Ethik lernte, genoss ich die Andersartigkeit. Allein die Bibel auf Englisch zu lesen fühlte sich an, als hörte ich die Geschichten zum allerersten Mal. Man sieht, wächst, versteht, fragt, wundert sich. Seit 18 Jahren lerne und arbeite ich mit vielen Amerikanern. Ist mein dadurch heute etwas amerikanisch gefärbter Glaube nun volljährig geworden? Ich sehe nach wie vor viele Stärken der amerikanischen Kultur. Der unternehmerische Optimismus, die Leichtigkeit, über Spiritualität zu reden, der Spaßfaktor oder allein das Wort commitment sind nur einige positive Beispiele, die uns in Europa eher abgehen. Deswegen halte ich das internationale Zu...

Gehaltene Augen

Der Sinn des Lebens ist es, "ein netter Mensch zu sein und das Beste draus zu machen". Glaube, vor allem der christliche, ist ein Tabuthema.  Mit dem Tod ist alles aus, man verwest und das ist auch gut so. Man fragt nie warum, woher, wohin. Die Aussagen beschreiben das Weltbild einer großen Zahl säkularer Menschen, ganz gewiss der Mehrheit der Skandinavier. Liegt ein Teil der Antwort in Mt 11,25? Kann der Mensch nicht sehen, was nicht offenbart wird? Macht Gott sich einen Spaß daraus, die vermeintlich Schlauen als große Dumme hinzustellen, wie man Jes 19,14 oder 1Kor 1,18ff lesen könnte? Scheinbar sind ja selbst wir Jünger auf Offenbarung über das Offensichliche hinaus angewiesen. Den sogenannten Emmausjüngern waren "die Augen gehalten", wie Luther übersetzt, und sie erkannten den Geliebten nicht. Ist geistliche Dummheit das neue Los des aufgeklärten Westens? 

Aprilschmerz

Gefrorener, ungrüner Frühling Eisiger Ostwind pfeift um die Ohren. Trotz blauen Himmels will so recht keine Farbe aufkommen, sind alle Böden und Seen immer noch gefroren, der Schnee schmilzt nicht, er verdunstet nur in der trockenen Luft. Ostern 2018 erinnert an Narnia. Der kalte Atem des " Beast from the East " hält alles in Winterstarre. Auferstehung? Davon ist nur wenig zu spüren. Trockenes Gras und kahle Bäume erinnern an wärmere Zeiten längst vergangener Tage. Eine Landschaft voller Symbole für den geistlichen Zustand unserer Zeit: Von geistlicher Erweckung ist ebenso wenig zu spüren. Eisige Winde ziehen über das Terrain und finden jede Ritze, durch die sie ins Innere dringen können. Wahrscheinlich hat Phil Zuckerman deswegen eine kahle Schneelandschaft als Coverfoto für sein Buch " Society without God " gewählt. Der Soziologe hat massenweise Dänen und Schweden über Religion interviewt. Dazu zog der Autor extra nach Skandinavien und war die ersten M...

Kleine Filmkritik: Maria Magdalena

[ A C H T U N G   S P O I L E R A L A R M ! ] Man kann sich leicht vorstellen, warum dieser Film wahrscheinlich nur von wenigen gemocht werden wird: Den einen ist er zu fromm und den anderen nicht fromm genug. Lion-Regisseur Garth Davis hat sich wahrscheinlich bewusst auf Glatteis begeben. Diesen Mut hat nicht jeder. Schnulzen, Monster, Superhelden versprechen heutzutage größeren Erfolg. Stattdessen nimmt Davis sich der unglaublichen Aufgabe an, Maria Magdalenas Hurenstempel fortzuwaschen, den ihr Papst Gregor "der Große" im sechsten Jahrhundert auf den Ruf drückte und der sich seither äußerst hartnäcknig gehalten hat. Bei der Onlinebestellung der Kinokarten zeigte sich, dass in allen Vorstellungen der nächsten Tage 60-90% aller vorhandenen Plätze noch verfügbar waren - Religion ist eben ein wachsendes Nicht-Thema in säkularen Gesellschaften. Doch auch religiös Interessierte, Evangelikale zum Beispiel, werden bestimmt kopfschüttelnd das Kino verlassen. Besonders bibel...

Gebetsclip im März

Vielleicht geht's jetzt ja um die Wurst. Und das, obwohl ich schon länger Vegetarier bin...

Gebetsclip im Winter

Dies war übrigens der allererste Gebetsclip, bei dem nichts schief lief (keine Anrufe, Vertreterbesuche, verrückten Hunde, runtergefallenen Sachen, Riesenversprecher oder andere unmögliche Pannen). Das kommt nur alle 57 Mal vor und sollte daher öffentlich erwähnt werden.

"Eine kreative Explosion"

Über eine "kreative Explosion" in schwedischen Gemeinden berichtete am vergangenen Freitag die christliche Tageszeitung Dagen . In einem größeren Bericht listete man aus dem ganzen Land alle möglichen Versuche auf, in einer neuen Zeit Gemeinde zu sein und zu leben, sei es als "Wohnzimmerkirche", "Messy Church" oder in vielen anderen Ausdrucksformen. Mich freuen an diesem Bericht vor allem zwei Dinge. Erstens ist es phantastisch, weil dringend nötig, dass immer mehr Christen, Leiter und Gemeinden einsehen, dass sich so manches ändern muss, wenn wir mit den extremen Veränderungen unserer Zeit mithalten wollen. Das gilt besonders in missionarischer Hinsicht, darf aber auch für das ganz normale Gemeindeleben nicht unterschätzt werden. Jeder 08/15-Christ lebt heute in einer ganz neuen Welt mit völlig veränderten Bedingungen und Voraussetzungen. Wenn unsere Gemeinden, Botschaften und theologischen Antworten sich immer weiter vom wahren Leben da draußen en...

The Winds of Change

Vor einem Jahr schrieb ich eine Serie über die Gemeinde der Zukunft . Wer glaubt, die Zeit der Veränderungen gehe langsam zu Ende, weil wir mittwerweile wüssten, wo der Hase lang läuft, wird bald sehen, dass dies eine Täuschung war. Jener Hase hat noch so manchen Haken auf Lager. Wir sind noch nicht mal am Ende des Anfangs aller neuzeitlichen Veränderungen. Gewiss, es hat immer wieder einzelne, bahnbrechende Ereignisse gegeben, die maßgeblich Menschheitsgeschichte schrieben. Manche rechnen die Entdeckung des Feuers dazu. Ich würde sofort an die Kreuzigung und Auferstehung Jesu mit dem folgenden Pfingsfest denken. Manchmal wird die Erfindung des Buchdrucks dazugezählt, die Entdeckung Amerikas, und die beiden Weltkriege haben auf krasse Weise Einfluss auf so viele große und kleine Dinge des weltweiten Lebens genommen. Doch alle daraus resultierenden Veränderungen waren immer "nur" die Folge eines abgeschlossenen Ereignisses. Irgendwann war das Feuer halt entdeckt und al...

Erster Gebetsclip 2018

Lang scho' nix mer g'schrieb'n...

Heutiges BGA-Gerät Das ist gleichzeitig gut und schlecht. Schlecht, weil keiner weiß, was denn so abgeht. Gut, weil man manchmal Zeiten der Rekalibrierung braucht. Aus meiner Zeit in der BGA (Blutgasanalyse) weiß ich noch sehr genau: Regelmäßige Kalibrierungen sind nicht nur wichtig, sondern nötig. Bricht man sie regelmäßig ab, verweigert das Gerät nach einer gewissen Zeit jede Messung und sagt " Kalibrierung überfällig ". Auch während der Kalibrierung sind keine Messungen möglich. Es werden nämlich Referenzflüssigkeiten gemessen, und das Gerät wird danach abgeglichen. Nur so werden richtige Ergebnisse ermöglicht, von den Messwerten hängt nämlich nicht nur die Gesundheit, sondern oft genug sogar Leben und Tod ab. Bei einem BGA-Gerät kann die Kalibrierung nach einigen Minuten fertig sein, ein Mensch ist da wohl etwas komplexer. Meine "Referenzflüssigeiten" sind vor allem die Bibel und der regelmäßige Austausch mit Gott. Und weil ich kein BGA-Gerät bin...

A guad's Neis!

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Mehr zum Bild und zur Familie findet sich auf unserem privaten Blog. Einfach diesem Link folgen.

Gebetsclip November

Neues aus Europa

Heute findet im wunderschönen Göteborg das EU-Gipfeltreffen statt. Alle Präsidenten, Staatsminister oder Kanzler der EU-Staaten (mit Ausnahme Finnlands, Zyperns und Deutschlands) beraten sich am Ufer des Götaälvs zum sozialen Fortschritt der Ländergemeinschaft. Sogar Theresa May ist gekommen. Alle Länder Westeuropas, in denen Communitas aktiv ist, sind (noch) EU-Mitgliedsstaaten. Aus diesem Anlass wäre es doch mal interessant, sich ein paar soziale Fakten und Trends des Europas von heute anzusehen. 71% der europäischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter hat eine Arbeit, und zwar 65,3% der Frauen und 76,9% der Männer. Frauen verdienen im EU-Durchschnitt 16,3% weniger als Männer.  In der EU hat man im Schnitt 33,8 Urlaubstage.  40% der 25-39-jährigen hat einen Universitätsabschluss. Damit hat Europa derzeit das höchste Ausbildungsniveau seiner eigenen Geschichte.  Im Jahre 2060 wird es 38 Millionen weniger arbeitende Europäer geben. Zur Zeit kommen auf je...

Happy New Reformation Day!

New Reformation - der Name ist Programm dieses Blogs. Heute jährt sich die "alte Reformation" zum 500. Mal. Überall sind Feste, Feiern, Austellungen. Doch ich bleibe dabei: Wer die Reformation heute am Lautesten feiert, wäre vor 500 Jahren ihr erbitterter Gegner gewesen. Denn die Reformation war alles andere als sicher und angenehm. Es war eine Zeit unglaublicher Veränderung, und unser menschliches Paradox ist, dass wir zwar immer Veränderung fordern, uns selbst aber nie verändern wollen. Die Reformation war eine Zeit großer innerer und äußerer Spannungen. Am meisten waren jene gegen Luther & Co., die etwas zu verlieren hatten, vor allem ihren Status Quo; am meisten waren die dafür , die etwas zu gewinnen hatten. Und heute? Heute genießt doch fast die ganze Bevölkerung einen um Lichtjahre höheren Alltagslebensstandard als damalige Fürsten und Könige. Vergleichen wir nur mal Kutschen und Küchen. Wenn heute eine echte Neue Reformation mit echten Lebenswerten des Neuen ...

Gebetsclip Oktober

Die Lehre der Leere (23): Der Hammerschlag

"Natürlich kann ich das!!!" Ich war zutiefst empört. Mit meinen 16 Jahren war ich es zwar gewöhnt, der doppellinkshändige Außenseiter in einer handwerklichen Familie zu sein, die ständig neue Renovierungsprojekte erfand, an denen ich selten mithelfen durfte. Doch dieses Mal, diese eine Mal wollte ich es allen zeigen! Die nagelneue, fast fertige, große Überdachung war mit großen Plexiglasscheiben versehen, und zwischen diese musste vorsichtig eine Dichtleiste mit einem Gummihammer eingeklopft werden. Man wollte es mir ausreden, versuchte, zu erklären, wie schwierig das sei und vor allem wie TEUER diese großen Scheiben waren. Doch hämmern war einfach! Ich hatte gerade erst im ersten Schlosserlehrjahr die Aufgabe gemeistert, einen gewöhnlichen Flachstahl allein durch gezielte Hammerschläge zu einer 8 zu formen! Alle sahen sich zweifend an, und dann reichte mir jemand wortlos den Gummihammer. Wie stolz ich war! Endlich war ich einer von ihnen! Sie trauten mir etwas Handwerk...

Die Lehre der Leere (22): Das Auto

"Zeige mir dein Auto, und ich sage dir, wer du bist!" So sprach vor vielen Jahren ein deutscher Arbeitskollege zu mir. Er glaubte, aus der Pflege und Sauberkeit eines Wagens den Charakter und die Lebensverhältnisse des Besitzers lesen zu können. Ich ließ ihn vorsichtshalber im Glauben, ein ganz ordentlicher Kerl zu sein und zeigte ihm nie mein Auto. Sonst hätte er noch gemeint, meine Seele sei befleckt, mein Geist verstaubt, meine Familie rostig, mein Denken habe einen Sprung und mein Leben zu wenig Bodenhaftung. Vielleicht stimmt das sogar, doch ich hätte sicher seine TÜV-Plakette als "guter Deutscher" aberkannt bekommen. Mein Auto war zwar nie mein liebstes Kind, doch immerhin war ich durchschnittsdeutsch - und damit waren mir Autos nie ganz unwichtig. (Die Liste der von mir gefahrenen Vehikel lässt klare Vorlieben erkennen.) Als bürgerlicher Durschnittsdeutscher schloss ich natürlich auch jahrzehntelange Sparverträge ab, damit man sich ein Auto leisten kann,...

Die Lehre der Leere (21): Hiobsbotschaft

Gewitter in den Alpen Hiob. Vier Buchstaben, die, lang genug betrachtet, zum Katalysator einer chemischen Reaktion werden können, die sich fortsetzt und fortsetzt, immer weiter, weiter und weiter, je länger man sich nicht abwendet, stimuliert sie unsere Synapsen und Rezeptoren, dringt tiefer in die unerforschten Areale unseres Hirns ein, wirft Fragen nach Güte und unschuldigem Leid auf, lässt Geschichten des eigenen Lebens hochkommen, fordert Antworten, die sich partout nicht finden lassen wollen, und wenn man immer noch nicht aufgegeben hat, so zwingt uns schließlich unser Hirn selbst dazu, weil es nach Aktivierung zu vieler Zellen einen Kurzschluss vorgaukelt und wir nur noch matt und unbefriedigt zusammensinken. Hiob, der stolze und geachtete Herr, der zum Wurm verkam, wortlos auf einen Haken gespießt, den Dämonen zum Fraß präsentiert. Wie leid er mir tut! Nicht etwa, weil ihm alles genommen wurde, obwohl er nichts davon verschuldet hat, weder den Tod der eigenen Kinder,...

Problemzonen

Als ich neulich mit dem Wagen in unser Wohngebiet abbog, platzte es aus mir heraus: "Ausgerechnet hier ist der Platz auf der ganzen Welt, den Gott persönlich für uns ausgesucht hat, und es gibt nicht den geringsten Zweifel daran." Meine Frau lächelte und nickte, denn es ist offensichtlich. Und schön. Ein zu Hause zu haben, dass Gott persönlich gewählt hat, ist irgendwie ein ganz besonderes Privileg. Wir fühlen uns wirklich daheim und geborgen. Schaut man sich aber den jüngsten Polizeibericht an, der 2017 veröffentlicht wurde, könnte es einem anders werden. In den vergangenen Wochen habe ich vielen Leitern präsentiert, wie die Polizei die Problemzonen der heutigen Gesellschaft definiert. Die drei untersten Kategorien nennen sich Risikozonen , gefährdete Gebiete und besonders gefährdete Gebiete . Die besonders gefährdeten Gebiete definiert der Bericht als Wohngebiete mit allgemeiner Neigung, den Rechtsstaat abzulehnen, systematischen Drohungen oder offener Gewalt gegenübe...