Direkt zum Hauptbereich

Die Lehre der Leere (8): Der Shutdown



Knapp drei Wochen nachdem ich das Geschenk des Chefs erhalten hatte, stand der gelbrote Karton immer noch ungeöffnet auf der Küchenbank, während ich nebenan den letzten Blogpost vor der Sommerpause schrieb und mich auf gute zwei Wochen Nichtstun, Schlafen, Lesen, Filme sehen freute. Die Pause war überfällig und nötig. Nach wenigen Tagen Ausspannen würden - wie auch sonst immer - neue Ideen wieder keimen, die kreativen Säfte zurückkehren.

Doch nicht in diesem Juli.

Ohne, dass ich je den Befehl dazu gegeben hätte, ging mein Körper auf Abschaltautomatik. Jeden Tag schien irgendein neues System herunterzufahren. Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren, weil sie seit Kindertagen zuverlässig funktionierten. Manches schätzt man erst, nachdem es weg, aus, vorbei ist.

Wie zum Beispiel mein Bauchgefühl. Es war weg. Abgeschaltet, weggelaufen, verstorben, wie sollte ich denn wissen, wo es jetzt war?! Ich wusste nur, dass plötzlich nicht mehr da war, was mich fünf Jahrzehnte zuverlässig geleitet hatte.

Loch im Bauch.

Undicht.

Leer.

Ohne Bauchgefühl war ich wie eine Fledermaus ohne Stimme, ein Wal ohne Orientierung, ein Zugvogel ohne Wissen der Himmelsrichtungen. Hätte Nils Holgersson die Wildgans Akka gefragt, woher sie eigentlich weiß, wohin sie fliegen muss, hätte sie geantwortet, was für eine dumme Frage, das wissen wir Gänse einfach. Punkt.

Manches weiß man einfach und manches kann man einfach. Punkt.

Dafür sah ich viel klarer, warum es Gabe heißt. Es wurde den Wildgänsen, Walen, Fledermäusen und manchen Bäuchen einfach gegeben. Niemand hat seine Gaben auf Amazon angeklickt.

Ohne Bauchgefühl konnte ich kein Dickkopf mehr sein, denn woher sollte man jetzt noch wissen, welches die richtigen Ziele sind, wie man den Sturm umfliegt, Seitenwind korrigiert, welche Kämpfe, Strategien, Diplomatien den Aufwand überhaupt wert sind? Vielleicht ist ja alles sinnlos! Winter is coming, doch was, wenn ich als Kranich an der Spitze nicht mehr klar nach Süden ziehe sondern nach ost-nord-west-süd-nordost flattere?

Kein Gefühl zu haben war ein scheiß Gefühl.

Fortsetzung folgt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine neue "Engelskala"?

Ich selbst kam gerade erst ins zweite Schuljahr, als die beiden Herren James Engel und Wilbert Norton ein Buch mit dem Titel " What's gone wrong with the harvest? " (Was ist mit der Ernte schiefgelaufen?) herausgaben. Nein, das Buch handelte nicht von Traktoren, Mähdreschern und Güllefässern, sondern um die Ernte der geistlichen Früchte, die Jesus von Kirche und Gemeinden erwartet. Und hier läuft ja bekanntlich so manches schief. Zur Veranschaulichung entwickelte Herr Engel, einer der Autoren, eine Skala. Auf dieser Skala konnte man leicht erkennen, wo man sich auf seiner geistlichen Reise gerade befindet. Als " Engelskala " - was nur etwas mit dem Namen des Erfinders und nichts mit Engeln zu tun hat - gelangte sie zu weltweiter Bekanntheit. Für alle, die noch nie eine Engelskala gesehen haben - so ungefähr sieht eine deutsche Version aus (von mir farblich etwas aufgepeppt): (zum Vergrößern auf's Bild klicken) Man liest die Skala im Prinzip von unten ...

Sola Gratia

Schschschau mal, ist das hoch zum Drüberspringen... Impuls Nummer drei: Gottes Maßstäbe gelten lassen (Hier geht's zum Anfang dieser lustvollen Serie) Ich möchte uns an eine alte, biblische Weisheit erinnern, von der wir heute nicht mehr so viel hören: Gottes Standards für den Menschen sind extrem hoch. Dieses Prinzip finden wir durchgehend in der ganzen Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Man lese nur einmal das Gesetz der Thora oder, wem das zu alttestamentlich erscheint, der darf sich gerne der Bergpredigt hingeben und ihrem Standard folgen. Viel Erfolg dabei. Zweitens sollten wir uns daran erinnern, dass Gottes Standards nicht verhandelbar sind. Gott hängt die Messlatte auf, wo ER sie haben will und dann hängt sie da. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Keinen Millimeter weicht Gott davon ab. Das gefällt uns Menschen nicht. Wir möchten gerne glänzen, als gut und richtig dastehen. Doch der Hauptzweck dieser hohen Messlatte ist es ja gerade, unsere menschlich...

Bewirken. Entfachen. Hervorrufen. Evozieren.

Serie: Missional Action Plan, Phase zwei  Das sind einige Synomyme für die zweite Phase unseres sogenannten Missional Action Plans, genannt Auslösen (initiate) . Was ist denn das? Nun, niemand glaubt heute noch, dass der Pfarrer den Menschen wirklich zu sagen hat, wie man was zu tun oder zu lassen hat. Eigentlich möchte sich heute überhaupt niemand noch was sagen lassen, solange man nicht ausdrücklich gefragt hat. Entsprechend ist auch niemand mehr scharf auf Predigten. Predigt, das klingt wie Standpauke. Epistel. Ermahnung. Wie Schelte und Zurechtweisung. Niemand* will sich also noch bepredigen lassen. Man geht entweder auf Konfrontation oder stellt die Ohren auf Durchzug. Das, was jahrhundertelang das Zentrum der kirchlichen Kommunikation war, die Predigt, stirbt aus. Stirbt aus? Ganz und gar? Keine Predigten mehr in Zukunft? Nein, so ist es auch wieder nicht. Römer 10,17 sagt ganz klar, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und damit wird die Predigt immer eine entsche...