Direkt zum Hauptbereich

Kulturbeobachtungen: Drei Mosaiksteinchen


Christen sollten wissen, woher der Wind weht. Christen in Leitungsfunktionen erst recht. Manchmal muss man sich nur ins Wetter stellen, Finger anfeuchten und hochhalten; schon weiß man, welches Lüftchen weht. Anders gesagt: Manchmal muss man sich nur ins öffentliche Leben begeben und seine Augen und Ohren aufsperren. Hier ist das erste von drei kleinen Mosaiksteinchen, Beobachtungen, die ich innerhalb der letzten Wochen gemacht habe.

Ich steige im Zentrum der Stadt aus der Straßenbahn und mir fallen einige Leute auf, die jeder für sich an irgendwelchen Ecken stehen und ein grünes Faltblatt lesen. Etwas später wird mir ebenfalls ein solches Faltblatt angeboten. Neugierig geworden durch die anderen, nehme ich es an. Der Flyer, der sich solchem Interesse erfreut, nennt sich "Einführung in den Islam". Ich packe ihn ein und gehe weiter.  Auf der Brücke über den Kanal fallen mir viele weiße Zettel auf, die auf dem Boden liegen. Auf der anderen Seite der Brücke stehen einige Menschen, die diese Zettel verteilen. Ebenfalls neugierig geworden, welches Thema denn hier so schnell zertrampelt wird, nehme ich auch einen weißen Zettel an. Er handelt von der Bibel.

Normalerweise lehne ich grundsätzlich freundlich aber konsequent alle Zettelchen und Blättchen ab, die mir ungefragt unter die Nase gehalten werden. Ich halte auch nichts vom Verteilen von Traktaten. In diesem Fall war ich aber neugierig geworden. Der Kontrast hat mich nachdenklich gemacht, macht mich immer noch nachdenklich. Die grünen werden gelesen, die weißen werden verschmäht. Was auf den weißen steht, kennen wir doch alles schon, ist heutzutage Wegwerfware. Kommt uns lieber mit was Neuem, Interessantem. Dann werden wir sehen, ob und was wir davon benutzen können.  

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gemeinde - ein Verein oder eine Firma?

Bald ist wieder GLS-Zeit in Schweden. GLS heißt Global Leadership Summit und ist nichts anderes als Willow-Creeks jährliche Leiterkonferenz. In Schweden wird GLS in den Großstädten angeboten als eine halb Live, halb aufgezeichnete Veranstaltung. Unser Partner Saron ist Treffpunkt für alle Gemeindeleiter im Göteborger Raum. Natürlich werde auch ich wieder da sein, nicht zuletzt, um andere Gemeinden zu treffen und um getroffen zu werden. Nun habe ich selbst meine Leiterausbildung in den USA absolviert und weiß, dass die Amis hier sehr viel Gutes zu sagen haben. Ich weiß auch, dass die Deutschen in Sachen Menschenführung und Leitung deutlich mehr Nachholbedarf haben als die Schweden. Und so begeistert ich von vielen Dingen auch immer noch sein mag, ein paar Fragen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf: Muss Gemeinde wie eine Firma geführt und strukturiert werden? Muss Gemeinde wie ein Verein geführt und strukturiert werden? Und wenn die Antwort auf beide Fragen auch Nein lauten kann, wie mu...

Der Lohn der Sünde

Der Lohn der Sünde ist Tod. Das steht im Römerbrief, Kapitel 6, 23. Sünde, Tod, klingt nicht angenehm. Vor allem, dass Sünde im Singular dasteht. Der Lohn jeder einzelnen Sünde, egal wie groβ oder klein, ist Tod. Nur einmal die Unwahrheit gesagt, und es ist geschehen. Perfekt gelebt, aber einmal war mir mein Job wichtiger als Gott – vorbei. Sünde ist höchstexplosiv, wenn sie in Gottes Nähe kommt. Wie Benzin, das auch keine Experimente mit Feuer verzeiht. Ein einziger Funken reicht. Wer in die Nähe Gottes kommt – und spätestens nach diesem Leben werden wir alle dort erscheinen – und nur einen einzigen, winzig kleinen Sündenfleck an sich trägt, den wird’s zerreiβen. Zu groβen Verhandlungsdiskussionen wird es gar nicht erst kommen. Einer trostlosen Zukunft sehen wir nach diesem Leben entgegen, denn wer kann schon behaupten, makellos zu sein. Von Jesus wird gesagt, dass er Gott selbst war. Es wird berichtet, Gott sei Mensch geworden. Man liest, er war makellos, ohne Sünde. Er musste nicht ...

„The Sound of Music“

Nun haben wir es also angeboten und selbst eingenommen, unser erstes Antiherbstdepressivum, in Form eines lustigen Filmnachmittages in unserer Gillestuga mit gemeinsamen Essen. Schön war’s! Und wir sahen ein höchst interessantes Werk: „The Sound of Music“, ein amerikanisches Musical als Heimatfilm aus dem Jahre 1965, das zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Salzburg spielt. Alle Schweden kennen es so gut, dass es hier darauf Parodien und Anspielungen in der Werbung gibt. Unser Holländer in Team sagte, in Holland wachse man mit diesem Film auf, er konnte alle Dialoge mitsprechen. Und unsere Amerikaner konnten sämtliche Lieder des Musicals auswendig mitsingen. Nur Karen und ich blamierten uns mit unserer Bildungslücke. Wir haben bis jetzt aber auch noch keinen anderen Deutschen gesprochen, der den Film je gesehen hat ( Gibt’s einen? Bitte sofort unten einen Kommentar hinterlassen!!! ) Man sagte uns, in Amerika gehe man davon aus, dass in Österreich jeder in das (englische) Lied „Edelwei...