Direkt zum Hauptbereich

Einsatz


Wir haben zwar ein System, wie im Konfliktfall vorzugehen ist, doch manchmal muss ich eben selber ran. Das kommt nicht oft, aber immer wieder vor. Auch in diesem Jahr musste ich schon ran. Und was halte ich davon? Ich habe gelernt, das Konflikt grundsätzlich etwas Gutes ist. Konflikte zeigen die Vielfalt in der Schöpfung, ja, auch im Himmelreich. Ich bin mir sicher, dass es auch im Himmel unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen, Ansichten oder Persönlichkeiten geben wird. So wurden wir eben geschaffen, und jeder Konflikt ist ein Beweis, wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind, um uns gegenseitig ergänzen zu können.

Armselig läuft hingegen meistens unser Umgang mit dem Konflikt ab. Anstatt voller Neugier erfahren zu wollen, was hier an Unerwartetem entstehen kann, laufen wir davon. Es ist die Konfliktscheu, die unsere Sündhaftigkeit beweist, nicht der Konflikt. Die Scheu sagt, ich laufe weg, ich bin mir selbst genug, ich brauche den anderen nicht. Die Scheu ist ein Ergebnis der Angst, die uns steuert. Angst, verletzt zu werden; Angst, zurückzuschlagen.

Der reife Christ begrüßt den Konflikt, findet Mut zur Begegnung mit dem Anderen, sucht nach den Lektionen, hat sich selbst unter Kontrolle, achtet den anderen höher als sich selbst, verleugnet sein Ego. So werden Konflikte im Himmel ausgetragen werden, und es wird jedes Mal ein großartiges Schauspiel werden, das im rauschenden Applaus der Zuschauer mündet: Ach, SOO hatte Gott sich die Lösung gedacht! Wie genial! Halleluja!

Wir sind auf Erden meist weit von der himmlischen Konfliktbewältigung entfernt, doch wir können ihr durchaus ein gutes Stück näher kommen. Das ist mein Bestreben, wenn ich als Vermittler eingeschaltet werde. Wir haben selten perfekte Lösungen erarbeitet, doch meistens eine Haltung der Versöhnung à la Himmelreich erreicht. Deswegen fahre ich meistens mit etwas mulmigen Gefühl auf solche Einsätze und komme mit dankbarem Herzen zurück: Ich durfte einen Tropfen Himmel verabreichen und selber schmecken.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine neue "Engelskala"?

Ich selbst kam gerade erst ins zweite Schuljahr, als die beiden Herren James Engel und Wilbert Norton ein Buch mit dem Titel " What's gone wrong with the harvest? " (Was ist mit der Ernte schiefgelaufen?) herausgaben. Nein, das Buch handelte nicht von Traktoren, Mähdreschern und Güllefässern, sondern um die Ernte der geistlichen Früchte, die Jesus von Kirche und Gemeinden erwartet. Und hier läuft ja bekanntlich so manches schief. Zur Veranschaulichung entwickelte Herr Engel, einer der Autoren, eine Skala. Auf dieser Skala konnte man leicht erkennen, wo man sich auf seiner geistlichen Reise gerade befindet. Als " Engelskala " - was nur etwas mit dem Namen des Erfinders und nichts mit Engeln zu tun hat - gelangte sie zu weltweiter Bekanntheit. Für alle, die noch nie eine Engelskala gesehen haben - so ungefähr sieht eine deutsche Version aus (von mir farblich etwas aufgepeppt): (zum Vergrößern auf's Bild klicken) Man liest die Skala im Prinzip von unten ...

Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 1: Verankert in der Bibel  Eines der tiefgründigsten und eindeutigsten Gebote Gottes findet sich im fünften Buch Mose: Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore. (5Mos 6,4-9) Diese Worte wurden vor tausenden von Jahren gegeben, doch ihre Botschaft ist immer noch sonnenklar: Tu, was du kannst, um nie von Gottes Geboten abgelenkt zu werden. Simpel, oder? Bei uns im Westen finden ...

Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 2: Gegründet im gesellschaftlichen Leben Wohl jeder hat schon mal Leute getroffen, die in der Tat sehr tief in der Bibel verwurzelt sind, deren Füße aber leider nicht mehr auf dem Teppich blieben. Sie sind weder von dieser Welt noch in dieser Welt. Wie Außerirdische sprechen sie eine unverständliche Sprache und ihr Verhalten ist ebenso weltfremd. Solche Menschen können phantastische Denker sein und uns helfen, tiefer in die vielen versteckten Geheimnisse der Heiligen Schrift vorzudringen. Als Gemeindegründer sind sie jedoch nur begrenzt von Nutzen. Sie sind wie Pond d'Avignon , jene berühmte mittelalterliche Brücke im Süden Frankreichs, die es nur bis zur Mitte des Flusses geschafft hat. Sur le pond d'Avignon ist's romantisch schön - doch die Brücke ist nutzlos. Wir denken zum Beispiel an den Klerus in kunstvollen Gewändern oder in höheren Sphären schwebende Theologen, deren Sprache Kanaans uns rästel...