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Mitgliedschaft, oder...?

Mitgliederwerbung à la Schalke 04: Genauso empfinden viele beim Thema Kirche - hier lebt man nicht, hier wird man gelebt aufgrund vieler Vorschriften und Erwartungen. (Foto: Schalke 04)

Mitgliedschaft wird eines von diesen Themen werden, an denen sich in frommen Kreisen noch so mancher Geist scheiden wird. Ich sehe es, ich spüre es. Schon lange warnen konservative, fromme Kreise vor den zahllosen Irrlehren der "Missionalen", der "Gesellschaftsrelevanten" und "Emergenten", wie sie es nennen. Einer der vielen Beweise für die "falschen und unbiblischen Lehren" dieser neuen Bewegungen sei es, dass hier u.U. auch allen Ernstes die Gemeindemitgliedschaft hinterfragt werde. Nun, es ist in der Tat wahr, dass viele neue Gemeinden gewisse Anpassungen an das traditionelle Konzept der Mitgliedschaft vornehmen. Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht?

Es verirren sich nur sehr wenige Leser mit einer brillenlosen Gemeindekurzsichtigkeit von mehr als -8,0 dpt auf diesen Blog. Dennoch: Dass selbst die allgemein als Selbstverständlichkeit hingenommene Gemeindemitgliedschaft in Frage gestellt wird, versetzt bisweilen nicht nur konservative Endzeitpropheten in Verwunderung. Es lässt auch Fragen bei eher progressiveren Gemeindemitgliedern aufkommen. Zu Recht. Fragen zu stellen und Antworten darauf zu finden ist gut, sehr gut.

Eins vorweg: Ich mag dieses Thema überhaupt nicht. Alles, was mit bürokratischer Verwaltung zu tun hat, ist mir ein Graus, ein Leiden, welches ich ertragen muss wie manches andere im Leben auch. Ich habe also absolut Null Verlangen und Eigenmotivation, am bewährten Mitgliedschaftsmodell zu rütteln. Dass ich es trotzdem tue, liegt ganz einfach daran, dass ich es muss. Die Umstände zwingen mich dazu, Antworten auf Fragen zu finden, die sich uns regelrecht aufdrängen. Nur, dass ihr Bescheid wisst.

Um das Thema zunächst einmal auch theologisch grundlegend behandeln zu können, habe ich dem H2O-Team kürzlich eine vollständige Liste aller Bibelverse zum Thema Mitglied und Mitgliedschaft zusammengestellt. Hier ist sie, exklusiv auch für euch, meine geschätzten Blogleser:









Sehr gut. Nach dieser umfassenden Lektüre dieser eindeutigen Verse sind 90% aller theologischen Fragen zum Thema Mitgliedschaft eigentlich schon geklärt. Zusammenfassend könnte man grob sagen: Rein biblisch existiert Mitgliedschaft gar nicht. Im Alten Testament gab es keine Mitgliedschaft, denn man wurde als Jude geboren und konnte nicht austreten. Es gab nur gehorsame und ungehorsame Juden. Im Neuen Testament gibt es auch keine Mitgliedschaft, nur Juden und Nichtjuden (=Heiden). Auch hier kann man weder ein- noch austreten. In beiden Gruppen gibt es hingegen solche, die Jesus als Herrn nachfolgen und solche, die es nicht tun. Wer Jesus nachfolgt, ist gerettet, wer nicht, der nicht. Ganz einfach eigentlich und völlig losgelöst von Mitgliedslisten. Wenn es überhaupt sowas wie eine Mitgliedsliste gibt, dann im Buch des Lebens. Aber darauf haben wir (Gott sei Dank!!!) keinen Zugriff. Möchte nicht wissen, was los wäre, wenn wir es hätten.

Bleiben also noch die höchstens 10% der nicht-theologischen Fragen und Aspekte der Mitgliedschaft, an denen man sich gerne die Schädel einschlagen mag. Vorzugsweise vermutlich mit theologischen Argumenten.

Diese 10% sind aber leider wirklich nicht ganz unerheblich. Aus praktischen, kulturellen, psychologischen und/oder seelsorgerlichen Gründen. Wir kauen hier gerade auf einigen Schuhsohlen herum. Wir wollen einerseits eine gute und gangbare Lösung finden, andererseits keinen Elefanten aus einer Mücke machen. 10% sind wirkliche das höchste, was dieser Punkt an Aufmerksamkeit verdient. Und vielleicht einen weiteren Blogpost, weil der hier schon so lang ist. Aber auch nicht mehr. Hoffentlich.

Das nächste Mal werde ich also etwas von unseren Herausforderungen und Beobachtungen erzählen.

Kommentare

Peter Wahl hat gesagt…
Hallo Marcus!
Auch ich finde das Thema extrem schwer verdaulich. Ursprüglich diente das ganze sicherlich zur Abgrenzung von denen da draussen. Inzwischen sehe ich darin nur noch ein äußeres Zeichen für Verbindlichkeit. Das taugt aber nur bedingt, weil sehr oft Nichtmitglieder viel verbindlicher sind als leute die auf der "Gemeindeliste" stehen. Die frage ist also doch wohl wie man das löst, ein "äußeres" Zeichen für die Verbindlichkeit an das sich Menschen auch gebunden fühlen ohne die oft künstliche hürde der mitgliedschaft. Den die Beliebigkeit (ich mach nur mit wenns mir passt, es gut läuft etc.) die ist eben doch der Tod im topf. Dadurch zerfallen Gemeinden oder es entsteht erst gar nichts.

Liebe Grüße Peter

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