Zum zweiten Mal bin ich gebeten worden, in einer hiesigen Gemeinde eine Predigt zu halten. Am 3. Advent. Doch dieses Mal habe ich meinen Arbeitsplatz zur Vorbereitung der Predigt verlegt - weg von meinem Schreibtisch, umrahmt von vielen schlauen Büchern und abgeschottet vom Rest der Welt, hin ins Zentrum der Stadt. In der Fußgängerzone wird für die Predigt gebetet, Notizen kann man wunderbar in Bus und Straßenbahn machen, Bücher habe ich auf einer Bank mitten im dicksten Weihnachtsrummel des riesigen Einkaufszentrum "Nordstan" studiert und wenn ich mal was tippen muss, kenne ich ein ungemütliches, aber billiges Café mit kostenlosem Internetanschluss. Ich weiß nicht, ob es länger dauert, eine Predigt auf diese Weise zu schreiben, denn es überschüttet mich mit Ideen. Denn ich muss so oft zu den Leuten aufschauen und mich fragen: Wer sind die? Trifft das überhaupt auf die zu, was ich hier fabriziere? Nun, wir werden sehen, wie es wird. Ob die Hörer in der eher kleinen, traditionellen Gemeinde etwas davon spüren werden?
Der Lohn der Sünde ist Tod. Das steht im Römerbrief, Kapitel 6, 23. Sünde, Tod, klingt nicht angenehm. Vor allem, dass Sünde im Singular dasteht. Der Lohn jeder einzelnen Sünde, egal wie groβ oder klein, ist Tod. Nur einmal die Unwahrheit gesagt, und es ist geschehen. Perfekt gelebt, aber einmal war mir mein Job wichtiger als Gott – vorbei. Sünde ist höchstexplosiv, wenn sie in Gottes Nähe kommt. Wie Benzin, das auch keine Experimente mit Feuer verzeiht. Ein einziger Funken reicht. Wer in die Nähe Gottes kommt – und spätestens nach diesem Leben werden wir alle dort erscheinen – und nur einen einzigen, winzig kleinen Sündenfleck an sich trägt, den wird’s zerreiβen. Zu groβen Verhandlungsdiskussionen wird es gar nicht erst kommen. Einer trostlosen Zukunft sehen wir nach diesem Leben entgegen, denn wer kann schon behaupten, makellos zu sein. Von Jesus wird gesagt, dass er Gott selbst war. Es wird berichtet, Gott sei Mensch geworden. Man liest, er war makellos, ohne Sünde. Er musste nicht ...
Kommentare