Direkt zum Hauptbereich

Teamwork

Als aktiver Nichtfußballinteressierter war es für mich eine besondere Erfahrung, 48 Fußballspiele nacheinander zu verfolgen und mit anderen Leuten zu diskutieren. Die meisten hier halten mich nun für einen Fußballexperten, der fast alle Tore und gelbe wie rote Karten gesehen hat und kommentieren kann. In Wahrheit bin ich froh, mit 43 Jahren nun endlich mal (ansatzweise) die Absatzregel verstanden zu haben und eine Ecke von einem Einwurf unterscheiden zu können. Aber immerhin habe ich Augen im Kopf, und ein bisschen Verstand ist mir jenseits der 40 auch noch geblieben. Damit habe ich als völlig fußballunvorbelastetes Greenhorn viele Teams genau beobachtet. Ich sah sie miteinander und gegeneinander spielen. Vielleicht sah ich Dinge, die dem Profi vor lauter Professionalität entgehen.
Die Franzosen zum Beispiel brauchten gar keine gegnerische Mannschaft auf dem Feld. Sie waren sich selbst Feind genug. Ich sah schon im ersten Spiel, dass sie mit ihrem schlechten Teamgeist wohl kaum die Vorrunde verlassen würden.
Ich sah Mannschaften, die aus lauter Stars bestanden. Ohne auch nur einen einzigen von ihnen zu kennen oder zu wissen, in welchen Vereinen sie spielen, sah ich es den tollen Spielern an, dass sie wussten, dass sie toll sind. Leider auf Kosten des Teamgeists.
Da waren verbissene Spiele, wo man um jeden Preis gewinnen wollte, koste es, was es wolle.
Es gab taktische Spiele, spielerische Spiele und lahme Spiele.
Und es gab alle möglichen Trainer. Gefühllose, cholerische, goldbehängte, zaghafte. Solche, die sich freuen konnten und solche, die sich weigerten, Gratulationen entgegen zu nehmen.
Es gibt einiges nachzudenken. Ist Gemeindearbeit nicht ebenfalls ein Mannschaftsspiel? Wie sieht es also in meiner Gemeinde, meiner Kirche, meiner "Mannschaft" aus?
Sind wir überhaupt ein Team oder eine Ansammlung toller Individualisten? Wie spielt unser Team? Kennen sie die Regeln? Kennen sie das Ziel? Kennt jeder seinen Platz in der Mannschaft, und ist er oder sie zu Stelle, wenn gepasst wird oder rollte der Ball zu oft ins Aus? Kennen wir die Taktik des Gegners? Stellen wir uns drauf ein? Lernen wir ausreichend? Trainieren wir überhaupt? Wann und wo? Leben wir auch in der Freizeit wie professionelle Spieler?
Haben wir einen Coach wie Argentinien, England oder eher wie Ghana? Was für Teamplayer, was für ein Coach ein Coach bin ich selbst?

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Urban Expressions Sweden

Urban Expressions ist ein von Stuart Murray in Großbritannien gegründetes Netzwerk von Gemeinden und Gemeindegründungen, die wie wir bei H2O neue Wege wagen wollen. Murray hat einige sehr wertvolle Bücher zum Thema Gemeindegründung verfasst. Sein Buch " Post-Christendom " las ich 2005 und hat mir extrem geholfen, all die Änderungen zu verstehen, die unseren Alltag verändern und auf die auch Gemeinden massiv beeinflussen. In den kommenden Jahrzehnten wird das erst so richtig sichtbar werden. Deshalb sind wir ganz besonders froh, dass Urban Expressions nun nach Schweden kommt. Und das Schöne ist, dass hier nichts von England nach Schweden exportiert sind, sondern dass eine Handvoll schwedischer Christen, teilweise schon betagt und weise, die große Notwendigkeit neuer Gemeinden mit Sicht für die heutige Welt sehen und aktiv wurden. Durch persönliche Kontakte mit Murray wurde zunächst sein Buch "The Naked Anabaptist" ("Der nackte Täufer") unter dem Titel ...

Jesus Dünnbrettbohrer

Für die nächste Teilmenge derer, die weder von Jesus noch Kirche angetan sind, ist "Jesus" ein Synonym für "Weichei". Jesus, dieser außerordentlich nette Erdengast, dieses Vorbild für die Menschheit, immer taktvoll, immer artig, stets korrekt. Und natürlich erwartet er von seinen willigen Jüngern, dass auch sie jederzeit ebenso entgegenkommend, galant, höflich und sittsam sind. Jesus, ein Löwe? Wenn, dann bestenfalls ein zahnloser. Eher ein zahmer Gentleman. Jesus, ein ungefährlicher, hodenloser Kastrat, ein weißbleicher Ministrant mit der typischen Frisur mit Mittelscheitel, der nur gedämpft spricht und Konfrontation aus dem Wege geht.* Am Ende wird er vor lauter Nettigkeit und Unterwürfigkeit totgenagelt. Jesus, der sandalentragende Versager. Wer will einem solchen Jesus nachfolgen? Ich auch nicht. ____ * vgl. John Eldrege, Der ungezähmte Mann , 51.  

Sex in der Bibel

Zu viel Sex in Game of Thrones? Die Bibel macht GoT echte Konkurrenz. (Hier geht's zum Beginn der spritzigen Reihe) Impuls Nummer vier: Sexualität biblisch betrachtet Nun wäre es also an der Zeit, ans Eingemachte zu gehen. Ich möchte nochmal hervorstreichen, dass dies keine formelle Haltung einer Organisation oder Gemeinde ist, sondern meine ganz persönliche Sexualtheologie, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Es ist weder offiziell noch fertig, und vor allem ist es nur der Versuch einer Zusammenfassung. Biblische Unverblümtheit vs. fromme Maskerade Gleich zu Beginn möchte ich enthüllen, dass ich zu dem Schluss kommen musste, auf welch extrem winzigen Füßen unsere evangelikale Sexualethik steht. Dabei ist es nicht so, dass sie auf einer Seite vom Pferd fiele - sie kommt erst gar nicht auf's Pferd hinauf. Sie ist weder in der Lage, die rauhe Wirklichkeit des echten Lebens noch die unerfüllbaren Sex-Maßstäbe Gottes zu beschreiben. Der Bibel hingegen gelingt...