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SAD Brexit

Grafik: CNN

Sad bedeutet traurig, SAD steht aber auch für Seasonal Affected Disease, jahreszeitlich bedingte Krankheit. Für mich eine Art Berufsverletzung, denn ich zähle erst zu den SAD-Betroffenen, seit wir nach Schweden gezogen sind. Diesen Winter traf mich die Depression unerwartet früh und hart. Dafür sind einerseits die üblichen Licht- und Hormonprozesse verantwortlich, wie ich sie vor zwei Jahren schon kurz beschrieben hatte. Doch heuer gab's noch ein paar erschwerende Faktoren als kostenlose Zugabe.

Wie zum Beispiel die Brexitabstimmung des britischen Parlaments, die wie ein Damoklesschwert über uns schwebt und heute Abend wohl stattfinden wird. Brexit ist ein Synonym für Torheit und Absurdität, da ein paar Blender und Scharlatane mit Lügen und Unwahrheiten ein ganzes Land, eine kräftige und stolze Gesellschaft, in existenzbedrohende Krisen stürzen könnten. Der britische Historiker Anthony Glees vergleicht die Lage in einem heute veröffentlichten Interview mit den Bolschewiken bei der Oktoberrevolution, wo das Volk ebenfalls einer extremistischen Minderheit ihren Glauben schenkte. Die Tatsache, erst kürzlich zwei unserer eigenen Kinder auf dem Flughafen verabschiedet zu haben, die vom zu erwartenden Chaos auf der Insel persönlich betroffen sein werden, macht die Lage für mich nur noch schmerzlicher.

Ich verfolge aber nicht nur den Brexit. Ein grober Überblick über Trends und politische Entwicklungen der westlichen Welt ist in meinem Job wichtig, finde ich. Nachrichten und Bibel gehören zum täglichen Ritual. Christen sind Hoffnungsträger, Christen müssen Hoffnungsträger sein, denn Geist und Gutes wäre überall verfügbar, buchstäblich zum Greifen nahe. "Ändert euch, denn das Himmelreich ist zum Greifen nahe!" Doch der Mensch ist frei, zu glauben, was er glauben will. Das Himmelreich wäre hier, doch am "Ändert euch!", der Buße, da haperts. Brexit, die Unfähigkeit des schwedischen Reichstages, eine Regierung zu bilden, herumtrumpelnde Präsidentenbullen oder träge Klimadiskussionen und Handlungsunwille sind nur die prominentesten Beispiele. Und für SAD Patienten nicht gerade gesundheitsfördernd.

Doch nur wer nicht liebt, wird nie enttäuscht, und wer nie kämpft, wird nicht verletzt. Vielleicht gilt es ja, diese Invalidität mit Stolz zu tragen und weiter zu lieben und weiter zu kämpfen, und sei es auf Krücken oder im Rollstuhl, und ansonsten einfach weiter auf den Herrn zu warten.

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