Direkt zum Hauptbereich

Karfreitag

Ich war im Begriff, hier ein paar persönliche Zeilen zum Karfreitag zu schreiben, die ich nun wohl ein anderes Mal nachholen werde, weil ich heute beim Öffnen des Internets auf den folgenden Artikel stieß, den ich recht nachdenkenswert finde und den ich deshalb unten einkopiere. Der Originalartikel kann hier gefunden werden: 

I was about to write a few lines on Good Friday - but as I opened the start page of my internet browser I found the following article about Easter, death and life. It's from the "Süddeutsche Zeitung", one of the most important national German newspapers. I thought it's worth to be read if such a big newspaper utters thoughts like. It's in German of course, so I apologize. Maybe one of the online translators can help you. 

Zum Begriff des Opfers


Gedanken zu Ostern von Kurt Kister

Abermillionen sind in Kriegen gestorben, weil Staaten aus ideologischen Gründen Opferbereitschaft gefordert haben. Gläubige Hinterbliebene finden Trost in der Religion, die stets auch ein Mittel gegen Verzweiflung im Jetzt ist. Glaube macht den Mut, den man als Mensch dringend braucht.

Wegkreuz, dpaGrossbild

Religion ist stets auch ein Mittel gegen Verzweiflung im Jetzt gewesen. (Foto: dpa)

In der Cyrenaika, auf dem Weg von Tobruk nach Bengasi, liegt etwas abseits der Straße ein Friedhof. Mehr als dreieinhalbtausend Angehörige der britischen Armee aus allen Winkeln des ehemaligen Empire sind dort begraben.

Der Knightsbridge Cemetery ist ein trostloser, windiger Ort inmitten einer Geröllwüste, über der oft ein gelblicher Sandschleier das Atmen erschwert. Viele der Männer, die hier im Kampf gegen das deutsche Afrika-Korps und die Italiener gestorben sind, haben kaum gelebt. Die Anzahl der unter Zwanzigjährigen ist, wie auf jedem sogenannten Kriegerfriedhof, groß. Sie sind vor 80 Jahren aufgewachsen in Wales, Indien oder Neuseeland, um dann an einem namenlosen Platz in der libyschen Wüste zu sterben.

Auf etlichen der Grabsteine liest man ein Zitat aus der King-James-Bibel: "Greater love hath no man than this . . ." In Luthers Sprache heißt der Vers aus dem Johannes-Evangelium: Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Wohl kaum einer der Toten von Knightsbridge ist in dem Bewusstsein gestorben, dass er sein Leben ließ für andere. Mit solchen Gedanken versuchen sich zumeist die zu trösten, die Grabsteine aufstellen müssen. Verwandte, Freunde, Hinterbliebene suchen so nach einer Begründung für das schreckliche Geschehen, nach einem Sinn des Todes. Allerdings gehört das Argument, jemand habe sich für die anderen, für uns, für die Nation geopfert, auch zum Repertoire jedweden Staates und jedweder Armeeführung - egal, ob es ihr um Menschenrechte oder Unterjochung geht.

Der archaische Begriff "Opfer" verwischt manchmal Schuld und Unschuld, Ursache und Wirkung. Kriegsopfer sind so viele: Angreifer und Verteidiger, Verschleppte und Ausgebombte, ja sogar der 1945 noch gefallene KZ-Kommandant. Es mag sein, dass der Tod alle gleichmacht, zumal an scheinbar gottverlassenen Orten wie dem Knightsbridge-Friedhof. Aber er verändert nicht die Leben, die vorher geführt wurden.

An diesem Freitag gedenken die Christen jenes Opfers, das in der westlichen Hemisphäre seit zwei Jahrtausenden unsere Wahrnehmung vom "Tod für andere" prägt. Jesus, so sagt die Bibel, ist am Kreuz für die Menschen wie ein Mensch gestorben. Man kann daraus viele Schlussfolgerungen ziehen, aber auf jeden Fall diese: Selbst für Gott definiert offenbar der Tod, der gewaltsame zudem, so sehr den Menschen, dass gerade im Tod Gott menschengleich wird.

Das Opfer dessen, der eigentlich unsterblich ist, bedeutet umso mehr, wenn er sich dem Tod unterwirft - und sei es auch im Wissen, dass er ihn durch die Auferstehung, jenes Wunder, an das man nur glauben kann oder nicht, alsbald überwunden haben wird. Wer je am offenen Grab eines geliebten Menschen gestanden hat, wird sich vorstellen können, dass der Glaube an ein Danach die Verzweiflung über das Jetzt wirklich lindern kann. Religion, notabene, ist stets auch ein Mittel gegen Verzweiflung im Jetzt gewesen.

In der Ostergeschichte sind es drei Tage vom Tod bis zu dessen Überwindung, von Golgatha bis zu der Erkenntnis: Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Wenn man daran glaubt, macht das Mut. Als Mensch braucht man dringend solchen Mut, denn seit Jesus hat es keinen mehr gegeben, der aus dem Grab wiedergekommen wäre. Wir erleben immer nur Golgatha, die Schädelstätte, oder eben die Gräber von Knightsbridge in einer geradezu allegorisch windumtosten Wüstenei.

Sicher, die Welt ist voller Gräber aus vielen vergessenen Kriegen. Was einst - sei es im alten Athen gegen die Perser oder im revolutionären Frankreich gegen Europas Feudalstaaten - für richtige, gerechte Kriege gehalten wurde, gibt heute bestenfalls noch Stoff für Geschichtsbücher.

Oft leben die Gründe, deretwegen eine Generation glaubte, Opfer erbringen zu müssen (respektive geopfert wurde), nicht viel länger als diese Generation. Und selbst die ewigen Werte - Würde, Freiheit, Selbstbestimmung - werden in immer neue Systeme und subjektive Begründungszusammenhänge gepresst. Das 20. Jahrhundert war auch das Jahrhundert jener Ideologien, zu denen der Kult um Opfer und Opferbereitschaft zählte. Das war nicht nur bei den Nazis so, sondern auch bei den Stalinisten und den Kulturrevolutionären in China oder Kambodscha. Abermillionen sind deswegen gestorben. Denkt man daran, muss es einen eigentlich erst einmal schaudern, wenn man heute das Wort "Opfer" hört.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich gerade unter den Älteren so viele finden, die mit großer Skepsis auf Sätze reagieren wie den, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt werden müsse - was leider nicht ohne Opfer abgehe. Die Kriegsgeneration, also jene, die heute älter als 80 sind, hat sich in ihrer Jugend so sehr an der Opfer-Ideologie gebrannt, dass die Narben bis heute schmerzen.

Sie wären die Altersgenossen der Männer von Knightsbridge, die nicht alt werden durften. Man sieht das etwa am 90-jährigen Helmut Schmidt, der nicht viel hält von der afghanischen Verwicklung und es gut begründen kann. Solche Einsicht mag auch daher rühren, dass jene das Leben schärfer sehen, die dem Tod, zum Beispiel wegen ihres Alters, näher sind. 



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gemeinde - ein Verein oder eine Firma?

Bald ist wieder GLS-Zeit in Schweden. GLS heißt Global Leadership Summit und ist nichts anderes als Willow-Creeks jährliche Leiterkonferenz. In Schweden wird GLS in den Großstädten angeboten als eine halb Live, halb aufgezeichnete Veranstaltung. Unser Partner Saron ist Treffpunkt für alle Gemeindeleiter im Göteborger Raum. Natürlich werde auch ich wieder da sein, nicht zuletzt, um andere Gemeinden zu treffen und um getroffen zu werden. Nun habe ich selbst meine Leiterausbildung in den USA absolviert und weiß, dass die Amis hier sehr viel Gutes zu sagen haben. Ich weiß auch, dass die Deutschen in Sachen Menschenführung und Leitung deutlich mehr Nachholbedarf haben als die Schweden. Und so begeistert ich von vielen Dingen auch immer noch sein mag, ein paar Fragen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf: Muss Gemeinde wie eine Firma geführt und strukturiert werden? Muss Gemeinde wie ein Verein geführt und strukturiert werden? Und wenn die Antwort auf beide Fragen auch Nein lauten kann, wie mu...

„The Sound of Music“

Nun haben wir es also angeboten und selbst eingenommen, unser erstes Antiherbstdepressivum, in Form eines lustigen Filmnachmittages in unserer Gillestuga mit gemeinsamen Essen. Schön war’s! Und wir sahen ein höchst interessantes Werk: „The Sound of Music“, ein amerikanisches Musical als Heimatfilm aus dem Jahre 1965, das zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Salzburg spielt. Alle Schweden kennen es so gut, dass es hier darauf Parodien und Anspielungen in der Werbung gibt. Unser Holländer in Team sagte, in Holland wachse man mit diesem Film auf, er konnte alle Dialoge mitsprechen. Und unsere Amerikaner konnten sämtliche Lieder des Musicals auswendig mitsingen. Nur Karen und ich blamierten uns mit unserer Bildungslücke. Wir haben bis jetzt aber auch noch keinen anderen Deutschen gesprochen, der den Film je gesehen hat ( Gibt’s einen? Bitte sofort unten einen Kommentar hinterlassen!!! ) Man sagte uns, in Amerika gehe man davon aus, dass in Österreich jeder in das (englische) Lied „Edelwei...

Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend

Zum ersten Teil der Serie geht's hier.  Brückenpfeiler Nr. 3: Im weltweiten Körper Christi ruhend H2O ist nach wie vor eine sehr kleine Gemeinde. Eine Brücke zu bauen, die sich über einen so großen Abgrund erstreckt, ist ohne Hilfe unmöglich. Sich sowohl in der Bibel als auch in der heutigen Kultur zu verankern, wird uns spannen wie eine Streckbank. Wir brauchen eine Stütze in der Mitte, etwas, wo man Gewicht ablegen kann. Für uns ist diese Stütze die Gemeinde generell, der Leib Christi, die weltweite Kirche, wie auch immer man es benennen mag. Wir sehen uns verbunden mit unseren Glaubensgeschwistern der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Tatsache, dass die Kirche nie perfekt war, sondern im Gegenteil stets mit Flecken und Fehlern behaftet war und ist, macht es für uns eigentlich nur noch interessanter. Denn wir erleben uns selbst auch nicht als perfekt und damit passen wir doch ganz gut zusammen. Außerdem können wir von allen Fehlern der Vergangenheit am meisten ler...