02 Juni, 2012

In Verwahrung

Seit acht Jahren lebt er in Göteborg. In meinem Post über Ausländer hatte ich ihn schon einmal kurz erwähnt, unseren Freund aus Afghanistan. Wir haben versucht, was wir konnten, um ihm zu helfen. Er kam immer wieder zu unseren H2O-Impressions. Manchmal sogar in unsere Partnergemeinde. Wir nahmen zusammen an Alpha teil und entdeckten, dass ein Alphakurs nur auf Westler zugeschnitten ist und viele Fragen für Muslime völlig irrelevant sind. Die Fragen, die sie haben, beantwortet kein Alphakurs. Wir verglichen Bibel und Koran. Das westliche Essen schmecke so fad wie Krankenhauskost, fand er. Erst vor drei Wochen war er und sein Freund bei uns zu Hause, um in unserer Küche traditionelles Essen aus seiner Heimat vorzubereiten. Eine große Ehre für uns als Familie.

Letzte Woche Donnerstag war er zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Polizei war auf der Suche nach irgendwas und dabei wurde auch sein Ausweis kontrolliert. "Ach, sie mal an! Deine Aufenthaltsgenehmigung ist ja kürzlich ausgelaufen! Na, dann komm mal gleich mit." Ohne Umweg wurde er auf direktem Weg in "die Verwahrung" gefahren. Mitnehmen durfte er nur das, was er zufällig gerade bei sich trug.

Diese Woche durfte ich ihn dort besuchen. "Die Verwahrung" ist im Grunde eine Art Gefängnis, wo man rein-, aber nicht mehr rauskommt. Er erzählte mir, dass manche nach einer Woche des Landes verwiesen werden, andere sitzen schon über acht Monate dort. Acht Monate! Acht Monate Freiheitsentzug ohne Prozess, ohne Erklärungen, ohne irgendwelche Aussichten. Acht Monate Ungewissheit. Er hat sich natürlich riesig gefreut über den Besuch. So lange er dort sitzt, möchte ich in regelmäßig besuchen. Ich habe ihm einen Stapel Fotos von der Kochaktion in unserer Küche abziehen lassen, als Erinnering vielleicht an unsere Familie. Und eine Jesus-Film-DVD in seiner Muttersprache als Erinnerung an den Herrn, dem ich nachfolge. Und ich habe ihm gesagt, dass ich für ihn bete. Vielleicht wollt ihr mit mir beten?!

31 Mai, 2012

Und noch'a moil: SALT-Vertretung

Im April bat mich der neue Studienleiter der ALT-Ausbildung (vormals SALT) noch einmal, ab ersten Mai bis zur Sommerpause vertretungsweise für meinen Göteborger Kollegen einzuspringen, der zur Zeit nur eingegrenzt zur Verfügung stehen kann. Was sich nach einem Haufen Extraarbeit und vielen Überstunden anhört (und nicht nur anhört...), zahlt sich für mich zu weiten Teilen als unerwarteter Segen aus. In vielen Studiengruppen, die ich nun zu leiten oder zu moderieren hatte, wurden Themen diskutiert, die gerade jetzt vor H2Os Schritt "Church" (gemäß unseres sog. "Missional Action Plans"*) an der Reihe sind. So manche Frage konnte ich so formulieren, dass sie nicht nur für die Studenten, sondern auch für mich und H2O relevant wurde. Die allermeisten Studenten kommen aus traditionellen Gemeinden aller Denominationen einschließlich schwedischer Kirche, sehen die Probleme, mit denen die Kirche zu kämpfen hat, spüren den großen Veränderungsbedarf und lesen Literatur, die sich mit der Problematik beschäftigt. Die Studiengruppen, Diskussionen oder Semesterarbeiten helfen mir enorm, die Seele der hiesigen Menschen besser zu verstehen.

Im Moment bin ich nämlich trächtig, jawohl. Schwer trächtig. Da wächst etwas heran in meiner eigenen Seele, in meinem Kopf, in meinem Herzen. Es sind die Grundstrukturen einer möglichen Gemeinde im 21. Jahrhundert. Die Weiterentwicklung H2Os. Und da kommen so viele Gedanken zusammen. Es fühlt sich an, als wären es ungefähr 10.000 mal zu viele, um sie alle bearbeiten zu können. Sechs Jahre Schweden haben eine Menge Erfahrung entstehen lassen. Multipliziert mit einem CIU-Theologiestudium mal CA mal deutscher Gemeindeerfahrung hoch eigenes Leben als Jesusnachfolger. Das ist keine Milchmädchenrechnung mehr. Das wird höhere Mathematik. Und in all dem lässt Gott mich für sechs Wochen vertretungsweise Studienbegleiter werden. Er führt mich mit Studenten zusammen, die - ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was in mir gerade vorgeht - meine Gedanken und Gefühle zum Thema H2O plötzlich in Worte kleiden. Und das auch noch in fließendem, perfektem schwedisch. Ist Gott nun genial oder ist er genial?!

Ich bin noch lange nicht soweit, dass ich hier alles wohlstrukturiert präsentieren könnte und das würde ich zunächst auch nur mit meinem Team tun, aber einzelne Fragmente klären sich recht deutlich. Und ich bin wieder einmal dankbar und regelrecht baff vor Staunen, wie Gott (wohlgemerkt: ER!) die Puzzelsteine mit der Ihm eigenen Geduld Stück für Stück zusammensetzt.


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* leider bin ich aus heute genanntem Grund Mai nun doch nicht - wie im Gebetsbrief angekündigt - dazu gekommen, mehr zum Missional Action Plan zu schreiben. Im Juni dann.

28 Mai, 2012

Der Mai...

... ist hier immer ein etwas eigenartiger Monat. Vielleicht liegt es daran, dass sich hier innerhalb kürzester Zeit die nordische Metamorphose vom Winter zum Sommer vollzieht. Während am 30. April kaum ein Blatt an den Bäumen hing und das Gras noch braun und platt auf dem Boden lag, so ist jetzt Hochsommer angesagt. Nachts wird es nicht mehr stockfinster, wo man neulich erst mit Eisskatern unterwegs war, ist jetzt baden angesagt.

Das bewegt die nordischen Gemüter, und niemand will auch nur einen Sonnenstrahl verpassen. Die Veranstaltungskalender sind gefüllt bis zum Platzen. Der Körper erwacht dank der ungewöhnlich hohen und langen Lichtduschen ebenfalls aus seinem Winterschlaf, und alle sind aktiv.

Vor drei Jahren haben wir aus diesem Grund unser TjänaStan in den Mai gelegt, eben weil dies der Monats des Erwachens ist. Nach unseren bisherigen Erfahrungen merken wir aber auch, dass im Mai fast zu viel los ist. Deshalb ist es vielleicht gescheiter, mehrere kleine TjänaStan-Events über's ganze Jahr zu verteilen. Nichtsdestotrotz dürfen wir uns den Mai nicht völlig durch die Lappen gehen lassen. Erst recht nicht, wo doch gerade hier in Angered der größte Karneval Schwedens stattfindet, ein Volksfest mit allen Farben, Musikstilen und Geschmäckern der Welt und einem mehrstündigen Umzug, ein kleines bisschen à la Rio.

Als TjänaStan Leute haben wir den letzten Wagen des Umzuges gehabt. Ausgerüstet mit unseren roten T-Shirts, Handschuhen, Müllsäcken und Müllzangen haben wir in Zusammenarbeit mit einer kleinen Gemeinde in Hammarkullen hinter dem Zug aufgeräumt. Man sagte, hinter dem Zug sei es sauberer gewesen als vor dem Zug. Schön. Schließlich hatten wir vorher eine Gebetsgemeinschaft, zwischen Riesenrad, Kebabstand, Polizeizelt und Müllcontainern. Wir haben gebetet, dass unser Einsatz auf doch ganz praktische Weise Jesus repräsentieren möge. Schön, dass es geklappt hat. Denn jeder, der Jesus einziehen lässt, ist hinterher sauberer als vorher.









PS: Wir hatten schon mal gedacht, die Aufräumaktion 2013 mit einem Mülltanz zu verbinden. Was meint Ihr???

27 Mai, 2012

Herzlichen Glückwunsch, Gemeinde!

Heute ist Pfingsten und damit der eigentliche Geburtstag der Gemeinde. Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes, dem dritten Teil der göttlichen Dreieinigkeit, begann die Existenz der Kirche. Denkt man heute an "Kirche" so fällt den allerwenigsten als erstes der Heilige Geist ein. Nun, dazu gäbe es sehr, sehr, sehr viel zu sagen, aber ich will mich heute nur auf einen kurzen Glückwunsch beschränken. Ich freue mich sehr darüber, dass Gott sich entschlossen hat, ein Abbild seiner neue Schöpfung schon hier und jetzt zu schaffen (wie zuverlässig die Kirche diese Aufgabe erfüllt und erfüllt hat, ist wiederum eine ganz andere Sache). Immerhin, das Potenzial ist gegeben, und das liegt im Heiligen Geist. Und den feiern wir heute. Herzlichen Glückwunsch, Gemeinde!

07 Mai, 2012

Gebetsbrief Mai verschickt!

Vergangene Woche haben wir unseren Gebetsbrief für Mai per E-Mail verschickt. Sollte er nicht durchgekommen sein, bitt bei uns melden.

06 Mai, 2012

Und schließlich: Die Schlussfolgerung folgert Schluss.

Das war ein kleiner Einblick in eine beliebige Woche. Die nächste sieht ganz anders aus, und die Woche vorher war wiederum ganz anders. Wenn man wirklich wissen will, wofür man als Gemeindegründer, Pastor usw. seine Zeit so einsetzt, muss man über längere Zeit eine Art persönlichen Stundenbericht führen und dann den Durchschnitt für die einzelnen Kategorien herausfinden. Ich empfehle meinem Team, vor allem aber meinen Studenten einen solchen Bericht zu ihrem eigenen Vorteil zu führen. Ohne eine solche Übersicht kann es leicht frustrierend werden, sich zu investieren ohne konkrete Resultate zu sehen und zu wissen, was man eigentlich gemacht hat.

Es ist noch besser, sich sogar im Vorfeld zu überlegen, in was man wieviel Zeit investieren möchte. Das hilft, konzentriert zu bleiben und sich nicht zu verzetteln. Mein grundsätzlicher Wochenplan für dieses Frühjahr sieht so aus:

Einen solchen Plan präsentiere ich meinem Team und bitte gleichzeitig um deren Zeitplanung. Auf diese Weise hält man sich gegenseitig verantwortlich, was in unserem Job immer wichtig ist. Das Schöne ist, dass man immer noch flexibel bleibt. Der Plan oben musste z.B. angepasst werden, weil die Kategorie "Team Leading" in dieser Saison mehr Zeit brauchte als ursprünglich angenommen. Und das zweite Schöne ist, dass Gott immer das letzte Wort hat. Er hat den großen Plan. Wir folgen ihm. Und selbst wenn wir stolz sagen können: "Ich hab'n Plan!" so bleibt das Wichtigste in allem, sich gegenseitig stets anzuspornen, Gottes Plänen zu folgen. Und Gott ist immer für unerwartete Überraschungen gut.

05 Mai, 2012

Die Kreissäge sägt Kreis. Ein Gemeindegründer...? Der typisch untypische Samstag.

Heute bin ich dran, bei Reningsborg ein "Medvandrare" zu sein. Reningsborg ist einer der größten Second-Hand "Läden" in Schweden, wenn nicht der größte. Verkauf ist nur Samstag vormittags. Medvandrare zu sein, heißt, während des Verkaufs im Café der zwei riesigen Verkaufshallen mit über 2000m2 Verkaufsfläche anwesend zu sein, und vor allem mit Leuten ins Gespräch zu kommen oder ganz einfach zu helfen, wo es nötig ist. Wir merken, dass diese Woche Gehaltsauszahlung war, die Menschenschlange vor der Eingangstür beginnt schon über eine Stunde vor Öffnung zu wachsen und erreicht heute eine Länge von rund 100 Metern. Der Laden wird rappelvoll. Viele kommen zu uns und wollen einfach nur eine Auskunft. Manchmal soll man eine Sackkarre organisieren oder beim Tragen helfen. Oder man braucht Besen und Schaufel, weil irgendjemand einen Teller fallen lässt. Heute ist ein typischer Tag.

Typisch ist auch, dass ich wieder eine Ansage über die Lautsprecheranlage mache, bitte nur auf den Parkplätzen und nicht auf der Straße zu parken. Dort ist nämlich Parkverbot und dieses wird grundsätzlich von den Kunden ignoriert. Die Parkwächter haben dies als tolle Einnahmequelle entdeckt und kommen jeden Samstag um 11 Uhr. Wir wollen aber, dass die fast 70 Euro für sinnvollere Dinge ausgegeben werden als für Parkknöllchen. Manchmal gibt es freundliche Politessen. Mit denen kann man verhandeln. Die sagen: Ihr habt zehn Minuten für Eure Ansage samt Autos wegfahren. Das ist nett. Manche geben nur fünf Minuten. Immerhin.

Untypisch ist heute, dass ein Kind seine Eltern im Gedränge verloren hat und verzweifelt weint. Das Problem löst sich aber schnell.

Ich habe ein sehr langes Gespräch mit einer Familie, die immer wieder herkommt und die wir als Medvandrare kennengelernt haben. Heute führt dieses Gespräch zu einer Einladung der ganzen Familie zu ihnen nach Hause, und zwar für den ganzen Tag. Der morgige Tag ist damit komplett ausgebucht.

Auf dem Heimweg muss ich noch dringend einkaufen. Die Teenagerbande zu Hause hat wie die Heuschrecken alles leergefressen.

Morgen ist "Expressions". Doch der Redner, der zum Thema "Ist der Schwede ein Mensch?" sprechen sollte, kommt nicht. Erst wollte ich es selbst übernehmen, dann habe ich eingesehen, dass es zu viel ist. Es soll stattdessen ein Filmabend werden, doch den muss ich erst organisieren, und das ist meine Samstagnachmittagsaufgabe. Ich informiere alle möglichen Gäste, suche einen bestimmten schwedischen Film, finde ihn nicht und entscheide mich schließlich für "Så som i himmelen" - Wie im Himmel, DER schwedische Klassiker schlechthin.

Jeder Gebetsbrief muss noch mehmals feingeschliffen werden. Heute ist der erste Feinschliff der Rohversion vom Donnerstag dran.

Abends bin ich müde. Ich sehe mir "Pink Panther" mit Nils und Svea an. Doch schlafen kann ich hinterher nicht. Zu viele Gedanken schwirren in meinem Kopf herum. Wie sieht der H2O nach der Sommerpause konkret aussehen? Wie hat der Herr bisher geführt, und was macht Er nun? Ich nehme meine Bibel, eine Konkordanz, Farbstifte und einen leeren Block, und ich versuche, meine Gedanken zu ordnen. Das Ganze führt zu einigen Skizzen, Pfeilen, Gebeten und einem Gedicht. Um halb drei kommt mein Geist zur Ruhe und ich kann schlafen.

04 Mai, 2012

Der Lückenbüßer büßt Lücken. Ein Gemeindegründer...? Ein typisch untypischer Freitag.

Der Tag beginnt, wie fast jeder, mit einer Andacht noch vor dem Aufstehen. Heute ist Gal 2,19 dran: Ich bin mit Christus gekreuzigt! Na, passt doch wunderbar zum Thema letzten Sonntag. Möglichst keinen Tag das Bett verlassen, bevor die Wahrheit Gottes nicht das Herz erreicht hat.

Heute verdient der Freitag ausnahmsweise mal seinen Namen. Ich habe frei! Mit Auschlafen ist zwar nix, weil die Kinder ja losmüssen, aber danach... Ich brauche eine ganz bestimmte Schraube mit Zollgewinde und passender Mutter und dazu muss ich ausnahmsweise das Auto benutzen (sonst machen wir hier alles mit den Öffentlichen), doch das Gesuchte finde ich nicht. Auf dem Weg löst sich der Auspuff - nach sechs Jahren gibt er den Geist auf, Mist. Schließlich muss ich doch tatsächlich noch mit dem Bus in die Stadt fahren zu einem kleinen Eisenwarenhandel - und die haben tatsächlich meine Schraube. Als ich wieder heimkomme ist es zwei Uhr - na, so hatte ich mir den Vormittag eigentlich nicht vorgestellt.

Nachmittags drehe ich eine längere Joggingrunde mit Hund - in gut zwei Wochen ist schließlich Halbmarathon. Ole hat eine Gang Teenager zur Übernachtung eingeladen, die sich Essen kochen und später Filme sehen.

Heute Abend wäre eigentlich Pub Night. Ungefähr einmal im Monat haben wir ein lockeres Treffen mit all unseren Freunden in einer englischen Kneipe. Das sind immer klasse Abende, aber nachdem Ole Freunde zu Hause hat, Nils später von einem Jugendgottesdienst abgeholt werden muss und Svea von einer Geburtstagsparty auf Donsö und obendrein Karen noch nicht zurück ist, wird das Weihenstephaner Weißbier, welches es in diesem englischen Pub auch gibt, heute wohl ohne mich getrunken werden müssen. Als alle Kinder wieder gut daheim sind gehe ich mit Buch ins Bett und schlafe ein, noch bevor der Buchdeckel aufgeklappt wird.

03 Mai, 2012

Ein Brückenpfeiler pfeilt Brücken. Ein Gemeindegründer...? Ein typisch untypischer Donnerstag

Es saut und pinkelt da draußen, furchtbares Sauwetter. Die Jungs sind bester Laune beim Frühstück, weil Bayern gestern gegen Barcelona gewonnen hat.

Heute ist Kommunikationstag - bloggen und einen neuen Gebetsbrief schreiben. Gebet und regelmäßige Kommunikation mit Unterstützern, Betern und Freunden gehören zu den größten Herausforderungen der Missionare. Ein guter Gebetsbrief kann locker ein bis zwei volle Arbeitstage in Anspruch nehmen, bis er draußen ist, selbst im E-Mail-Zeitalter. Es gibt einige Gebetsanliegen, über die ich unsere Beter informieren möchte, deshalb ist das heute dran.

Später am Nachmittag geht es zur Schule. Nils nimmt dieses Jahr an einem Schüleraustausch mit Spanien teil, und heute ist ein Informationsabend für die Eltern.

Abends ist unser vor wenigen Wochen neu begonnenes Gebetstreffen bei Familie Berglund in Rannebergen angesetzt. Eineinhalb Stunden treffen sich H2O-Leute um miteinande für die Stadt, für H2O und für uns selbst zu beten. Eine wunderbare Sache!


02 Mai, 2012

Der Dauerbrenner brennt dauer. Ein Gemeindegründer...? Ein typisch untypischer Mittwoch.

Heute morgen nehme ich den Bus schon um 7.01 nach Angered Centrum. Von dort spaziere ich zum H2O-Center. Reningsborg richtet ein Frühstück für Mitglieder des "Unternehmervereins Angered" aus. Nachdem dies in den H2O-Lokalitäten stattfindet (die ja Reningsborg gehören), war ich also auch eingeladen. Und so kamen sie alle - die Nachbarn von BASF, dem Arbeitsamt, Sicherheitsdiensten und viele mehr. Ein typischer Fall von "Organizational Networking" - dabeisein ist alles, sehen und gesehen werden, Visitenkarten nehmen und austeilen, hören und hören (und dann erst reden). Da sind doch alle Menschen gleich, erst Vitamin B macht den Unterschied. Für ein Pionierprojekt wie H2O ist Netzwerkaufbau entscheidend. In den ersten Jahren habe ich viel daran gearbeitet, ein Netzwerk unter den bestehenden Kirchen und Gemeinden aufzubauen. Nun ist das "weltliche" Netzwerk dran, schließlich wollen wir ja in der Welt Reich Gottes bauen.



Nach einem guten Frühstück ist ein bisschen Büroarbeit dran. Es sind eine Menge E-Mails, die auf Antwort warten.

Um 10 Uhr ist es Zeit für meine wöchentliche "Inspirationsrede" vor dem Reningsborger Personal samt allen Klienten für Arbeitstraining und Rehabilitierung. Für diese Rede gibt es eine lange Liste an Anforderngen. Die darf nicht zu lang sein und nicht zu schwer. Einfache Sprache, inpirierend, humorvoll. Christlich, aber keine Predigt. Die Bibel darf zitiert, aber es darf nicht aus ihr vorgelesen werden. Man muss Respekt vor Angehörigen anderer Religionen und Kulturen deutlich werden. Heute erzähle ich von meiner Begegnung mit dem Hardrocker gestern. Quintessenz: Wir haben meistens keinen Funken Ahnung, welch bewegende Lebensgeschichten sich um uns herum befinden und wir machen uns selten die Mühe, sie herauszufinden. Doch für Gott sind sie alle gleich wichtig.

Danach habe ich ein Treffen mit einem weiteren Teamkollegen. Vom Frühstück übrig gebliebene Semmeln werden mir zum Mittagessen.

Noch mehr Büroarbeit, und später am Nachmittag ist es Zeit für ein Skypegespräch mit meinem Mentor. Kevin, strenggenommen mein CA-Vorgesetzter, ist eher wie ein Vater für mich. Wir versuchen ein- bis zweimal monatlich zu skypen. Es ist jedes Mal sehr aufbauend für mich und gibt mir Stabilität für meinen Dienst.

Dann kommen noch ein paar Telefongespräche rein. Eine Studentengruppe will an einem Montag im Mai auf Studienbesuch kommen. An einem Montag? Also gut, ok dann.

Ich gehe nach Hause. Karen ist nicht da, sie ist auf einer Hillsong-Frauenkonferenz. Das ist ihre jährliche Auszeit zum Auftanken. Ich esse mit den Kindern und lese danach. Doch ich schlafe ein übers lesen. Um 8 Uhr lege ich mich schlafen.

01 Mai, 2012

Die Stichprobe probt stich. Ein Gemeindegründer...? Ein typisch untypischer Dienstag.

Dienstag, der Pastorenmontag. Heute ist Personaltreffen angesagt. Alle CA-Mitarbeiter treffen sich von 9 bis max. 11. Heute ist auch Don (der von gestern Abend) zu Gast.
Jedes Treffen beginnt mit einer kurzen Andacht und einer Gebetsgemeinschaft (das heißt, dass nicht nur einer betet, sondern jeder ein freies Gebet sprechen kann).

In unserem Büro haben wir ein Whiteboard an der Wand hängen mit einem Wochenplan. Jeder schreibt für jeden Tag einen Post-it-Zettel mit den Dingen, die er oder sie für diesen Tag geplant hat. Bevor man seine Zettel für den jeweiligen Tag auf's Whiteboard heftet, nimmt man die Zettel der vergangenen Woche herunter und berichtet allen, wie's gelaufen ist - was hat geklappt oder nicht geklappt, was lief wie geplant, was nicht, was können wir feiern, wo ist Hilfe nötig. Auf diese Weise werden alle im Team auf dem neuesten Stand gehalten und jeder weiß, was gerade so los ist.



Diese Woche gibt es noch ein paar organisatorsiche Fragen. Wir stellen die Frage in den Raum, was wir im Herbst ändern wollen oder müssen, wenn wir dort mehr Fokus auf Gemeindegründung legen wollen (ich berichtete ja vor einigen Tagen davon). Außerdem hat Don, der heute ja zu Gast ist, ein paar Fragen an uns.

Vom Teamtreffen begebe ich mich direkt zu einem Treffen der ALT-Studenten, die zweieinhalb Tage eine Art Studienfreizeit in Göteborg haben. Ich war gebeten worden, am Dienstagnachmittag auch mit dabei zu sein, vor allem, weil dann auch ALT-Personaltreffen mit allen Kollegen ist.

Als ich aus dem Bus aussteige klatscht sich ein leicht punkmäßig gekleideter junger Mann mit langem Pferdeschwanz an der Haltestelle mit einem lautem "NEIN!" an die Stirn. Er sieht verzweifelt aus. Auf meine Frage, was denn los sei stellt sich heraus, dass er aus Stockholm ist und seinen Koffer im Zug vergessen hat. Im Koffer befanden sich lebenswichtige Medikamente, die er mehrmals täglich nehmen muss. Es ist möglich, sich spontan das Auto von einem der ALT-Studenten zu leihen und ich fahre ihn zu einer Apotheke. Dort gibt es aber nicht alle diese spezielle Medizin und wir sind gezwungen, ins Krankenhaus zu fahren. Dank des schwedischen Systems mit Personennummer und papierlosen Rezepten (muss ja auch Vorteile haben...!) bekommen wir alles, was er braucht. Wir kaufen auch noch etwas Kleidung und Hygieneartikel ein. Es stellt sich heraus, dass dieser junge Mann der Schlagzeuger einer Hardrockband ist. Nach einer geglückten Lungentransplantation spüre er die zweite Chance, die Gott ihm gegeben habe. Wenn ich mal wieder nach Deutschland gehen sollte, um dort Kirchenarbeit zu machen, wolle er mit mir kommen.

Den Rest des Tages verbringe ich mit ALT auf Sjöatorp. Gegen halb zehn bin ich wieder daheim.

30 April, 2012

Der Zitronenfalter faltet Zitronen. Ein Gemeindegründer...? Ein typisch untypischer Montag

Montag. Der "Pastorensonntag". Eigentlich hätten wir heute frei.

Eigentlich.

Heute aber nicht. Wir haben ein wichtiges Treffen mit Teammitgliedern, das sich nicht anders legen ließ. Für uns als Teamleiter ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit auch, sich um das Team zu kümmern. Hier haben wir in den letzten Jahren extrem viel lernen können, denn unser deutsches Erbe in Sachen Menschenführung wies unglaubliche Lücken auf. Wir sind sehr, sehr froh, bei CA sein zu dürfen, wo wir was das angeht von lauter Vorbildern umgeben sind, von denen wir lernen können, die sich auch um uns kümmern und uns immer wieder Mut machen oder die richtigen Fragen stellen.

Den ganzen Vormittag sprechen wir. Es ist ein entscheidendes und gutes Gepräch, welches wir mit einer guten Gebetszeit abschließen. Danach müssen Karen und ich noch eine Zeit miteinander reden.

Anschließend kommt ein wichtiger Gast. Der Leiter von "Entwicklung Angered" kommt, um sich die Büroräume unseres Partners Reningsborg anzusehen. Indem wir als H2O uns um die Vermietung der Räume bei Reningsborg und die Mieter kümmern, bezahlen wir als H2O sozusagen unsere eigene Miete an Reningsborg. Das ist eine sehr gute Lösung.

Dieser Montag ist eh nicht frei. Ich nutze einige Stunden des Nachmittages, um mich in die neue Videosoftware einzuarbeiten, die ich vor einigen Wochen für unser "Projekt Filmpredigen" angeschafft habe.

Gegen Abend kommt Don zu uns nach Hause. Er ist der Missionsleiter einer größeren amerikanischen Denomination (CGGC) und gerade in Göteborg zu Gast. Ich habe ihn zu einem Interview eingeladen, weil ich nun viel Filmmaterial für unsere Projekte brauche, u.a. für eine zukünftige Dokumentation über Mission im 21. Jahrundert. Die Fragen hatte ich ihm schon zukommen lassen. Mit zwei Tageslichtlampen, Kameras und einem Mikro verwandelt sich unser Wohnzimmer in ein provisorisches Studio. Das Interview dauert eine viertel Stunde. Der Gemütlichkeit halber baue ich danach alles gleich wieder ab, damit wir noch in Ruhe und bei einer Tasse Tee etwas plaudern können.

Um halb zehn ist dann Ruhe im Haus. Ich les noch etwas im Bonhoeffer.